In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
Ziel des Kurses ist es, eine neue, sich gerade entwickelnde Technologie mit verschiedenen Methoden kennenzulernen, zu erforschen und für die eigenen Ideen der Studierenden nutzbar zu machen. Dabei gilt es, die weitreichenden Möglichkeiten und Risiken der Künstlichen Intelligenz im Bereich der Bildproduktion zu reflektieren. Nach einer Übungsphase im Umgang mit den gängigen Tools zur Bildgenerierung sollen die Studierenden einzeln oder in Teams mit den Verfahren unsere bisherige- und zukünftige Bildrealität untersuchen. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf der absurden Grundgrammatik der KI-basierten Bildgenerierung – denn jedes neu entstehende Bild hat seine Basis in der Vergangenheit, weil die technische Intelligenz mit vorhandenem Bildmaterial trainiert wurde. Ein anderer Schwerpunkt der Projektarbeit ist der neue, nur schwer zu fassende Wirklichkeitsbezug generierter Bilder, der in praktischen Übungen kritisch hinterfragt werden soll. Natürlich leben wir in einer Zeit, wo wir keiner digital übermittelten Stimme mehr glauben können. Jenseits der Auseinandersetzung mit dem Projektthema werden die Studierenden eine Bildkompetenz erworben haben, mit dem sie auf zukünftige technische Wandlungsprozesse reagieren können.
Der Kurs findet in Kooperation mit Prof. Henrik Spohler und Studierenden der HTW Berlin statt.
Aufgabe: Sucht Euch eine Fotograf*in aus, die in die Fotografiegeschichte eingegangen ist. Recherchiert zu dem/der Fotograf*in und findet heraus: was zeichnet die Inhalte und die Bildsprache aus. Versucht eine Serie von Bildern zu generieren, die so aussieht, als wäre eine bisher unbekannte Fotoserie der / des Fotograf*in entdeckt worden. Bearbeitet die generierten Ergebnisse anschließend gern in Photoshop weiter. Hier ist natürlich alles erlaubt.
Ausgewählter Fotograf: Guy Bourdin
“Bourdin wurde berühmt durch seine narrativen Bildinhalte und seine surreale Bildsprache, die Verbindung einfacher Objekte mit mehrdeutigen, oft rätselhaften Subtexten, brach Bourdin radikal mit allen Konventionen der Mode- und Werbefotografie.” - Kunsthalle Talstraße
Erwartet vor allem in den 50er bis 80er Jahre tätig und veränderte seinen Stil vom Surrealismus hin zur subjektiven Fotografie in späteren Jahren.
Bereits während meines Auslandsstudiums habe ich mich mit Guy Bourdin auseinandergesetzt und versucht eines seiner Werke im Studio nachzustellen.
DISCARDED
In the realm of contemporary photography, a captivating and enigmatic series has emerged, shedding light on the often overlooked beauty of discarded moments. This groundbreaking collection, recently unearthed, belongs to none other than the iconic Guy Bourdin, known for his avant-garde approach to fashion photography. In this newfound series, Bourdin masterfully navigates the delicate balance between chaos and artistry, elevating the discarded to the realm of the sublime.
Guy Bourdin, celebrated for his surreal and provocative images, has taken a departure from his well-known fashion narratives. This series, comprised of discarded photos, serves as a testament to Bourdin's keen eye for the extraordinary in the ordinary. The discarded becomes a canvas for his exploration of the overlooked, inviting viewers to reconsider the transitory nature of photography itself.
Bourdin's discerning lens transforms seemingly mundane subjects into evocative visual poetry. Each photograph captures a moment suspended in time, transcending its initial dismissal. His use of light and shadow, coupled with a distinctive color palette, breathes life into these forgotten fragments.
The discarded photos, now resurrected, evoke a sense of nostalgia and introspection. Bourdin's artistic vision challenges conventional notions of beauty, urging the audience to find meaning in the abandoned fragments of our collective visual memory. Through this series, he invites us to confront our own predispositions and preconceptions about art, encouraging a reconsideration of the discarded as a wellspring of untapped creativity.
Guy Bourdin's discarded photo series stands as a testament to the transformative potential of the overlooked, challenging us to find art in the fragments of our visual history.
- Chathy Guesto and Paula Tallus (Art Historians)
Erste Versuche mit Midjourney
Prompt: surreal photo of legs holding a head, in style of Guy Bourdin, red lipstick
Prompt: a surreal photo of white hands with eyes over a woman’s face, red lipstick, in style of Guy Bourdin
Prompt: surreal photo of eyeball in mouth, red lipstick, style of Guy Bourdin, portrait of head
Versuch ohne die explizite Vorgabe „im Stil vonGuy Bourdin“
Prompt: surreal fashion photography, woman’s legs sticking out of closet, hard lighting
Erste Versuche mit Dall-E
Prompt: A surreal photograph of heads coming out of the ground by Guy Bourdin
Prompt: Surrealist photograph of a face with red lipstick stuck legs of a person wearing mesh clothing
Honorable mentions…
Erkenntnisse zu Guy Bourdins Stil
Seine Werke gehören sowohl dem Fotosurealismus als auch der subjektiven Fotografie an. Vor allem die ungewöhnlichen Winkel, unkonventionellen Bildausschnitte und kontrastreiche Belichtung der Fotografien unterstützen den Betrachter dabei, die Welt durch Bourdins Augen und Fantasien zu sehen. Häufig wird dieser Effekt mit dem Einsatz knalliger Farben (meistens Rot) unterstützt.
Erkenntnisse zur Rekreation Bourdins Werke mit AI
Zu Beginn der Übung habe ich zunächst versucht, die Bilder, die in meinem Kopf entstanden sind, so genau wie möglich zu beschreiben. Dabei viel mir auf, dass nicht alles berücksichtigt wird und er Teile des Prompts mit anderen Abschnitten mischt. Das hat dazu geführt, dass ein komplett anderes Bild gerechnet wurde. Stilistisch passen diese Bilder auch zum Thema, aber bilden nicht das gewünschte Motiv ab.
Ich versuchte außerdem, die Bilder Stück für Stück aufzubauen, indem ich das Grundmotiv beschreiben habe und anschließend Stilelemente des Fotografen einfließen lassen habe. Dies führte allerdings zu geringen Ähnlichkeiten mit dem gewünschten Stil und brauchte viele Versuche ein gewünschtes Ergebnis zu bekommen. (Prioritäten innerhalb des Prompts)
Nach dem Input vom 03.11, habe ich zudem versucht im Prompt auf die Nennung des Fotografen zu verzichten und die Essenz seiner Bildsprache in den Prompt einfließen zu lassen. Leider wurden dabei nicht alle Aspekte des Stils berücksichtigt. Eine gewisse Ähnlichkeit zu Bourdins Werken ist in den Bildern zu erkennen, aber deckt nicht direkt seinen vollständigen Stil ab.
Da sich viele von Bourdins Werken mit Nacktheit und Reizwäsche beschäftigen, wurden meine Prompts auch häufig als anstößiger und daher nicht erlaubter Inhalt geflaggt und die Generierung abgebrochen oder der in ungewollter Weise interpretiert.
“Ich hab aber manchmal das Gefühl ,dass wir in einer ähnlichen Zeit leben wie in der Weimarer Republik. (…) als wären wir am Vorabend von Etwas, was ich jetzt nicht dringend erleben möchte.”
- Hape Kerkeling / Maybritt Illner, 20.07.23
Bereits vor ungefähr 100 Jahren galt Berlin als ein Mekka des queeren Lebens. Queere Bars und Clubs wie das Eldorado boten den perfekten Raum für Menschen verschiedenster Identitäten und queere Lebensweisen. Am Institut für Sexualwissenschaften zu Berlin, wurden Anfang der 30er Jahre die ersten geschlechtsangleichenden Operationen durchgeführt. Mit dem sogenannten Transvestitenschein wurden Transidentitäten zum ersten Mal legal anerkannt und es transidenten Menschen ermöglicht, sich ihrem Geschlecht entsprechend auf der Straße zu kleiden. All der Fortschritt stoppte jedoch mit der Machtergreifung der Nazis. Fast alle Belege dieser queeren Identitäten wurden vernichtet, queere Menschen systematisch verfolgt und anschließend wie viele andere Volksgruppen in Konzentrationslagern ermordet. Auch heute müssen sich queere Menschen weiterhin gegen Anfeindungen und Gewalt behaupten, während die erneut erstarkende Rechte dunkle Schatten über weite Teile der Erde wirft. In meinem Projekt versuche ich mit Hilfe von generativen AI Werkzeugen ein paar dieser verlorenen Realitäten wiederzubeleben. Die meist alltäglich wirkenden Bilder geben intime Einblicke in das Leben der beiden Männer und zeigen, dass Queerness kein Modetrend der heutigen Zeit ist.
/Imagine: 1920s, two men in a vintage bathtub
Was ich von KI gelernt hab? Ein „Gay couple“ sind meistens 3 Männer.
„We’re such manly men, bro!“
„Yeah, bro. Look at our muscles, bro!“
„Gimme a high five on that, bro!“
Birdlady and Potatoman
Lean on me…
Me: generate a vintage photo of a gay couple, eating at a restaurant, 1920‘s
KI: Hold my beer!
Die Arbeit mit generativer KI hat mir unschätzbare Möglichkeiten geboten, meine technischen Fähigkeiten zu verbessern. Durch das Experimentieren mit verschiedenen KI-Algorithmen, Workshops und Software-Tools habe ich ein tieferes Verständnis für Bildverarbeitung, maschinelle Lerntechniken und die Feinheiten der Arbeit mit komplexen Datensätzen entwickelt. Diese praktische Erfahrung hat nicht nur mein technisches Repertoire erweitert, sondern mich auch mit wertvollen Problemlösungsfähigkeiten ausgestattet, die ich bei zukünftigen Projekten anwenden kann.
Einer der aufregendsten Aspekte dieses Projekts war die Möglichkeit meiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Generative KI ermöglicht die Erzeugung von Bildern, die sich konventionellen künstlerischen Normen widersetzen, und eröffnet so eine Welt voller Möglichkeiten für Experimente und Innovationen. Die Arbeit mit KI hat mich dazu ermutigt, über den Tellerrand hinauszuschauen und neue Wege des künstlerischen Ausdrucks zu erkunden - von der Erkundung verschiedener Stile und Ästhetiken bis hin zur Überschreitung der Grenzen der traditionellen Fotografie.
Die Zusammenarbeit mit generativer KI war ein faszinierendes Erlebnis, das meine Vorurteile über die Rolle der Technologie im kreativen Prozess in Frage gestellt hat. Ich betrachte KI nicht mehr als bloßes Werkzeug, sondern als kreativen Partner, der die menschliche Kreativität inspirieren, verstärken und ergänzen kann. Durch die Nutzung der Fähigkeiten von KI-Algorithmen konnte ich neue künstlerische Gebiete erkunden und unerwartete Muster und visuelle Motive entdecken, die ich sonst vielleicht übersehen hätte.
Die Beschäftigung mit KI im Kunstkontext hat auch zu wichtigen Überlegungen über die rechtlichen Implikationen dieser Technologie geführt. Fragen zu Urheberschaft, Eigentum und Authentizität von KI-generierten Kunstwerken haben mich dazu gezwungen, diese kreative Praxis kritisch zu untersuchen. Ich habe erkannt, wie wichtig Transparenz, Namensnennung und der verantwortungsvolle Einsatz von KI in der Kunst sind. Diese Überlegungen müssen in jeder Phase des kreativen Prozesses eine zentrale Rolle spielen.
Eine der vielleicht wertvollsten Lehren, die ich aus diesem Projekt gezogen habe, ist die Bedeutung des Scheiterns als Katalysator für Wachstum. Das Experimentieren mit generativer KI ist oft mit einer gehörigen Portion Versuch und Irrtum verbunden, und nicht jeder Versuch führt zu den gewünschten Ergebnissen. Oftmals befindet man sich in einer Schleife von vielen missglückten Versuchen gespickt mit vereinzelten Lichtblicken. Jedes „Scheitern“ hat jedoch wertvolle Einsichten und Lernmöglichkeiten geliefert, die mich dazu gebracht haben, meine Techniken zu verfeinern, meine Ideen zu wiederholen und letztendlich als Künstler zu wachsen.
Bilder im Kopf
Das Projekt verdeutlichte mir, dass bei der Arbeit mit generativer KI ein klares Fotokonzept erforderlich ist. Ohne eine spezifische Idee fehlte es den Ergebnissen trotz technischer Kompetenz durchweg an Aussagekraft und Sinn. Dies verdeutlichte mir die zentrale Rolle der menschlichen Intention, wenn es darum geht,mit KI zu sinnvollen Ergebnissen zu gelangen. Es unterstrich die symbiotische Beziehung zwischen menschlicher Kreativität und KI-Fähigkeiten und betonte die Wichtigkeit von Intentionalität in der Zusammenarbeit mit generativer Software. Letztlich untermauerte das Projekt die Idee, dass das Potenzial der KI nur dann voll ausgeschöpft wird, wenn es mit einem gut durchdachten Konzept in Einklang gebracht wird und betonte die Bereicherung der menschlichen Kreativität durch die Technologie.
Human Resources
Das Projekt machte deutlich, wie wichtig es ist, den Zeitraum oder das Thema, das ich abbilden wollte, gründlich zu recherchieren, bevor ich begann Bilder zu produzieren. Ohne dieses kontextbezogene Verständnis hatte die KI Schwierigkeiten, kohärente und inhaltlich akkurate Bilder zu produzieren. Durch die Bereitstellung von historischem oder thematischem Kontext konnten die KI-Algorithmen die Prompts genauer interpretieren, was zu Bildern führte, die mit meiner künstlerischen Vision übereinstimmten. Diese Erfahrung unterstreicht die Komplementarität von menschlichem Wissen und KI-Fähigkeiten im kreativen Prozess und macht deutlich, wie wichtig menschliche Expertise für eine erfolgreiche Bilderzeugung ist.
Zensur und Vorurteile
Das Projekt offenbarte die Komplexität der Inhaltsmoderation, vor allem in Bezug auf die Darstellung von LGBTQ+ Menschen. Begriffe wie „Gay“ in meinen Prompts lösten automatische Warnmeldungen und folglich eine Zensur oder Sperrung von Bildern aus. Dies machte auch die ethischen Bedenken gegenüber KI-Systemen deutlich und unterstrich die Notwendigkeit differenzierter Algorithmen zur Inhaltsmoderation, um Vorurteile zu vermeiden und Inklusivität zu fördern. Die Auseinandersetzung mit diesen Herausforderungen unterstrich die Bedeutung von Aufklärungsarbeit und proaktivem Engagement, um sowohl gedankliche als auch algorithmische Befangenheit zu vermeiden. Mir wurden die breiteren gesellschaftlichen Auswirkungen von KI vor Augen geführt, weswegen ich auf verantwortungsvollere und ethisch korrekte Lösungen dieser Probleme hoffe.
Die Arbeit an diesem Projekt hat mir wertvolle Einblicke in die Arbeit mit und die “Denkweise“ von KI im Bereich der generativen Fotografie gegeben. Neben relevanten und grundlegenden theoretischen Konzepten und der Anwendung von Machine Learning wurden mir auch ethische, rechtliche und philosophische Aspekte der KI vermittelt. Trotz der faszinierenden und durchaus effektiven Arbeitsweise von künstlicher Intelligenz überwiegen für mich die beunruhigenden Erfahrungen, die ich während des Kurses gemacht habe. KI kann nicht reflektieren. KI denkt nicht selbst. Sie wird nur gefüttert und ist damit ein stereotyper Spiegel. Unsere westliche, weiße, männliche, hetero kapitalistische Gesellschaft wird komprimiert und kommt in den generierten Bildern in hoch dosierter Form wieder heraus. Die technologische und kontextuelle Verbesserung der generativen KI wird definitiv kommen. Wann aber Entwickler und Unternehmen die dringend notwendigen ethischen und sozialen Anpassungen vornehmen werden, bleibt abzuwarten. Daher halte ich es für sehr wichtig, dass im weiteren Verlauf der KI-Entwicklung, ähnlich wie im Kontext der gesellschaftlichen Entwicklung, besonderes Augenmerk auf die Inklusivität und Repräsentation verschiedener gesellschaftlicher Gruppen gelegt wird.