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Der Kochtopf als Co-Performer

Der Kochtopf als Co-Performer

Eine Untersuchung der Beziehung zwischen Mensch und Objekt

Essay

Der Kochtopf als Co-Performer_Khaled.pdf PDF Der Kochtopf als Co-Performer_Khaled.pdf

01 | Übung

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1. Was verbindet ihr mit den Begriffen Subjekt und Objekt?

Wenn ich die Begriffe Subjekt und Objekt höre, denke ich zuerst an Grammatik aus der Sprache. Als ich aber das Thema des Kurses gelesen habe, dachte ich zunächst, dass es um Objektivität und subjektive Meinungen geht, ich weiß nicht genau warum.

Inhaltlich verstehe ich die Begriffe so: Für mich ist das Subjekt der Mensch, der denkt, fühlt und Entscheidungen trifft, also eher aktiv ist. Das Objekt ist ein Ding, das benutzt wird und eher passiv ist. Aber heute, durch Technologien wie Handys oder Apps, habe ich das Gefühl, dass Objekte unser Verhalten beeinflussen und uns manchmal zu bestimmten Handlungen bringen. Deshalb bin ich mir nicht mehr sicher, ob die Trennung zwischen Subjekt und Objekt noch so klar ist.

2. Welche Frage hat die Kursbeschreibung bei euch geweckt, der ihr gern nachgehen würdet?

Die Frage, der ich in diesem Seminar nachgehen möchte, ist, inwiefern wir als Menschen noch als Subjekte handeln. Denn immer häufiger lässt sich beobachten, dass bestimmte Objekte oder Technologien unser Verhalten beeinflussen oder sogar steuern. Daraus ergeben sich weitere Fragen: Handeln wir dabei wirklich aus unserem eigenen Willen? Oder werden wir unbewusst dazu gebracht, bestimmte Dinge zu tun?

3. Was ist das letzte Ding, das euch überrascht oder irritiert hat?

Als ich die Kursbeschreibung zum ersten Mal gelesen habe, war der Begriff „Animismus“ für mich etwas überraschend.

Beobachtungsaufgabe

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Neuer Animismus

Animismus im Neuen Animismus bedeutet:

  • Die Welt besteht aus Beziehungen
  • Nicht nur Menschen handeln
  • Auch Nicht-Menschliches hat Einfluss
  • Unser Denken darüber kann sich verändern

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Diesen Punkt habe ich nicht ganz verstanden: Im alten Animismus gab es die Idee, dass es „animistische Gesellschaften“ gibt. Hat der neue Animismus dazu eine andere Sicht? Und was genau ist gemeint mit „verschiedene Arten der Organisation von Unterschieden und dem Umgang mit Grenzen“?

Animismus als Grenzziehungspraxis

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Phänomen benennen

Phänomen_Benennen.pdf PDF Phänomen_Benennen.pdf

Co-Performers

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Becoming a Robot

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Intervention #1

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Dieses Design verbindet zwei starke Eingriffe in die normale Funktion eines Kochtopfs. Das Ergebnis ist ein Objekt, das bewusst nicht funktioniert. Inspiration von Disfunktionalität

Der Topf kombiniert einen durchlöcherten Topfkörper mit einem runden, instabilen Boden. Der schwarze Topf hat viele kleine Löcher in seinen Wänden und steht nicht auf einer flachen Unterseite, sondern auf einer halbrunden Form. Dadurch kann er nicht stabil stehen und kippt ständig zur Seite.

Die zwei Probleme

1. Der Topf kann nichts halten

Durch die vielen Löcher können weder Wasser noch Reis oder andere Zutaten im Topf bleiben. Alles läuft sofort wieder heraus.

2. Der Topf kann nicht sicher stehen

Durch den runden Boden kann der Topf nicht auf einer normalen Herdplatte stehen. Er wackelt und verliert ständig das Gleichgewicht.

Das Ergebnis

Selbst wenn man versucht, den Topf zu erhitzen, funktioniert das Kochen nicht. Die Zutaten laufen durch die Löcher heraus, während der Topf gleichzeitig instabil ist und umkippen kann.

Der Topf macht seine eigentliche Aufgabe unmöglich.


Die Beziehung zwischen Mensch und Objekt

Normalerweise ist ein Kochtopf ein hilfreiches Werkzeug. Man vertraut ihm.

Die Handlung ist einfach:

Topf auf den Herd stellen → Zutaten hineingeben → Kochen → Essen zubereiten

Bei diesem Topf funktioniert das nicht mehr.

Der Topf verwirrt uns

Auf den ersten Blick sieht er wie ein normaler Topf aus. Er hat Griffe und die typische Form eines Kochtopfs. Aber sobald man ihn benutzen möchte, merkt man, dass etwas nicht stimmt.

Man denkt plötzlich nicht mehr über das Kochen nach, sondern über den Topf selbst.

Verlust von Kontrolle

Normalerweise bestimmt der Mensch, was mit dem Topf passiert.

Hier ist es anders. Der Mensch muss ständig darauf achten, dass der Topf nicht umkippt. Der Topf bestimmt die Situation und gibt die Regeln vor.

Vom Helfer zum Gegner

Ein normaler Topf unterstützt uns. Dieser Topf arbeitet gegen uns. Die Beziehung verändert sich von Zusammenarbeit zu Widerstand.

Forschungsfrage: Was passiert, wenn das Objekt nicht mehr unterstützt, sondern Widerstand leistet?

Wenn ein Gegenstand gut funktioniert, denken wir kaum über ihn nach. Beim Kochen konzentrieren wir uns normalerweise auf das Essen und nicht auf den Topf. Durch diese Intervention funktioniert der Topf jedoch nicht mehr wie erwartet. Dadurch wird er zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und die Handlung „Kochen“ wird zu einer ständigen Auseinandersetzung mit dem Objekt.

Ein normaler Topf wird nach seinem praktischen Nutzen bewertet. Er soll stabil stehen, Zutaten halten und das Kochen ermöglichen. Der interventionierte Topf kann diese Aufgaben nicht mehr erfüllen. Sein Wert liegt deshalb nicht mehr in seiner Funktion, sondern in seiner Fähigkeit, Fragen zu stellen und zum Nachdenken über Design und Nutzung anzuregen.

Die Intervention macht Eigenschaften sichtbar, die wir normalerweise als selbstverständlich ansehen. Erst wenn der Topf nicht mehr stabil steht oder keine Flüssigkeit halten kann, wird deutlich, wie wichtig diese Funktionen für den Kochprozess sind. Der Widerstand des Objekts zeigt, welche Leistungen gutes Design normalerweise unsichtbar übernimmt.

Dadurch entsteht eine absurde Situation: Der Topf sieht aus wie ein Kochtopf, kann aber seine eigentliche Aufgabe nicht erfüllen. Der Versuch zu kochen scheitert immer wieder. Gerade dieses Scheitern macht sichtbar, wie sehr wir im Alltag von funktionierenden Objekten und durchdachtem Design abhängig sind.

Anthropomorphisierung in der LLM

Was meinen die Autoren mit dem »schizophrenen« LLM?

Die Autoren meinen, dass das Sprachmodell zwei widersprüchliche Rollen gleichzeitig einnimmt.

Einerseits spricht es mit Wörtern wie „ich“ oder „wir“ und wirkt dadurch wie eine Person. Andererseits erklärt es selbst, dass es kein Bewusstsein und keinen eigenen Willen besitzt. Dadurch entsteht ein widersprüchliches Bild: Das LLM erscheint gleichzeitig als Mensch und als Werkzeug.

Habt ihr ein Sprachmodell schon einmal geduzt oder euch bedankt? Was hat euch dazu veranlasst?

Ja, ich duze und begrüße ChatGPT fast immer und bedanke mich auch manchmal. Nicht weil ich glaube, dass das Sprachmodell Gefühle hat, sondern weil es sich für mich wie ein normales Gespräch anfühlt. Höflich zu sein gehört für mich einfach zur Kommunikation, auch wenn ich weiß, dass ich mit einer KI spreche.

Intervention #2

1. Phänomen, Absicht und Erkenntnisinteresse

Das zentrale Phänomen der Ausgangslage:

In der ersten Beobachtung wurde das Phänomen als „Magie“ beschrieben und mit der Formel

Freunde + Essen = unvergessliche Momente

zusammengefasst:

Im Mittelpunkt stand ein großer gemeinsamer Kochtopf, in dem Okraschoten über mehrere Stunden zubereitet wurden. Der Topf war dabei nicht nur ein Kochwerkzeug, sondern ein gemeinsamer Mittelpunkt. Während des Kochens entstanden Gespräche, gegenseitige Unterstützung und gemeinsame Erinnerungen.

Forschungsfrage:

Wie verändert sich die soziale Dynamik und die Qualität des Zusammenseins, wenn jede Person für sich in einem eigenen Topf kocht.

Absicht der Intervention:

Mit dieser Intervention wollte ich untersuchen, ob der gemeinsame Kochtopf tatsächlich Gemeinschaft erzeugt oder ob sich dieselbe soziale Dynamik auch dann entwickelt, wenn jede Person mit einem eigenen Topf kocht. Dabei sollte nicht das Rezept oder das Essen verändert werden, sondern ausschließlich die Beziehung zwischen Mensch und Objekt.

Zu überprüfende Erkenntnis:

Die Intervention überprüft die Annahme, dass der gemeinsame Kochtopf mehr ist als ein Werkzeug zur Nahrungszubereitung. Er könnte als Co-Performer wirken und Kommunikation, Zusammenarbeit und emotionale Nähe beeinflussen.

Hypothese:

Der gemeinsame Kochtopf fördert Kooperation, Kommunikation und emotionale Nähe stärker als individuelles Kochen in getrennten Töpfen.

2. Planung: Veränderung der Objektbeziehung

Richtung der Veränderung (Widerständigkeit herstellen):

Die Beziehung zum Objekt wurde bewusst verändert.

Statt eines gemeinsamen Kochtopfes verwendete jede Person einen eigenen Topf. Dadurch wurde der gemeinsame Mittelpunkt des Kochens aufgelöst und der Kochprozess individualisiert.

Die Widerständigkeit entstand nicht durch eine Veränderung des Topfes selbst, sondern durch die Veränderung seiner sozialen Funktion.

Ziel der Intervention:

Die Intervention sollte zeigen, ob der gemeinsame Topf tatsächlich eine verbindende Rolle übernimmt oder ob Gemeinschaft unabhängig vom Objekt entsteht.

3. Durchführung 

Ort: Private Küche.

Im Gegensatz zur ursprünglichen Beobachtung fand die Intervention an einem anderen Ort statt.

Beteiligte: Zwei Personen, Ich und ein Freund.

Materialien:

  • Zwei gleich große Kochtöpfe
  • Identische Zutaten
  • Dieselben Kochutensilien
  • Zwei Herdplatten

Ablauf:

Die Zutaten wurden gleichmäßig aufgeteilt. Jede Person bereitete dieselbe Mahlzeit in einem eigenen Topf zu.

Während des Kochens arbeitete jeder ausschließlich mit seinem eigenen Topf. Anschließend wurde gemeinsam gegessen und das Experiment reflektiert.

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4. Dokumentation und Beobachtungen

Veränderung in der Beziehung zum Objekt:

Während der Intervention veränderte sich die Beziehung zum Kochtopf deutlich. Der Topf war nicht mehr ein gemeinsamer Bezugspunkt, sondern wurde zu einem persönlichen Arbeitsbereich.

Im Gespräch tauchten immer wieder Formulierungen wie „dein Topf“ oder „mein Essen“ auf.

Der Topf wurde dadurch stärker mit der einzelnen Person verbunden als mit der gemeinsamen Handlung.

Veränderung der Kommunikation:

Entgegen meiner ursprünglichen Erwartung wurde nicht weniger kommuniziert.

Die Kommunikation veränderte jedoch ihren Charakter.

Während beim gemeinsamen Kochen viele Gespräche spontan entstanden und sich häufig um alltägliche Themen drehten, konzentrierte sich die Kommunikation während der Intervention fast ausschließlich auf den Kochprozess.

Typische Aussagen waren:

„Pass auf deinen Topf auf.“

„Du musst jetzt umrühren.“

„Mach die Herdplatte etwas niedriger.“

Die Gespräche dienten nun vor allem der Koordination der einzelnen Kochprozesse.

Der lockere Austausch trat deutlich in den Hintergrund.

Veränderung im Verhalten

Durch die getrennten Töpfe entstand der Eindruck, dass jede Person stärker für ihre eigene Aufgabe verantwortlich war.

Es mussten mehrere Kochprozesse gleichzeitig beobachtet werden. Dadurch stieg die Anzahl der Aufgaben.

Die Aufmerksamkeit richtete sich weniger aufeinander und stärker auf den eigenen Topf.

Das gemeinsame Kochen fühlte sich strukturierter und anstrengender an als zuvor.

Veränderung des Raumes

Auch die räumliche Situation veränderte sich. Durch zwei Töpfe entstand weniger Platz auf dem Herd und in der Küche. Die Küche wirkte voller und unübersichtlicher. Der Kochprozess fühlte sich dadurch hektischer an.

Veränderung der Atmosphäre

Die Nähe zwischen den Beteiligten verschwand nicht vollständig. Dennoch veränderte sich die Atmosphäre. Das gemeinsame Kochen entwickelte sich von einem offenen, gemeinsamen Erlebnis zu zwei parallel stattfindenden Kochprozessen.

Der gemeinsame Mittelpunkt fehlte.

Statt gemeinsam zu kochen, kochten zwei Personen gleichzeitig nebeneinander.

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5. Reflexion

Die Intervention hat meine ursprüngliche Hypothese nur teilweise bestätigt.

Ich hatte erwartet, dass durch mehrere Töpfe weniger kommuniziert wird.

Diese Annahme hat sich nicht bestätigt.

Stattdessen zeigte sich, dass sich die Art der Kommunikation grundlegend veränderte.

Die Gespräche wurden funktionaler.

Sie dienten hauptsächlich dazu, den Kochprozess zu koordinieren.

Gleichzeitig entstanden neue sprachliche Muster wie „mein Topf“ und „dein Topf“, die den Kochprozess stärker individualisierten.

Besonders interessant war für mich die Erkenntnis, dass bereits eine kleine Veränderung eines alltäglichen Objekts die gesamte Dynamik einer Situation beeinflussen kann.

Der Kochtopf bestimmte nicht nur, wie gekocht wurde, sondern auch, wie wir miteinander kommunizierten, wie wir den Raum nutzten und wie wir unsere Rollen während des Kochens wahrnahmen.

6. Fazit

Die Intervention zeigt, dass der Kochtopf mehr ist als ein Werkzeug zur Zubereitung von Essen.

Seine Form und seine gemeinsame Nutzung beeinflussen die soziale Organisation des Kochens.

Der gemeinsame Topf erzeugt nicht automatisch Gemeinschaft, verändert jedoch die Art, wie Menschen miteinander in Beziehung treten.

Die Intervention macht sichtbar, dass Objekte unseren Alltag und unser Verhalten stärker prägen, als wir normalerweise wahrnehmen.

Erst durch die bewusste Veränderung eines scheinbar gewöhnlichen Gegenstands wurde deutlich, welchen Einfluss der Kochtopf auf Kommunikation, Zusammenarbeit und soziale Beziehungen hat.

Wenn schon ein so alltägliches Objekt wie ein Kochtopf die Art verändert, wie Menschen miteinander sprechen, zusammenarbeiten und ihre Rollen wahrnehmen, welchen Einfluss haben dann die vielen anderen Objekte, die uns täglich umgeben, ohne dass wir ihn bewusst bemerken?

Ein Projekt von

Fachgruppe

Theorie

Art des Projekts

Studienarbeit im zweiten Studienabschnitt

Betreuer_in

foto: Julia Ziener

Zugehöriger Workspace

Zwischen Subjekt und Objekt: Grenzen verhandeln und gestalten

Entstehungszeitraum

Sommersemester 2026