In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
Dokumentation für den Kurs »Moving Stills« in StopMotion, WiSe 17/18, FHP, Alexander Giese, 1. Semester, KD
Als ich den Kurs wählte, war mir bereits bewusst, dass es sehr aufwendig wird. Ich hatte große Lust zu animieren und auch in Themen wie Story-telling und Dramaturgie einzusteigen. Besonders gespannt war ich auf die verschiedenen Methoden und Techniken, die wir benutzen würden.
Meine erste Idee für das Daumenkino war eine Art Drahtfigur aus einer durchgehenden Linie, die einen Flicflac macht. Es sollte zuerst eine Linie ins Bild kommen, aus der sich die Figur bildet. Danach sollte die Figur mit der Bewegung beginnen.
Beim Skizzieren des Storyboards hatte ich jedoch etwas Probleme beim Zeichnen. Eine der Frames sah eher aus wie ein Zombie, anstatt eines Menschen. Im Gespräch mit Freunden entwickelte sich daraus dann der Gedanke, einen Zombie zu zeichnen, der auf einer Banane ausrutscht,
sodass er schließlich aus dem Bild herausfliegt und sich in einzelne
Linien auflöst.
Hier das Storyboard und der improvisierte Lichttisch, den ich zum Zeichnen der einzelnen Frames genutzt habe:
Hier einmal das Daumenkino beim Durchblättern:
Passwort: blättern
Passwort: zombie
In Vorbereitung auf unser erstes „richtiges“ Projekt fanden wir uns im Rahmen eines Workshops mit Steve Gödickmeyer in Gruppen zusammen. Gemeinsam sollten wir ein fliegendes Objekt animieren, sodass es im Loop abgespielt werden kann. Meine Gruppe bestand aus Minji Jeong, Clemens Hauswald, Kaja Weniger und Sabrina Spurzem.
Wir hatten die Idee eine Story im Weltraum zu erzählen. In unserem Film sollte ein unbekanntes Wesen (später SpaceAmöbe genannt) im All geometrische Körper fressen und sich deren Ecken einverleiben, sodass es sie mit entsprechend einer Ecke weniger wieder frei gibt.
Für die Umsetzung entschieden wir uns für Cut-Out-Technik. Das war in hinblick auf den gegebenen Zeitrahmen des Kurses realistisch. In der Gruppe haben wir uns die Aufgaben gut aufteilen können. Kaja, Sabrina und Minji zeichneten die Amöbe und die geometrischen Formen und schnitten sie aus. Clemens und ich bereiteten den Hintergrund, das Kamerasetup sowie die Beleuchtung vor. Beim Filmen hat die gesamte Gruppe zusammen gearbeitet.
Passwort: amöbe
Beim 2D Projekt habe ich mich erneut für Legetrick entschieden. Jedoch wollte ich dieses Mal detailreicher arbeiten und meine Figuren mit Aquarell illustrieren. Bei der Ideenfindung hatte ich anfangs Probleme, da die schier endlosen Themen und Möglichkeiten mich etwas überforderten. Ich konnte aber mithilfe von Brainstorming und Mindmaps meine Gedanken sortieren und fand ein Thema, das mich interessierte.
In meinem Film sollte ein Frosch versuchen eine umherfliegende Fliege zu fressen. Diese weicht jedoch immer wieder aufs neue aus, sodass der Frosch stattdessen Blätter und Steine frisst. Als er endlich die Fliege erwischt, gibt sie ihm schließlich den Rest.
Für die Entwicklung des Bewegungsablaufes habe ich wieder mit dem „Leuchttisch“ gearbeitet und die Outlines dann auf das Aquarellpapier abgepaust.
Danach habe ich die Hintergründe und Figuren mit Tusche und Aquarellfarbe auf Aquarellpapier nachgezeichnet und ausgeschnitten.
Passwort: frosch
Für das 3D Projekt wurde vorgegeben, mit einem simplen geometrischen Körper zu arbeiten. Er sollte in einer Fläche versinken und wieder auftauchen, während er sich in einer Bewegung befindet. Die Bewegung sollte zudem als Loop abspielbar sein. Das bedeutete, dass wir uns eine Bewegung ausdenken, einen Körper aussuchen, bauen und in Abschnitte unterteilen würden, damit wir die Bewegung darstellen können.
Mein Körper sollte eine Scheibe bzw. Münze werden, die auf einer Kante kreiselt und dabei in den Boden einsinkt und wieder auftaucht. Als Test der Bewegung und zur Veranschaulichung vor dem Storyboard habe ich mit Fusion 360 die Bewegung in 3D simuliert:
Passwort: 3dtest
Da wir für diese Aufgabe dreidimensionale Körper selbst bauen sollten, dachte ich sofort an meine letzte Führung durch die Modellbauwerk-stätten. Ich brauchte eine Möglichkeit günstig, einfach und vor allem schnell 20 - 30 verschiedene Körper herzustellen. Und das möglichst ohne lange Verfahren oder Maschinen kennenzulernen. Also entschied ich mich, mit der Hilfe von Anne Boenisch die Körper aus Blauschaum zu bauen.
Am Styrocutter konnte ich mit einer kreisrunden Pappschablone fast perfekte Kreise aus der Platte schneiden. So war nur wenig Nachschleifen nötig.
Die entstandenen 28 Teile habe ich danach in 7mm-Schritten im 45°-Winkel zerschnitten. Damit dies an einem gebogenen Körper überhaupt möglich war, habe ich mir mithilfe von zwei Linealen, einem Winkel und einem Wandlaser ein Messgerät zum Anzeichnen der Schnitte gebaut. Durch einen 45°-Keil am Styrocutter konnte ich sichergehen, dass ich auch im richtigen Winkel entlang der Markierung schneide.
Da beim Zerschneiden der Körper zwei Teile entstehen, die sich perfekt ergänzen, konnte ich die Gegenstücke wiederverwenden. So war es möglich alle Körper des kompletten Bewegungszyklus in einem Arbeitsschritt herzustellen.
Aufgrund der Schräglage und des großen Überhangs der Körper, musste ich beim Filmen jeden Körper fixieren. Das löste ich durch große Styropor-teile aus der Werkstatt auf denen ich die Körper mit Nadeln festpinnen konnte.
Mir war zwar bewusst, dass dadurch der Workflow deutlich verlangsamt wird. Welche Ausmaße diese Verzögerung annehmen würde, stellte sich aber erst später heraus.
Im Bereich Inszenierung waren meine Möglichkeiten recht eingeschränkt, da ich auf den Styroporuntergrund zum Fixieren angewiesen war. Trotzdem hatte ich mir verschiedene Inszenierungen vorgenommen:
Der Zeitaufwand bei den Szenen mit allen Teilen auf einmal im Bild war jedoch so groß, dass ich mich entschieden habe die Nadeln nicht unsicht- bar zu setzen oder später zu retuschieren. Ich wollte, dass die Entstehung des Films subtil erkennbar ist, und der Zuschauer die Chance hat, diese zu verstehen.
Durch den beschränkten Platz auf dem Styroporuntergrund war der Abstand zwischen den einzelnen Körpern sehr klein, was entsprechend wenig Platz zum Fixieren mit den Nadeln ließ. Mehrfach kam es vor, dass ich keine Nadeln verwenden konnte, da sie in benachbarte Körper geragt hätten. Also musste ich auf Fixogum-Kleber ausweichen.
In diesem Zeitraffer kann man erkennen, wie lange die Arbeit an der Szene mit der Wellenformation gedauert hat. Es enthält ca. 200 Fehlschüsse, die beim ständigen Korrigieren der Postion und des Winkels der einzelnen Körper entstanden sind. Die fertige Szene besteht eigentlich aus nur 28 Frames.
Passwort: fortschritt
Passwort: circles
Für mein freies Projekt wollte ich nicht noch einmal Zeichnen. Und zum erneuten Bauen von Körpern fehlte mir am Semesterende die nötige Zeit. Also fand ich den Legetrick als guten Mittelweg. Inspiriert durch Maditas Projekte mit Papier, wollte ich mein letztes Projekt mit Origami umsetzen.
In meinem Film wollte ich mit einem Fischschwarm arbeiten, der sich kreisförmig bewegt. Ähnlich eines Kaleidoskops oder einer Gruppe Synchronschwimmer.
Anfangs plante ich noch, die Fische aus farbigem Papier zu falten. Da es mir aber mehr um die Bewegung der Fische ging, als um deren Dialog miteinander, entschied ich mich für braunes Packpapier. So bleibt der Schwarm einheitlich und der Fokus liegt auf der Bewegung.
Für dieses Projekt filmte ich direkt auf einem weißen Tisch. Zum Einschätzen des Bildrahmens auf dem Tisch zeichnete ich mir das Sichtfeld der Kamera mit Bleistift auf die Platte. Zusätzlich legte ich die wichtigsten Positionen der Fische als Keyframes vor und druckte sie mir als Foto-Storyboard aus. Das war deutlich unkomplizierter als den Schwarm unnötig oft für ein herkömmliches Storyboard zu zeichnen.
Passwort: grumpy
In den vier verschiedenen Abschnitten des Kurses habe ich einen sehr guten Einblick in die große Bandbreite der Animation und des Films bekommen. Durch die vielfältigen Aufgaben, bei denen wir stets große Freiheiten hatten, konnte ich unterschiedliche Techniken ausprobieren und meine Ideen umsetzen.
Zudem war der Kurs sehr lehrreich zu den Themen Zeitmanagement, Selbstorganisation, Ausdauer und Frustration. Für mich war es mit jeder Aufgabe eine neue Herausforderung, wie ich die Umsetzung meiner Idee angehen kann. Passend für den gegeben Zeitrahmen musste man den Mittelweg zwischen der eigenen Idee sowie den verfügbaren Materialien und Möglichkeiten finden.
Deshalb war es aber auch eine Art Grenzerfahrung. Zum einen, weil man stets gefordert war seine Komfortzone zu verlassen. Zum Beispiel indem man mit unbekannten Materialien wie Blauschaum arbeitete, die Bewegungsabläufe von Fröschen studierte oder Premiere Pro für die Post-Produktion gelernt hat.
Zum anderen musste man immer wieder über Grenzen gehen, um den eigenen Ansprüchen oder den Ansprüchen des Dozenten gerecht zu werden. Das war besonders herausfordernd, weil wir für die gesamte Produktion eines der vier Projekte nur etwa drei Wochen Zeit hatten.
Aufgrund des „Nadelproblems“ musste ich beispielsweise eine sehr lange Nachtschicht bis in die Morgenstunden einlegen um rechtzeitig fertig zu werden. Bei einem zweiten Mal würde ich einen Körper wählen, der nicht mit Nadeln fixiert werden muss. Das würde mehr Varianten ermöglichen und den Workflow deutlich vereinfachen.
Das Entwickeln von Storyboards aus einer einfachen Idee war eine ganz neue Aufgabe für mich. Die daraus entstandenen Skizzen weiter zu entwickeln und wieder zu verwerfen fiel mir oft nicht leicht, jedoch wurde es mit der Zeit immer einfacher für mich. Durch die Konsultationen wurde mir oft noch einmal klar, wo genau ich mit meiner Story hin möchte. Manche Entscheidungen habe ich erst durch Herrn Kellers Hinterfragen bewusst getroffen.
Innerhalb des Kurses hatte ich jedoch das Gefühl, dass es recht wenig Input zu Dramaturgie und Erzählweise gab. Ich hätte mir gewünscht gemeinsam anhand von Beispielen zu analysieren, was, wie, mit welcher Perspektive etc. ausgedrückt werden kann. Auch Themen wie Beleuchtung und Post-Produktion wurden nur sehr kurz angerissen. Ein genauerer Überblick dazu wäre bestimmt für viele hilfreich gewesen.
Die Zusammenarbeit in den Gruppenarbeiten lief gut und war sehr kollegial. Schade war nur, dass darüber hinaus keine keine wirkliche Kursgemeinschaft entstand, die sich austauschte oder gegenseitig half. Die meisten haben für sich an ihren Projekten gearbeitet.
Dass wir zum Ende des Kurses kurzfristig die Möglichkeit hatten das StopMotion Filmprojekt „Laika und Nemo“ an der Konrad Wolf Filmuni- versität zu besuchen, war eine großartige Chance. Während der Führung durch die Studios und Werkstätten bekamen wir einen einmaligen Ein- blick in die Welt der professionellen Animation. Dieser Besuch zeigte, wie wichtig Details für einen authentischen und lebendigen Film sind.
Insgesamt kann ich den Kurs allen empfehlen, die Lust auf Animation und Film haben. Hier hatte man die Möglichkeiten sich frei auszuprobieren. Dabei sollte man aber auch wissen, wie viel Fleißarbeit und Geduld zum Animieren gehört.