In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
Projektdokumentation des 1-tägigen Events „PRINT SCAPE“, organisiert und durchgeführt vom Design Kollektiv und Studio Space Unten Links.
PRINT SCAPE war eine interdisziplinäre Ausstellung, Labor und Diskursraum, der die Möglichkeiten des Mediums Print erkundete und erfahrbar machte. Der Studio Space Unten Links brachte am 10·5·2025 Menschen zusammen, die mit und für Print arbeiten, gestalten und forschen.
Die Veranstaltung lud dazu ein, über die Zukunft des Druckens nachzudenken als lebendiges, interdisziplinäres Medium. Von Risographie über 3D-Druck, von Fotografie bis hin zu hybriden Drucktechniken zeigte sie eine Vielzahl künstlerischer und technischer Herangehensweisen.
Dabei stellten wir uns die Fragen: Was bewegt uns derzeit zum Thema Print? Wie nutzen wir Print in Zeiten politischer Umbrüche? Wo steht Print heute und wie könnten die Zukünfte von Print aussehen?
✧ Idee & Initiative ✧
In den vergangenen Jahren veranstaltete das Gründungsteam von Unten Links zwei sogenannte „Print Partys“, die den Atelier- und Studio-Space neben weiteren Events als Begegnungsort öffneten. An dieses Konzept wollten wir als neues Team anknüpfen, es aber zugleich weiterentwickeln.
Unser Anliegen war es, Unten Links als interdisziplinären Ort noch sichtbarer zu machen und zusätzlich zu 2D-Print-Formaten auch 3D-Druck-Verfahren einzubeziehen. Grundsätzlich wollten wir das Format weiterdenken. In unseren Köpfen entstand ein Event, das Ausstellung, Workshops, Begegnung und Austausch miteinander verbinden sollte. Wir dachten das Thema Print groß und nahmen uns viel vor
✧ Konzept ✧
Unser grafisches Konzept entwickelte sich aus einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Gelände der Vulkan-Fiber-Fabrik (auf dem sich auch Unten Links befindet), das für uns sowohl visueller als auch inhaltlicher Ausgangspunkt war. Wir erkundeten den Ort fotografisch, sammelten Materialien und beobachteten architektonische sowie landschaftliche Strukturen. Begriffe wie Schichtung, Raster, industrielle Oberflächen, Wasser, Hafen, Boote oder Backstein prägten unsere Assoziationen und bildeten die Grundlage unserer gestalterischen Sprache.
@lisamariesolala (ein älteres Gründungsmitglied von Unten Links) untersuchte das VFF-Gelände in ihrem Masterprojekt. Sie teilte ihre Masterarbeit mit uns, und ihr Material darunter 3D-Scans und architektonische Illustrationen des Geländes. Dieses Material wurde zum Ausgangspunkt vieler visueller Untersuchungen. ✧✧✧Vielen vielen Dank noch mal für das Teilen deiner Masterthesis und all deiner Materialien! ✧✧✧
Aus diesen fragmentierten digitalen Landschaftsmodellen entwickelten wir erste grafische Formen, die wir später als Ausgangspunkt für unsere ✧ Scapes ✧ nutzten.
Die Verbindung von 2D und 3D – also von Abbild und Form wurde zu einem zentralen Aspekt unseres Ansatzes.
Parallel sammelten wir Ideen für die Umsetzung der Kampagne: verschiedene Formate, experimentelle Typografie, illustrative Elemente, analoge und digitale Druckverfahren, Laser-Cut-Formate und der Einsatz recycelter Materialien. Diese Vielfalt ermöglichte uns, das Medium Print als etwas Prozesshaftes und Offenes zu denken und sichtbar zu machen.
Ausgehend von der geografischen Struktur des VFF-Geländes entwickelten wir eine stark abstrahierte visuelle Formensprache. Wir arbeiteten mit Schichtungen, Überdruckeffekten, Materialstrukturen und zufälligen Fragmentierungen, die an Druckfehler, Abnutzungen oder topografische Karten erinnerten. Kartenmaterial und ein isometrischer Plan des Geländes unterstützten unseren Zugang zu einer Art „Print-Landschaft“, die den Ort nicht bloß abbildete, sondern interpretierte.
Unser grafisches Konzept verstand sich daher als forschender Prozess. Wir verbanden Ortsbezug, Materialstudien und technische Experimente, um eine Gestaltung zu entwickeln, die gleichermaßen von der Landschaft des Geländes, den Produktionsweisen des Druckens und unserer eigenen künstlerischen Neugier geprägt war. Auf diese Weise entstand eine visuelle Identität, die das interdisziplinäre und experimentelle Wesen von PRINT SCAPE widerspiegelte.
✧ Prozess ✧
Der Gestaltungsprozess der Kampagne verlief forschend und experimentell. Für die visuellen Elemente, die wir auf allen Formaten einsetzten, organisierten wir einen Workshop, bei dem wir einen Tag lang auf dem Gelände von Vulkan Fiber Boden- und Materialstrukturen mithilfe einer Schraffurtechnik dokumentierten und später einscannten. Auch für die Erstellung der Displayschrift arbeiteten wir analog: Wir sammelten Gegenstände und Naturmaterialien, legten daraus Buchstaben und digitalisierten diese anschließend. Es war für uns ein spannender Prozess, den Ort, an dem und für den wir gestalteten, visuell zu untersuchen. Das gesammelte Material eröffnete uns zahlreiche Möglichkeiten für die Weiterverarbeitung.
Wir verliebten uns sehr in die kleinen Details unserer Gestaltung und machten uns sehr viele Gedanken über jeden einzelnen Produktionsschritt. Zusätzlich zeichnete Alex für jedes Format eine weitere Ebene aus einzelnen Illustrationen und Strukturen, die dem Gesamtbild die gewünschte Tiefe und grafische Komplexität verlieh. Mit den Schraffuren und den illustrativen Strukturelementen konnten wir viel experimentieren, und es machte sehr viel Freude, damit die verschiedenen Formate der Kampagne frei zu gestalten.
Wir dokumentierten sowohl den Workshop als auch den Druckprozess auf Instagram. Einen Teil des Prozesses könnt ihr im folgenden Video sehen.
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✧ Druck ✧
Den Druck der Plakate und Flyer setzten wir im Risolabor der FH um. Dort standen uns alle benötigten Ressourcen und ausreichend Platz zur Verfügung. Es war ein gutes Gefühl, am Ende unseres Studiums, mit dem Wissen der vergangenen Jahre und fernab des üblichen Uni-Stresses, wieder in die Werkstatt einzutauchen und frei zu experimentieren. Innerhalb von zwei Tagen voller Papierlager-Durchstöbern, Farbentscheidungen und dem erneuten Warmwerden mit dem Riso entstand schließlich die Auflage unserer Print-Kampagne.
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Die Flyer wurden nach dem Druck Unten Links mittels Lasercutter ausgeschnitten. Dieses zusätzliche Verfahren bot uns spannende Einblicke und es entstanden neue Ideen, wie wir dieses Tool künftig im Laufe des Projekts noch einsetzen könnten.
Die Plakate und Flyer verteilten wir an der FH und in verschiedenen soziokulturellen Zentren in Potsdam, um die Sichtbarkeit des Projekts zu erhöhen. Einen Tag lang hingen wir mit der Unterstützung von Freund*innen gefühlt in der ganzen Stadt Plakate auf und spürten dabei zum ersten Mal, wie das Projekt in die Realität trat.
Im Laufe der Organisation entstand auch die Idee, einen eigenen PRINT SCAPE Instagram-Account anzulegen. Zunächst gedacht als persönliche Dokumentation, entwickelte sich schnell der Anspruch, ihn ebenfalls als Kommunikationsplattform für das Event zu nutzen. Wir setzten ihn mit einem durchdachten Feed um und entwickelten verschiedene Content-Formate, abgestimmt auf die visuelle Identität der Kampagne. Es bereitete uns Freude, die Kommunikation nach außen mit dem Dokumentieren unserer gestalterischen Forschungen zu verbinden. Nach dem Event dient uns der Account nun als visuelles Archiv dessen, was wir gemeinsam erschaffen haben und darauf sind wir sehr stolz.
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Die Idee der Scape-Form, die wir bereits bei den Flyern aufgegriffen hatten, führten wir weiter und übertrugen sie ins Dreidimensionale. Aus dem uns zur Verfügung stehenden Material entwickelten wir auf Basis von 3D-Scans des Vulkan-Fiber-Fabrik-Geländes verschiedene abstrakte Formen, die wir anschließend mittels Lasercutter und 3D-Druckverfahren vom Digitalen zurück ins Analoge brachten.
Wir experimentierten mit dem neuen Format und entwarfen aus den Scapes eine kleine Kollektion bestehend aus Charms, Ohrringen und Kettenanhängern, die sowohl 3D-gedruckt als auch aus verschiedenen Materialien gefertigt wurden, die wir im Atelier zur Verfügung hatten. Diese Kollektion sollte später auf dem Event als Merch dienen.
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Die Ausstellung zeigte 16 unterschiedliche Positionen zum Thema Print. Erfahrene wie junge Gestalter*innen sowie zwei Kollektive präsentierten ihre Arbeiten. Von Risographie über 3D-Druck und Fotografie bis hin zu Produktdesign zeigte die Veranstaltung eine breite Vielfalt künstlerischer und technischer Herangehensweisen und schuf einen Raum für Begegnung und Austausch. Gleichzeitig bot die Ausstellung die Möglichkeit, Prints zu verkaufen oder untereinander zu tauschen.
Im interaktiven Bereich konnten Teilnehmende sowie Besuchende an einem Druck-Workshop teilnehmen. Das Thema Print wurde so durch verschiedene Live-Printing-Formate auf vielfältige Weise erfahrbar gemacht. Der Workshop eröffnete Gespräche und eine Kultur des Experimentierens. Von Jung bis Alt entstand ein lebendiges Treiben, und wir waren froh zu sehen, wie gut das geplante Format aufging. Am Ende des Tages konnte jede Person einen eigenen Druck mit nach Hause nehmen.
Neben dem Workshop mit Farben und Papieren bot auch eine 3D-Druckstation die Möglichkeit, sich auszuprobieren. Fast wie am Fließband lief die Produktion neuer Scapes, die an unserem Merchstand mit einem Heißluftföhn zu Ringen oder Armbändern gebogen werden konnten. Zusätzlich konnten individualisierte Ohrringe, Ketten oder Charms gestaltet werden.
Um so eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen, braucht es vieles: Ideen, Durchhaltevermögen, Zusammenhalt, Durchsetzungskraft, Zeit und Freiraum für die eigene Kreativität, Tatendrang, tragende Hände und Herzen, wache Augen, viel Leidenschaft und einen starken Glauben an die Sache. Letzterer hat uns wohl auch all die Herausforderungen während des Prozesses durchstehen lassen. Das Projekt hat uns viel darüber gelehrt, wie man als Team zusammenhält; auch wenn nicht alle Teil der treibenden Kraft sind, was es heißt, Verantwortlichkeiten und Ressourcen fair aufzuteilen, Prioritäten zu setzen, Hilfe einzufordern und vor allem vom Denken ins Tun zu kommen.
Das Projekt war unglaublich vielschichtig, und wir arbeiteten teils zum ersten Mal an großen kulturorganisatorischen Aufgaben. Wir gestalteten und planten eine Kampagne, beschäftigten uns mit Raumplanung und Ausstellungsdesign, organisierten einen Open Call und erhielten erstmals Einblicke in die Kommunikation mit einer großen Anzahl an Künstler*innen. Wir dachten verschiedene Finanzierungsoptionen durch, koordinierten eine umfangreiche Aufbauaktion mit verschiedenen Teams, die uns dann auch am Tag des Events unterstützten. Wir nutzten unsere Netzwerke und Ressourcen und organisierten das gesamte Event from scratch.
Wir sind sehr dankbar für all die Erfahrungen, die wir sowohl organisatorisch als auch gestalterisch aus dem Projekt ziehen konnten; und auch für die kleinen und großen Momente, die uns bis heute in Erinnerung geblieben sind. Wir sind stolz auf das, was wir gemeinsam erschaffen haben. All das wäre nicht möglich gewesen ohne die helfenden Hände und die Offenheit unserer Liebsten und Freund*innen, uns bei diesem großen Vorhaben zu unterstützen. Ein großes Dankeschön geht auch an alle Teilnehmenden und Besuchenden von PRINT SCAPE ohne euch wäre das Event nicht das gewesen, was es war!
✧ Das PRINT SCAPE Team ✧
Clara, Emma und Alex
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