In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In diesem Kurs beschäftigen wir uns auf theoretischer und gestalterischer Ebene mit Orten und damit, wie wir sie wahrnehmen. Dabei stellen wir uns die Frage: Wann ist ein Ort ein Ort – und wann ein Nicht-Ort?
Zu Beginn haben wir viel theoretischen Input von Helga erhalten, um zunächst grundlegend zu klären, was einen Ort ausmacht und wann von einem Nicht-Ort gesprochen werden kann. Das war teilweise gar nicht so einfach abzugrenzen, weshalb es im Kurs viele Diskussionen dazu gab.
Als ich anfing, über Nicht-Orte nachzudenken, kamen mir zunächst ganz naheliegend Bahnhöfe und U-Bahn-Stationen in den Sinn. Das erschien mir im ersten Moment jedoch zu offensichtlich, weshalb ich mich schließlich für eine Tartanbahn entschieden habe – ein eher untypischer und sehr spezifischer Ort, den ich jedoch häufig besuche und zu dem ich selber ein sehr ambivalentes Verhältnis habe.
Genauer gesagt entschied ich mich zunächst für das Cantianstadion in Prenzlauer Berg, da ich dort am häufigsten trainiere. Im Laufe der nächsten Wochen kam es jedoch, nach einem geplanten Filmbesuch vor Ort, zu einer Auseinandersetzung mit dem Platzwart, der mir schließlich grundsätzlich verbot, dort Foto- oder Videoaufnahmen zu machen.
Aus diesem Grund musste ich meinen Ort im Prozess noch einmal wechseln und habe mich anschließend mit der Tartanbahn am Velodrom beschäftigt. Zu dieser Bahn hatte ich keine besondere persönliche Beziehung – ich war zwar schon einmal dort, jedoch nicht häufig. Dadurch verlagerte sich mein Fokus stärker auf eine allgemeinere Auseinandersetzung mit dem Ort/Nicht-Ort „Tartanbahn“, den ich schließlich exemplarisch für meine Foto- und Videoarbeiten nutzte.
Bei der Recherche fiel es mir schwer, spezifisches Material zu diesem Ort und generell zum Thema Sport zu finden. Meine Suche war daher leider nicht besonders erfolgreich. Aus diesem Grund habe ich mich – neben der Definition von Marc Augé zu Ort und Nicht-Ort – vor allem auf meine eigene Wahrnehmung sowie auf die von Freunden gestützt.
Dafür habe ich an einem Vormittag drei Personen aus meinem Bekanntenkreis bei ihrem Training begleitet und ihnen Fragen dazu gestellt, wie sie den Ort wahrnehmen.
Fragen:
Wie viel Zeit verbringst du im Schnitt?
Was trainierst du hier?
Wie fühlst du dich wenn du hier bist?
Bist du froh wenn du wieder gehen kannst?
Nimmst du den Ort als anonym oder persönlich war?
Eigentlich ist Fotografie nicht mein Hauptfokus, und doch hat es mir in diesem Projekt große Freude bereitet, den Ort auch fotografisch und videografisch zu erkunden.
Ein Einblick in meine Video und Ton Aufnahmen.
Meine Publikation wird ein 180 × 230 mm großes Heft mit insgesamt 45 Seiten sein, in dem die Tartanbahn als Ort analysiert wird. Gebunden wird das Ganze mit einem Schnürsenkel. Die Fertigstellung befindet sich in den letzten Zügen, und bezüglich der Bindung habe ich bereits einige Tests gemacht und jetzt eine Methode gefunden wie es funktioniere sollte.
Ich fand den Kurs wirklich spannend und bereichernd. Besonders den Theorieteil und vor allem die gemeinsamen Diskussionen über die gelesenen Texte empfand ich als sehr interessant. Gleichzeitig habe ich jedoch auch wieder gemerkt, wie schwer es mir fällt, Texte zu lesen und zu recherchieren. Das konnte ich noch nie besonders gut, weshalb es auch in diesem Kurs eine Herausforderung für mich war.
Der gestalterische Teil – der Austausch über den Ort und seine Bedeutung sowie das Sammeln von Material – hat mir wiederum sehr viel Freude bereitet. So viel sogar, dass ich mich teilweise etwas übernommen habe und zu spät in den Gestaltungsprozess eingestiegen bin. Das Gefühl, viel Material zu haben, aber nicht genug Zeit für die Verarbeitung, hat mich dann etwas gestresst. Dadurch wurde vor allem gegen Ende mein Zeitmanagement auf die Probe gestellt, was ich nicht ganz optimal gemeistert habe. Auch das ist ein wichtiges Learning für mich: mir nicht zu viel vorzunehmen und vor allem Pufferzeiten einzuplanen, um auf unvorhergesehene Probleme reagieren zu können. An einigen Stellen hätte eine Gruppenarbeit, glaube ich, ebenfalls sinnvoll sein können.
Alles in allem habe ich den Kurs jedoch sehr genossen und viel daraus mitgenommen.
Abgerundet wurde das Semester schließlich durch die Reise nach London. Ich bin immer noch sehr froh, diese Erfahrung gemacht zu haben – sowohl der inhaltliche Input als auch die Stadt selbst und die Arbeit an einer anderen Universität waren für mich inspirierend und haben viele neue Ideen angestoßen.