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12 Seemeilen

12 Seemeilen

Es ist zwar eine Geschichte von vielen, die Clemens Nagel uns über die Flüchtlingsrettung erzählt. Ein paar Leben von vielen, die er auf der Iuventa, dem Rettungsboot vor der libyschen Küste, begleitet hat. Fassungslos sich nicht auf all die Schreckensnachrichten zu fokussieren, das um ihn herum Menschen sterben. Er spricht über das Leben. Das dort stattfindet. In den Menschen. In ihm und was wir vielleicht in dieser Welt anfangen zu vergessen.



12 Seemeilen - teaser trailer



Fingerübung

Um unser Auge zu schulen, wurde uns die Aufgabe gestellt vergleichend zwei dokumentarische Animationsfilme mit verschiedenen Stilelementen gegenüberzustellen. Dabei sollten Schwerpunkte herausgearbeitet werden, wie:

  • Symmetrie
  • Signalfarben
  • Musik
  • Sprachaufnahme
  • Spannungsaufbau

pw: tony



Themensuche

Entscheidung

Für unsere Gruppe war es von Anfang an wichtig ein relevantes Thema zu bearbeiten. Nach dem Aussieben mehrerer Ideen, kamen für uns zwei Themenbereiche in die nähere Auswahl. Da uns der persönliche, vertrauensvolle Kontakt zu unserem Interviewpartner sehr wichtig war, haben wir uns auf Themensuche in unserem Bekanntenkreis begeben. Dabei stießen wir auf die beiden Möglichkeiten uns näher mit dem Thema des Stimmenhörens in der Schizophrenie und der Seenotrettung auf dem Mittelmeer auseinander zu setzen.

Nach einem Besuch beim Verein »Netzwerk Stimmenhören e.V.« und dem persönlichen Kontakt in einer offenen Sitzungsgruppe, stand für uns schnell fest, um das Thema mit der angemessenen Aufmerksamkeit bearbeiten zu können, bedurfte es mehr Zeit.
Daher entschieden wir uns mit Clemens Nagel, einem Seenotretter auf der Iuventa, ein Termin auszumachen für ein erstes Kennenlernen.

Themenbeschreibung

Clemens Nagel, 24 Jahre, Student, verbrachte insgesamt einige Monate auf unterschiedlichen Seenotrettungsbooten, um Flüchtlinge auf dem Mittelmeer in Sicherheit zu bringen. Sein Haupteinsatzgebiet befand sich dabei vor dem libyschen Hoheitsgewässer.

Für das zweite Treffen arrangierten wir bei ihm Zuhause eine angenehme Interview-Atmosphäre und zeichneten bei einem von uns geführten narrativen Interview zwei Stunden Audiomaterial auf.
Da wir gerne die persönliche Geschichte eines Seenotretters erzählen wollten, baten wir Clemens darum bei sich und seinen Erlebnissen zu bleiben.
Dabei bestimmte kein Fragebogen das Interview, sondern der eigene Redefluss und Schwerpunkte die Clemens im Gespräch setzte.



Umsetzung

Das zweistündige Interview haben wir auf drei Versionen gekürzt, die unterschiedliche Schwerpunkte hatten. Wir entschieden uns für die Version, welche einen nachvollziehbaren Erzählfluss hatte und bei uns Ideen für visuelle Umsetzungsmöglichkeiten hervorrief.

Daraufhin entwickelten wir ein Storyboard, das den Zwiespalt von Clemens zwischen den Erlebnissen auf dem Mittelmeer und seinem Leben in Deutschland visuell darstellt.

Animatic_1

pw: ani1

Wir überarbeiteten unser Konzept nach der ersten Vorstellung unseres Animatics vor projekt-betreuenden Personen. Für Außenstehende war das Konzept nicht schlüssig. Die Bilder lenken von der Geschichte zu stark ab und hatten einen zu großen Eigencharakter. Das Gefühl entstand, dass zwei Geschichten konträr zueinander stehen.

Wir entschieden uns dafür eine Bildsprache zu finden, die das Gesprochene inhaltlich stärker miteinbezieht.

Animatic_2

pw: ani2



Stilfindung

Um Wasser bildlich illustrieren zu können, waren wir uns in der Gruppe von Beginn an einig, dass wir mit Aquarell arbeiten wollen, um Verläufe darstellen zu können. Bei der Recherche zur Stilfindung stießen wir auf das Titledesign von "Marco Polo", welches uns durch die Nutzung und den Einsatz von Tinte faszinierte. Daraufhin widmeten wir unsere Aufmerksamkeit auf Versuche mit Tinte auf verschiedenen Materialien.

Wir experimentierten mit verschiedenen Animationstechniken. Dabei entstand ein 360°-Schwenk.

Durch das Experimentieren und die Materialstudien, wurde klar, wie wir folglich weiter arbeiten wollten. Daraufhin erstellten uns ein Videoaufnahmestudio mit zwei Softboxen und einer Kamera.

Dort zeichneten wir die Tintenverläufe auf, die später die Hintergründe und Überblendungen ausmachen sollten.

Wir fingen an die verschiedenen Settings als Outlines zu zeichnen. Um eine Lebendigkeit in die Linien zu bringen, erzeugten wir jeweils drei Exemplare von den Zeichnungen, wodurch bei jeder Zeichnung eine gewisse Abweichung der Linienführung entstand.

Wir haben die Tintenverläufe und die Zeichnungen in After Effects importiert, bearbeitet, retuschiert und animiert.
Um Übergänge zu schaffen, ließen wir uns von Clemens Geschichte inspirieren.
Um eine homogene Grundstimmung zu schaffen und die unterschiedlichen Bildebenen zu verbinden, erzeugten ein Grundrauschen über alle Ebenen.

Sounddesign

Als die visuelle Arbeit abgeschlossen war, widmeten wir uns der Suche nach einem•r Sounddesigner•in.
Aufgrund der Anzeige verschiedener Portale und schwarzen Brettern, meldeten sich viele Soudndesigner•innen, um unseren Film zu vertonen.
Wir trafen eine Auswahl von fünf Bewerbern, denen wir ein Ausschnitt unseres Filmes zukommen ließen, um einen direkten Vergleich haben zu können.
Amparo Battaglia stieß dabei besonders hervor, da sie unsere Vorstellungen mit ihrem eigenen Stil perfekt umsetzen konnte und somit dem Film eine erweiternde künstlerische Ebene hinzufügte.
Dies war eine große Bereicherung für den Film.

Fazit

Uns fiel schnell auf, dass wir dem Thema, dem wir uns widmeten, in dem kurzen Semester nicht gerecht werden können. Darum nahmen wir uns die Zeit und arbeiten ein weiteres Semester, um unseren Vorstellungen umsetzen zu können. Wir hätten uns gewünscht, dass ein solches Projekt auf zwei Semester aufgeteilt wird. Erstes Semester Recherche und Findungsphase, zweites Semester Umsetzung.

Die Gruppenarbeit funktionierte. Wir haben uns innerhalb der Gruppe ausgesprochen gut verstanden, was die Zusammenarbeit sehr erleichterte. Es war ein großes Glück, dass wir in Stilfragen zügig auf einen gemeinsamen Nenner kamen. Es war uns wichtig, dass alle an der kreativen Umsetzung beteiligt sein konnten. Daher haben wir uns für einen Stil entschieden, der von uns allen umsetzbar war. Das hatte zur Folge, dass jeder einzelne seinem Stil nicht Ausdruck verleihen konnte.

Danksagung

Wir sind sehr dankbar, dass uns Clemens seine Geschichte erzählte und sich uns anvertraute.

Wir danken Herrn Dufke und Herrn Kotulla für die hilfreichen Kritiken bei den regelmäßigen Konsultationen und freuen uns sehr darüber, dass sie uns die Zeit gegeben haben, unser Projekt unseren Ansprüchen entsprechend gerecht zu werden.

Vielen Dank an Amparo. Es war bereichernd mit ihr zu arbeiten. Die schnelle, zuverlässige Arbeit übertraf unsere Erwartungen. Der Film erhielt dadurch ein ungemeine Aufwertung.

Carla, Thea und Hannes möchten wir ebenfalls unseren herzlichen Dank aussprechen.



Making Of



12 Seemeilen

pw: clemensnagel

Distribution

Die jetzige Herausforderung besteht nun darin, den Film auf Filmfestivals zu zeigen.