Incom ist die Kommunikations-Plattform der Fachhochschule Potsdam mehr erfahren

Smart City: Mehr Sicherheit für Radfahrer

Smart City: Mehr Sicherheit für Radfahrer

Im diesem Kurs habe ich mich der Sicherheit von Fahrradfahrern gewidmet. Dabei habe ich basierend auf Daten aus meinem User Research und der Unfallstatistik des ADFC ein fundiertes Lösungskonzept erarbeitet.

User Research

Ein sehr guter Einstieg waren mir die Interviews, die ich mit drei aktiven Fahrradfahren aus Berlin durchgeführt habe. Aus diesen intensiven Gesprächen konnte ich nicht nur viel Inspiration für mein Projekt gewinnen, sondern triftige Probleme im Straßenverkehr aufspüren.

Die wichtigsten Statements aus den Interviews sind:

  • Touristen sind überfordert
    "Die wissen nicht was Fahrradwege sind!"

  • Beim abbiegen werden viele Radfahrer übersehen
    "Ein Auto hätte mich gestern fast getötet!"

  • Schlechte Sichtbarkeit anderer Fahrradfahrer
    "Ist echt gefährlich, wenn jemand kein Licht hat!"

  • Lichtverschmutzung reduziert die Sichtbarkeit
    "Berlin ist eigentlich nie richtig dunkel…"

  • Fahrradfahrer blenden sich gegenseitig
    "Manche Lichter blenden mich fast von der Straße!"

  • Autos fahren zu dicht vorbei
    "Die Hupen eher anstatt Abstand zu halten!"

  • Kommunikation erfolgt durch Handzeichen und Blickkontakt
    "Ich fluche auch mal häufig!"

Aktuelle Statistiken belegen das größte Probleme

Wie ich ihm User Research herausfinden konnte, fühlen sich viele Fahrradfahrer im Straßenverkehr durch Autofahrer bedroht, die sie nicht oder nicht richtig sehen könnten.

Diese Angst ist nicht unbegründet, denn besonders wichtig ist eine gute Sichtbarkeit, wenn LKWs oder Autos in andere Straßen abbiegen und dabei Fahrradwege kreuzen. (Falsch)parkende Fahrzeuge am Straßenrand, unübersichtliche Verkehrsführung und der tote Winkel führen häufig zu einem erhöhten Unfallrisiko.

Ein Blick in die aktuelle Verkehrsunfallstatistik des ADFC Berlin belegt, dass sogar noch im Jahr 2015 über 1500 Fahrradfahrer auf Grund eines Fehlers von abbiegenden Kraftfahrzeugen verunglückt sind.

Quelle Grafik: ADFC Berlin

Mein Gedankengang zur Lösung

In meinem Projekt wollte ich nicht nur in die üblichen Richtungen denken (bessere Lampen, Warnwesten etc.), sondern hinterfragen, wie auch die verbaute Verkehrsinfrastruktur maßgeblich dazu beitragen kann, die Sicherheit und Sichtbarkeit von Fahrradfahren zu erhöhen.

In diesem Gebiet tun sich gegenwärtig und in Zukunft sehr viele neue Möglichkeiten auf, sei es durch die digitale Vernetzung der Stadt (Smart City) oder moderne Straßenbeleuchtungstechnologie (LED).

Dazu habe ich mich u.a. näher mit dem Forschungsprojekt "LED Laufsteg" beschäftigt. Dabei handelt es sich um einen Straßenzug auf dem Gelände des Deutschen Technikmuseums, der testweise mit modernen LED Lampen ausgestattet ist. Der Einsatz dieser energiesparenden und innovativen Technologie hat mich maßgeblich dazu inspiriert, in meinem Projekt das Thema Licht als Kernaspekt einfließen zu lassen.

Weiterhin fand ich bei meinen Recherchen interessant, dass Licht im Straßenverkehr nicht immer nur von oben oder von der Seite kommen muss: Durch spezielle Zusätze im Straßenbelag, können sich z.B. Fahrradwege tagsüber mit Licht "aufladen" und somit nachts leuchten.

Lösungsansatz

Das Problem ist also, dass sehr viel Unfälle gegenüber Fahrradfahren durch abbiegende KFZ passieren, da diese im alltäglichen Verkehrsgeschehen nicht verlässlich genug gesehen werden können.

Ich habe mich zu einem technologischen Ansatz entschieden, der darauf basiert, die Geschwindigkeit und Fahrtrichtung von Radfahrern (durch die Straßeninfrastruktur) zu erkennen und dadurch andere Verkehrsteilnehmer frühzeitig auf diese hinzuweisen.

Die Ziele meines Lösungsansatzes sind u.a.:
- Erhöhung des Sicherheitsgefühls für alle Verkehrsteilnehmer
- Intelligente Vernetzung der Infrastruktur
- Reduzierung des "Lichtchaos"
- Bevorzug von Fahrradfahrern im Verkehrsfluss

Bestandteile des Lösungsansatz:
- Ausstattung von Kreuzungsstellen mit sensorischer Technologie (LIDAR, Infrarotkameras etc.)
- Zusatzschilder, die auf kreuzende Fahrradfahrer hinweisen
- Farbliche, zeitweiße Beleuchtung von Fahrradwegen im Kreuzungsbereich
- Steuerung von Grünphasen abhängig von der Zahl kreuzender Fahrradfahrer

Automatische Erkennung von Fahrradfahrern

Dieses Video demonstriert, wie der zuvor beschriebene Lösungsansatz funktionieren könnte. Im Video ist das rote Auto zu sehen, dass sich der Kreuzung nähert und dann nach rechts abbiegen möchte. Zeitgleich nähert sich auf dem Fahrradweg ebenfalls in selber Fahrtrichtung ein Fahrradfahrer der geradeaus weiter fahren möchte.

In der Praxis könnte die Sicht des Autofahrers auf den Fahrradfahrer üblicherweise durch parkende Autos verhindert sein, bzw. durch Ablenkung nicht gewährleistet sein.

Damit das Auto sicher abbiegen kann, erkennen die Sensoren der Kreuzung automatisch den sich nähernden Radfahrer und übermittelt diese Information an das Auto.

So können verbaute Fahrassistenzsysteme darauf reagieren und ggf. den Fahrer warnen. Autonome Fahrzeuge könnten diese Daten in Zukunft natürlich ebenfalls berücksichtigen.

Gezielte Zusatzbeleuchtung

Zusätzlich zur sofortigen Übermittlung der Daten, könnte die Kreuzung ein Markierung durch Licht auf die Straße projizieren, während sich Radfahrer auf der Kreuzung befinden. So ist die Sichtbarkeit erhöht und Autofahrer können sicher abbiegen - sofern die Technologie ausreichend ausgereift ist.

Sicht des Radfahrers bei Dunkelheit

Sicht des abbiegenden Autofahrers

Mein Fazit

Da mich das Thema Smart City sehr interessiert, war es sehr spannend für mich, an diesem Projekt zu arbeiten und einmal bewusst aus Sicht des Radfahrer auf den Straßenverkehr zu blicken. Mir wurde dabei bewusst, dass trotz immer stärkerem Ausbau von Radwegen noch große Probleme unter den Verkehrsteilnehmern bestehen.

Außerdem werden Fahrradfahrer in digitalen Konzepten, z.B. zur Kreuzung der Zukunft nur selten berücksichtig.

Mir ist allerdings bewusst, dass mein Konzept trotzt seines Umfangs noch am Anfang aller Überlegungen steht, da es noch sehr viel abhängige Entwicklungen, Iterationen und Testläufe bedarf, bis man sich einer soliden Lösung nähern kann.

Ein Projekt von

Art des Projekts

Studienarbeit im Grundstudium

Betreuung

Prof. Holger Jahn

Zugehöriger Workspace

Mobilitydesign Basic

Entstehungszeitraum

Wintersemester 2016/2017

Keywords