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Souvenirs

Eine fotografische Reflexion zur Transformation biografischer Schwellenmomente

Abstract

Jeder Mensch macht in seinem Leben Erfahrungen, die sie oder ihn für den weiteren Verlauf prägen. Äußere und innerliche Einflüsse können diesen Ablauf anregen, verändern oder durchkreuzen. Dies verläuft häufig nebenbei und unbemerkt. Es gibt jedoch Momente, Phasen oder Erlebnisse, die wir bewusster und sehr intensiv wahrnehmen. Krankheiten, Trennungen, die Geburt des eigenen Kindes, der Verlust eines geliebten Menschen, die eigene Hochzeit oder Gewalttaten sind nur einige Beispiele. Sie sind mit starken Emotionen verbunden, weshalb wir sie bewusster spüren und somit die Empfindung ausgeprägter in unserem Gedächtnis bleibt.(1) All dies sind Schwellenmomente, die, egal ob positiv oder negativ, Spuren hinterlassen, die wir ein Leben lang mit uns tragen. Egal ob positiv oder negativ, hinterlassen all diese Geschehnisse Spuren, die wir ein Leben lang mit uns tragen. Nicht selten ist die Wirkung negativer Erfahrungen ausgeprägter als die der positiven. Wir erleben sie als nachhaltiger hinsichtlich unserer Verhaltensweisen, Denkprozesse und unserer psychischen Beschaffenheit.(2) Sie formen unseren Umgang mit Krisen und Schicksalen und fördern die Entwicklung von Bewältigungsstrategien. Ob und inwieweit wir ihren Einfluss auf unsere Gegenwart und unsere Zukunft zulassen, hängt zum einen von dem Prozess der Verarbeitung ab. Zum anderen ist die Fähigkeit des Loslassens schwieriger oder sogar traumatischer Ereignisse von Bedeutung.

Sachkundige Unterstützung findet häufig in Form von verbaler Sprache und Körperarbeit statt, etwa in der Verhaltens- oder Bewegungstherapie. Unter Anderem werden auch visuelle Techniken als Methode angewandt. Hier möchte ich einen Fokus die Fotografie legen.

In meiner Arbeit gehe ich folgender Frage nach:

Inwieweit kann ich durch die Bearbeitung mit der Fotografie biografische Erfahrungen transformieren und den Prozess des Loslassens vollführen?

Daraus ergeben sich mehrere gestalterische Fragen: Welche fotografischen Strategien können entwickelt werden, um den Prozess zu fördern? Durch welche stilistischen Mittel kann die bildnerische Ausdruckskraft unterstützt werden? Existieren Parallelen in anderen künstlerischen Arbeit? Und wenn ja, welche Symbole wurden genutzt?

Dafür erläutere ich im theoretischen Teil meiner Arbeit zu Beginn, warum meine Wahl auf das Medium der Fotografie gefallen ist. Im Nachhinein setze ich mich mit dem Buch Die helle Kammer von Roland Barthes auseinander, um das Potenzial der Fotografie näher zu durchleuchten. Um nachvollziehen zu können, weshalb es von Relevanz ist, die Fähigkeit der Reflexion in Bezug auf eine Bearbeitung der Vergangenheit anzuwenden, werde ich diese im darauffolgenden Abschnitt definieren und nachfolgend eine Verbindung zur Fotografie herstellen. Dies wird anhand von Beispielen bereits bestehender Forschungs- und Therapieansätze aus der Visuellen Soziologie und dem Photoprofiling erfolgen.

Im Anschluss analysiere ich einzelne Arbeiten von verschiedenen Fotografen, die sich mit dem Thema Vergangenheit, Erinnerung und auch Bewältigung in ihren fotografischen Projekten beschäftigt haben. Fortlaufend werde ich Bezug auf meine praktische Arbeit nehmen und die Zusammenhänge erläutern, um diese im Anschluss in der Dokumentation zu reflektieren.

Der praktische Teil meiner Auseinandersetzung beinhaltet die Entwicklung eines Fotobuchs mit analogen Schwarz-Weiß-Fotografien. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Abbildung gegenständlicher und assoziativer Objekte, die ich mit meinen erlebten Schwellenmomenten verbinde. Diese werden durch eine textliche Ebene untermalt.

Abschließend werde ich die Erkenntnisse meiner praktischen Arbeit hinsichtlich meiner Ausgangsfrage wiedergeben.

Meine Bachelorarbeit besteht am Ende aus drei Büchern. Der erste Teil beinhaltet die Werkschau, dem Portfolio aus dem Hauptstudium. Das zweite Buch umfasst die theoretische Auseinandersetzung mit meinem Thema und die darauffolgende Dokumentation der praktischen Arbeit. Und der letzte Part wird das entwickelte Fotobuch sein.

Aus diesem habe ich nachfolgend zwei Ausschnitte des bisherigen Entwicklungsstands aus Layout und Dummy angeführt, so dass ein Eindruck entstehen kann, wie das Buch am letztendlich aussehen soll.

Abstract English

Every person has experiences in his or her life that shape their future course. External and internal influences can stimulate, change or thwart this process. This often happens incidentally and unnoticed. However, there are moments, phases or experiences that we perceive more consciously and very intensively. Illnesses, separations, the birth of one's own child, the loss of a loved one, one's own wedding or acts of violence are just a few examples. They are associated with strong emotions, which is why we feel them more consciously and thus the sensation remains more pronounced in our memory.(1) All these are threshold moments that, whether positive or negative, leave traces that we carry with us throughout our lives. Whether positive or negative, all these events leave traces that we carry with us throughout our lives. Not infrequently, the impact of negative experiences is more pronounced than that of positive ones. We experience them as more lasting in terms of our behaviour, thought processes and psychological make-up.(2) They shape the way we deal with crises and fates and promote the development of coping strategies. Whether and to what extent we allow their influence on our present and our future depends on the one hand on the process of processing. On the other hand, the ability to let go of difficult or even traumatic events is important.

Expert support often takes the form of verbal language and body work, for example in behavioural or movement therapy. Among others, visual techniques are also used as a method. Here I would like to focus on photography.

In my work I pursue the following question:

To what extent can I transform biographical experiences and complete the process of letting go by working with photography?

This leads to several creative questions: What photographic strategies can be developed to promote the process? Through which stylistic means can the pictorial expressiveness be supported? Are there parallels in other artistic work? And if so, which symbols have been used?

For this purpose, I explain in the theoretical part of my work at the beginning why my choice fell on the medium of photography. Afterwards, I will deal with the book Die helle Kammer by Roland Barthes in order to examine the potential of photography more closely. In order to understand why it is relevant to use the skill of reflection in relation to a treatment of the past, I will define it in the following section and then establish a connection to photography. This will be done using examples of existing research and therapeutic approaches from visual sociology and photo profiling.

I will then analyse individual works by various photographers who have dealt with the subject of the past, memory and also coping in their photographic projects. Continuously, I will refer to my practical work and explain the connections in order to reflect on them in the documentation afterwards.

The practical part of my examination includes the development of a photo book with analogue black-and-white photographs. The main focus here is on the depiction of representational and associative objects that I associate with my experienced threshold moments. These are underpinned by a textual layer.

Finally, I will reflect the findings of my practical work with regard to my initial question.

Ausschnitt aus dem Layout.

Ausschnitt aus dem Dummy meines Fotobuchs.

Reflexion der Forschungsfrage

Die Aufschlüsselung meiner Eingangsfrage in die theoretischen Bestandteile meiner Bachelorarbeit hat viele weitere Bereiche geöffnet, die mit der Thematik Fotografie, Erinnerung und Vergangenheitsbewältigung einhergehen können.

Die facettenreiche und themenübergreifende Verwendung der Fotografie diesbezüglich untermauert jedoch meine Entscheidung, die Fotografie zur Aufarbeitung zu verwenden.

Ein Fotobuch mit analogen Bildern und dem persönlichen Anliegen, damit die eigene Entwicklung zu reflektieren und schwerwiegende Krisen zu verarbeiten oder sogar loszulassen, ist eine Herausforderung. Fotografen wie Seiichi Furuya und Göran Gnaudschun (siehe Seite 62ff und 44ff) haben mit ihren Arbeiten verdeutlicht, dass dieser Weg teilweise einen jahrelangen Prozess beinhaltet.

Im Rahmen eines vorgegebenen Bearbeitungszeitraums einer Bachelorarbeit war die Umsetzung für mich stellenweise eine mit innerem Druck behaftete Aufgabe. Dies führte zeitweilig zu einem starken Dilemma, welches mich in der Bearbeitung der psychologischen Ebene teilweise sehr gehemmt hat.

Trotz dessen habe ich im Laufe der Zeit gemerkt, das sich mein Fokus betreffend der Auswahl der Schwellenmomente verändert hat. Der Ursprungsgedanke der Ausarbeitung bezog sich hauptsächlich auf negative Momente meines Lebens. Je öfter ich jedoch fotografierte und mich neben meinen Erinnerungen auf die intensive Wahrnehmung meines jetzigen Umfelds konzentrierte, desto mehr verwandelten sich meine Bilder in positive Stimmungen. Dieser Blickwinkel führte zur fotografischen Realisierung zweier Lebensphasen, die mich durch ihre positiven Ereignisse geprägt und gestärkt haben. Vielleicht ist dies bereits die erste Phase der Akzeptanz der weniger schönen Erlebnisse gewesen, indem sich erst unbewusst und später zielgerichtet meinen Blick veränderte. Durch eine innere Perspektivverschiebung hin zum Positiven findet eine Transformation statt, die bereits eine Form des Loslassens beinhaltet.

Daher bin ich sehr optimistisch, dass mit der alleinigen Konzentration auf die Fertigstellung des Fotobuchs weitere Schritte der Aufarbeitung erreicht werden können.

Abschließend kann ich aufgrund meiner jetzigen Erfahrung sagen, dass die Fotografie in der Lage ist, den eigenen Erinnerungen und den damit verbundenen Emotionen Ausdruck zu verleihen. Ob ein Wandel des inneren Umgangs mit den ausgedrückten Gefühlen der Vergangenheit ohne fachliche psychologische Begleitung möglich ist, hängt zum einen von der Zeit, die man dafür aufwendet, ab und zum anderen von dem Umgang mit den Fotografien. Beides sind sehr individuelle Faktoren, die jeder, der sich mit dieser Art von Vergangenheitsbewältigung auseinandersetzt, dem persönlichen Empfinden nach gestalten muss.

Quellenverweise/Source references:

1. Stenger, Christiane und Max Bachmeier: Wer lernen will, muss fühlen. Wie unsere Sinne dem Gedächtnis helfen, Rowohlt Verlag GmbH 2016, S. 11. 

2.Stangl, Werner: »Negativitätsbias – Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik«, in: stangl.eu (2021), https://lexikon.stangl.eu/23062/negativity-bias-negativitaetsbias (abgerufen am 03.03.2021)

Ein Projekt von

Fachgruppe

Kommunikationsdesign

Art des Projekts

Bachelorarbeit

Betreuung

Prof. Wiebke Loeper Dr. des. Sandra Groll

Zugehöriger Workspace

Bachelorarbeiten_SoSe2021

Entstehungszeitraum

Sommersemester 2021

Keywords

zusätzliches Material