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Spyfy

Spyfy

Spyfy ist das Radio, das auf dich hört. Du musst dir nie wieder Gedanken über eine passende Playlist machen. Spyfy kümmert sich um deine Musik.

Zum Projekt Spyfy gehört eine fiktive Produktwebsite, die für das Gerät wirbt.

Hintergrund

Wir leben in einer Welt, in der Computer zunehmend allgegenwärtig und kaum mehr wahrnehmbar sind. Ihre Steuerung erfolgt nicht über klassische Eingabegeräte sondern über Touchoberflächen, Gesten oder Spracheingaben. Dies ist die Technologie, die uns zunehmend umgibt, dies ist die Technologie, mit der die meisten Menschen ihre Haushalte ausstatten.

Ein Tweet von Parker Higgins (@xor) inspirierte uns zur Entwicklung von Spyfy. Higgins vergleicht die Datenschutzerklärung der Fernseher des Elektronikherstellers Samsung mit einem Auszug aus dem Science Fiction Romanklassiker „1984“ von George Orwell.
In Samsungs Datenschutzerklärungfand sich lange Zeit folgender Satz:

Please be aware that if your spoken words include personal or other sensitive information, that information will be among the data captured and transmitted to a third party through your use of Voice Recognition.

In 1984 schreibt Orwell über den „telescreen“, ein Gerät, dass zwangsweise in jeder Wohnung installiert wurde:

Any sound that Winston made, above the level of a very low whisper, would be picked up by it, moreover, so long as he remained within the field of vision which the metal plague commanded, he could be seen as well as heard. There was of course no way of knowing whether you were being watched at any given moment.

Kern unseres Projektes ist die Frage, ob wir die Technologien, die uns umgeben, einschätzen können. Wissen wir, was für Daten sie über uns sammeln? Wissen wir, ob diese Daten wirklich für die Funktion des Gerätes notwendig sind? Wissen wir, was mit diesen Daten geschieht?

Wir wollten ein Gerät bauen, das bewusst mit diesen Fragen und den damit verbundenen Unsicherheiten spielt und den Nutzer im Unklaren darüber lässt, wie es genau funktioniert.

Beispiele für eben solche Projekte oder Phänomene sind etwa Whisper oder „Aaron Paul turns on my XBox One“.

Idee

Spyfy spielt auf Knopfdruck Musik ab. Der Fluss der Musik endet nie, stets folgt ein Titel auf den nächsten.

Die Playlist wird von Spyfy über eine integrierte Spracherkennungssoftware erstellt. Spyfy zeichnet hierfür Geräusche in der Umgebung auf und analysiert sie auf Sprachfetzen. So entsteht eine praktisch unendliche Playlist, die kontinuierlich abgespielt wird.

Technische Umsetzung

Software

Spyfy basiert auf einem Raspberry Pi, der mit Spracherkennungssoftware ausgerüstet ist. Jedes Geräusch im Raum wird von Spyfy aufgezeichnet und auf Gesprächsinhalte analysiert. Wenn Spyfy ein Wort erkennt, wird mit diesem Wort ein Song aus dem Spotify Musikkatalog gesucht und zur Playlist hinzugefügt. Die Playlist wird kontinuierlich wiedergegeben.

Der Quellcode des Projektes findet sich auf GitHub.

Verwendete Software:
- Spotify Premium
- PyAudio (Python Package)
- pyspotify (Python Package)

Hardware

Über einen sensitiven Touchsensor - versteckt unter einem Hauch von Kork - an der Oberfläche des Gerätes lässt sich die Wiedergabe pausieren oder die Lautstärke anpassen. Spyfy kennt keinen Ein- oder Ausschalter. Das Befüllen der Playlist und somit auch die Sprachaufzeichnung läuft durchgehend.

Das Gehäuse des Gerätes ist aus Aluminiumblech gebogen. Die Lautsprecherausgänge bestehen aus Kunststoff (PLA) und wurden mittels des FDM (Fused Deposition Modeling) 3D-Druck Verfahrens auf dem Makerbot 2 gefertigt.

Verwendete Hardware:
- Raspberry Pi
- USB Mikrofon
- sensitiver Touch-Sensor
- USB Lautsprecher

Fazit

Spyfy war für uns ein spannendes Experiement mit Spracherkennungstechnologien. Wir waren erstaunt darüber, wie es schon mit einfachsten technischen Mitteln möglich ist, Sprachüberwachung und -analysen durchzuführen.

Dank geht an Sebastian Schmieg für die Betreuung des Kurses sowie den wertvollen Input bei der Konzeption und Umsetzung des Projektes.

Art des Projekts

Studienarbeit im Grundstudium

Betreuung

Sebastian Schmieg

Zugehöriger Workspace

The Opposite of Smart Is…

Entstehungszeitraum

Sommersemester 2015

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