In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
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[EMW-Kurs explizit offen für Design-Studierende]
Wie wird Ostdeutschland heute erinnert – und von wem? Neben der Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus ist die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur ein zentraler Bestandteil der bundesdeutschen Erinnerungspolitik. In regelmäßigen Abständen, etwa zu Jahrestagen wie dem Tag der Deutschen Einheit, wird dabei auch immer wieder gefragt, wie weit die Annäherung zwischen Ost und West tatsächlich fortgeschritten ist und ob Ostdeutschland „anders bleibt“. Solche Debatten prägen öffentliche Erinnerungskulturen, lassen jedoch häufig andere Perspektiven im Hintergrund.
Das Seminar versteht sich als Einführung in zentrale Fragen der Ostdeutschlandforschung mit einem besonderen Fokus auf Erinnerungskultur. Während diese Debatten häufig in der Geschichts- oder Sozialwissenschaft geführt werden, interessiert uns im Seminar vor allem ihre mediale Dimension: Wie werden ostdeutsche Erfahrungen erzählt, dargestellt und weitergegeben? Welche Bilder, Narrative und Formen des Erinnerns prägen das Verständnis der Transformationszeit nach 1990? Neben offiziellen Formen des Gedenkens richtet das Seminar den Blick auch auf individuellere und oft weniger sichtbare Erinnerungskulturen: auf familiäre Erfahrungen, Brüche der Nachwendezeit oder das, was lange unausgesprochen bleibt. In Anlehnung an psychoanalytische Perspektiven – etwa bei Annette Simon – diskutieren wir dabei auch die Rolle von Schweigen, Verdrängung und Vergessen als Teil gesellschaftlicher Erinnerungsprozesse. Im Seminar lesen wir verschiedene theoretische Positionen aus der Ostdeutschlandforschung und diskutieren, wie sich der Begriff „ostdeutsch“ selbst verändert. Dabei verstehen wir ihn weniger als stabile geografische Kategorie, sondern als relationale Zuschreibung, die immer auch ein implizites „Westdeutsch“ mitdenkt. Gleichzeitig interessiert uns, wie fragil und wandelbar diese Kategorie ist – und wie sie sich mit anderen Perspektiven, etwa migrantischen Erfahrungen, vergleichen lässt. Neben theoretischen Texten beschäftigen wir uns auch mit künstlerischen, literarischen und gestalterischen Positionen der Gegenwart. Besonders die Nachwendegeneration beschreibt in Literatur und Essays neue Formen des Erinnerns – etwa bei Autor:innen wie Anne Rabe, Charlotte Gneuß oder Sabine Rennefanz. Anhand solcher Beispiele diskutieren wir, wie sich gegenwärtige ostdeutsche Selbstbeschreibungen verändern und welche neuen Fragen dabei entstehen.
Das Seminar kann unabhängig besucht werden, bildet jedoch zugleich die theoretische Brücke für den parallel angebotenen Praxiskurs „Postostdeutsche Diagramme“, in dem die diskutierten Fragen experimentell in visuelle und diagrammatische Formen übersetzt werden. Testat: Kurze Analyse (ca. 2–3 Seiten) eines Beispiels zeitgenössischer ostdeutscher Erinnerungskultur (z. B. literarischer Text, künstlerisches Projekt, Medienbeitrag) unter Bezug auf eine im Seminar diskutierte Theorieposition.
Europäische Medienwissenschaften
M4 Europäische Kulturgeschichte und Medienkulturgeschichte
Theorie
301 Designtheorie und Designforschung Ⅰ
Perspektiven und Social Skills
505 Kompetenzvertiefung
801 Designtheorie und Designforschung ⅠⅠ
13Th-DMT Design-/Medientheorie
22Th-DMT Design- / Medientheorie
Sommersemester 2026
Montag, 10:00 – 11:30
13.04.2026
D103
August 2031