In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
Vom 05.02.2024 bis zum 04.07.2024 habe ich während meines 6. Semesters mein Praktikum bei „The Agile Habit“ absolviert. Das kleine Unternehmen entwickelt und hält partizipative Workshops und ist gerade dabei, ein eigenes Online-Format für Führungskräfte in der Tech-Branche aufzubauen.
Vielleicht denkt ihr euch jetzt: Aber das ist ja gar kein Design-Praktikum…? Ja, das stimmt. Zumindest teilweise.
Um also zu verstehen, warum ich trotzdem hier mein Praktikum machen wollte, muss ich ein wenig ausholen.
Schon bei meinem Kolloquium vor einem Jahr war mir eigentlich klar, dass es für mich nicht in einen reinen Design-Job geht. Ich finde einfach andere Bereiche und Themen mindestens genauso spannend: Coaching, Moderation, Workshops, Partizipation, Didaktik, Psychologie, Kommunikation und die Idee einer eigenen Gründung.
Lange dachte ich felsenfest, dass das ja alles nicht zusammenpasst – ich war mir nicht einmal sicher, ob ich hier im Studium richtig bin. Wenn ich gründen will, sollte ich doch bestimmt besser BWL studieren? Wenn ich coachen will, dann sollte ich mich für Psychologie einschreiben, oder?
Ja, und dann sind viele kleine Dinge passiert, die mir bewiesen haben, dass es doch nicht unmöglich ist. Es ist vielleicht nicht die naheliegendste Kombination, aber sie ist da.
Ich habe zum Beispiel einen Kurs gemacht, in dem wir Workshops entwickelt und durchgeführt haben – eine „Design-Richtung“, von der ich vorher gar nichts wusste. Dann habe ich einen Designer kennengelernt, der super viel auch als Moderator aktiv ist.
Und als ersten Schritt auf diesem Weg, dessen Ende auch für mich noch etwas diffus ist, dachte ich mir: Dafür ist doch das Praktikum perfekt.
Ein Praktikum, das eben nicht nur Design ist, sondern mir vor allem die ersten Skills im Coaching und in der Konzeption und Moderation von Workshops mitgibt. Dinge, die mein Studium nicht gänzlich abdecken kann. Ich wollte an einem Business-Aufbau beteiligt sein, um hautnah mitzuerleben, wie Herausforderungen gehandelt werden und wie Strategien erarbeitet und umgesetzt werden.
Also ja, es war kein reines „Design-Praktikum“, obwohl ich natürlich auch viel Gestaltung gemacht habe. „Aber mein Studium soll ja für mich sein“, habe ich gedacht, und startete zuversichtlich in mein Praxissemester.
The Agile Habit ist ein kleines Unternehmen, das Coachings und Programme für Führungskräfte im Tech-Bereich entwickelt. Es geht um das Trainieren von Kommunikationsfähigkeiten, Veränderungskompetenz und Ownership in Teams. Diese Lern- und Entwicklungsprozesse werden konzipiert, gestaltet, begleitet und dokumentiert. Neben der Entwicklung des eigenen Programms durfte ich in den Praktikumsmonaten auch Workshops für das Berliner Startup-Stipendium begleiten, einen Workshop auf der deGUT halten und für den Weiterbildungsträger Zukunftsmotor mehrtägige Seminare moderieren.
Das Praktikum war rein remote. Das war … ungewohnt.
Auf der einen Seite war es toll, weil es mir ermöglichte, flexibel von überall zu arbeiten. Ob ich in Bologna, Schweden, Marokko oder Berlin saß, machte keinen Unterschied – und so konnte ich den Lifestyle eines „Digital Nomad“ einfach mal ausprobieren. Auf der anderen Seite fehlte mir manchmal auch der Kontakt und die Verbindung zu meinen Kolleginnen. Zwar trafen wir uns, wenn es der Kalender zuließ, manchmal in Berliner Co-Working-Spaces – aber alles in allem habe ich beschlossen, dass 100% remote nichts für mich ist. Ich werde für meinen nächsten Job eher nach einem 30/70-Verhältnis suchen, mit weniger Homeoffice-Zeit :) Flexibilität ist zwar toll, aber ohne Verbindung und Kontakt bin ich nur halb so zufrieden und produktiv!
In unserem kleinen Team waren die Kommunikationswege kurz. Ich habe sehr eng mit den beiden Gründerinnen zusammengearbeitet und durfte eine wunderbare Team-Dynamik kennenlernen. Um ehrlich zu sein, bin ich jetzt wahrscheinlich fast zu verwöhnt: 100% Vertrauensvorschuss von Anfang an, freundschaftliche Augenhöhe, Freiheit und Flexibilität in den Aufgaben, offene Kommunikation über Probleme, Feiern von Erfolgen, Wertschätzung und konstruktives Feedback, tiefe Gespräche beim morgendlichen Einchecken – und sogar eine spendierte Workcation auf Teneriffa.
Ich denke, die Art zu arbeiten, noch mehr als die Inhalte des Praktikums, hat mich geprägt in dem, wie ich irgendwann mal arbeiten und/oder führen möchte.
Wie heißt es so schön: Im Wasser lernt man am schnellsten Schwimmen? Mein Praktikum begann mit einem sprichwörtlichen Schubs ins kalte Wasser. Zusammen mit Sophie, einer der Gründerinnen, fuhr ich für ein Teambuilding-Offsite nach Vielitz, Brandenburg. Wir konzipierten und gestalteten die Inhalte des 3-tägigen Events und moderierten anschließend abwechselnd die Sessions. Es war definitiv herausfordernd, aber ich fühlte mich gut vorbereitet und voll in meinem Element.
Am Montag darauf begann dann der Regelbetrieb meines Praktikums, und ich wurde in die Arbeitsfelder, Aufgaben und Tools eingewiesen.
Zunächst war ich für Social Media verantwortlich: LinkedIn-Beiträge schreiben, hochladen und evaluieren. Neben einer Einführung ins Copywriting erledigte ich auch klassische Designaufgaben wie das Erstellen von Social-Media-Grafiken oder das Layouten von Workbooks, One-Pagern, Zertifikaten und Kursmaterialien. Nach und nach übernahm ich Videoschnitt-Aufgaben, plante Fotoshootings, fotografierte und bearbeitete Bilder. Die Vorlage für das Webdesign kam ebenfalls von mir, auch wenn es einige technische Schwierigkeiten in der Umsetzung gab.
Ich war immer wieder in Workshop-Moderationen eingebunden, wertete Interviews aus, arbeitete an der Positionierung mit und konzipierte viel am eigenen Programm von The Agile Habit. Diese Arbeit, die eher strategisch und viel weniger grafisch/gestalterisch war, machte mir erstaunlicherweise am meisten Spaß.
Alle Prozesse – ob klassisch Design oder konzeptionell bzw. strategisch – liefen sehr interaktiv ab. Agiles Arbeiten zu erleben und nicht nur davon zu hören, war fantastisch. Es gab in kurzen Abständen Feedback, wodurch wir schnell iterieren und arbeiten konnten.
Fangen wir mal bei den Hardskills an: Videoschnitt. Zwar gab es durchaus Stunden, in denen ich Premiere Pro verflucht habe – aber inzwischen beherrsche ich das Programm recht gut. Es war ein Kampf, an diesen Punkt zu kommen, doch er hat sich gelohnt.
Neu für mich waren die Marketing-Aspekte. Hier konnte ich auch viel mitnehmen, vor allem in der Businesskonzeption und in der Positionierung. Ich habe gelernt, wie solche Prozesse ablaufen und wie sie intern moderiert werden können.
Die vielen Möglichkeiten, Workshops zu konzipieren und durchzuführen, haben mir vor allem viel Sicherheit gegeben. Durch das direkte Feedback konnte ich an Kleinigkeiten in der Didaktik und Rhetorik arbeiten.
Und wenn wir uns die Soft Skills anschauen, habe ich vor allem gelernt, wie gute Teamkommunikation gelingen kann. Auch die eigenen Bedürfnisse nach Verbindung, Fokuszeiten, klaren Aufgaben etc. zu verstehen und nach Lösungen zu suchen, war sehr empowernd.
Alles in allem habe ich viel mehr über das Wie des Arbeitens gelernt als über das Was. Klar, Marketing, Konzeption und Gestaltung von Formaten standen im Vordergrund – aber die wirklich wertvollen Learnings lagen darin, wie ein Team gut zusammen funktioniert, kommuniziert und innovativ arbeiten kann.
Meine Erwartungen an das Praktikum haben sich erfüllt. Im Laufe der fünf Monate habe ich zwar verstanden, dass ein „reineres“ Design-Praktikum sicherlich auch cool gewesen wäre – aber das kann ich ja nach meinem Bachelor immer noch machen (dann wird es sogar besser bezahlt!). Besonders gefallen haben mir die konzeptionellen und strategischen Aufgaben, aber auch in den Workshops habe ich immer wieder gemerkt, wie ich aufblühe.
Als Abwechslung dazu waren die Designaufgaben gut, aber nur solche wären mir schnell zu langweilig geworden. Zudem musste ich oft in Canva arbeiten, da es für das Unternehmen natürlich wichtig war, später selbst Veränderungen vornehmen zu können. Aber wenn man InDesign und Illustrator gewöhnt ist, wirkt Canva doch recht eingeschränkt nutzbar.
Außerdem hätte ich, wäre Design der Fokus gewesen, mehr Austausch in einem Design-Team gebraucht. Aber da das ja gar nicht der Fokus sein sollte, war die Balance für mich perfekt.
Trotz des Praktikums habe ich immer noch keinen 10-Jahres-Plan für meine Zukunft. Ich weiß zwar, wie ich arbeiten will und was ich inhaltlich spannend und weniger spannend finde – mehr auch nicht. Aber ich denke, das ist okay. Ich freue mich vor allem darauf, wieder an die FH zu kommen und ein paar Semester zu studieren, bevor ich wissen muss, wohin es weitergeht.
Ich habe Lust, mich in den nächsten Semestern auf Illustration und Branding zu konzentrieren und einen weiteren Schwerpunkt im Bereich Service Design, Moderation, Workshops und Design Thinking zu setzen.
Ich kann mir gut vorstellen, auch in meiner Bachelorarbeit einen Teil mit Workshops zu machen, auch wenn das thematisch noch ganz offen ist.
Obwohl ich eine tolle Zeit hatte und wahnsinnig viel gelernt habe, würde ich The Agile Habit als Praktikumsstelle nicht empfehlen – zumindest nicht für Designer, die wirklich Design machen wollen. Aber da ich irgendwie so einen Sonderposten beziehe, war es genau richtig für mich.