In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
Ausgangspunkt des Projekts war die Arbeit mit Archivmaterial des Mitte Museum Berlin. Während des Archivbesuchs habe ich mich auf die sogenannten Abräumakten aus Berlin-Tiergarten konzentriert, die vor allem fotografisches Material zur Zerstörung und zum Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg enthalten. Da das Archivmaterial nur wenig begleitenden Text umfasst, habe ich mich entschieden, eine eigenständige Narration zu entwickeln, die in Beziehung zu den Bildern tritt.
Die Narration basiert auf transkribierten Interviews aus YouTube-Videos. Darin berichten Menschen, die in Berlin während des Krieges und in der Nachkriegszeit aufgewachsen sind, von ihrer Kindheit und Jugend. Die persönlichen Erinnerungen werden den Archivbildern gegenübergestellt und mit ihnen verknüpft. Ziel war es, individuelle Erfahrungen mit der dokumentierten Zerstörung der Stadt zu verbinden.
Das Buch versteht sich als Mahnmal. Es soll daran erinnern, welche Auswirkungen Krieg und ideologische Verblendung auf Leben, Familien und insbesondere auf Kinder haben. Die Interviews machen deutlich, wie früh Kindheit endete und wie stark diese Erfahrungen das weitere Leben geprägt haben. Ergänzend sind im Buch sachliche Fakten zur Zerstörung Berlins enthalten.
Die Textgestaltung greift das Motiv der Zerstörung bewusst auf: Fragmentierte, „zertrümmerte“ Textpassagen spiegeln Chaos, Einsturz und Verlust wider. Diese semantische Ebene ist zentral für das Konzept und spiegelt sich im Titel Trümmerstimme wider. Zwischen den Kapiteln sind kurze Zitate oder Redewendungen, die sich auch Zerstörung und Krieg beziehen. Sie bekomen jedes mal eine Doppelseite um den Leser nicht von deren Bedeutung abzulenken.
Das Buch hat ein Format von 18 × 13 cm. Als Papier wurde graues Papier gewählt (Inapa tecno color 120 gr., light grey) um den dokumentarischen Charakter zu unterstreichen. Die Gestaltung ist in Schwarz-Weiß gehalten. Farbe wird in Form von Risodrucke ausschließlich in einer Bildserie am Ende des Buches verwendet um das Bildmaterial spannend einzusetzen und des Fotografien noch mehr ausdruckskraft zu verleihen.
Der Satzspiegel ist sehr reduziert. Die Ränder sind mit 5 mm schmal gehalten, viele Bilder laufen bis zum Anschnitt. Insgesamt umfasst die Publikation 145 Seiten.
Ich habe mich für 3 Typefaces entschieden:
Überschriften
PP Monument Extended Regular
Fließtext
PP Kyoto Medium
Zitate
Input Mono Condensed Medium
Kolumnentitel, Seitenzahl
Input Mono Condensed Light
Das Cover ist schlicht gestaltet. Es ist aus Graupappe mit einem Schriftzug als Blindprägung
Als Bindung habe ich eine Steifbroschur mit offenem Rücken und Kettenstichheftung gewählt. Diese Entscheidung unterstützt die zurückhaltende Gestaltung und macht die Konstruktion des Buches sichtbar.
Die Arbeit mit dem Archivmaterial des Mitte Museum hat deutlich gemacht, wie stark Bedeutung durch Auswahl, Kombination und Gestaltung von Material entsteht. Die Verbindung von Zeitzeugeninterviews und Fotografien erwies sich als geeigneter Weg, um das überwiegend bildbasierte Archiv in eine nachvollziehbare Narration zu überführen.
Die intensive Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Layoutformen, Satzspiegeln, Typografie sowie dem Verhältnis von Bild und Text hat meine gestalterische Arbeitsweise weiterentwickelt und mein Verständnis für Layoutentscheidungen geschärft.