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Die Mauer - Das Tagebuch der Bundesrepublik

Die Mauer - Das Tagebuch der Bundesrepublik

„Die Mauer - Das Tagebuch der Bundesrepublik“ ist eine Installation, welche Besuchenden im Raum eines Museums das Leben während des geteilten Deutschlands visuell und interaktiv näher bringen soll. Gezeigt wird eine Auswahl damaliger Kunstwerke an der Mauer in Originalgröße mit dazugehörigen Informationstext. Betrachtenden wird so der Eindruck vermittelt selbst vor der Mauer zu stehen und mit Rückblick auf den damals alltäglichen Drang, die Mauer als Medium der Kommunikation nutzen zu wollen, die Möglichkeit zu geben, selbst in Aktion zu treten und ihre Gedanken auf „der Mauer“ zu verewigen.

Einleitung

Im Kurs „Stadtmuseum Berlin - Personalisierte Wissensräume“ beschäftigten wir uns, wie der Name schon sagt, mit der Personalisierung von Wissensvermittlung. Das Seminar fand dabei in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Berlin (vorwiegend Märkisches Museum) statt.

Auf der Grundlage mehrerer Vorträge rund um das Thema Personalisierung, einer Vielzahl von Exkursionen in Ausstellungen zur Berliner Geschichte und ausführlicher Recherchearbeit entwickelten wir verschiedene Konzepte um (primär) das Märkische Museum mit unseren Ideen zu bereichern.

Konzept

Mein Konzept sieht vor; Besuchenden das Leben zu Zeiten der geteilten Bundesrepublik, mit dem Fokus auf die Kunst an der Berliner Mauer, näher zu bringen.

Kunst und Graffiti an der Berliner Mauer gab den Bürger:innen eine Möglichkeit dem Drang des Austauschs und der Kommunikation ihrer Gefühle und Gedanken nachzugehen. Aus dieser Perspektive versuche ich den Besucher:innen ein nachhaltigeres und einfühlsameres Verständnis der Zeitgeschichte zu vermitteln um darauf aufbauend sie selbst in die Rolle dieser zu stecken und auf die Gegenwart zu projizieren.

Anhand eines Beamers, welcher ausgewählte Kunstwerke damaliger Zeit lebensgroß an eine Wand projiziert und mit kurzen Informationstexten den Betrachtenden näher bringt, gebe ich die Möglichkeit sich zumindest visuell zurück in die Zeit zu versetzen. Während diesen kurzen Inputs bekommen sie die Chance analog, auf einem an der Wand befestigten Papierstreifen, ihre eigenen Gedanken und Gefühle auf „Der Mauer“ aufzuzeichnen und zu verewigen. Wie sie dies genau machen wollen, ob mit einfachen Texten oder großer Zeichnungen, soll ihnen (ähnlich, wie zu damaligen Verhältnissen) weitestgehend selbst überlassen werden.

Prozess

Nachdem im ersten Drittel des Semester der Fokus auf Input und Exkursionen zum Thema Personalisierung und Ausstellungsdesign gelegt wurde, ging es nun an die Ideenfindung zu unserem eigenen Projekten.

Zusammen mit Asami Ozawa entschieden wir uns dafür, die Graffiti an der Berliner Mauer genauer zu betrachten. Die Berliner Graffiti- und Kunstszene ist eines der zentralsten Merkmale der Stadt und weltweit anerkannt.

Zu Zeiten des geteilten Deutschlands wurde die Mauer von den Bürger:innen Westberlins mitunter als Sprachrohr zum Austausch genutzt und bot so die Möglichkeit, sich seiner Gefühle und Sorgen, auch in Hinblick auf die Mauer selbst, zu entledigen und sich mitzuteilen.

Auf Grundlage dessen vertiefte ich meine Recherchearbeit und die Aussage; der Nutzen der Berliner Mauer als Medium der Kommunikation, entwickelte sich zum zentralen Punkt meines Konzepts. Meine Idee war es, eben diesen Nutzen auf die Gegenwart zu übertragen und den Besuchenden so interaktiv einen Teil der Geschichte Berlins zu verbildlichen.

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Zu Beginn des Prozesses versuchte ich den Fokus der Inhalte auf die Entwicklung der Graffiti verbunden mit dem sich verändernden Umgang der Bürger:innen mit der Mauer zu verdeutlichen. So war zum Beispiel eine Art Humor zu beobachten und aus anfänglichen größtenteils politischen Parolen gegen die Regierung und das System wurden Liebes- und Grußbotschaften.

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Da es sich allerdings als recht schwierig herausstellte Bild- und Informationsmaterial zu den unbekannten Künstler:innen zu finden, und somit meinem Anspruch den Besuchenden auch inhaltlich etwas zu vermitteln, entschloss ich mich im weiteren Prozess den Fokus auf etwas bekanntere Künstler:innen zu verschieben. Zeitlich entstanden die dann ausgewählten Werke und Installationen, etwas später als geplant, nach dem Bau der vierten Generation der Mauer, also im Zeitraum von 1975 bis kurz nach dem Mauerfall 1989.

Inhalt

Der Inhalt umfasst eine kurze Einleitung zum Bau der Mauer um den geschichtlichen Zusammenhang verständlich zu machen.

Darauf folgen drei Kunstinstallationen.

Das erste Werk von Deborah Kennedy „Schrift an der Mauer“ dient dazu, den Betrachtenden zu verdeutlichen, mit welch einfachen Mitteln man sich Gehör verschaffen kann beziehungsweise wurde. Es gibt die Möglichkeit anonym Gedanken, Gefühle oder auch Kritik äußern zu können. Dabei ist allerdings auch zu beachten, dass dies auch genau so gut für negative, rassistische oder homophobe Äußerungen Raum bieten kann.

Das zweite Werk „TIC TAC - zu spät“ vom Künstler INDIANO nutzt hingegen das Medium der Malerei um auf Missstände aufmerksam zu machen. Den Besucher:innen soll so beispielhaft eine andere Art der Kommunikation aufgezeigt werden.

Abschließend wird nach dem überwiegend politischen und kritischen Input mit dem Zeigen der Installation „Stand der Dinge“ von Peter Unsicker auf eine Option des humorvollen Umgangs mit der Ernsthaftigkeit verwiesen um die Betrachtenden perspektivisch etwas aufzulockern.

Im Anschluss sind die Besucher:innen dann aufgefordert selbst in Aktion zu treten und ihrer Stimme einen Platz zum teilen zu geben.

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Fazit/Aussicht

Der Kurs bot mir durch den Input von Sebastian, den Exkursionen und in Folge dessen meiner eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema einen sehr guten Einblick die Personalisierung von Wissen im Kontext Ausstellungsdesign und eine Vorstellung davon, wie diese in Zukunft besser gestaltet werden könnten.

Besonders freute mich die Vielfalt und die unterschiedlichen Herangehensweisen der im Seminar entstandenen Konzepte.

„Die Mauer - Das Tagebuch der Bundesrepublik“ kann inhaltlich noch ergänzt und verfeinert werden um so den Output der Betrachtenden eventuell noch mehr in die „richtige“ Richtung lenken zu können. Außerdem ist eine Umgestaltung der Installation des Beamers, zum Beispiel durch die Nutzung neuer Technik, ebenfalls denkbar.

Wie so oft hat der kurze Zeitraum die Entwicklung und Umsetzung unsere Projekte stark beeinflusst. Nichts desto trotz hat mir die Arbeit im Kurs und die Auseinandersetzung mit dem Thema sehr viel Spaß bereitet und kann dazu viele neue Erkenntnisse für zukünftige Projekte mitnehmen.

Ein Projekt von

Fachgruppe

Interfacedesign

Art des Projekts

Studienarbeit im Hauptstudium

Betreuung

foto: Prof. Dr. Sebastian Meier

Zugehöriger Workspace

Stadtmuseum Berlin - Personalisierte Wissensräume

Entstehungszeitraum

Wintersemester 2021 / 2022