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CLAP

Endprojekt-Dokumentation im Kurs „Zählen“ von Monika Hoinkis – bearbeitet von Lennart Hildebrandt und Moritz Kronberger

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Unser Projekt beschäftigt sich mit dem Verhalten von Menschen im öffentlichen Raum. Berlin kann sehr triste und müde sein. Vor allem am morgen. In der Ubahn. Betäubt wirkende Menschen stehen am Bahnsteig und warten auf ihren Zug, der sie zur Arbeit bringt. Es gibt kein Gespräch, kein Lächeln, nicht einmal Blickkontakt. Diese Stimmung bot uns die Grundlage unserer Idee und brachte uns zu der Fragestellung: Wie könnte man diese eisige Stimmung aufbrechen und etwas Leben in die Ubanstation bringen?

Nach einiger Diskussion in der Gruppe kristallisierte sich ein Gedanke heraus: Leute zum klatschen bringen!

Daher der Titel: „CLAP“

Wie könnte man den Berliner Alltagsbürger auf dem Weg zur Arbeit um 6 Uhr morgen dazu bringen seine böse Miene abzulegen und gegen ein paar Klatscher zu tauschen, damit er vielleicht mit einem Lächeln in die nächste U-Bahn steigen würde.

Unsere Lösung war ein Aufsteller mit einem grellroten Plakat. In der Mitte waren zwei klatschende Hände zu sehen zwischen denen man die aktuelle Summe aller Klatscher ablesen konnte. In großen weißen Lettern war der Satz zu lesen: „Clap for a better world“ – „1 clap = 1% better world“.

Eine Aufforderung, die Welt mit Klatschen besser zu machen. Die eigene Welt. Sich ein Stück zu öffnen für Neues. Vielleicht für ein Gespräch. Vielleicht ein Lächeln. Oder auch nur einen Blickkontakt.

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Ein typischer Aufbau eines Klatschalters / Unsere eigene Versuche

Wie bekommt man es nun also hin, dass das Geräusch des Klatschens dazu führt, dass der Zähler seine Augenzahl ändert und diese Geräusche zählt?

Den erste und offensichtlichsten Ansatz für die Umsetzung sahen wir in einem Klatschschalter, der normalerweise im Haus als akustischer Empfänger verwendet wird, um das Licht im Raum durch Klatschen ein- oder auszuschalten.

Um möglichst variabel im Aufbau zu bleiben, entschieden wir uns für einen Bausatz von Conrad. Scheinbar fehlte uns hierfür jedoch die nötige Fähigkeit im Löten um die Einzelteile zu einem funktionierenden Schalter zusammen zu fügen.

Unser nächste Versuch bestand darin, dass wir den Klatschschalter mit dem Arduino-Board nachbauen wollten. Nach mehreren Versuchen stellten wir jedoch fest, dass uns hierfür das technische Know-How, ein guter Bauplan und einige Bauteile fehlten.

So kamen wir jedoch auf die letzte und wohl einfachste Idee. Sie sah vor, dass wir über ein in einen Computer oder Laptop eingebautes Mikrofon und Processing in Verbindung mit der minim-Bibliothek das Klatschen aufzeichnen und an das Arduino Board weiterleiten.

Vorteile:

  • Fertiger FFT-Transformer über die minim-Bibliothek zum schnellen und einfachen Filtern bestimmter Frequenzen
  • Erfahrungen im Umgang mit Processing und Java
  • Fertige Umgebung mit Processing

Nachteile:

  • Computer (Laptop) nötig, der Processing ausführen kann
  • Aufwändiger im Aufbau
  • Laptop im Aufsteller kann nicht alleine gelassen werden

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Zu den ersten Versuchen gehörte natürlich auch die Suche nach einem geeigneten Standort und einer passenden Lage des Zählers.

Erste Ideen sahen vor, dass wir den Zähler möglicherweise hinter einer Scheibe, einem Schaufenster oder an der Decke befestigen könnten.

Wir entschieden uns jedoch schlussendlich für einen Aufsteller, mit dem entscheidenen Vorteil, dass wir auf mögliche Hindernisse im U-Bahnhof flexibler reagieren konnten. Wie sich dann bei der Durchführung herausstellte, war es immer wieder notwendig, die Position des Zählers neu an die Laufrichtung der Menschen im Bahnhof anzupassen.

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Ab hier teilten wir die Aufgaben in Handwerk und Programmierung. Während Lennart sich also um die Programmierung und die Schnittstelle zwischen Soft- und Hardware kümmerte und einen entsprechenden Klatschsensor baute, kümmerte sich Moritz um Plakatdruck, Zähler und einen selbstgebauten, passenden Aufsteller.

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Als nächsten führten wir unsere Ergebnisse zusammen. Durch ein Seil im Aufsteller hängten wir den Laptop so auf, dass er von außen nicht sichtbar ist. Das Arduino und sonstige Hardware klebten wir an die Innenwände des Aufstellers. Zusätzlich bauten wir noch eine kleine Webcam ein, die direkt aus der Plakatvorderseite heraus filmen sollte. Leider stürzte uns jedoch bei der Durchführung die Aufnahmesoftware ab, wodurch mehrstündiges Aufnahmematerial von der Webcam verloren gingen.

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Ergebnis: Der Aufsteller

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Endstation im U-Bahnhof Friedrichstraße

Für die Durchführung mussten wir nun also den Aufsteller mit unserem Arduino, der den Zähler steuerte und mit einem MacBook Air, das für die Klatsch-Erkennung zuständig war, ausstatten. Das bedeutete eine gewisse Einschränkung bei der Auswahl unserer Testumgebung.

So bot sich der U-Bahnhof Friedrichstraße an. Wir zogen los. Angekommen am Zielort musste die Technik erst wieder instand gesetzt werden, die durch den Transport etwas in Mitleidenschaft gezogen worden war. Bald aber war alles funktionstüchtig und es konnte losgehen.

Ein Großteil der Leute, die an unserem Aufsteller vorbeikamen, nahmen kaum Notiz davon. Unter anderem auch dadurch, dass der U-Bahnhof Friedrichstraße zur Zeit unseres Experiments ein Enbahnhof (Unterbrechung zwischen Friedrichstraße und Französische Straße) war und deshalb die Fahrgäste entweder aus einem ankommenden Zug aussteigen mussten und danach das Gleis sofort verliesen, oder abfahren wollten, in welchem Fall sie in den wartenden Zug einstiegen. Wenig Wartende am Bahnsteig also.

Nichtsdestotrotz zeigten einige Leute Interesse an dem grellroten Plakat und denen, die näher kamen war auch sofort klar worum es ging. Alles in allem verbrachten wir vier Stunden in der U-Bahnstation und zeichneten dabei 84 Klatscher auf. Allerdings war vielleicht auch der ein oder andere von uns dabei.

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Das Themenfeld der Zahlen als Vorgang und Darstellung von Prozessen entpuppte sich als ein sehr anspruchsvolles und spannendes Kursthema. Es machte großen Spaß, sich im Raum der Zahlen konzeptionell umfangreich und sozial kritisch austoben zu können.

Und obwohl wir einige Ansätze brauchten, bis wir eine technische machbare Umsetzung fanden, brachte uns das gute Feedback und die gute Atmosphäre im Kurs immer weiter zu einem brauchbaren und spannenden Ergebnis.

Insgesamt sind wir mit dem Ergebnis und den Inhalten des Kurses sehr zufrieden.

Fachgruppe

Sonstiges

Art des Projekts

Studienarbeit im ersten Studienabschnitt

Betreuung

foto: MH

Entstehungszeitraum

Wintersemester 2012 / 2013