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Neues Projekt

In dem Kurs „Archiv und Narration“ sollten wir uns mithilfe des Archivmaterial des Schwulen Museum Berlin in ein selbst gewähltes Thema einfinden und dieses mit dem dazu vorliegenden Material bearbeiten, um daraus eine Publikation zu gestalten.

Mit unserem Kurs haben wir eine Führung durch die Reihen der gefüllten Regale mit Dokumenten, Filmen, Büchern, Schriften, Briefen und Kunstwerken und so einen Einblick in die einzelnen Arbeitsschritte, die bei einer Archivierung durchlaufen werden, bekommen. Die Besonderheit an dem Schwulen Museum Berlin und dessen Archiv ist nämlich dessen Zugänglichkeit - denn alle die wollen, sollen und können darauf Zugriff haben. Wenn man z.B. zu einem bestimmten Thema forschen will, kann man Material dazu in der Bibliothek anfordern und daraufhin werden die entsprechenden Dokumente aus dem Archiv zur Verfügung gestellt. Auf diese Zugänglichkeit wurde in diesem Kurs der Fokus gelegt.

Themenfindung

Bei der Menge an Themen und Personen, die in dem Archiv zu finden waren, viel es schwer, sich auf eine bestimmte Sache festzulegen. In einer kleinen Gruppe (Mara, Vero und ich), haben wir uns dazu entschlossen, das Material zu Rosa von Praunheim zu besichtigen und uns auf ihn festzulegen. Uns wurde eine Kiste mit verschiedenen Akten gezeigt. Jede Akte bezog sich auf einen Film von Rosa und schnell viel auf, dass die Akte zu dem Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ mit Abstand am meisten Dokumente und Materialen beinhaltet. Bei den Dokumenten handelt es sich hauptsächlich um gesammelte Zeitungsartikel sowie eine paar mitgeschriebenen Berichte aus Fernsehdiskussionen und vereinzelte Fotos oder Flyer.

Rosa von Praunheim

Als Regisseur, Autor, Schauspieler und Aktivist spielt Rosa von Praunheim eine bedeutende Rolle in der deutschen LGBTQ+-Kultur und Filmwelt. Als einer der Ersten setzte er sich für die Emanzipation der Homosexuellen ein und forderte ein freies Leben in der Gesellschaft ohne Verstecken. Durch seine kontroversen und provokativen Werke hat Rosa von Praunheim nicht nur Tabus gebrochen, sondern auch wichtige Diskussionen über Sexualität, Identität und gesellschaftliche Normen angestoßen.

Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt

Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt ist einer der wichtigsten Filme von Rosa von Praunheim aus dem Jahr 1971, ein Jahr nach der Abschaffung des § 175 StGB. In diesem Film thematisiert Rosa die gesellschaftlichen Zwänge und Vorurteile, mit denen Schwule in der damaligen Zeit konfrontiert waren. Der Titel des Films stellt eine direkte Herausforderung an die bestehenden Normen dar und lenkt den Fokus auf die strukturelle Diskriminierung und Ausgrenzung, die Homosexuelle erlebten. Durch seine kritische Analyse von Homophobie und gesellschaftlichen Normen trug der Film maßgeblich zur Sensibilisierung für die Lebensrealitäten von Schwulen bei und leistete einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des queeren Aktivismus in Deutschland. Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt bleibt insofern nicht nur ein bedeutendes Werk der LGBTQ+-Filmgeschichte, sondern auch ein kraftvolles Statement für Gleichberechtigung und Akzeptanz.

Material

Archiv - 

Die Materialen aus dem Archiv sind alle Dokumente, die uns durch das Museum zu Verfügung gestellt wurden. Hierunter fallen hauptsächlich Zeitungsartikel, welche sich vor allem in die Jahre 1972 und 1973 unterteilen lassen. Dies sind die Jahre, in denen der Film jeweils im 3. und im 1. Fernsehprogramm zum ersten Mal lief. Die Zeitungsartikel sind dementsprechend Reaktionen auf den Film und wie er damals gesellschaftlich aufgenommen wurde.

Unter den vielen Zeitungsartikeln gab es ausserdem protokollierte Aufzeichnungen von Anrufen oder Briefen der Zuschauer:innen, die nach der Ausstrahlung des Films geäussert wurden sowie das Protokoll einer Publikumsdiskussion, die nach der Ausstrahlung stattgefunden hat. In dieser Diskussion sprechen Rosa, Politiker:innen und Zuschauer:innen über den Film und die aktuelle Situation für Homosexuelle.

Film - 

Viel des genutzten Materials kommt aus dem Film selbst. Dieser war nützlich, um genügend Bildmaterial zu gewinnen, damit so der Inhalt greifbarer wird. Zudem habe ich mehrere Passagen des gesprochenen Textes abgetippt und konnte diesenen auf diese Art ebenfalls verwenden.

Internet - 

Ein paar wenige Materialien stammen aus dem Internetquellen. Es wurden zum einen Informationen von Rosas eigener Website genutzt aber auch einzelne Artikel zur Homosexuellen Aktion Westberlin oder zum §175 StGB.

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Konzept

Die Grundidee hinter dieser Publikation war es, die Stimmung dieser Zeit, der 70er Jahre in Deutschland, und Verständnis für und rund um den Film herum aufzunehmen und wiederzugeben. Vordergründig soll dargestellt werden, welche Bedeutung dieser Film hatte - diese Bedeutung kann man jedoch nur verstehen, wenn man auch ein auch den Kontext und die Zeit versteht. So war z.B. die Abschaffung des §175 StGB gerade erst geschehen, die breite Akzeptanz von Homosexuellen in der Gesellschaft war kaum bis gar nicht vorhanden. Dieser Kontrast zwischen der nicht-offenen, grauen Gesellschaft und dem kitschig bunten Film von Rosa soll verdeutlicht werden und Mittelpunkt meiner Publikation sein.

Aber auch die Person Rosa von Praunheim selbst soll beleuchtet werden, genauso wie der §175 StGB und die HAW.

Um all diese verschieden Perspektiven und Einstellungen zu charakterisieren und sie so voneinander abzuheben, habe ich mit vielen verschiedenen Fonts gearbeitetet. Ich habe so für:

- Zeitungsartikel „G2 Erika Mono“ genutzt - sie hat für mich diese Engstirnigkeit, aber auch die Austauschbarkeit des Gesagten gut wiedergegeben. Um dies noch mehr zu unterstreichen sind alle Zeitungsartikel im Blocksatz gesetzt.

- Zeitungsüberschriften „Athelas“ gewählt - durch ihre Nutzung als Überschrift werden die ursprünglichen originalen Zeitungsartikel aufgegriffen und der Zeitungscharakter wird verstärkt.

- Rosa von Praunheim „ABC Leica“ verwendet - diese Schrift finde ich deshalb sehr passend, weil sie eine gewisse Leichtigkeit in sich trägt, aber zugleich eine Stärke aufweist. Ebenfalls wurde alles, was Rosa selbst geäussert hat, mit einem linksbündigen Flattersatz gesetzt, um die Verspieltheit der Person auch im Kontrast zur Engstirnigkeit der damaligen deutschen Gesellschaft abzubilden.

- Homosexuelle Aktion Westberlin „Compagnon“ benutzt - sie passt sich gut den restlichen Schriften an, da sie ebenfalls eine Mono Schrift ist, wirkt jedoch viel freundlicher und steht dazu im Gegensatz zur „G2 Erika Mono“. Auch beim Verwenden dieser Schrift habe ich einen linksbündigen Flattersatz benutzt.

- Display-Schrift „Avara“ gewählt- diese Font drück etwas Starkes aus, sie wirkt laut und aussagekräftig

- Quellen „Armand Grotesk“ genutzt - zurückhaltend und fein lässt diese Schrift dem Text und Bildern genügend Platz zu wirken.

Ich habe mich für ein 3:4 Format entschieden. Hierfür wurde ich von dem früher verwendeten Fernsehformat inspiriert und finde es entsprechend des Inhalts der Publikation, die sich mit der Erstausstrahlung des Films beschäftigt, passend, um diesen Aspekt nicht nur aufzugreifen, sondern auch hervorzuheben.

Cover - Für das Cover wollte ich Graupappe benutzen, die einmal um das Buch herumgreift. Die Graupappe soll dieses Archivarische wieder aufgreifen und andeuten dass der Inhalt eine Ansammlung an Archivierten Dokumenten ist. Wenn das Cover dann geöffnet wird, soll die erste Seite Pink sein und ein zweites Cover darstellen. Dieses Pinke Cover ist das für Rosa gedacht und soll wieder im Kontrast mit dem Grau stehen.

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Herangehensweise

Bevor mit der Gestaltung überhaupt begonnen werden konnte, war es wichtig, sich einen Überblick über das gesamte Archivmaterial zu verschaffen. Ich habe die Zeitungsartikel chronologisch geordnet, um nachvollziehen zu können, was rund um den Film geschehen ist, um so ein besseres Verständnis für die Zeit und das Geschehen zu erlangen.

Ich wusste schon relativ früh, dass ich die Zeitungsartikel selber nochmal neu setzen und sie nicht als Fotokopie verarbeiten will, weshalb alle Artikel, die ich verwenden wollte, transkribiert werden mussten. Dieser Schritt hat viel Zeit beansprucht, aber dadurch hatte ich die Freiheit, die Artikel ganz in meinem Sinne für die Gestaltung zu nutzen und zu setzen.

Für den Film selbst habe wir diesen als Gruppe (Mara, Vero, ich) als DVD gekauft, um Screenshots machen zu können.

In dem Film wird die Geschichte von Daniel erzählt, der nach Berlin zieht und da „alle Stufen des Schwulseins“ durchlebt. Diese einzelnen Stufen werden dabei im Film stets von einem Sprecher begleitet und genauer erläutert.

Um den Film in der Publikation wiederzugeben, habe ich mich dazu entschlossen, diesen gebrochenen Text zusammen mit den Screenshots zu verwenden. Ich habe den Text abgetippt und im Buch mit entsprechenden Minutenanzeigen wiedergegeben. Die abgebildeten Screenshots ragen als einzige in der Publikation über den Rand hinaus. Das soll symbolisieren, dass dieser Film damals im wahrsten Sinne des Wortes den Rahmen gesprengt hat und über bestehende Grenzen hinausgegangen ist.

Das Ende des Films findet in einer Kommune statt. Es wird sich dort in der Gemeinschaft eine neue Lebensweise beschlossen, welche ein offenes und freies Leben von Homosexuellen vorgibt. Dieses „Fazit“ des Films habe ich als vollständigen Dialog wiedergegeben und abgebildet.

Für die Gestaltung des Kapitels zu Rosa habe ich mich für neon-pinkes Papier entschieden. Dieses soll die schrille Art von Rosas Person, seinem Charakter und seiner Darstellung, repräsentieren. Auf diesen Seiten wird sein Lebenslauf wiedergegeben, darunter auch eine Auflistung von einigen seiner Filme, die er über sein Leben hinweg gedreht hat.

Das gleiche pinke Papier habe ich auch für die erste Seite benutzt, auf welcher das Inhaltsverzeichnis sowie ein einleitender Satz von Rosa gedruckt ist. Mit dieser ersten pinken Seite und dem abschliessenden Kapitel von Rosa beginnt die Publikation mit Pink und endet mit Pink.

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Fazit

Dieses Projekt hat mir vor Augen geführt, wie endlos Gestaltung sein kann. Ich bin mir sicher, dass ich noch viele weitere Wochen weiter hätte daran arbeiten können - zum Glück gibt es eine Deadline. Jedoch habe ich auch festgestellt, dass auch gerade dieses „Endlose“ und Vielfältige ist, was mir Spaß gemacht hat. Die eigene Gestaltungsmöglichkeit bei jedem einzelnen Schritt und jedem kleinsten Detail inne zu haben ist, was die Publikation am Ende des Tages zum „Eigenen“ macht. Ich konnte sehr viel lernen bei der Bearbeitung dieser Aufgabe, obwohl ich sicherlich nicht alles noch einmal auf dieselbe Art und Weise machen würde - aber dafür, dass es sich um meine erste Publikation handelt, bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

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Ein Projekt von

Fachgruppe

Kommunikationsdesign

Art des Projekts

Keine Angabe

Zugehöriger Workspace

Archiv und Narration

Entstehungszeitraum

Wintersemester 2023 / 2024

3 Kommentare

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10/10!!!

damn right bene

slay