Incom ist die Kommunikations-Plattform der Fachhochschule Potsdam

In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre

Incom ist die Kommunikations-Plattform der Fachhochschule Potsdam mehr erfahren

Farbe

Ein Kurs über die Wissenschaft der Farbe mit viel Raum für Experiment und Gefühl. Dabei wurde unsere Wahrnehmung für die Wirkmächtigkeit von Farben geschult, ob für sich stehend oder aber sich gegenseitig beeinflussend. Immer ein Prozess des Beobachtens, Anmischens, Auftragens und unzählige Male wieder Übermalens bis Augen und Herz dann doch zufrieden waren.

1| Farbkärtchen

Eingeleitet wurde der Kurs mit einer Übung, welche uns ein erstes Gespür für das Abtönen von Farbe vermitteln sollte. Dafür bereiteten wir 30 Kärtchen im Format 6 x 6 cm aus 200-bis-300g-Skizzenpapier vor. Von zwei gewählten Ausgangsfarben sollte zunächst Kärtchen für Kärtchen mit weißem Pigment aufgehellt werden. Anschließend sollte dieses Verfahren zur Abdunkelung der gewählten Farben angewandt werden. Dafür durften wir allerdings kein schwarzes Pigment verwenden, sondern der Weg zum Grau sollte durch das Hinzugeben anderer Farben erprobt werden. Am Ende ging es um die Sichtbarkeit der Abstufung.

Hier das Ergebnis:

Farbkärtchen Endergebnis.pdf PDF Farbkärtchen Endergebnis.pdf

In dieser Übung wurde auch der Umgang mit Pigmenten erlernt, welcher für mich so ungewohnt erstmal eine Herausforderung darstellte. Das perfekte Verhältnis zwischen Binder und Pigmenten schien anfangs unberechenbar, es brauchte Zeit und Praxis bis ich den Dreh raushatte.

2| Monochrome Flaschen - Zeichnung mit Grauwerten

Als nächstes stand die zeichnerische Übung mit den Flaschen bevor. Dafür sollten wir einfarbig bemalte Glasflaschen stimmig vor uns anordnen und Licht auf diese einfallen lassen.

Übung_Monochrome_Glasflaschen.pngÜbung_Monochrome_Glasflaschen.png

So ergab sich ein kontrastreiches Motiv auf welches wir die vorangegangene Übung zum Abtönen wunderbar anwenden konnten, zunächst in Form von Skizzen mit Bleistift.

Monochrome_Flaschen_Skizzen.pngMonochrome_Flaschen_Skizzen.png

3| Monochrome Flaschen - farbige Arbeit

Danach ging es an die farbige Umsetzung. Vorab hatten wir unser Papier auf eine Unterlage aufgezogen, damit es sich später nicht wellt. Dafür haben wir es mit einem Schwamm angefeuchtete und mit Nassklebeband auf der Unterlage befestigt. Als es dann getrocknet war, konnte es mit dem Malen losgehen. Auch hier fand sich mit den feinen Abstufungen der Farbe eine Herangehensweise, um die anfängliche Hemmschwelle zu überwinden. Somit arbeitete man sich Ton für Ton voran.

Monochrome_Flaschen_Bunt.pngMonochrome_Flaschen_Bunt.png

Das Endergebnis zeugt für mich von Ungeduld, Ausbruch und Freude. Da ich seit dem Kunstunterricht in der Schule nicht mehr gemalt hatte und mir der Umgang mit Perspektive entfallen war, stieg in mir schnell eine Unzufriedenheit auf. Auch das Abtönen war viel schwerer als gedacht und überhaupt nicht so intuitiv, wie es der Künstler im Beispielvideo demonstrierte. Dann fällt mir oft mein Perfektionismus auf die Füße, ich werde verkrampft, verliere die Lust und Konzentration. Deshalb habe ich dann einfach angefangen ohne Realitätsanspruch zu malen, das hat mich beruhigt und den Druck rausgenommen. Nicht ganz, was die Übung bezwecken sollte, aber zumindest ein vollendetes Bild.

4| Ikebana inspirierte Komposition

Zu dieser Übung sollten wir 3 Gegenstände mitbringen, welche wir später als Stillleben vor einem farbigen Hintergrund arrangieren sollten. 

Angelehnt war diese Übung an die japanische Kunst des Blumenarrangierens Ikebana. Übersetzt bedeutet „Ikebana“ so viel wie „lebende Blumen“ („ike“ von Japanisch „ikeru“ für „Leben“ und „bana“ für „Pflanzen“). Dabei werden einzelne, ausgewählte Blumen gemeinsam mit Zweigen, Blüten und Knospen kunstvoll angeordnet.

Ikebana_Japanische_Blumenkunst.pngIkebana_Japanische_Blumenkunst.png

Die Künstlerin Sarah Illenberger ließ sich ebenfalls von dieser Kunstform inspirieren und kreierte während eines Aufenthaltes in Italien mehrere Ikebana-Kompositionen, welche fotografisch festgehalten wurden und die Balance zwischen Mensch und Natur symbolisieren sollen.

Sarah_Illenberger_Ikebana_1.pngSarah_Illenberger_Ikebana_1.png
Sarah_Illenberger_Ikebana_3.pngSarah_Illenberger_Ikebana_3.png
Sarah_Illenberger_Ikebana_2.pngSarah_Illenberger_Ikebana_2.png

Für mein Ikebana wählte ich ein Palo Santo, eine getrocknete Orange sowie ein Holzschälchen. Daneben platzierte ich eine kleine Vase mit drei goldenen Mohnblumen vor einem olivgrünen Hintergrund mit blauem Rechteck.

Ikebana_Arrangement.pngIkebana_Arrangement.png

Von diesem Arrangement ausgehend, begann ich zu zeichnen. Eigentlich sollte es nur eine grobe Bleistift-Skizze werden, in welche ich später mit Farbe hineingehen würde. Daraus entwickelte sich jedoch eine unabhängige Zeichnung.

Ikebana_Zeichnung.pdf PDF Ikebana_Zeichnung.pdf

Beim nächsten Ansatz begann ich gleich mit Farbe und ließ das Vorzeichnen weg. Daraus entwickelte sich ein etwas längerer Prozess und ich nutze zwei Termine für diese Arbeit. Keine Ahnung wie oft sich die Farbe des Hintergrundes dabei änderte, in der Struktur des Bildes wird mein Experimentieren hin zur farblichen Stimmigkeit jedoch sichtbar. Auf die Schichten folgte mein obligatorischen Austoben. Diesmal mit goldener Farbe, vielen Punkten und geschwungenen Linien.

Ikebana_Farbe.pngIkebana_Farbe.png

5| Weißtöne

Wie viel Farbigkeit es in Weiß zu entdecken gibt, offenbarte mir diese Aufgabe. Dabei sollten wir zunächst weiße Gegenstände unserer Wahl unter die Lupe nehmen. Durch genaues Betrachten kamen unter anderem Rot-,Blau- oder Gelbtöne zum Vorschein. Das Bewusstsein darum, half uns später diese Vielfalt beim Malen anzuwenden und den gewählten Objekten malerisch ihre Dinglichkeit zu verleihen. 

Meine erste Wahl fiel auf eine Muschel, welche ich zuerst als farbige Skizze abbildete und aus deren Weißtönen sich dann ein abstrakteres Bild ableitete. Letzterem fügte ich in Photoshop noch eine Wellenbewegung bei, um der ursprünglichen Inspiration einmal mehr Ausdruck zu verleihen.

Muschel_Skizze.pngMuschel_Skizze.png

Weißtöne_Muschel_Abstrakt.JPGWeißtöne_Muschel_Abstrakt.JPG

Außerdem entdeckte ich noch einen Origami Kranich für mich und malte diesen ebenfalls im Zuge dieser Übung. Hintergrund und umrandende Verzierung allerdings davon ausgenommen. So ergab sich auch hier eine Mischung aus Vorgabe und freier Interpretation.

Weißtöne_Kranich.pngWeißtöne_Kranich.png

6| Vortrag Josef Albers

Der Kurs beinhaltete außerdem einen Kurzvortrag, wobei mir der Künstler, Farbtheoretiker und Bauhausmeister Josef Albers zu Teil wurde. Seine Arbeit zeichnet sich vor allem durch die intensive Auseinandersetzung mit Farbe, Form und Wahrnehmung aus. Sehr inspirierend!

Vortrag_Josef_Albers.pdf PDF Vortrag_Josef_Albers.pdf

7| Faltblatt

Zur abschließenden Präsentation des Kurses sollte ein Faltblatt vorbereitet werden, welches entstandene Arbeiten zeigt und zusammenbringt. An dieser Stelle entschied ich mich mittels digitaler Werkzeuge für eine Neuinterpretation meiner Bilder. In Photoshop entstand ein Zusammenspiel aus unterschiedlichen Arbeiten. Das Faltblatt, welches auch super als eine Art Visitenkarte funktioniert, zeigt sowohl Entstandenes als auch meine Freude am Experiment.

Faltblatt_Seite_1.pngFaltblatt_Seite_1.png
Faltblatt_Seite_2_und_3.pngFaltblatt_Seite_2_und_3.png
Faltblatt_Seite_4.pngFaltblatt_Seite_4.png

Faltblatt_Seite_5.pngFaltblatt_Seite_5.png

8| Fazit

Für mich war der Kurs ein kleiner Wendepunkt im Studium, denn ins Semester bin ich mit vielen Zweifeln und auch einer Sehnsucht nach mehr Raum für künstlerische Freiheit gestartet. Früher habe ich viel gemalt, dann ist es für lange Zeit aus meinem Repertoire verschwunden und jetzt habe ich es für mich wiederentdeckt. Die Atmosphäre im Kurse fand ich besonders angenehm! Marias Musik hat für eine meditative, aber auch konzentrierte Arbeitsweise gesorgt. Unter Druck gesetzt gefühlt, habe ich mich nie, wodurch die Lust am Malen trotz langer Kursdauer nicht verloren ging. Auch mit dem Impostor hielt es sich in Grenzen, es war toll sich von den anderen Arbeiten inspirieren zu lassen. Für eine Pause und den Gang zum Snackautomaten war immer Zeit, danach konnte sich wieder ganz der Farbe gewidmet werden. Wie komplex genau diese sein kann und welche entscheidende Rolle sie in der Gestaltung spielt, dafür wurde ich hier begeistert und möchte dieses Wissen auch in Zukunft vertiefen.

Ein Projekt von

Fachgruppe

Gestaltungsgrundlagen

Art des Projekts

Studienarbeit im ersten Studienabschnitt

Betreuung

foto: Maria Kleinschmidt

Zugehöriger Workspace

Farbe & Druck (WS23/24)

Entstehungszeitraum

Wintersemester 2023 / 2024

Keywords