In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
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Fotografie als multiperspektivischer Zugang für generationsübergreifende Kommunikation
Zwischen den Generationen bestehen häufig Verständigungsprobleme, die auf unterschiedlichen Lebenserfahrungen, gesellschaftlichen Prägungen und strukturellen Bedingungen beruhen. Trotz zahlreicher Bemühungen, einander zu verstehen, bleiben Missverständnisse insbesondere dort bestehen, wo direkte Begegnung fehlt und festgefahrene Rollenbilder vorherrschen.
In einer zunehmend polarisierten Welt wird intergenerationelle Kommunikation immer wichtiger, doch es mangelt an emotionalen und einfachen Zugängen, die über Sprache hinausgehen. Fotografie hat die Möglichkeit als Ausdrucksmittel Empathie zu fördern, Perspektiven zu öffnen und neue Formen des Miteinanders zu ermöglichen. In der Kommunikations- und Medienforschung ist die Analyse visueller Medien, insbesondere im Hinblick auf Bildsemantik, Rezeption und mediale Darstellungsmacht, breit verankert [vgl. Böhm, 1994; Mitchell, 2005 und Rose, 2016]. Der spezifische Einsatz von emotional aufgeladener Fotografie zur Förderung intergenerationeller Begegnung und Zukunftsimagination bleibt bisher marginalisiert. Eine systematische Verknüpfung von affektiver Fotografie und intergenerationeller Aushandlung findet in der aktuellen Forschung kaum statt.
In meiner Masterarbeit untersuche ich, wie eine emotionale, fotografische Herangehensweise – bei der das Einfangen, Ausdrücken und Auslösen von Gefühlen im Mittelpunkt steht – dazu beitragen kann, sich einem Thema nicht einseitig, sondern aus verschiedenen Perspektiven zu nähern. Dabei werden unterschiedliche Erfahrungen und Kontexte berücksichtigt, wodurch ein generationsübergreifender Austausch und ein vertiefter Dialog ermöglicht wird.
Welche Potenziale hat die Fotografie für das Vermitteln und Verstehen gesellschaftlicher Realitäten im Dialog und für die Förderung von Dialog? Was für Bilder kann ich machen, die den Dialog zwischen Generationen auslöst?
Methodiken meiner Arbeit sind Analysen von vorhandenen Materialien, quantitative und qualitative Interviews mit altersheterogenen Gruppen, Datenerhebung und die Auswertung von Statistiken sowie Themen zum generationsübergreifendem Verständnis. Der Fokus soll darin liegen, die Ergebnisse meiner theoretischen Auseinandersetzung in einem ansprechenden Konzept erfahrbar zu machen. Dieses praktische Konzept kann in einem Zusammenspiel von verschiedenen Formaten wie einer Ausstellung, einem Fotobuch oder einem Video dargestellt werden, die durch audiovisuelle und schriftliche Elemente ergänzt werden. Die reinen Informationen stellen lediglich einen Teil der Herausforderung dar, da auch die Präsentation und die Interaktivität entscheidend sind.
Zeitgeister ist ein fotografischer Gedichtband, der einen Dialog zwischen Generationen eröffnet. In der Begegnung zwischen der Lyrik meiner Großmutter und meinen fotografischen Arbeiten sowie Fragen entsteht eine visuelle und poetische Annäherung, die starre Vorstellungen von Beziehung, Identität und Generationsrollen hinterfragt. Ausgehend von persönlichen Alltagsbeobachtungen greift das Buch Themen wie Körperbilder, Geschlechterrollen, Diskriminierung, Beziehungsformen, normative Gesellschaftsstrukturen sowie Erfahrungen marginalisierter Gruppen auf. Die Kombination aus Poesie, Fragen und Fotografie schafft einen offenen Denkraum, der Verbindung ermöglicht und gesellschaftliche Spaltungen reflektiert.
Eckdaten
Format: 13x20 cm
Schriften: PP Neue Montreal, PP Editorial Old
Papier: Rough Air white-warmwhite 120g, Extrasmooth warm white 150g
Bindung: Fadenheftung
Inhalt
29x Gedichte
35x Fotos
24x Fragen
Die Fragestellung dieser Arbeit zielte darauf ab, zu untersuchen, wie Fotografie intergenerationellen Dialog anstoßen kann und welche Potenziale sie für das Verstehen gesellschaftlicher Realitäten besitzt. Die Ergebnisse zeigen, dass Fotografie als affektives und interpretatives Medium Räume für Projektion, Identifikation und Reflexion eröffnet. Sie kann dazu beitragen, Perspektivwechsel zu ermöglichen und Gespräche über Werte, Beziehungen und gesellschaftliche Normen anzuregen. Die Arbeit konnte Annäherungen und Impulse für dialogische Prozesse sichtbar machen.
In den letzten Monaten habe ich viel Zeit, Gedanken und Energie in diese Arbeit investiert. Auch wenn ich an meine Grenzen gestoßen bin, habe ich gelernt, meiner Arbeitsweise und meinem intuitiven Zugang zur Fotografie zu vertrauen. Das Masterstudium hat mir ermöglicht, meine fotografischen Fähigkeiten zu vertiefen und meine eigene visuelle Sprache weiter zu entwickeln, mit der ich Geschichten erzählen und persönliche Themen sichtbar machen kann.
Die Entscheidung, ein sehr persönliches Thema für diese Masterarbeit zu wählen, stellte sich als herausfordernd, aber zugleich als produktiv heraus. Wie bereits in meiner Bachelorarbeit zeigte sich, dass die Auseinandersetzung mit autobiografischen Erfahrungen eine intensive und authentische Bildsprache hervorbringen kann. Im Verlauf des Projekts entwickelte ich eine Ausdrucksform, die mir erlaubt, innere Prozesse sowohl sprachlich als auch visuell zu reflektieren. Besonders das Zusammenspiel von Fotografie und Text erwies sich als tragfähiges Medium, um komplexe emotionale und gesellschaftliche Themen zugänglich zu machen.
Aus dem entstandenen fotografischen Gedichtband ergeben sich mehrere mögliche Konsequenzen und Weiterentwicklungen. Er kann inhaltlich und gestalterisch weiter ausgebaut werden, beispielsweise durch zusätzliche fotografische Serien, Interviews oder theoretische Reflexionen. Eine Ausstellung stellt eine weitere Umsetzungsmöglichkeit dar, um die Arbeiten in einen öffentlichen Diskurs zu überführen und direkte Begegnungen zwischen Generationen zu ermöglichen. Zudem lässt sich das Konzept auf andere gesellschaftliche Themen übertragen, um unterschiedliche Formen von Marginalisierung, Beziehungen oder Identitätsfragen fotografisch zu untersuchen. Gestalterisch eröffnen sich Perspektiven in der Entwicklung eines kuratierten Ausstellungskonzepts sowie in der Weiterarbeit am Buchprojekt, etwa in Zusammenarbeit mit einem Verlag. Wissenschaftlich kann die Arbeit als Ausgangspunkt für weiterführende Forschungen zur Fotografie als dialogisches Medium, zu Unlearning-Prozessen oder zur intergenerationeller Kommunikation dienen.
Ich hoffe, dass diese Arbeit dazu beitragen kann, zuzuhören, Fragen zu stellen, neu zu lernen und bestehende Perspektiven zu hinterfragen. Fotografie und Sprache haben mir ermöglicht, persönliche und gesellschaftliche Themen sichtbar zu machen und ich wünsche mir, dass sie auch andere dazu anregen, in einen offenen und empathischen Dialog zu treten.