In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In diesem Seminarblock lernte ich die Grundlagen von Pre-Press, Risografie, Siebdruck und Buchbinden.
Zu Beginn des Kurses wählten die Teilnehmenden ein Buch, das in Papier eingewickelt war, ohne den Inhalt zu kennen. Mir wurde das Buch Glossary of Undisciplined Design von Rebecca Stephans und Anjya Kaiser (2019) zugeteilt. Es ist ein sehr interessantes Buch, das traditionelle und hegemoniale Formen des Designs infrage stellt und sie aus einer interfeministischen, antipatriarchalen und empowernden Perspektive betrachtet.
Aus den Scans dieses Buches sollte ich ein 16-seitiges Fanzine (12×18 cm) erstellen. Ziel war es, die Inhalte zu bearbeiten und mit eigenen gestalterischen Mitteln neu zu interpretieren. Dabei arbeitete ich mit Fotos, Scans und typografischen Elementen, um eine stimmige visuelle Erzählung zu entwickeln. Zusätzlich wurden uns zwei bearbeitbare InDesign-Dateien mit Layoutvorlagen zur Verfügung gestellt, die wir aktualisieren und anschließend für den Druck vorbereiten konnten. Der Prozess ermöglichte mir, die Vorbereitung von Druckdateien praxisnah kennenzulernen und erste Erfahrungen mit Layout und Satztechnik zu sammeln.
Ich ging den Prozess mit großer Experimentierfreiheit an, mischte Bilder, Texte und Texturen und entwickelte eine Narration. Diese verbindet die Erwartungen, die an Design gestellt werden, mit dem, was Designer*innen tatsächlich tun, wobei wir unsere eigenen Fehler als Ausdrucksmittel nutzen und sie bewusst in die Gestaltung einbeziehen.
In der Riso-Werkstatt lernte ich, wie man einen 2-farbigen Riso-Druck erstellt. Aufbauend auf meinem gezogenen Buch gestaltete ich vier 2-farbige Muster, die aus den Scans vom Buch bestanden. Ich wählte die Farben Rosa und Orange.
Am wichtigsten war für mich zu verstehen, wie man die Druckdateien vorbereitet: zwei Schwarz-Weiß-PDFs, jeweils nur mit den Motiven für eine Farbe. Außerdem lernte ich, wie man die Farbtrommel in der Riso-Maschine wechselt, wie sie korrekt gelagert wird, in welcher Richtung die Blätter erneut eingelegt werden müssen, wenn sie mit einer zweiten Farbe bedruckt werden, und wie man das Papier millimetergenau positioniert, um ein präzises Druckergebnis zu erzielen.
Der Prozess vertiefte mein Verständnis für Farbe, Überlagerungen und Drucktechnik. Ich beobachtete, wie die verschiedenen Tintenlagen miteinander interagieren und wie man in bestimmten Bereichen Weißflächen freilassen kann, damit sich die Farben dort nicht überlagern. Durch das Experimentieren, zufällige Fehler und die unerwartete Interaktion zwischen den verschiedenen Farben entdeckte ich zudem das große kreative Potenzial dieser Drucktechnik.
Im Siebdruck gestaltete ich den einfarbigen Umschlag für das Muster-Buch. Dafür bereitete ich zunächst einen DinA3-Bogen mit verschiedenen grafischen Elementen vor, der als Vorlage für die Belichtung der Siebe diente.
Danach bestrichen wir den Rahmen mit Siebdruck-Emulsion und ließen ihn trocknen. Anschließend erstellten wir das Layout der Elemente und klebten sie auf eine transparente Folie. Sobald der Rahmen trocken war, legten wir ihn zusammen mit der Folie in die Belichtungsmaschine, mit der Folie nach unten, und positionierten das Kabel darüber. Danach schlossen wir die Maschine und starteten den Belichtungsvorgang, der einige Minuten dauerte.
Währenddessen bereiteten wir die Farbe vor. In meinem Fall wählte ich Fuchsia und mischte sie mit destilliertem Wasser, um die richtige Konsistenz zu erreichen. Nach der Belichtung wuschen wir das Sieb aus und gingen zur Druckstation.
Das Einrichten der Druckführung war für mich etwas anspruchsvoll, da die Anpassungen millimetergenau sein mussten und das Motiv leicht schief geraten konnte. Ich druckte zwei Exemplare auf weißem und zwei auf schwarzem Papier.
Der gesamte Prozess hat mir viel Spaß gemacht. Ich habe gelernt, dass Siebdruck eine sehr gute Technik für die Serienproduktion ist. Der größte Zeitaufwand liegt in der Vorbereitung, während der eigentliche Druckvorgang sehr schnell geht.
Für das Muster-Buch setzten wir die Spiralbindung und die gerillte Broschur um. Zuerst maßen und markierten wir den Umschlag, schnitten ihn zu und rillten ihn mit der Maschine. Danach falteten wir alle mit Riso gedruckten Seiten und ordneten sie frei an. Anschließend wurden die Seiten mit der Lochmaschine, jeweils in Dreierschritten, gelocht, bevor wir Umschlag und Inhalt mit der Spiralbindung zusammenfügten. Der Prozess bestand aus vielen einzelnen Schritten und war technisch anspruchsvoll, aber sehr spannend. Das Endergebnis ist leicht schief, was dem Buch jedoch einen persönlichen Charakter verleiht. Besonders schön finde ich, nun eine gemeinsame Publikation mit den Arbeiten meiner Mitstudierenden zu besitzen.
Die Fadenknotenheftung verwendete ich für mein Fanzine. Zunächst falteten wir den Druckbogen mit dem 16-seitigen Layout. Danach markierten wir fünf Löcher entlang der Mittelfalz. Ich nähte das Heft von Hand, beginnend von innen nach außen, dann nach oben und wieder nach innen, anschließend führte ich den Faden in entgegengesetzter Richtung zurück nach unten. Am Ende knotete ich den Faden in der Mitte und schnitt ihn ab. Abschließend wurden die Ränder entsprechend den angelegten Margen an der Schneidemaschine beschnitten.
Die Klebebindung als Steifbroschur mit Felzelstreifen setzte ich für ein Notizbuch um. Dafür erhielten wir einen bereits zugeschnittenen und verleimten Notizblock. Wir maßen und schnitten zwei Pappdeckel zu, wählten einen Stoff für den Rücken aus und schnitten ihn passend zu. Anschließend klebten wir die Deckel mit dem Stoff zusammen und legten das Buch zum Trocknen in die Presse.
Die Aktivitäten dieses Kurses haben mir sehr viel Freude bereitet, und ich habe viel dabei gelernt. Trotz der hohen wöchentlichen Anforderungen und des kompakten Zeitrahmens investierte ich viel Zeit in jede einzelne Aufgabe. Ich hatte das Gefühl, dass alle Schritte sinnvoll auf die jeweiligen Endprodukte abgestimmt waren. Besonders schön finde ich, dass ich am Ende zwei Bücher und ein Notizbuch mit nach Hause nehmen konnte, die ich selbst gestaltet und gebunden habe.