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Grundlagenkurs Produktionsprozess Druck

Grundlagenkurs Produktionsprozess Druck

In diesem Projekt dokumentiere ich meine Ergebnisse aus dem Grundlagenkurs Produktionsprozess Druck von Christine Mangelsdorf.

Idee

Im Rahmen des Kurses sollte ein Druckerzeugnis bzw. Buch entstehen, welches sich mit dem Thema Kontraste auseinandersetzt. Meine Idee war es ein Fotobuch zu gestalten, welches – bestehend aus Bildern die ich während einer Reise durch Asien gemacht habe – sich mit dem Kontrast von Stadt zu Natur beschäftigt. Die Bilder des Buches sind schwarz-weiß und werden eingerahmt von den beiden einzigen Farbbildern die den Kontrast von rot (Stadt) zu blau (Natur) stark deutlich machen.

Für die Bindung habe ich mich thematisch passend für eine japanische Fadenbindung entschieden.

Außerdem wollte ich einzelne Seiten mit Hochdruck versehen. Hierzu habe ich Stempel mit Auszügen aus einem Gedicht, übersetzt in die jeweilige Landessprache, angefertigt.

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Druckprozess und Proof

Wir haben uns eingangs ausgiebig mit den verschiedenen Farbprofilen beschäftigt. Für mich war das größtenteils Neuland da ich mich als gelernter Fotograf bisher eher mit Fine Art Druck auseinandergesetzt hatte. Das simulieren des Offset Drucks war aber nicht allzu kompliziert und das Arbeiten mit den verschiedenen Farbprofilen war gut verständlich. Es war außerdem sehr hilfreich, dass wir im Rahmen des Kurses auch nochmal die Basics zu inDesign besprochen haben. So konnte ich für mein Buch ohne Probleme finale Druckbögen anlegen. 

Meine Seiten haben die Maße 19cm × 19cm.

Ich habe alle Bilder vorher in das Farbprofil ISO Coated v2 (ECI) umgewandelt und angepasst.

Auf jeden Druckbogen habe ich 2 Seiten eingepasst und Beschnitt von 3mm hinzugegeben.

Die fertigen Druckbögen wurden als PDF/X-3:2002 exportiert und die Bilder mit der ZIP Komprimierung versehen um möglichst verlustfreie Dateien zu erhalten.

Gedruckt habe ich auf Brilliant Supreme Matte Papier mit 230gsm und 17 Zoll Breite. Dadurch konnte ich das Format immer gut ausnutzen und jeweils 2 Seiten nebeninander drucken.

Die Seiten wurden dann in Mirage geöffnet und für den Druckauftrag vorbereitet und dann über den großen Epson Drucker gedruckt.

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Außerdem sollten wir uns auch mit dem Thema „proofen“ beschäftigen. Hierzu habe ich Origamipapier mit einer Musterung verwendet, das später auch auf den Innenseiten meiner Buchcover wiederverwendet wurde. Das Papier habe ich gescannt und dann in Photoshop mit aktiver Proofansicht und dem entsprechenden Farbprofil (ISO Coated v2 (ECI)) nachbearbeitet. Hierzu habe ich an den kalibrierten Eizo-Monitoren gearbeitet und das Ergebnis vom Bildschirm immer wieder mit dem Original unter einer Tageslichtlampe verglichen. Dieser Prozess beinhaltet viel finetuning und mir ist bewusst geworden wie viel Zeit man in einen „farbechten“ Ausdruck bzw. eine „farbgetreue“ Reproduktion stecken kann. Nachdem mein erster Proof noch einen deutlichen Blaustich hatte, habe ich mithilfe verschiedenster Einstellungsebenen bei meinem zweiten Proof ein besseres Ergebnis bekommen. Diese Proofs wurden dann auch über den Epson Drucker gedruckt und mit entsprechender Farbskala sowie Proofsiegel versehen.

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Schneiden, Bohren, Rillen

Der nächste Schritt war es, mein Buch weiterzuverarbeiten. Hierzu habe ich die 12 Druckbögen in der Buchbindewerkstatt unter Anleitung von Friederike Goll zuerst geschnitten. Dieser Vorgang war deutlich komplizierter als gedacht und mit viel Rechenarbeit und nachjustieren verbunden.

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Die fertig zugeschnittenen Seiten habe ich dann mithilfe eines Papierbohrers mit 4 Löchern mit jeweils 1mm Durchmesser und gleichem Abstand versehen. Da der Papierbohrer allerdings eine nicht fixierbare Grundplatte hatte war auch dieser Schritt deutlich komplizierter als gedacht und mit viel Feinarbeit verbunden. Dennoch bin ich froh, dass ich mich dazu entschieden habe, da das Endergebnis sehr professionell und hochwertig geworden ist.

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Da meine Seiten sowie die Cover meines Buches sehr dick sind habe ich mich dazu entschieden sie zu rillen. Bei diesem Arbeitsschritt werden die Seiten einzeln in eine Rillmaschine eingelegt und dann durch Druck mit einer Art Falz versehen. Hierdurch wird das Umblätterverhalten des Buchs deutlich verbessert, weswegen ich mich auch für eine doppelte Rillung entschieden habe.

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Stempel

Um den Kontrast von Stadt zu Natur zu untermalen habe ich mich dazu entschieden den Text des „Wandrers Nachtlied“ von Johann Wolfgang von Goethe in die verschiedene Landessprachen zu übersetzen und mit Stempeln auf ausgewählte Buchseiten zu übertragen.

Über allen Gipfeln
Ist Ruh',
In allen Wipfeln
Spürest Du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur! Balde
Ruhest du auch.

Diese Stempel für mein Buch habe ich im 3D-Programm Blender selbst entworfen und dann mit einer speziellen Software für den 3D Druck vorbereitet. Nachdem die Drucke fertig waren habe ich sie jeweils mit Isopropanol gereinigt und unter einer UV-Lampe ausgehärtet. Leider waren bei meinem ersten Versuch einige fehlerhafte Drucke dabei weswegen ich die Stempel nocheinmal überarbeiten und vergrößern musste.

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Nachdem alles fertig war habe ich verschiedene Acrylfarben mit den Stempeln auf Papierproben ausgetestet und dann den finalen Hochdruck auf den ausgewählten Seiten durchgeführt. Das Endergebnis habe ich nocheinmal mit Klarlack fixiert und die Seiten waren nach der Trockung bereit zur Bindung.

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Bindung

Ich habe noch vor der Bindung meine Buchdeckel mit dem Origamipapier verziert und für den hinteren Buchrücken eine kleine Tasche gebastelt in die eine Übersetzung des Gedichts (deutsche Version) eingeschoben werden kann. Danach habe ich eine klassische japanische Fadenbindung etwas abgewandelt um keine Knoten auf der Vorder- oder Rückseite zu haben.

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Das finale Buch

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Fazit

Es war ein spannender Kurs mit vielen Überschneidungen zur Buchbindewerkstatt der mit extrem viel Spaß gemacht hat. Wir haben nicht nur Basics wie Farbprofile, Farbproof und Druckvorstufe im Allgemeinen besprochen sondern uns auch mit wichtigen Themen wie Datenformaten, Laufrichtung und Papierauswahl beschäftigt. Besonders beim letzteren war der Exkurs zu ethischen Papieren (Blauer Engel, etc.) sehr interessant.

Auch die Überschneidungen zur Buchbindewerkstatt waren inspirierend, da ich hierzu unbedingt auch noch einen Kurs machen möchte.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit meinem Ergebnis und froh, dass wir soviel Freiheit hatten verschiedenste Techniken und Methoden in einem selbstgewählten Rahmen auszuprobieren.

Ein Projekt von

Fachgruppe

Werkstattpraxis

Art des Projekts

Studienarbeit im ersten Studienabschnitt

Betreuer_in

foto: Christine Mangelsdorf

Zugehöriger Workspace

A1 – Grundlagen Kurs Produktionsprozess Druck

Entstehungszeitraum

Wintersemester 2021 / 2022