Incom ist die Kommunikations-Plattform der Fachhochschule Potsdam

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OhneSie

Was wären wir nur ohne sie?

OhNE SIE bin ich aufgeschmissen!“ Von
Paul Max Klinski
mit freundlicher Unterstützung von
Prof. Alexandra Martini
und
Franz Dietrich
im Sommersemester 2015.

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Strukturstudien 1/5

Zuallererst ging es um Strukturstudien.
Da ich mich schon immer für Biologie interessiere und wir direkt in der ersten Stunde des 3D-Modellkurses bei Franz Dietrich mit dem Programm Rhinoceros (Rhino) Zellen nachbauen sollten, recherchierte ich nach interessanten Zellstrukturen.
Intensiver beschäftigte ich mich dann mit der sehr variablen Kieselalgenzelle.
Einerseits fand ich deren Formen, andererseits auch die Zwischenräume der Zellen interessant.
Auf dem Papier experimentierte ich mit den Zellen herum und versuchte diese auch gleich in Gegenstände sinnvoll zu integrieren.

Jedoch war ich zu der Zeit ohne sie, 1. Fantasie.
Ich zeichnete die Zellen nach und tat das, was wir als erstes bei Rhino gelernt hatten, gerade extrudieren. Also aus einer Fläche einen Körper machen. Das klappte gut. Ich konnte alle Kanten schließen, denn das war am Anfang immer so ein Problem, andauernd zeigte die Kantenanalyse an, dass „offene Kanten“ gefunden werden und somit das Objekt nicht druckbar war.

Und eh ich mich versah, hatte ich bereits meinen ersten Druck in der Hand. Auf einmal war ich begeistert. Ich stellte mir alles jetzt ganz einfach vor und setzte mich sofort wieder an Rhino. Ich hatte plötzlich so viele Ideen und wollte alles sofort umsetzen.

Ich ordnete die Zellen platzsparender an und erkannte zwischen den Zellen interessante Zwischenräume und beschloss diese zu extrudieren.

Mein Plan war es nun, daraus einen Flaschenhalter zu machen.
In die entstandenen Kanäle sollte man Flaschen stellen können. Doch die Zellen waren bei näherer Betrachtung selbst ohne die kleinen Ausbuchtungen nicht rund. Zylindrische Flaschen würden demnach nicht gut passen. Und da ich die Zellen in ihrer Form weitesgehend erhalten wollte, konzentrierte ich mich nun stattdessen auf die Zwischenräume der Zellen, die ein merkwürdiges Blumenmuster aufwiesen und eine rund Grundform haben.

Ich behielt also die Zellen und deren Zwischenräume in der Ursprungsform, brauchte allerdings noch eine Begrenzung. Da entdeckte ich, dass man, wenn man die Ausbuchtungen der Zellzwischenräume miteinander verbindet, ein (meist) gleichseitiges Hexagon erhält.

Die Idee war nun, daraus einen Bierkühler für den Sommer zu machen. Beim Drucken sollte Flüssigkeit in die Zellzwischenräume geschüttet werden, das dann, wenn es eingefroren war, die Getränke in den Zellkanälen kühlen sollte. Und gleichzeitig sollte es, wenn das Eis geschmolzen war als Wasserkissen dienen.

Nun fragte ich mich, was macht man ohne sie, die 2. Flaschen Bier? Ich plante also ein Zwischengestell, das eine Lampe beinhaltete, die dann durch eine dünne Schicht Druckmaterial durch die Bierflaschen das Licht verbreitet, aber auch ohne die Flaschen.
Ich fügte nun in das Zwischengestell ein ovales Loch ein, durch das dann die Lampe und der Akku hineingelegt werden sollten. Der Vorteil an einem ovalen Loch ist, dass Objekte, die eine schmale und eine breite Seite haben dann durchgesteckt werden können, ohne direkt wieder herauszufallen.

Zum einfachen transportieren baute ich in Rhino schließlich noch ein Tragebehältnis und versah dieses mit angedeutet ergonomischen Griffen, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie unhandlich z.B. Bierkästen nach einiger Zeit des Tragens sind.

-->Zusammengestellt wirkt das Ganze zwar etwas klobig, es sollte jedoch nur der Prototyp werden oder wie man als Interfacestudent sagt, Wireframe.
Ich stellte mir vor, dass es das perfekte Strandutensil werden könnte. Aber ich war ohne sie, 3. Information.
1. Der Körper ist gefüllt mit einer Art Stützmaterial.
2. Es kann nicht einfach so Wasser in den Drucker geschüttet werden.
3. Das Druckmaterial löst sich mit der Zeit im Wasser auf. (Ich teste gerade wie lange dieser Prozess dauert und zurzeit (Juli 2015) löst sich augenscheinlich das Druckmaterial noch nicht auf.)

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Plastik-Experimente 2/5

Ich brauchte also neue Ideen.
Gemeinsam mit einem Freund habe ich schon oft über Zukunftsideen diskutiert, wie man nie wieder ohne sie sein muss, 4. Musik.
Da ich gerne Gitarre spiele und Rythmen oft auf allen möglichen Gegenständen trommle, wollte ich ein Musikinstrument bauen, das beides beinhaltet.
Da ich bei Kommilitonen die Beschaffenheit des Stützmaterials, Drucker können schließlich nicht in die Luft drucken, gesehen habe und bemerkt habe, dass dünne längere Flächen sogar ansatzweise Töne spielen können, baute ich kurzer Hand mit Rhino ein solches Instrument meiner Vorstellung.

Ich war allerdings ohne sie, 5. Nachdenklichkeit.
Ich war so darauf erpicht, die „Guitar-Drum“ zu drucken, dass ich nicht bedacht habe, dass Plastik normalerweise keinen guten Sound produziert und weiterleitet. Außerdem waren meine Größenvorstellungen nicht mit der Kapazität der Drucker vereinbar.

Es trieb mich nun wieder zum organischen und zurück zur Lampe. Ich experimentierte mit Skelettstrukturen und baute eine Lampe hinen, die das Licht oben durch eine Kugel verströmen und teilweise Schatten der Skelettstruktur an die Wände werfen sollte. Doch hierbei den Support, das Stützmaterial, ordentlich herauszutrennen wäre nahezu unmöglich gewesen. Außer ich wäre in den Code eingestiegen und hätte mir meinen eigenen modifizierten Support gebaut. Jedoch das war es nicht, was ich in diesem Produktdesignkurs erreichen wollte.

Ich variierte die Form leicht und baute einen Blumentopf. Hierbei stand ich jedoch wieder vor dem Problem der Wasserlöslichkeit des Materials. Ich war ohne sie, 6. Lernfähigkeit.

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iHolder 3/5

Ich fing also nochmal von vorn an.
Wer möchte schon ohne sie sein, 7. Freiheit?
Ich habe ein iPad von Apple. Und Apple verkauft auch iPad Cases. Diese Cases lassen sich so modifizieren, dass das iPad in einem Winkel von etwa 75° oder in einem Winkel von etwa 35° steht. Doch brauche ich dafür einen Tisch und ich kann in manchen Positionen das Display nicht gut erkennen, da der Winkel ungünstig ist. Ich wollte mir also die Freiheit geben das iPad einerseits besser als Ferseher, andererseits als Multimedia-Controller an der Wand nutzen zu können.
Hierfür sribblete ich an einer geeigneten Form.

Das iPad sollte unbedingt auch drehbar sein, damit es einerseits als Filmwiedergabe im Querformat, andererseits im gewohnten Hochformat steuerbar ist.
Die Form sollte nicht zu klobig wirken, materialsparend und organische Formen aufweisen, aber dennoch funktional bleiben.

Ich baute also eine Form nach meinen Vorstellungen und ließ in der Mitte ein Loch frei, um den iHolder an der Wand befestigen zu können.

Für den An-und Ausschalter ließ ich auch oben eine Lücke und versenkte das Loch für die Schraube, damit diese nicht die Rückseite des iPads berührt.

Den gesamten Mittelteil erweiterte ich noch nach hinten, damit beim Drehen des iPads nicht immer der gesammte iHolder an der Wand entlang schrammt.

Ausgedruckt sah das ganze dann so aus. Da der Drucker wiedereinmal Probleme machte, dauerte es ewig und forderte fünf Fehlversuche, bis er diese minderwertige Version meines Rhinomodells ausspuckte. Außerdem war die gesamte Unterseite, wegen der zylindrischen Extrusion in der Mitte, mit 0,5cm Support überzogen. Und auch in den Nischen, die das iPad später halten sollten, war Support hineingedruckt.

Das Modell stellte sich jedoch sowieso in der Form als nicht geeignet heraus, da es so flexibel sein muss, dass das iPad hinein kann, ohne direkt wieder herauszufallen, und es muss so starr sein, dass die Nischen das iPad überhaupt halten können.
Schließlich sind die unteren beiden Ankerpunkte zum halten des iPads beim ersten herausnehmen des selbigen abgebrochen.

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iHolder? 4/5

Ich suchte also nach einer neuen Form für meinen iHolder und scribblete wieder auf Papier.

Der iHolder sollte auch ohne sie, die eigentliche 8. Funktion, die des Haltens des iPads, eine eigene Funktion oder Ästhetik aufweisen.
Die Überlegung war, dass der iHolder als Fragezeichen den Benutzer ständig daran erinnert Fragen zu haben und ihnen auf den Grund zu gehen. Denn man sollte nie ohne sie sein, 9. Fragen.

Das Modell war vermutlich jedoch immernoch zu klobig und starr. Und ließ auch an Äshetik zu wünschen übrig.

Ich entwickelte also ein Fragezeichen, das oben zwei statt eines großen Ankerpunktes hatte. Ich machte die Typographie etwas graziler und formte das Fragezeichen oben runder.

Die Ästhetik ohne iPad gefiel mir nun schon viel besser. Allerdings klaffte nun ein großes Loch zwischen der Oberkante des iPads und der Unterkante der Oberen Fragezeichenrundung. Ich entschied mich also schweren Herzens wieder dagegen, nicht weil ich nicht spürte, dass aus dem Ansatz noch etwas zu holen ist, sondern aus rein zeittechnischen Gründen.

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iHolder personalisiert 5/5

Eine andere Idee, die ich eigentlich längst verworfen hatte, war es, den iHolder zu personalisieren. Dies wollte ich anhand der eigenen Initialien schaffen. Ich fand heraus, dass mit wenig Anpassung der Typographie jeder Buchstabe als einzelner dafür geeignet wäre als iHolder zu dienen.

Doch um es wirklich persönlich zu machen brauch es schon mehr als nur einen Buchstaben. Also entwarf ich eine Reihe von Buchstabenkombinationen.

Meine Idee war es dann zusätzlich eine Software zu haben, in die dann ein bis vier Buchstaben eingegeben werden können und aus denen dann automatisch der persönliche iHolder konfiguriert wird. Mangels Zeit konnte ich diese Software nicht entwerfen, geschweige denn programmieren. Aber das Projekt werde ich noch aufnehmen.

Als Beispiel für meine Idee und zur Präsentation habe ich meine Initialien genommen und drucken lassen. Beispielhaft erstmal ohne Schraubfunktion.

Ich habe das Material jetzt auf der Fläche viel dünner entworfen und lediglich an den für das iPad wichtigen Ankerpunkten das Material verstärkt. Die Typographie ist schlich gehalten und eine Eigenkreation.

Endlich fertig gedruckt, prototypisch erstmal in gelb, passt leider mein iPad nicht hinein, da vermutlich die Hitze des Druckers das Modell geringfügig hat schrumpfen lassen.

Der Support war bei dem Modell kein Problem, da ich es, wie beschrieben, ohne Drehfunktion modelliert habe und so lediglich den Support aus den Ankerpunktnischen heraustrennen musste.

Zusammen mit meinem iPad weist das Modell aber nun die von mir gewünschte Eleganz auf.

Aus der seitlichen Ansicht kann man gut sehen, dass der iHolder exakt an die Rundung des iPad Air angepasst ist.

Dies ist leider eine fiktive Ansicht, die zeigen soll, wie das iPad in dem iHolder liegen wird. Da sich das Modell wie gesagt zusammengezogen hat, passt es leider nicht.

Dementsprechend habe ich das letzte Modell noch weiter angepasst. Es ist etwas größer skaliert und die Drehfunktion, heißt das Loch für die Schraube und deren Versenkung, ist nun auch vorhanden.

Das Modell entspricht in den ungedrucken Ansichen auch farblich eher meinen Vorstellungen. Um sich dem Stil des iPads anzupassen, sollte der iHolder auch eher schlicht gehalten sein, sprich schwarz oder weiß.

Das Modell wird letztenendes leicht und teilweise sehr flexibel sein, während das iPad sicher in den Ankerpunkten hält und durch die eigene Starrheit ebenfalls stabilisiert.
Ein langer Weg, unmöglich ohne sie, 10. Selbstkritik.

Persönliche Reflexion

Der Kurs „Onesie“ war für mich gesamtheitlich betrachtet ein Prozess, der bis jetzt noch anhält. Ein Prozess, der verschiedenste Phasen durchlaufen hat. Alle diese Faktoren sind wichtig und ich wäre nicht da, wo ich jetzt bin, wäre ich ohne sie gewesen. Sie sind unterschiedlich gewichtet, manche waren unumgänglich, andere haben den Prozess lediglich verändert, nicht alleine aufrecht erhalten. Diese Faktoren sind:

  1. Fantasie neues zu erkunden
  2. Flaschen Bier, um auf andere Gedanken zu kommen
  3. Information über verschiedenste Hilfsmittel
  4. Musik zum Arbeiten
  5. Nachdenklichkeit rational das Projekt zu überblicken
  6. Lernfähigkeit, um voran zu kommen
  7. Freiheit alles auzuprobieren
  8. die Funktion nicht aus dem Auge verlieren
  9. sich immer neue Fragen stellen
  10. ständig Selbstkritik üben.

Was wären wir nur ohne sie?

Ein Projekt von

Fachgruppe

Produktdesign

Betreuung

Prof. Alexandra Martini FD

Zugehöriger Workspace

ONESIE

Entstehungszeitraum

Sommersemester 2015