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URAFIKI – Gestaltung einer Schrift – inspiriert von afrikanischem Kunsthandwerk und Schriftmalerei

URAFIKI – Gestaltung einer Schrift – inspiriert von afrikanischem Kunsthandwerk und Schriftmalerei

Leitfrage

Wie kann eine Typografie aussehen,

mit welcher Produkte aus afrikanischen Ländern

zeitgemäß auf dem deutschen bzw. westlichen

Markt kommuniziert werden?

Abstract (DE)

Das Bild Afrikas, welches in Deutschland durch die Medien kommuniziert wird, ist häufig sehr stereotypisiert. Bilder von Flüchtlingsbooten, Spendenaufrufe von Hilfsorganisationen und Dokumentationen über die afrikanische Tier und Pflanzenwelt sowie ethnischen Volksgruppen prägen unsere Wahrnehmung. Wirft man einen Blick hinter die Kulissen, zeigt sich heute ein sehr viel umfangreicheres Bild. Die Digitalisierung hat in Afrika Einzug gehalten. Gespendete Kleider aus Europa und Amerika prägen die Mode. Außerdem ermöglichen billige Massenprodukte aus Asien der breiten Bevölkerung einen Zugang zu alltäglich notwendigen Produkten. Dies führt jedoch auch immer mehr zu einer Verdrängung lokaler traditioneller Handwerkskunst. Die handgefertigten Unikate der Kunsthandwerker können preislich nicht mit der Massenware aus China mithalten. Außerdem befindet sich das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und soziales Unternehmertum bei der breiten Bevölkerung noch in den Kinderschuhen. So bietet besonders der Tourismus einen Markt, wodurch das Interesse zur Bewahrung der traditionellen Handwerkskünste angeregt wird. Hier fällt jedoch auf, dass die gewählten Motive der Kunsthandwerker häufig die vorgeprägten Stereotype der Touristen bedienen.

Durch die Ausbreitung des Internets bieten sich ganz neue Möglichkeiten der Kommunikation sowie der Vermarktung von kunsthandwerklichen Produkten.

Die Abhängigkeit vom Tourismus bietet keine sichere Geschäftsgrundlage, weshalb immer mehr Unternehmen und Entrepreneure die Möglichkeit mit dem Onlinehandel einen neuen Markt zu erschließen für sich entdecken. Außerdem ist eine zunehmende Sensibilisierung für Nachhaltigkeit, und Kooperationen auf Augenhöhe auszumachen. Neuartige Designs in Verwendung lokaler Materialien und Fertigungsmethoden sowie die Wiederverwertung von industriellen Abfällen schlagen eine Brücke zwischen Tradition und Moderne.

In westlich industrialisierten Ländern heben sich diese Produkte aufgrund ihrer handgefertigten, natürlichen Ästhetiken von der industriellen Massenware ab. Es besteht durchaus das Potential, für diese Produkte einen breiteren Markt zu erschließen. Es zeigt sich jedoch, dass die Kommunikationsmittel, welche einige Einzelhändler im Internet für die Vermarktung nutzen, an stereotypen Bildern Afrikas festhalten. Auf der anderen Seite wird die, durch handwerkliche Ästhetik entstandene Individualität, die diese Produkte besonders hervorhebt, nicht berücksichtigt.

Mein Hauptaugenmerk bei dieser hier vorliegenden Arbeit lag auf der Typografie. Bei einer Online-Recherche stellte ich fest, dass es kaum typografische und grafische Beispiele für eine zeitgemäße und wertfreie Kommunikation afrikanischer Produkte gibt.

Ich versuche aufzuzeigen, welche stereotypen Bilder Afrikas in den Medien und in der Tourismusbranche häufig verwendet werden und wie sich dies in den Designs und in der Vermarktung widerspiegelt.

Aufbauend auf dem Bedürfnis eine transkulturelle Wahrnehmung zu fördern, begab ich mich auf eine Forschungsreise in Afrika. Mein Anliegen war es, im persönlichen Kontakt mit Kunsthandwerkern und Schriftmalern analytisch herauszuarbeiten, wo sich in ihren Arbeiten zeitgenössische, übergreifende Ästhetiken auffinden lassen.

Daraus habe ich beispielhaft eine Schrift entwickelt, welche für die Kommunikation afrikanische Produkte auf dem Europäischen Markt dienlich sein kann.

Abstract (EN)

Key Question

What can a typography look like,

which contemporarily communicates products from African countries

on the German or western market?

The image of Africa communicated/portrayed through the media in Germany/the German media is often very stereotyped. Our perception is shaped through pictures of refugee boats, appeals for donations from aid organizations and documentation about the African flora and fauna as well as ethnic groups. If you take a look behind the scene, a much more extensive picture emerges today. Digitization has found its way into Africa. Donated clothes from Europe and America shape the fashion. In addition, cheap mass products from Asia give the general population access to everyday commodities. However, this is also increasingly leading to the displacement of local traditional craftsmanship. The handcrafted unique pieces by the local? artisans cannot keep up with the mass-produced goods from China. In addition, awareness of sustainability and social entrepreneurship among the general public is still in its infancy. Tourism in particular offers a market, which stimulates interest in the preservation of traditional crafts. Here, however, it is noticeable that the chosen motifs of the artisans often serve the predetermined stereotypes of tourists.

The global access to the internet opens up completely new possibilities for communication and the marketing of art and craft products.

The dependence on tourism does not offer a secure basis for business, which is the reason more and more companies and entrepreneurs are discovering the possibility of opening up a new market with online trading. In addition, there is increasing awareness of sustainability and cooperation at eye level. New designs using local materials and manufacturing methods as well as the recycling of industrial waste build a bridge between tradition and the modernity.

In western industrialized countries, these products stand out from the mass-produced goods due to their handmade, natural aesthetics. There is definitely the potential to open up a broader market for these products. It turns out, however, that the means of communication that some retailers use for marketing on the Internet cling to stereotypical images of Africa. On the other hand, the individuality and aesthetics created by craftsmanship, which particularly emphasizes these products, is not taken into account.

My main focus in this work was typography. During an online research, I realised that there were hardly any contemporary typographical and graphic examples which communicate African products without using stereotypical images.

I am trying to show which stereotypical images of Africa are frequently used in the media and in the tourism industry and how this is reflected in the designs and in the marketing.

Motevated by wanting to promote transcultural perception, I went on a research trip in Africa. It was my concern, to go into personal contact with artisans and type painters, and to work out analytically where contemporary, common aesthetics can be found in their work.

Out of this analysis I developed a typeface that can be used for communicating African products on the European market.

Stereotype Bilder Afrikas

In den Medien

Richard Nawezi, der Vorstand der Stiftung Parnerschaft mit Afrika weist darauf hin, dass Stereotype nicht per sé schlecht sind

…Sie helfen uns, die Komplexität der Welt zu reduzieren…

Hellstern, M. (2013)

Gleichzeitig stellt er jedoch fest, dass die Bilder, welche beispielsweise im deutschen Fernsehen und auf Plakaten verbreitet werden, noch auf Sichtweisen der Kolonialzeit beruhen.

…und das, obwohl sieben der zehn am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in Afrika liegen und Unternehmertum und Innovation boomen.

Hellstern, M. (2013)

Wenn wir uns am Bild der Massenmedien orientieren, lernen wir heute alles darüber, wie Afrikaner sterben, aber nichts darüber, wie sie leben.

Henning Mankel

Dieses Zitat des schwedischen Schriftstellers zeigt ein wesentliches Problem auf, welches durch die Darstellung Afrikas durch westliche Medien erzeugt wird. Diese beleuchten in der Berichterstattung meist besonders problematische Situationen in einzelnen afrikanischen Länder. So entsteht ein Bild von fatalistischen Klischees.

…Afrika als Ort der ausweglosen Misere und der blutigen Kriege, Afrika als ‚Herz der Finsternis‘

Urech, F. (2019

Ein weiteres Bild über Afrika wird von Hilfsorganisationen gezeichnet, welche in Werbekampanien zum Spenden aufrufen.

…In den Mittelpunkt der Werbeplakate oder TV-Spots werden dabei zumeist Kinder gerückt. Hierbei wird der Eindruck vermittelt, dass alle Kinder Afrikas arm sind, hungern oder leiden und der afrikanische Kontinent auf westliche Hilfe angewiesen ist.

König, E. (2010) S. 51

...Afrika existiert in unserer Wahrnehmung als Pauschale.

Wellershaus, E. (2017)


Im Tourismus

Die Bilder, mit welchen die Tourismusbranche die Interessenten anspricht, zeichnen jedoch auch auf andere Weise ein sehr einseitiges Bild.

…Der ‚edle Wilde‘ ist anders als wir. Unberührt und unverstellt. Ganz im Gegensatz zur westlichen Industriegesellschaft: Sie ist menschenfeindlich, zerstörerisch, eng. Die Flucht nach Afrika verspricht Abwechslung vom ewig gleichen Trott, Freiheit und ein Leben inmitten von exotischen Pflanzen und Tieren.

Arnold (2004)

Auch Nora Witt, die Gründerin des Start-ups Mingle Africa, welches nachhaltige Bildungsreisen in afrikanischen Ländern anbietet, sagt in einem Interview:

…In der Werbung für Afrika-Reisen werden die immer gleichen Stereotype bedient. Dabei entsteht ein oft sehr verklärtes Bild des Kontinents. Afrika besteht immer aus Landschaft, Safari und tanzenden Zulu-Kriegern.

Daniel (2010)

Diese Bilder werden durch die Touristen, welche diesem idealisierten Bild nacheifern, immer wieder reproduziert.

…Die Reisefotografien werden dabei meist schon im Vorfeld durch Bilder aus der Werbung oder Reisekatalogen beeinflusst, wodurch letztendlich vorgefertigte Stereotype durch Touristen wieder reproduziert werden.

König (2010) S. 54

Touristisches Kunsthandwerk

Die Bilder mit denen die Reiseveranstalter in afrikanische Länder locken, zeigen eine sehr einseitige, romantisierte Perspektive und erzeugen somit bei vielen Touristen schon vor der Reise eine bestimmte Erwartungshaltung.

Diese äußert sich häufig auch im Bedürfnis, Reproduktionen von traditionellem Kunsthandwerk zu kaufen. Hierfür greifen die Kunsthandwerker, welche den touristischen Markt bedienen, häufig auf die Ästhetiken der zeremoniellen »Kunst« von afrikanischen, ethnischen Volksgruppen zurück.

…Viele afrikanische Kunsthandwerker leben vom Tourismus. Touristen kommen häufig, um sich Tiere in den Nationalparks anzusehen und um die Kultur kennen zu lernen. Sie kaufen in diesem Zuge auch gerne lokale Kunst.

Für Kunsthandwerker ist dies meist

der einfachste Weg, die Produkte

zu verkaufen.

Biggs (1996) S.61

Außerdem ist der Tourismus saisonal bedingt. Am Beispiel der Corona Epidemie (ab 2020), kann man sehen, dass diese Abhängigkeit für viele Kunsthandwerker zum Problem werden kann.

Für viele Länder im südlichen und östlichen Afrika ist der Naturtourismus eine der größten Devisenquellen und in der Umgebung von Schutzgebieten oft der wichtigste Arbeitgeber. Bleiben Camps und Lodges leer, leiden zuerst die umliegenden Dorfgemeinschaften.

Schumacher (2020)

Ich fragte mich, wie sehr die Touristen mit ihrer Vorprägung und ihren oft stereotypen Bildern die Kunsthandwerker in der Wahl der Motive beeinflussen.

Aufgrund des verschwenderischen Umgangs mit den für den touristischen Markt gefertigten Kunstobjekten komme ich zu der Annahme, das die Kunsthandwerker vordergründig keine tiefere Verbindung mehr zu den geschaffenen Objekten haben.

Die Reproduktion der Ästhetiken und Formen des traditionellen Kunsthandwerks dient ihnen heute primär als verhältnismäßig gute finanzielle Einnahmequelle, da westliche Touristen im Verhältnis zur lokalen Bevölkerung mehr Geld besitzen.

Diese Annahme führte mich zu der Frage, wie denn der internationale Markt für afrikanisches Kunsthandwerk aussieht. Welche Produkte sind gefragt, welche Abnehmer gibt es und welche Chancen bestehen für die Kunsthandwerker sowohl in der Weiterentwicklung und Freiheit im Schaffensprozess des Kunsthandwerks als auch in den finanziellen Einnahmen.

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Afrikanisches Kunsthandwerk in Europa

Die ersten Fragen die sich mir stellten lauteten:

- Wie sieht der europäische Markt für afrikanische Produkte aus?

- Welche Produkte sind besonders beliebt?

- Was schätzen speziell die deutschen Konsumenten an afrikanischem Kunsthandwerk?

Nach Biggs unterteilt sich der europäische Markt für afrikanische Produkte in 3 Nischen. Die erste Nische besteht aus traditionellem Kunsthandwerk, welches eindeutig mit Afrika identifizierbar ist und nicht für den europäischen Markt modifiziert oder angepasst wurde.

Die zweite Nische besteht aus Produkten welche an den europäischen Markt angepasst wurden indem ihnen funktionale Zwecke gegeben wurden. Häufig ist ein Bezug zum afrikanischem Kunsthandwerk offensichtlich. Im Fokus liegt hier jedoch die rustikale und handgefertigte Erscheinung des Produkts, weniger der Ursprungsort.

Die dritte Nische sind in Afrika gefertigte Produkte, welche keinen direkten Afrika-Bezug aufweisen. Hier stehen die handwerklichen Fähigkeiten afrikanischer Produzenten im Mittelpunkt, welche eine Herstellung handgefertigter Produkte in größerer Stückzahl ermöglichen. Im Verhältnis zu asiatischen sind afrikanische handgefertigte Produkte noch sehr wenig auf dem europäischen Markt verbreitet. Sie lösen somit den Reiz nach etwas Neuem aus. Europäische Konsumenten schätzen dabei besonders folgende Attribute des traditionellen afrikanischen Kunsthandwerks:

Colourful, unique and unknown, bold and bright, rustic, geometric, modern and ecological.

Biggs (1996): S. 47

Das auf den Tourismus ausgelegte Kunsthandwerk, welches hier als traditionell betitelt wird, ist demnach auf dem europäischen Markt nur ein Nischenprodukt.  Ich schließe daraus, dass bei diesen Kaufentscheidungen die gleichen Bedürfnisse, Sehnsüchte und Vorprägungen zugrunde liegen, welche auch die Tourismusbranche bedient.

Gleichzeitig scheint afrikanisches Kunsthandwerk durchaus eine breitere Zielgruppe zu haben. Allerdings stehen bei dieser nicht die traditionelle Ästhethik im Mittelpunkt, sondern die Naturmaterialien, die Funktionalität und handgefertigte Ästhetik.

Es ist von Interesse, dass die Fertigung von rein praktischen Gegenständen keine neue Entwicklung im afrikanischen Kunsthandwerk darstellt.

…Aufgrund der Leichtigkeit und Bruchfestigkeit wurden vor allem von nomadischen Völkern häufig Körbe zum Transport von Gegenständen gefertigt.

Willet (1988) S.17

Besonders gefragt auf dem europäischen Markt sind Produkte, welche im weitesten Sinne der Inneneinrichtung von Wohnungen und Häusern zugeordnet werden können.

Handgefertigte, individuelle Produkte aus Afrika sind aufgrund ihrer, im Verhältnis zur westlichen Handwerkskunst , niedrigeren Bepreisung, für eine breitere Masse zugänglich. Sie stellen somit auch eine Alternative zu maschinell gefertigten Serienprodukten dar.

vgl. Biggs (1996) S..55 ff

Deutsche Onlineshops für afrikanische Produkte

Bildsprache und Kommunikation

Farbe

Bei der Betrachtung der Farbpaletten, welche die Onlineshops auf ihren Websites verwenden, fällt auf, dass häufig warme Erdfarben genutzt werden. Alternativ wird mit sehr prägnanten und satten Farben gearbeitet. Diese Farbtöne sind sowohl in der Natur in manchen Gegenden Afrikas, als auch in den angebotenen Produkten auf den Websites wieder zu finden.

Typografie

Bei der Wahl der Typografie sind 2 Strömungen zu erkennen. Entweder werden klare Schriften, mit und ohne Serifen, welche konstruiert und maschinell wirken verwendet oder es wird die Formgebung des traditionellen afrikanischen Kunsthandwerks nachempfunden.

Symbolik

Um einen weiteren Afrikabezug herzustellen, setzen die Onlineshops auf prägnante und dem afrikanischen Kontinent zuzuordnende Symboliken bzw. Bilder. Häufig wird die geografische Darstellung des afrikanischen Kontinents genutzt. Im African Attitude Shop wird die Nationalflagge Südafrikas verwendet, jedoch weiterhin vom gesamten Afrika gesprochen. Ansonsten werden Naturmotive, wie die Akazie und die Giraffe, verwendet. Der Africa Deco Laden zeigt auch ikonische Darstellungen eines Mannes mit Speer sowie einer tanzenden Frau.

Auch hier fällt auf, wie sehr die Onlineshops auf die Darstellung von stereotypen Bildern zurückgreifen. In der Typografie wird als moderne Alternative zu den traditionellen Ästhetiken auf maschinelle geradlinige Schriften gesetzt. Diese scheinen mir nicht die handgefertigte Formensprache der in den Shops angebotenen Kunstgegenständen widerzuspiegeln.

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Forschungsreise

Auf einer Forschungsreise durch Sambia, Tansania und Malawi wollte ich einen näheren Einblick über das dort praktizierte Kunsthandwerk und die Schriftmalerei bekommen. Mein Fokus galt dabei meiner Forschungsfrage, wo ich in den Formen zeitgenössische Ästhetiken finden kann bzw. was hier überhaupt als zeitgenössisch wahrgenommen und praktiziert wird. Als Forschungsmittel wählte ich sowohl die fotografische Dokumentation, als auch den persönlichen Austausch mit den Kunsthandwerkern und Schriftmalern.

Transkulturalität

Der Begriff Transkulturalität wurde durch Wolfgang Welsch maßgeblich definiert. Dabei ging es ihm darum, einen neuen Kulturbegriff zu schaffen, welcher die grenzüberschreitenden Konturen der sich globalisierenden Welt neu zu fassen versucht.

Die Kulturen sind hochgradig miteinander verflochten und durchdringen einander. Die Lebensformen enden nicht mehr an den Grenzen der Nationalkulturen, sondern überschreiten diese und finden sich ebenso in anderen Kulturen. Die neuartigen Verflechtungen sind eine Folge von Migrationsprozessen sowie von weltweiten materiellen und immateriellen Kommunikationssystemen (internationaler Verkehr und Datennetze) und von ökonomischen Interdependenzen.

Welsch (1995)

So wird mit diesem Begriff der Fokus auf die Gemeinsamkeiten von Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen gesetzt. Der Mensch wird als Komplexe Persönlichkeit wahrgenommen, welche sich nicht einzig durch die Einzigartigkeit des (Herkunfts-) Kulturkreises definiert. Dem gegenüber steht der Begriff der Interkulturalität. Hier wird der Fokus auf die Unterschiedlichkeit von Kulturen gelegt, und davon ausgegangen, das erst durch das bauen von Brücken eine Verständigung möglich ist.

Während wir Brücken bauen, fließen unter ihr die Völker wie Wassermassen zusammen, und während wir Gräben zuzuschütten meinen, schütten wir auf dem Flachland der Kultur Erdwälle auf.

Welsch (1995)

Schriftgestaltung

Um auf meine ursprüngliche Forschungsfrage einzugehen, entwickelte ich im Folgenden beispielhaft eine Typografie. Die Idee war, mit Hilfe der Schrift, afrikanische Produkte welche auf dem deutschen Markt verkauft werden, befreit von Stereotypen, zeitgemäß zu kommunizieren.

Als Grundlage dafür dienten die Erfahrungen und Erkenntnisse der Forschungsreise sowie die wissenschaftliche Untersuchung der Wahrnehmung Afrikas und afrikanischer Produkte in Europa und Deutschland.

In meiner Gestaltung wollte ich bewusst nicht auf eine spezifische Formensprache ethnischer Volksgruppen zurückgreifen, sondern durch eine allgemeingültigere Ästhetik eine transkulturelle Sichtweise fördern.

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Form

Sowohl die Kunsthandwerker, als auch die Schriftmaler, welche ich besucht hatte, arbeiteten größtenteils noch mit Handwerkzeugen. Dies ist es auch, was afrikanische Produkte in Deutschland bzw. Europa heutzutage von der breiten Masse an maschinell gefertigten Produkten abhebt. In der Gestaltung der Schrift entschied ich mich für eine Formensprache, welche in unterschiedlichen handwerklichen Prozessen aufzufinden war. Geschwungene Linien mit Strichstärkenunterschieden waren sowohl in den Handschriften der Schriftmaler zu finden, als auch in der Malerei. Auch die floralen geschnitzten Muster einiger Kunsthandwerker bauten auf dieser Ästhetik auf. Wichtig für die Gestaltung war außerdem eine gute Leserlichkeit und Klarheit der Buchstaben, welche durch geringe dekorative Abweichungen von der essenziellen Form auch keine direkte Assoziation zu bestimmten Volksgruppen oder Regionen zulässt. Dadurch war eine größere Breite in der Anwendung ermöglicht.

Farbe

Sowohl in der Schriftmalerei, als auch im Kunsthandwerk war eine hohe Farbvielfalt zu entdecken. Beim Kunsthandwerk stand häufig die natürliche Farbe des verwendeten Materials für sich. Bei den Schriftmalern waren sowohl klare einfarbige Schriften zu finden, als auch sehr Bunte. Sie nutzten die Farbigkeit häufig als dekoratives Element, welches den sonst recht klar leserlichen Schriften eine größere Individualität und somit einen Symbolcharakter verlieh. Dafür wurden größtenteils satte Farben verwendet. Farbigkeit war sowohl in den Buchstaben, im Hintergrund, in Konturlinien, Schattenwürfen der Buchstaben sowie Lichtreflexen innerhalb der Buchstaben zu finden.

Struktur

Vor allem bei den Produkten der Kunsthandwerker waren interessante Oberflächenstrukturen zu entdecken. Manche waren mit handwerklichen Geschick herausgearbeitet, andere kamen durch die Bearbeitung des Materials erst zum Vorschein. Besonders viele Kunsthandwerker hatten sich der Bearbeitung von Holz gewidmet. Aus diesem Grund waren diese Strukturen sehr häufig zu sehen. In der Gestaltung entschied ich mich dazu, in verschiedenen Schriftschnitten die Farbvielfalt und Detailgenauigkeit der Buchstaben zu variieren. Der Grundschnitt sollte sehr klar und einfach als Leseschrift funktionieren. Ein besonders dicker Schnitt soll als Headlineschrift funktionieren. In einer satten Farbe möchte ich die dekorativen Elemente der Schriftmaler aufgreifen. Die Buchstaben selber spiegeln die natürliche Struktur des Holzes wieder.

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Danksagung


Als erstes möchte ich mich bei meinen beiden Betreuungsprofessoren Prof. Lucas de Groot und Prof. Alexandra Martini bedanken. Diese haben in diversen Feedbackgesprächen auf unterschiedliche Aspekte welche in der Bearbeitung dieses Themas relevant waren hingewiesen und waren in der gesamten Bearbeitungszeit eine große Hilfe und Unterstützung bei Unsicherheiten und Unklarheiten.

Vor allem möchte ich meinen Eltern für die wichtigen Gespräche danken. Sie standen mir in besonders unklaren und schwierigen Phasen der Bearbeitungszeit mit Rat und Tat zur Seite.

Quellen


Arnold, I. (2004). Endstation Sehnsucht in Afrika. Verfügbar unter: www.dw.com/de/endstation-sehnsucht-in-afrika/a-1097522 [22.06.2020].

Biggs, T., Miller, M., Otto, C., Tyler, G., and World Bank (1996). The European Market in Ethnic, Hand−crafted Products. In: Africa can compete!. (S. 29 - 54).

Daniel, I. (Dezember 2015). Nachhaltig nach Afrika – ohne Safari und tanzende Zulus. Verfügbar unter: www.goethe.de/ins/cz/prj/jug/job/de14999989.htm [22.07.2020].

Hellstern, M. (September 2013). Stereotype überwinden.Verfügbar unter: www.dandc.eu/de/article/das-afrikabild-deutschland-ist-haeufig-durch-stereotype-gepraegt-deutsch-afrikanische [16.07.2020].

König, E. (2010). Afrika im Pressebild. Magisterarbeit, Universität Wien. Fakultät für Sozialwissenschaften.

Urech, F. (Januar 2019). Afrika ist mehr als arm und hungernd: Der Instagram-Account »everydayafrica« zeigt eine Wirklichkeit fernab der Stereotype. Verfügbar unter: www.nzz.ch/gesellschaft/afrika-mit-instagram-gegen-stereotype-ld.1316070 [16.07.2020].

Wellershaus, E. (Oktober 2013). Aber Rhythmus haben sie im Blut, jaja. Verfügbar unter: www.zeit.de/kultur/2017-10/afrika-rassismus-klischees-vorurteile-10nach8 [16.07.2020].

Welsch, W. (1995). Transkulturalität. Zur veränderten Verfasstheit heutiger Kulturen. In Institut für Auslandsbeziehungen (Hrsg.), Migration und Kultureller Wandel, Schwerpunktthema der Zeitschrift für Kulturaustausch, 45/1, (S. 39–44). Stuttgart.

Willet, F. (1988). African Art.Toledo S.A.: Artes Graficas. ISBN:0-500-20103-X

Ein Projekt von

Fachgruppe

Kommunikationsdesign

Art des Projekts

Bachelorarbeit

Betreuung

foto: Prof. Luc[as] de Groot foto: Prof. Alexandra Martini

Entstehungszeitraum

WiSe 19 / 20 – SoSe 20

Keywords