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Ground Control - Orbital

Dokumentation GROUND CONTROL - literarische Illustration Theorie & Praxis

01 Kennenlernübung

Vorstellung eines Illustrators:

Yuming Li ist ein digitaler Künstler aus Kanada, welcher sich durch seine surreale Farbwahl und wiedererkennbares Rendering auszeichnet. 

Persönlich inspirieren mich die Arbeiten sehr, da sie einem so logischen Prinzip folgen und trotzdem einzigartig sind. Es bedarf nur Licht/Schatten und Rendering (Weich vs Hart) um diesen Effekt zu erschaffen. Die Farbwahl trägt zur Wiedererkennbarkeit bei und ergänzt das „Gerüst“ der Illustrationen. Diese Einfachheit und Nachvollziehbarkeit, ist für mich immer die wertvollste Erkenntnis die ich aus der Beobachtung von Kunstwerken ziehe. Die Genialität der Basics könnte man es nennen.

Merkmale:

- Stilistische Merkmale: begrenzte Farbpalette, surreales Licht
- Fokus wird erzeugt durch gezielte Lichtsetzung, Helligkeitswerte
- Farben stehen im Kontext zueinander und werden dadurch als
   dementsprechende Farbe gelesen
- Farbkontraste (Komplementär, Warm-Kalt)
- Rendering: Weiche und harte „Kanten“ erzeugen Hierarchie und Fokus
- Prinzip übertragbar auf unterschiedliche Formen und Materialien
- Erinnern an Bilder der viktorianischen Zeit, Historismus

Yuming Li auf Twitter

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02 Genre

„Orbital“ versteht sich selbst als moderne „Schäferdichtung“, eine Spacepastorale. Dabei steht im Mittelpunkt die Schönheit, Verletzlichkeit, Verletzende, Fremde, sowie Vertraute Erde mit denen sich die 6 Astronauten konfrontiert sehen.

Die „Schäferdichtung“  mit antiken Ursprung erfährt ein Wiederaufleben vor allem in der Renaissance, in der eine Rückbesinnung auf die Antike und die Flucht aus der Wirklichkeit stilprägend waren.  Das Land- bzw Hirtenleben wird idealisiert romantisiert. 

Überdies hinaus können noch Stilelemente aus der Utopie bzw Dystopie in Samantha Harveys „Orbital“ gefunden werden.
Ikonische Werke der Utopie sind das Ursprungswerk „Utopia“ von Thomas Morus bzw. modernere Beispiele aus der Illustration von Tom Seidmann-Freud, Andrea Paluch und Lilian Pithan.
Als Kontrast kann man die Dystopie nennen mit namenhaften Werken wie Orwells „1984“ oder Huxleys „Schöne Neue Welt“.

Auch Elemente des Sci-Fi, welche ihren Ursprung sicherlich mit Jules Vernes Romanen haben, lassen sich in Harveys Erzählung wiederfinden.

03 Manifest - Regeln und Ziele für die Umsetzung

Meine Ziele für jedes Entwurfsseminar, was ich besuche, ist es, dass ich aus meiner Komfortzone herauskomme und neue Perspektiven und Ansätze ausprobiere. 
Dahingehend sind auch die 5 Punkte für mein „Zeichnerisches Manifest“ ausgelegt:

1. Nicht den Weg des geringsten Widerstandes einschlagen.

2. Offenheit
Neue Eindrücke bringen neue Erfahrungen und diese wiederum neue Erkenntnisse. Inspiration kann von so vielen Dingen kommen. Die Arbeit anderer, Ausstellungen, Musik, Begegnungen etc. 

3. Stil
Sei kein Sklave deines Stils, in dem man versucht eine bestimmte Richtung zu erzwingen. In dem Falle kann es gut sein, seinen Weg erst währendes Prozesses zu entdecken. Das Ergebnis darf bis dahin auch vage bleiben.

4. Nicht verschlimmbessern.

5. Prokrastination ist Teil des Schaffens.
Prokrastination sind gedanklich notwendige Pausen um wieder aktiv zu Arbeiten. Prokrastination ist nur die passive Schaffenszeit.

04 Die Beziehung zwischen Bild und Text

Was ist eine Illustration?
(lat. illustrare „erleuchten, erklären“ ) Wikipedia: „das einem Text erläuternd beigegebene Bild“, genannt auch Schaubild. 

Illustrationen haben einen Referenzcharakter zu ihrer jeweiligen Quelle und veranschaulichen diese. Diese stehen in wechselseitiger Beziehung zu einander. Eine Illustration erläutert den Text, der wiederum durch die Illustration verständlicher gemacht wird. Dabei erfüllt die Illustration eine ergänzende Funktion und ahmt nicht nur das Geschriebene nach. 

Ein Bild hat die Fähigkeit sinnliche Eindrücke abzubilden, währenddessen ein Text abstraktere/komplexere Sachverhalte eindeutiger beschreiben kann. Diese komplementäre Ergänzung nennt Steffen-Peter Ballstaedt ein „Didaktisches Traumpaar“.

Illustrationen können:

1. Zeigen & Benennen

Z.B. Infografiken, Schautafeln
Beispiele: Johan Wilhelm Weinmann, Owen Davey

2. Handlungen darstellen

Z.B. Prozessabläufe, Bedienungsanleitungen, (journalistische) Berichterstattungen, Gerichtsprozesse, jour./hist. Arbeit. 
Beispiele:

3. Wissen strukturieren

Beispiele: Karte der Vesoul Region 1605

Carte_schematique_des_bourgs_et_villages_voisins_de_Vesoul-1-scaled.jpgCarte_schematique_des_bourgs_et_villages_voisins_de_Vesoul-1-scaled.jpg

4. Argumentation

Beispiele: Fritz Kahn „The number of bakteria in the Air in a large City“
Sabine Hecher „Abwehr-Zentrale“

5. Anregung

Text- und Bildkombinationen sind beispielhaft in dem Genre des „Emblems“ zu finden, welche die bildliche-literarische Sinnbildkunst beschreibt. Bildern wurden „Sprachbedeutung“ zugewiesen. (Wikipedia)

Z.B. Jörg Breu der Ältere „Mentem non formam plus pollere“ 1531
Moderne Formen der Text-Bildkombination Ed Ruscha

Alciato_1531_Augsburg_7.jpgAlciato_1531_Augsburg_7.jpg

05 Erste Skizzen

Während des Lesens, habe ich mir immer wieder Notizen gemacht, wenn etwas meine visuelle Vorstellung inspiriert hat. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sich für mich kein zusammenhängendes Bild ergeben hat. Die Geschichte könnte von jedem Punkt in dem Buch ihren Anfang finden. Es gibt viele metaphorische Beschreibungen und Allegorien, welche über die rein objektive Beschreibung der Szenerie hinaus gehen. 
Ich denke, diese Sinnesbilder inspirieren mich am meisten. Ich habe vor diese illustrativ umzusetzen. Dabei stehen die Illustrationen in keinem Handlungsstrang in Zusammenhang, aber haben einen gemeinsamen Ursprung, die subjektive Verbildlichung der Erde.

First_sketches.pdf PDF First_sketches.pdf

06 Storyboard V1

Wie schreiben wir die Zukunft der Menschheit? S.170 ff
Wir schreiben gar nichts, sie schreibt uns. S.174

Eine Frage wird in den Raum gestellt, welche so viele Antworten kennt wie es Lebewesen auf der Erde gibt. Und jeder hätte eine andere Antwort parat. Der Mensch denkt sich Alle Untertan zu machen, aber da irrt er, denn am Ende kann keiner die Zukunft absehen und so kann er nur seine erlebte Geschichte niederschreiben im Glauben daran, dass er eines Tages dem voraus eilen könnte.

Storyboard_Zukunft_Menschheit.pdf PDF Storyboard_Zukunft_Menschheit.pdf

07 "Wie schreiben wir die Zukunft der Menschheit?"

weitere Gedanken zur Textstelle:

Ich habe lange darüber nachgedacht und mich auch mit anderen Personen darüber unterhalten, wie die Textpassage gemeint sein könnte. Dadurch bin ich auf die Erkenntnis gekommen, dass die einzige Zeit die es tatsächlich gibt, die Jetzige ist. Das Hier und Jetzt. Wir wissen nicht was in 100 Jahren, in 5 Jahren, in 2 Monaten oder in der nächsten Minute sein wird. Und wenn wir Prognosen anstellen, dann sind es nur mehr oder weniger akkurate Schätzungen aufgrund der Vergangenheit und der Präsenz. Zukunftsvisionen sind immer geprägt von der Zeit, in der sie entstanden sind. Und das ist nur die Perspektive des Menschens.

Jedes Lebewesen kann seine ganz eigene Geschichte erzählen. Die Vergangenheit, das Jetzt und die Zukunft würden unterschiedlich ausfallen.

Der Bezug zu dem Bild „Las Meninas“ zeigt, dass die Menschen in ihren Konventionen und Gesellschaftskonstrukt gefangen sind. Doch es ist so unbedeutend für die Zukunft. Nichts ist authentisch darin.
Es gibt viele Deutungsebenen bezüglich des Bildes. So wird dieses Gemälde des spanischen Malers Diego Velásquez als Metabild bezeichnet, welches seine eigene Darstellung und Interpretation ständig hinterfrage und die Grenzen und Möglichkeiten von Darstellung und Betrachtung reflektiere (Quelle: Greub: Spiegelungen von Las Meninas. Einleitung. In: Greub (Hrsg.): Las Meninas im Spiegel der Deutungen. 2001, S. 7–34, hier S. 23.). Foucault vertritt vor allem die Repräsentationsthese, in der es vor allem darum geht, dass das Souverän (die Monarchen) zwar am zerbrechlichsten wirkten, aber dennoch die mächtigste Position im Bild darstellen würden: „Die Macht des Souveräns dringe damit umso stärker in das Zentrum der Repräsentation vor, je weniger er zum Bild selbst gehöre. Foucaults Interpretation begreift Las Meninas als ein Metabild, als eine Reflexion über Repräsentation, die in ihrer Struktur selbstbezüglich ist, weil sie in der 'Repräsentation der klassischen Repräsentation' verharre und der Darstellung bloßer Stellvertretung verhaftet bleibe.“ (Wikipedia)
Ein weiterer interessanter Punkt ist die Gruppierung von Hund und den beiden Hofzwergen. Hofzwerge wurden damals an europäischen Höfen eingestellt und verkörperten das Rätsel der Natur, die gleichzeitig etwas mystisches und unschuldiges vermitteln. So stehen in dem Bild die auf ihre Repräsentation fokussierten Menschen in Kontrast zu den freieren Naturbelasseneren. Sie dienten auch als Symbol des Herrscherschutzes und traten ebenfalls als Hofnarren auf. Sie waren nicht an die strenge Hofetikette gebunden. 

Der Mensch blickt so fokussiert auf sich selber und merkt dabei nicht, dass er eigentlich auch nur Teil der Natur und des Geschehens ist. Er meint einen Einfluss darauf zu haben aber letzten Endes ist er nur das „Blatt im Wind“ und andere Blätter werden genauso vom Winde verwirbelt wie er. Eines von vielen. Die Frage ist, wohin es ihn weht.

Storyboard_v2.pdf PDF Storyboard_v2.pdf

08 Zwischenpräsentation

Kernthematik:
Anhand der Kernfrage „In Zeiten wie diesen, wie schreiben wir die Geschichte der Menschheit?“, möchte ich die Selbstwahrnehmung der Menschheit thematisieren, die in Angesichts des Weltalls und Erde auf philosophische Art und Weise hinterfragt wird. Auch die Auseinandersetzung mit „Las Meninas“ führt zur Beantwortung dieser Thematik. 

Allein die Formulierung dieser Frage suggeriert, dass der Mensch ein allmächtiges Wesen sei, welches sich über Natur, Raum und Zeit hinwegsetzen könne. Gottgleich, besonders, glorreich. 

Basierend auf meinem zweiten Storyboard habe ich mir Gedanken zum Format gemacht. Ich möchte die Geschichte vertikal erzählen (Webcomicformat) und dabei mit Panels und unterschiedlichen Hintergründen experimentieren.
Ich habe dazu die Erzählung in 3 unterschiedliche Etappen gegliedert:
Selbstwahrnehmung, Hinterfragen, Erkenntnis.

Zwischenpräsentation.pdf PDF Zwischenpräsentation.pdf

Basierend auf meinem Storyboard und Styleframe, habe ich die restlichen Panels illustriert. 

Das Format des Webcomics habe ich gewählt, da es eine eindeutige Leserichtung vorgibt und dabei Spannung aufbaut ohne die Pointe vorwegzunehmen. Durch die vertikale Leserichtung und der Leseerfahrung des Scrollens, kann man sich nicht spoilern.

Das Konzept des Comics baut immer noch auf die selbe Dreiteilung auf (Selbstwahrnehmung, Hinterfragen, Erkenntnis), trotzdessen, dass es eine vierte Seite gibt. Die vierte Seite ist als eine Erweiterung des zweiten Themas (Hinterfragen) zu verstehen und spiegelt als Einzelpanel, die zentrale Kernthematik meines Comics wider: „Wer sieht hier wen an?“ (S. 172) 

Mit der Referenz zu Velazquez Werk und, die sich durch den Comic ziehende Frage um die Zukunft der Menschheit, stellt diese Frage Antwort zugleich dar: Der Mensch, der meint die Krönung der Schöpfung zu sein, realisiert, dass er im Grunde kleiner ist, als er glaubt. Durch Selbstbeobachtung, schützt er sich vor dieser verklärten Annahme und bitteren Erkenntnis.

09 Abschlusspräsentation

Abschlusspräsentation.pdf PDF Abschlusspräsentation.pdf

10 Umsetzung

Die_Zukunft_der_Menschheit_webcomic.pdf PDF Die_Zukunft_der_Menschheit_webcomic.pdf

Ein Projekt von

Fachgruppe

Kommunikationsdesign

Art des Projekts

Keine Angabe

Zugehöriger Workspace

GROUND CONTROL - literarische Illustration

Entstehungszeitraum

Wintersemester 2025 / 2026