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Nach dem Feuer- Regionale Perspektiven auf das Thema der globalen Waldbrände

Nach dem Feuer- Regionale Perspektiven auf das Thema der globalen Waldbrände

In einer Reihe aus kurzen Videosequenzen wird das Thema der globalen Waldbrände aus zwei lokalen Perspektiven beleuchtet. Eindrücke aus Brandenburg und aus Bolivien sollen das schwer zu begreifende Phänomen näher bringen und die psychologische Distanz zum Klimawandel verringern.

Abstract Deutsch

2018, 2019 und 2020 kam es auf der ganzen Welt zu extremen Waldbränden, die unter anderem durch die hohen Temperaturen und die daraus resultierende Trockenheit ausgelöst wurden. In Deutschland ist Brandenburg das am stärksten von Waldbränden betroffene Bundesland. In jeder Region gibt es spezifische Gründe für die Auslöser der Feuer, jedoch machen sie alle auf das Phänomen des menschengemachten Klimawandels aufmerksam. In meinem Projekt Nach dem Feuer möchte ich die Gebiete Chiquitania in Bolivien und Brandenburg gegenüberstellen und ausgehend von einer regionalen Ebene das Phänomen der globalen Waldbrände beleuchten. Auf theoretischer Ebene betrachte ich die mediale Darstellung des Klimawandels und wie diese Klimabewusstsein und klimaschützendes Handeln beeinflusst. Dabei liegt ein Fokus auf der psychologischen Distanz, die den Klimawandel als weit entferntes Phänomen erscheinen lässt.

In meinem gestalterischen Teil widme ich mich der Aufgabe, über persönliche Erzählungen und regionale Elemente die Distanz zum Klimawandel zu verringern und ein persönliches Verantwortungsgefühl zu schaffen. Das Projekt wird audiovisuell umgesetzt. Es entsteht eine Reihe aus kurzen Videosequenzen, die über Augmented Reality-Poster in der Stadt Brandenburg zugänglich sind. Die verschiedenen Perspektiven auf das Feuer werden in einer Mischform aus Interviewsequenzen und Animation erzählt.

Abstract English

In 2018, 2019 and 2020, extreme forest fires occurred all over the world, triggered, among other things, by the high temperatures and the resulting drought. In Germany, Brandenburg is the federal state most affected by forest fires. In each region there are specific reasons for the triggers of the fires, but they all draw attention to the phenomenon of man-made climate change. In my project After the Fire, I want to contrast the areas of Chiquitania in Bolivia and Brandenburg and, starting from a regional level, shed light on the problem of global forest fires. On a theoretical level, I look at the media representation of climate change and how this influences climate awareness and climate-protective action. The focus is on the psychological distance that makes climate change seem like a faraway phenomenon.

In the creative part, I use personal narratives and regional elements to reduce the distance to climate change and create a personal sense of responsibility. The project will be audio-visual. A series of short video sequences is created, which are accessible via augmented reality posters, located in the city of Brandenburg. The different perspectives on fire are told in a mixed form of interview sequences and animation.

Die Region Chiquitania

Der Chiquitano-Trockenwald erstreckt sich in Bolivien, insbesondere im Departement Santa Cruz, und zu einem geringeren Teil im Norden Paraguays und im Westen Brasiliens. Mit einer Fläche von mehr als 24 Millionen Hektar ist er der größte und am besten erhaltene tropische Trockenwald der Welt, bestehend aus niedrigen Wäldern, dornigem Dickicht sowie trockenen Savannen. Das Klima der Region ist semihumid warm-tropisch. Sechs Monate Regenzeit und sechs Monate Trockenheit führen zu einem großen Artenreichtum, machen die Region aber auch extrem angreifbar (Fundación para la Conservación del Bosque Chiquitano, 2021).
In der Region ist Brandrodung ein gängiger Prozess der Landwirtschaft . Kontrollierte Feuer werden gelegt, um Wald in Anbaufl ächen für Soja, Zuckerrohr und Chia oder für die Rinderzucht umzuwandeln. Der ehemalige Präsident Evo Morales förderte diesen Vorgang durch die Genehmigung der Rodung und kontrollierten Verbrennung auch in Dauerwaldproduktionsfl ächen (Süddeutsche Zeitung, 2019). Die unzureichende Regulierung der Behörden und außer Kontrolle geratene Brandrodungen entfachten Brände, die sich auf der ohnehin schon trockenen Savannenlandschaft schnell ausbreiteten und auch die tropischen Wälder betrafen.

Die Region Brandenburg

In Brandenburg bestehen die Wälder zu 70 % aus Kiefern. Diese nicht heimische Baumart ist ursprünglich an deutlich kältere Gebiete angepasst.

Der hohe Harzgehalt macht die Bäume leicht entzündbar. Der durch die Holzwirtschaft bedingte Reinbestand führt in den lichten Kiefernwäldern ohne Sträucher zu einem Austrocknen der Böden, was durch den sandigen Untergrund, der nur wenig Wasser speichern kann, beschleunigt wird. Eine zusätzliche Herausforderung sind die von Altmunition belasteten Areale, die durch Explosionen Feuer entfachen können und den Einsatz der Feuerwehr sowie die Brandbekämpfung vom Boden aus erschweren (Landesbetrieb Forst Brandenburg, 2021). 2019 kam es zu 429 Feuern, die insgesamt eine Gesamtfläche von 1388,6 Hektar zerstörten (Die Zeit, 2021).

Konzept als Lösungsansatz

In dem Projekt Nach dem Feuer soll mithilfe mentaler Konstruktionen (Trope & Liberman, 2010, S. 441) die psychologische Distanz überbrückt werden und die Thematik der globalen Waldbrände näher nach Brandenburg gebracht werden. In Form von Videos, die Animationen und Interviewsequenzen enthalten, wird über die Ursachen und Folgen der Waldbrände aufgeklärt. Über parallele Erzählstrukturen und persönliche Erfahrungsberichte von Naturschützenden aus Brandenburg und der Chiquitania in Bolivien wird eine Brücke zwischen beiden von starken Waldbränden betroff enen Orten gebaut. Der Ausgangspunkt ist der Wald in Brandenburg, mit dem sich die Zielgruppe identifizieren kann. Ausgehend davon wird ein Bogen in das entfernte Santa Cruz gespannt. Die Konzentration auf zwei Regionen soll das globale Ausmaß der Trockenheit und des menschengemachten Klimawandels verdeutlichen.

Umsetzung

Praktische Arbeit: Video-Sequenzen

Trockenheit

Faktoren, die die Trockenheit in Brandenburgs Wäldern beeinflussen
und die Waldbrandgefahr erhöhen.

PW: Waldbrand

Brandursachen

Auslöser der Waldbrände in Brandenburg.

PW: Waldbrand

Nach dem Feuer

Biolog*innen aus Brandenburg und aus der Chiquitania in Bolivien berichten über ihre persönlichen Eindrücke der verbrannten Flächen.

PW: Waldbrand

Ausmaß

Eine Einordnung der verbrannten Flächen in Brandenburg und der Chiquitania.

PW: Waldbrand

Brandrodungen

In der Chiquitania werden seit Jahrhunderten Flächen mithilfe von Feuern gerodet, um Soja anzubauen und Vieh zu halten. Werden jedoch Sicherheitsmaßnahmen missachtet, kann das Feuer außer Kontrolle geraten.

PW: Waldbrand

Theoretische Arbeit

Werkschau

Persönliche Reflexion

Reflexion

Nach vielen Skizzen und noch mehr Post-its neigt sich das Projekt und somit auch das Studium dem Ende zu. Ich bin zufrieden und überrascht, wie selbstständig ich an so einem großen Projekt arbeiten konnte. Sobald das grobe Konzept stand, ergaben sich die nächsten Schritte ganz logisch. Die theoretische Recherche half mir, meine Entscheidungen bewusst und begründet treffen zu können. Das Feld der Klimakommunikation ist vielschichtig und komplex – mit meinem Projekt konnte ich hierin einen Einblick erlangen, und dafür bin ich sehr dankbar. In Zukunft würde ich gerne an weiteren Projekten in diesem Bereich arbeiten und so als Designerin einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Besonders hat mich gefreut, zu sehen, wie viel Gelerntes aus den letzten vier Jahren in dieses Projekt eingeflossen ist. Eine Herausforderung bei der Bearbeitung war der inhaltliche Spagat. Das Thema der Waldbrände ist vielschichtig und ein Zusammenschluss zahlreicher Faktoren. Zusätzlich dazu behandelte ich das Thema aus der Perspektive zweier unterschiedlicher Regionen. In der begrenzten Bearbeitungszeit des Bachelors war es mir nur möglich, einen Überblick über das Thema zu geben. Dabei musste ich darauf achten, die Zusammenhänge vereinfacht darzustellen, ohne wichtige Informationen wegzulassen. Die Interviews mit den Forschenden halfen mir, das Thema besser zu erfassen und unklare Fragen zu klären. 

Was wäre, wenn?
Wenn ich mehr Zeit und bessere Kenntnisse im Webdesign hätte, würde ich die Videos gerne in eine Website einbinden, die weiterführende Links zu Hintergrundinformationen und Anleitungen zum Selbst-aktiv-Werden bereitstellt. Interaktive Elemente würden es ermöglichen, den Besuchenden ihre eigenen Beiträge zu bestimmten Themenaspekten auf der Seite zu veröffentlichen.

Ausblick
Ich hoffe, mit dem Projekt Nach dem Feuer Menschen mit wenig Vorkenntnissen einen Einstieg in das Thema der Waldbrände bieten zu können und sie für die Trockenheit und die Waldbrandgefahr in den Wäldern Brandenburgs zu sensibilisieren. Ich wünsche mir, dass sie von nun an etwas aufmerksamer durch den Wald spazieren, die Zeichen der Trockenheit erkennen und sich an die Vorsichtsmaßnahmen halten, um das Auslösen eines Feuers zu verhindern. Wenn über die globalen Waldbrände gesprochen wird, hoff e ich, dass sich der oder die eine an die Forschenden in der Chiquitania erinnert und weiß, dass hinter jeder Region Menschen mit Geschichten, aber auch Menschen mit einem Lösungsansatz stehen.

In den kommenden Jahrzehnten werden Waldbrände bedingt durch die Trockenheit immer wahrscheinlicher. Feuer entstehen jedoch nicht einfach so – jedes Feuer braucht einen Auslöser. In der Chiquitania und in Brandenburg liegen den meisten Feuern menschliche Ursachen zugrunde. Wenn für dieses Thema eine größere Sensibilität herrscht, kann zumindest ein Teil des Schadens aufgehalten werden. Der Wert des Waldes auf kultureller, ökologischer, gesundheitlicher und wirtschaftlicher Ebene muss uns allen bewusst werden.

Ein Projekt von

Fachgruppe

Arbeitsgruppe

Art des Projekts

Bachelorarbeit

Betreuung

Prof. Klaus Dufke Prof. Sven Völker

Zugehöriger Workspace

BA&MA Betreuung Dufke | ss2021

Entstehungszeitraum

Sommersemester 2021

zusätzliches Material