Incom ist die Kommunikations-Plattform der Fachhochschule Potsdam

In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre

Incom ist die Kommunikations-Plattform der Fachhochschule Potsdam mehr erfahren

Queering The Map Of Berlin

Berlin ist ohne Zweifel eine Stadt, die von dem Ruf begleitet wird, der Ort freiheitlichen, urbanen Lebens zu sein. Gerade für Minderheiten im queeren Spektrum scheint die dortige Infrastruktur eine Vielzahl an Möglichkeiten zu bieten:

»Irgendwie nimmt die queere Welt diese Stadt so wahr, als sei hier ein Paradies auf Erden.« (Feddersen, 2018)

Doch – was heißt das eigentlich genau? Was bedeutet das für queere Stadterfahrung in Berlin? Was also konstituiert queeren Raum und wie wird Raum aus einer queeren Perspektive dort überhaupt wahrgenommen? Welche Bilder einer vermeintlich queeren Stadt Berlin entstehen, wenn man die jeweiligen Akteur*innen befragt – und wie unterscheiden sich diese voneinander? Welche Muster und Strukturen queerer Stadtwahrnehmung lassen sich dabei aufzeigen? Das alles sind Fragen, die in der vorliegenden Thesis behandelt werden sollen.

In dieser Arbeit soll versucht werden, die queere Raum- und Stadterfahrung Berlins zu ergründen und zu kontextualisieren. Hierzu erscheint es notwendig, nicht nur den theoretischen Diskurs darüber zu analysieren und anzuregen, sondern in gleichem Ausmaß Wert auf die Involvierung queerer Menschen in der Erzählung ihres eigenen urbanen Narratives zu legen. Gerade in der Annahme, dass die bisherige signifikante Vernachlässigung queerer Belange im städtischen Zusammenhang direkte negative Konsequenzen für »das Selbstverständnis und Selbstbewusstsein queerer Bürger_innen [hat], da eine Ausklammerung von Bedürfnissen sozialer Minderheiten zu einer Herabwürdigung ihrer Identitäten führt« (Jesus Pereira Lopes, 2017: S. 223), sollen hierbei Partizipation und Empowerment als theoretische wie gestalterische Maximen gelten.

Ziel soll es also sein, durch verschiedene gestalterische Methoden Wege zu finden, Inhalte zur queeren Raum- und Stadtwahrnehmung und -erfahrung empirisch, experimentell und partizipativ zu verorten und visuell aufzubereiten. Damit sollen Muster, Strukturen, Zusammenhänge, Erwartungen, Wünsche und Konsequenzen queeren Lebens in Berlin sichtbar gemacht werden – in einem Anspruch an ein Design, das »Gesellschaft in all ihren Facetten und Ausformungen wider[spiegelt]« und Stellung nimmt »zu den Befindlichkeiten, Problemen und Sehnsüchten sozialer Gruppen« (Haslinger, 2008: S. 378).

Am Ende werden hierzu Karten(-konzepte) erstellt, die – in einen Ausstellungskontext eingebettet – als Medienstationen verschiedene Aspekte queeren urbanen Lebens darstellen. Queeren Menschen soll es damit ermöglicht werden, sich selbst in diesen Karten wiederzufinden, eigene Erfahrungen auf dem Stadtplan Berlins eintragen und verorten zu können und damit weitere Denk- und Raumaneignungsprozesse anzustoßen. Denn: »Indem moderne Karten klassifizieren, ordnen und auf einen Zweck hin ausgerichtet sind […], versammeln sie Wissen über Raum und machen so diesen Raum beherrschbar« (Löw u. a., 2015, S. 69).

Abstract English

Berlin is without a doubt a city with the reputation of being the place to be if you wanna live a free, urban life. Especially for minorities on the queer spectrum the infrastructure of this city opens up seemingly endless possibilities:

»Somehow the queer world sees this city, as though it was a paradise on earth.«
[»Irgendwie nimmt die queere Welt diese Stadt so wahr, als sei hier ein Paradies auf Erden.«] (Feddersen, 2018)

But – what exactly does that even mean? What does this imply for the queer city-experience in Berlin? What constitutes queer spaces there and how are they perceived from a queer perspective? What images of a so-called queer city Berlin emerge when the people living in it are being asked – and how will they differ? Which patterns and structures within a queer perception of the city can be identified? Those are all questions, that will be analysed in the context of this thesis.

To properly evaluate and contextualise queer spatial and urban experiences in Berlin, it is necessary to not just analyse and assess the theoretical discourse, but to especially acknowledge queer people themselves and their personal urban narratives by including them in the research and design processes. Specifically under the assumption, that the significant neglect of queer concerns in urban contexts directly results in negative consequences for »the self-conception and self-consciousness of queer citizens, as the exclusion of the concerns of social minorities leads to the degradation of their identities« [»das Selbstverständnis und Selbstbewusstsein queerer Bürger_innen [hat], da eine Ausklammerung von Bedürfnissen sozialer Minderheiten zu einer Herabwürdigung ihrer Identitäten führt«] (Jesus Pereira Lopes, 2017: S. 223), participation and empowerment shall be understood as the theoretical and practical guiding principles for this work.

Therefore, by using various design methods, the goal is to find ways to empirically, experimentally and participatory analyse and evaluate, locate and visualise queer perceptions of and experiences within the spaces of Berlin. This way, structures, patterns, contexts, expectations, wishes and consequences of queer life in the city shall be made visible as part of a design approach, that »mirrors society in all its facets and forms« [»Gesellschaft in all ihren Facetten und Ausformungen wider[spiegelt]«] and takes position in regards »to the situations, problems and desires of social groups« [»zu den Befindlichkeiten, Problemen und Sehnsüchten sozialer Gruppen«] (Haslinger, 2008: S. 378).

Eventually, these visualisations will take on the form of maps or mapping concepts that will be embedded in an exhibition context as media stations. This way, queer people are enabled and encouraged to try and find themselves within those maps, enter and locate their own experiences on them and thus initiate further thought processes as well as the appropriation of space, because: »by classifying, organising and being made with one purpose, modern maps […] collect knowledge of space and this way, make that space manageable« [»Indem moderne Karten klassifizieren, ordnen und auf einen Zweck hin ausgerichtet sind […], versammeln sie Wissen über Raum und machen so diesen Raum beherrschbar«] (Löw u. a., 2015, S. 69).

Theoretische Grundlagen

Als theoretisches Fundament für diese Thesis werden grundlegende Aspekte des wissenschaftlichen Status quo zum Begriff Queer, zu Stadt- und Raumsoziologie sowie der queeren Geschichte Berlins vorgestellt. 

Queer

Hierin zeigt sich, dass Queer ein aus den Gender-Wissenschaften erwachsener, umkämpfter Begriff ist, der durch divergierende Vorstellungen und Kontextualisierungen geprägt ist. Um eine Lesart von Queer im Rahmen der Thesis zu ermöglichen, wird er als hybrider und kontextueller Begriff vorgeschlagen, der in einer pluralen Variante sowohl eine post-identitäre Strategie beschreiben kann, als auch ein identifikatorisches Moment durch sich selbst als queer bezeichnende Individuen.

Raum, Stadt und andere Räume

In einer Untersuchung der Theorien zur Stadt- und Raumsoziologie bildet insbesondere Martina Löws prozessuale Raumsoziologie die Basis für das Verständnis der Raumkonstruktion und -perzeption, in der Raum in den Handlungskontext der in ihm agierenden Menschen eingebunden verstanden wird und systematisch Orte hervorbringt. Die Stadt als urbaner Raum in diesem Verständnis unterliegt ihrer spezifischen Eigenlogik, sodass gerade Berlin als Forschungsgegenstand in dieser Thesis als einzigartig verstanden werden muss. Ergänzt werden diese Theorien durch Michel Foucaults philosophischen Ansatz der Heterotopien, die als Nicht-Orte nicht-normative und utopisch anmutende Raumkonstruktionen beschreiben.

Queer History

Der Exkurs zur queeren Geschichte Berlins zeigt währenddessen auf, dass Queerness und Berlin schon immer miteinander verwoben waren. Besonders zur Blütezeit der Weimarer Republik waren frühe, sichtbare Strukturen queeren Lebens erkennbar, die sich, nach einer Zeit der Verfolgung und des Terrors im Nationalsozialismus, nach dem Krieg nur langsam wieder erholen konnten. Die Teilung Berlins hatte hierbei maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung unterschiedlicher Bewegungen, die erst nach einem weiteren Rückschlag durch die AIDS-Krise der 1980er mit dem Fall der Mauer langsam zueinander fanden. Die sich so entwickelten Strukturen bedingen noch heute das Stadtbild und das queere Leben.

Queeres Raumverständnis und 6 Hypothesen

In einem nächsten Schritt findet eine Synthese der theoretischen Grundlagen statt, in der sich zeigt, dass obgleich Sicherheit als Bedingung sine qua non für die Teilhabe am öffentlichen Leben verstanden werden muss, diese für Queers oftmals nicht gegeben scheint. Queere Menschen sind signifikant häufiger Opfer von verbaler und physischer Gewalt im öffentlichen Raum, wodurch das Sicherheits- und Unsicherheitsempfinden in diesem maßgeblich beeinflusst werden kann. 

Weiterhin kann anschaulich gemacht werden, inwiefern das Themenfeld der Sicherheit auch queere Sichtbarkeit im Raum beeinflusst. So lässt sich festgestellen, dass nicht-normative Sichtbarkeit keine Selbstverständlichkeit scheint, insofern sie immer noch sanktioniert werden kann. Und obgleich deshalb Strategien der Diversion oder Verschleierung angewandt werden können, wird Sichtbarkeit in Berlin doch auch großflächig durch queere Individuen und queere Infrastruktur produziert und bildet damit einen Grundstein für gesellschaftliche Teilhabe und Anerkennung. 

In einem letzten Themenfeld, der Utopie, wird darauf eingegangen, inwiefern utopische Vorstellungen einer queeren Stadt offene Handlungsfelder einer zukünftigen, inklusiven Stadtentwicklung aufzeigen können und wovon utopische, queere Stadtvorstellungen bedingt scheinen.

Basierend auf der dezidierten Ausarbeitung dieser Überlegungen innerhalb der Thesis werden insgesamt 6 Hypothesen über queere Raumkonstruktion, -konstitution und -perzeption in Berlin aufgestellt:

Hypothese 1

Diskriminierung und Gewalt sind inskribiert in die queere Stadterfahrung in Berlin. Je sichtbarer dabei (die eigene) Queerness ist, desto höher ist das Risikopotenzial; je eher Queers als passing wahrgenommen werden, desto geringer das Risiko. Die Möglichkeiten des passing sind hierbei ungleich verteilt zugunsten von cisgender-Menschen.

Hypothese 2

Die queere Wahrnehmung von safe(r) und unsafe(r) spaces in Berlin unterscheidet sich signifikant zwischen den einzelnen Subgruppierungen. In besonderem Maße unterscheidet sie sich jedoch zwischen passing cis-Männern und allen anderen, vermeintlich sichtbaren geschlechtlichen und sexuellen Identitäten, sowie zwischen der queeren, weißen Mehrheit und der queeren BIPoC-Minderheit.

Hypothese 3

Aufgrund der einzigartigen Historie Berlins und einer wachsenden gesellschaftlichen Akzeptanz gegenüber Queers besteht nicht länger die Notwendigkeit einer räumlich konzentrierten queeren Infrastruktur. Stattdessen wird diese dezentral über den Stadtraum Berlins verteilt und ihre Räume und Orte als subgruppenspezifisch exklusiv zugewiesen wahrgenommen.

Hypothese 4

Berlins queere Infrastruktur wird unabhängig der eigenen Zuordnung in einem queeren Spektrum als allgemein signifikant weiß-schwul-(cis-)männlich dominiert wahrgenommen. Die Existenz und Sichtbarkeit nicht-schwuler, queerer, BIPoC-inklusiver Räume ist entschieden geringer.

Hypothese 5

Queere Liebe und Intimität finden überall im (öffentlichen) Stadtraum Berlins statt. Sie sind für die heteronormative Mehrheitsgesellschaft aufgrund mangelnder Sensibilisierung, queerer Diversionsstrategien und heterotoper Ausschlussmechanismen oftmals bloß nicht direkt als solche erkennbar.

Hypothese 6

Obgleich Vorstellungen queerer urbaner Utopien von den individuellen Bedürfnissen der jeweiligen Akteur*innen abhängig sind, ist davon auszugehen, dass sich – insbesondere subgruppenspezifisch – Überschneidungen in ihren Imaginationen aufzeigen lassen. Weiterhin ist anzunehmen, dass sich diese in besonderem Ausmaß im Kontext eines Sicherheits- und Sichtbarkeitsbegehren der queeren Community konkretisieren.

Cultural Probes und Mapping

Mit dieser Synthese wird die Basis für den Übergang in eine gestalterische Ausarbeitung gelegt. Hierzu werden zunächst Methoden aufgezeigt, die sich im Rahmen der Gestaltungsaufgabe als besonders vielversprechend erweisen sollten. So wird sich im Sinne einer partizipativen und inklusiven Herangehensweise dazu entschieden, Cultural Probes einzusetzen, um die Perspektive queerer Individuen auf die zuvor aufgestellten Hypothesen einzuholen. Weiterhin soll diese experimentelle empirische Studie anhand von Mapping-Methoden durchgeführt werden, die sich für die Visualisierung und Lokalisation soziogeografischer Inhalte besonders anbieten und deren Ergebnis der Karten bereits an dieser Stelle als angestrebtes Medium für die Gestaltung eruiert werden konnte.

Dementsprechend werden in einem nächsten Schritt maßgeschneiderte Cultural Probes erstellt, mit deren Inhalten 22 ausgewählte Proband*innen des queeren Spektrums Aufgaben zu den Hypothesen auf Kartenmaterial bearbeiten sollen. Das so gesammelte Material soll es ermöglichen, angewandte queere Perspektiven auf die Hypothesen und den Stadtraum zu erhalten, sodass sich hieraus weitere Inspirationen wie erste Inhalte für die gestalterische Umsetzung, und potenziell neue Erkenntnisse über queere Stadterfahrung in Berlin ableiten ließen.

Evaluation der Cultural Probes

Eine Evaluation der insgesamt 19 rückläufigen Cultural Probes offenbart eine große Bandbreite diverser Stadtvorstellungen und -erfahrungen, von denen viele in Korrelation zu den Hypothesen stehen, andere wiederum nicht.

Hypothese 1

So geben etwa auch die Eintragungen der Proband*innen Hinweise dazu, inwiefern Gewalt und Diskriminierung queerer Alltag in Berlin zu sein scheinen. Hinzugekommen ist die Erkenntnis, dass vermeintlich sichtbare Queerness hierbei potenziell nicht nur häufiger sanktioniert zu werden scheint, sondern auch schwerer. 

Hypothese 2

Bezüglich der Wahrnehmung von safe(r) und unsafe(r) spaces ist die wohl interessanteste Erkenntnis, dass sich Sicherheitsräume in den Ergebnissen der Cultural Probes fragmentierter und fragiler offenbaren, wohingegen Unsicherheitsräume eine konstantere Prävalenz zu haben scheinen. Zusätzlich scheinen die Eintragungen der Proband*innen mit der Annahme zu korrelieren, dass es signifikante Unterschiede in der Wahrnehmung je nach eigener Positioniertheit geben kann.

Hypothesen 3 und 4

Die Annahmen zur Verteilung, Zuordnung und Dominanz queerer Infrastruktur hingegen korrelieren weniger mit den Erkenntnissen aus den Cultural Probes. So zeigt sich, dass queere Infrastruktur zwar durchaus als dezentral organisiert wahrgenommen wird, dass jedoch auch hier scheinbar die eigene Positioniertheit und Perspektive viel entscheidender ist in der Perzeption subgruppenspezifischer Zuteilungen von Orten und Räumen und es so zu eklatanten Unterschieden in der Wahrnehmung durch die Proband*innen kommt. 

Hypothese 5

Auch die Verteilung queerer Intimitäts- und Liebeserfahrungen im öffentlichen Raum scheint räumlich großflächig verteilt zu sein, wenngleich hier die unerwartete Erkenntnis ist, dass sie in viel geringerem Ausmaß sichtbar zu werden scheint, als angenommen wurde.

Hypothese 6

Wie bereits in der dazugehörigen Hypothese vermutet, ergeben sich in den Materialien der Proband*innen zu ihren queeren utopischen Vorstellungen die größten Divergenzen in ihren Inhalten und der Form der Bearbeitung. So scheint es bei einem so großen Interpretationsspielraum nicht möglich, konkrete subgruppenspezifische Überschneidungen festzustellen, stattdessen aber wird ersichtlich, dass nicht nur Sicherheit und Sichtbarkeit bedeutsame Themenfelder für die Proband*innen zu sein scheinen, sondern auch der Wunsch nach mehr Diversität.

Gestaltungskonzept

Nachdem die Evaluation der Cultural Probes neue Inspirationen und vor allen Dingen kritische Blickwinkel auf die Perzeption urbaner queerer Raumkonstruktion und -konstitution hat aufdecken können, ist es möglich, ein Gestaltungsvorhaben zu formulieren. So kann ein Gesamtkonzept vorgestellt werden, in dem themenspezifische Karten als Medienstationen in einen Ausstellungskontext eingebettet raumkonstitutive Aspekte queeren Lebens in Berlin darstellen sollen. 

Die oberste Prämisse dieses Ausstellungsansatzes ist es, Abbilder der Stadterfahrung queerer Menschen in Berlin mit ihnen gemein-sam zu schaffen. Gerade in diesem Themenfeld, in dem es um Momente des alltäglichen, queeren urbanen Lebens geht, bietet es sich besonders an, die Besucher*innen als eigene Expert*innen in ihrer persönlichen Raumwahrnehmung anzuerkennen und ihre einzigartigen wie kollektiven Eindrücke sichtbar zu machen – und daraus ein Gesamtbild diverser Aspekte queerer Stadterfahrung zu schaffen.

Daher ist jedes Medienstationskonzept so gestaltet, dass es zur Partizipation und / oder Interaktion einlädt. Die Besucher*innen werden bewusst durch sowohl die Gestaltung als auch durch dazugehörige Exponattexte dazu angeregt, mit den Medienstationen zu interagieren und ihre Perspektiven auf queere Stadterfahrung in Berlin beizutragen, sodass die Visualisierungen gemeinschaftlich beständig ergänzt und erweitert werden können.

Als Darstellungsform im Kontext der queeren Wahrnehmung von und Erfahrung im (Stadt-)Raum eignen sich kartografische Ansichten besonders: Sie erlauben es, Einblicke in verräumlichte Lebensrealitäten zu gewinnen, Erkenntnisse aus Daten generieren und lokalisieren zu können, Muster zu erkennen und zu interpretieren, Mensch-Raum-Interaktionen wie Mensch-Mensch-Interaktionen im Raum zu analysieren und zu vergleichen. Und nicht nur, dass Karten komplexe Inhalte verständlich machen können – sie sind auch in der Lage, über diese Visualisierung eine (eigene) Einordnung durch die Betrachter*innen zu ermöglichen, der in einer queeren Perspektive auf Raum eine besondere diskursive und raumkonstitutive Macht zugesprochen werden kann. Denn wenn die gewohnte Betrachtung der Welt durch neue und ungewohnte Visualisierungen hinterfragt und gestört wird, wird somit ein Erkenntnisprozess eingeleitet, der eine eigene Verortung und Positionierung in einem größeren Kontext erst ermöglicht – und damit diesen Raum beherrschbar macht.

Der aktuelle Stand der Konzeptvorstellung berücksichtigt noch nicht ausreichend Aspekte der Barrierefreiheit im Kontext von Zugänglichkeit, leichter Sprache und / oder Mehrsprachigkeit. Diese müssten in einem nächsten Schritt in Zusammenarbeit mit entsprechenden Expert*innen ausgereift werden.

Quellen

Feddersen, Jan. »150. Geburtstag von Magnus Hirschfeld: Ein queerer Traum namens Berlin«. Die Tageszeitung: taz. 14. Mai 2018
https://taz.de/!5501995/.
(zuletzt aufgerufen am 27.08.2020)

Haslinger, Susanne. »Sozialität«. In Wörterbuch Design: begriffliche Perspektiven des Design, herausgegeben von Michael Erlhoff und Tim Marshall, 375–78. Basel: Birkhäuser, 2008.

Jesus Pereira Lopes, Rogério de. »Queer inclusive planning. Raumansprüche und queeres Selbstverständnis in einer heteronormativen Gesellschaft«. sub\urban. zeitschrift für kritische stadtforschung 5, Nr. 1/2 (23. Juni 2017): 243–56.
https://doi.org/10.36900/suburban.v5i1/2.270.

Löw, Martina, Silke Steets, und Sergej Stoetzer. Einführung in die Stadt- und Raumsoziologie. 2., aktualisierte Auflage. UTB Soziologie 8348. Opladen Farmington Hills: Verlag Barbara Budrich, 2008

Ein Projekt von

Fachgruppe

Design Master

Art des Projekts

Masterarbeit

Betreuung

Prof. Franziska Morlok dr. julia meer

Entstehungszeitraum

Wintersemester 2020 / 2021

Keywords

zusätzliches Material