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Megalomania Typographic Zine: Issue 01

Vorgestellt wird meine Publikation aus dem Kurs Redaktionelle Gestaltung 0.2 - Wieso? Weshalb? Warum? Konkreter gesagt- ein kleines Riso-Zine über eine selbst entworfene experimentelle Schrift: Megalomania Typographic Zine.

Die Idee

Neben den ersten Einführungen ins Thema Redaktionelle Gestaltung sollten die Teilnehmer/-innen des Kurses sich mit der freien Auswahl einer Thema beschäftigen. Ein Thema für den Kurs habe ich nicht vorher vorbereitet, ich wusste aber schon, dass der Kurs nicht nur neue Kenntnisse im Bereich Editorial beibringen kann, sondern auch eine gute Voraussetzung ist, meine Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Deswegen war ich auf der Suche nach einem Thema, das direkt meine Interessen betrifft, d.h meine Leidenschaft für Type.

So kam ich auf die Idee, dass ein Zine in Form von Type Specimen entwickelt werden könnte- so könnte ich neben dem Kurs den Entwurf einer neuen Schrift anfangen und bzw. diese kombinieren. Schon in dieser Phase war es mir klar, dass das Arbeiten mit Riso zu spannenden Ergebnissen führen könnte, wenn es um Type Specimen geht.

Thema

Erste Schritte schon gemacht, das Wichtigste stand mir aber bevor. Ich musste nach Inspiration für meine Schrift suchen. Während meiner Recherche ließ ich das Dokumentarvideo für Yeezus, ein Album von Kanye West, im Hintergrund spielen. Ein Zufall. Oder nicht. “He has a reputation of a magalomaniac and…” hörte ich plötzlich und ich wusste schon- das Thema liegt mir vor den Augen. Der Akzent hier war auf dem Wort “Megalomania”. Ein obsoleter Begriff, der neugierig macht. Es kamen dann natürlich ein paar Fragen- was bedeutet, megalomaniac zu sein? Bin ich fähig, aus dem Blickwinkel eines “megalomaniac” zu gestalten? Obwohl die Antworten mir fremd waren, wurden die Fragen zum Antriebsrad meiner Entwürfe. Die konkrete Aufgabe, die ich mir gestellt habe- eine experimentelle Schrift mit dekorativer Funktion, die aber die agressive und wilde Ästhetik von Yeezus umfasst und neu interpretiert.

Konzept & Gestaltung

Das Zine war so geplant, dass es mehr Ausgaben eventuell in Zukunft kommen, deshalb war es wichtig, in der ersten Test-Ausgabe die Herkunft des Begriffs „Megalomania“ zu erklären. Das bringt mit sich das Gefühl für etwas dokumentatives, ist aber ein wichtiger Schritt. Damit ich die Assoziation mit einer strikte wissentschaftliche Arbeit vermeiden könnte, müssten wichtige gestalterische Entscheidungen getroffen werden, die das Layout, Setzen und Schriftwahl betreffen.

Basiert natürlich auf das zwölfspaltige Raster, das Layout folgt einem Rhytmus mit 2- und 3-spaltigen Seiten. Besonders wichtige Entscheidung für mich war das Verwenden von Auszügen im Text statt Einzüge. Einerseits könnte das Geschmacksache sein, andererseits vertrete ich die Position, dass die Auszüge in einer Publikation zeitgenössisch und modern wirken. Darüber hinaus bringen sie eine besondere Ästhetik und machen sowohl die Grenze zwischen Absätzen definitiv klarer, als auch den Übergang Weißraum-Text ein bisschen gleichmäßig, was auch das Prozess von Lesen positiv beeinflussen könnte (persönliches Experiment).

Die Schriftwahl machte ich ohne viel darüber nachzudenken, weil mir schon klar war, was ich brauche und wonach ich suche. Für den Zweck wurde eine geometrische Grotesk-Schrift verwendet, inspiriert von alten Design-Katalogen. Weil ich eine open source Schrift genommen habe, werden ein paar Korrekturen bei den Kleinbuchstaben gemacht, damit die Schrift meinem Geschmack entspricht. Ich konzentrierte mich darauf, nur eine Schrift zu verwenden. Diese Entscheidung wurde wegen der Dynamik in dem 2. Teil der Publikation getroffen, wo meine Entwürfe dargestellt werden. Das Verwenden von einer weiteren Schrift für Titel, Überschriften usw. könnte eventuell in diesem Fall kitschig und chaotisch auswirken.

Risodruck

Das Drucken mit dem Riso hat dazu beigetragt, eine analoge Ästhetik zu schaffen. Das Heft war schon seit Beginn des Kurses so geplant, dem Riso-Druckprozess zu entsprechen. Ich habe mich für ein 2-farbiges Heft entschieden- einerseits werden zuerst ein paar Glyphs, die mir besonders gefallen, schwarz-weiß vorgestellt, andererseits wollte ich das volle Leistungsvermögen von Riso verwenden, was zu ein paar 2-farbige Experimente am Ende der Publikation führte. Ich glaube, dass Risodruck als Drucktechnik zu Publikationen solcher Art völlig passt und dem Zweck entspricht.

Eine Herausforderung in dieser Phase des Kurses war, die richtige Reihenfolge der Seiten zu finden. Ein 2-farbiges Riso-Heft bedeutet theoretisch 4x Drucken & Trocknen jedes einzelnen Bogens. Deswegen war es wichtig, rational zu denken und die Bögen neu zu ordnen, damit die Publikation im vorhandenen Zeitraum sowie vorhandenen Druckterminen fertig war. Natürlich sollten ein paar schon vorbereiteten Sachen ausfallen- das finde ich auch nicht schlimm- man lernt so, nach Qualität in den Entwürfen zu suchen und seiene eigene Arbeit nach Priorität/Funktionalität zu ordnen.

Das Endformat der Publikation ist 19.5x27 cm. Die Auflage ist 20, hand numbered. 10 Stück kommen mit einem Variant-Cover aus grünem Cardboard.

Fazit

Zum Schluss möchte ich darauf betonen, dass ich im großen und ganzen vom Kurs definitiv zufrieden bin. Der Kurs war intensiv und viel wurde aus den Einführungen ins Thema Editorial gelernt. Interesse an Design-Bücher und Publikationen hatte ich schon vor Studium, deshalb war es ein tolles Abenteuer, die Kontrolle auf eine eigene Publikation zum ersten Mal zu haben.

Nach dem Kurs fühle ich mich sicherer bei der Arbeit mit InDesign und bzw. bei dem Prozess von Setzen, weil ich InDesign bisher nur für andere Zwecke, z.B Farbseparation, verwendet habe. Entscheidungen für Design-Probleme waren schnell zu treffen, was den Kurs dynamisch machte. Aus diesem ersten Versuch für selbst publiziertes Heft bin ich zufrieden. Das Ergebnis ist so geworden, wie ich mir vorgestellt habe, die Neugier auf Megalomania war da, bis der Letzte Bogen völlig gedruckt war. Die Korrekturen, die ich machen würde, betreffen mehr die entworfene Schrift statt die Publikation selbst, trotzdem würde ich mich mehr mit Setzen auseinandersetzen und tiefer in dem Bereich eintauchen.

Ich bin sehr dankbar für das Input, das ständige Support sowie die Ratschläge, die ich von Prof. Franziska Morlok und Felix Walser bekommen habe.

Ein Projekt von

Fachgruppe

Kommunikationsdesign

Art des Projekts

Studienarbeit im Grundstudium

Betreuung

Prof. Franziska Morlok Felix Walser

Zugehöriger Workspace

Redaktionelle Gestaltung Wieso? Weshalb? Warum? 02

Entstehungszeitraum

Sommersemester 2019

Keywords

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