Incom ist die Kommunikations-Plattform der Fachhochschule Potsdam

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Vom Techniker zum Künstler

Untersuchung von Interaktionsmethodiken in der Show-Lichttechnik

Abstract

Deutsch

In der Live-Eventtechnik wird Licht als elementares Gestaltungsmittel der Szenerie verwendet um die dem Publikum vermittelten Gefühle zu verstärken.

Seit nunmehr 25 Jahren hat sich in der Steuerung der Bühnenbeleuchtung (DMX-512-Protokoll) kaum etwas verändert obwohl technische Innovationen in anderen Bereichen neue, intuitivere Bedienmethoden zulassen würden.

Denkbar wären hierbei VR/AR in Verbindung mit neuen interaktiven Schnittstellen durch sensorbasierte Controller (z.B. Kinect oder Controller mit Bewegungssensoren), die aktuelle Hardware-Interfaces ergänzen.

Damit hätten Lichtgestalter direkteren Eingriff in das Bühnengeschehen und wären intuitiv spielerisch in der Lage das Schauspiel direkt live untermalen zu können.

Die Hürde des Abstrahierens und des Umdenkens zwischen der planaren Bedienoberfläche in den dreidimensionalen Raum und unmittelbar in die Situation ist bisher eine maßgebliche Einschränkung im Hinblick auf das Beleuchtungsergebnis.

English

Light to a show is as essential to live performances as the performance itself.

The procedure of controlling any live-event hasn't changed over the past decades. Still DMX-512 is the leading protocol in the lighting industry. Many evolvements out of different industry-branches could lead to a new, much more intuitive, yet unknown way of controlling stage-enlightment though.

You could definitely think of VR or AR getting involved as a new hardware interface. But basically any sensor-based controlling options could be thought of being integrated into show-lighting! Those integrations could lead to a much faster, more intuitive way of controlling light at a venue by adding more flexibility in the way of interaction.

Light Designers would profit of much more impact to their shows.

Key to this innovation is to reduce the amount of abstraction from 2-dimensional controllers to the 3 dimensional environment on stage.

Typisches Arbeitsumfeld & Problematik:

Bislang beschränkt sich die Umgebung eines Lichttechnikers/Operators während der Show auf seinen Platz hinter dem DMX-Pult am FOH (Front of House), einer vor der Bühne platzierten technischen Installation.

Schieberegler, Potis und mittlerweile Touchscreens definieren dessen 2-dimensionale, sehr technische Sicht, dem 3-dimensionalen Bühnenraum – mittels Licht – Leben einzuhauchen.

Diese Regler lassen Dimmerwerte für Lampen und Servo-Motoren von „0 %“ bis „100 %„ und umgekehrt steigen oder fallen und werden mittels des DMX-Protokolls an die Lampen gesendet.

Vor der Show werden diverse Lichtinstallationen vorprogrammiert um spezifische Werte zu einem Showmoment „X“ zu übernehmen.

Das Bühnenbild kann so zwar Gefühle vermitteln, leider sind diese aber gerade bei Shows mit improvisierten Momenten oft nicht passend. Musik, Bühnenspiel und Lichtszenerie beißen sich dann. Selbst bei ins „Detail geplanten Shows“ gibt es unvorhergesehene Ereignisse, auf die dann die Vorprogrammierung nicht mehr passt. Eine aktive Intervention ist in solchen Momenten kaum- oder gar nicht möglich.

Die Einschränkung ist hierbei, die Beleuchtung lediglich auf vorprogrammierte Werte ändern zu können, aber keine direkte Verbindung zwischen Empfundenem (akustisch sowie Künstlerperformance) und der Steuerung der Lampen bilden zu können.

Vision & Zielsetzung:

Es ist vorstellbar, dass künftig der sterile Auftrag des Lichtechnikers/Beleuchters einer starken Wandlung hin zum Künstler/Performer unterliegen kann. Als Vergleich aus der Veranstaltungs- /Unterhaltungsbranche möchte ich auf wichtige Umgestaltungen in der Szene der Musikschaffenden hinweisen.

In dieser vollzog sich, mit der Durchsetzung der Elektronik/Elektrotechnik und Verbesserungen in Tonaufzeichnungs- sowie Tonwiedergabemöglichkeiten ein Umschwung bzw. eine Öffnung im Umgang mit Musik – auch im Live-Bereich. Kurz gesagt: Die Entstehung von DJ's und MC's sowie die Nutzung der Möglichkeit Musik „synthetisch“ zu erzeugen.

So können wir uns also vorstellen, dass – wiederum vergleichbar mit der digitalen Spielewelt und hieraus bekannter Formen des körperlich aktiven Computerspielens (siehe Microsoft Kinect oder Nintendo Wii) – aus dem Prozess des Lichtsteuerns an sich bereits ein Veranstaltungselement mit hoher Attraktivität entwickelt werden kann.

In einer etwas anderen Form ist diese Art der Belebung/Beseelung von –im Ursprungssinn – kalter, rein funktionaler Technik bereits geglückt. --> musizierende, malende, tanzende und interaktive (KuKa)-Roboterarme.

Ziel dieser Arbeit soll der Grundstein einer neuen Arbeitsumgebung bzw. ein Arbeitsinstruments sein, das erleichterten Zugang zum Lichtspiel bei Veranstaltungen auch für Laien ermöglicht.

Reflexion

Persönliche Reflexion

Probleme, auf die ich stieß:

Ursprüngliches Ziel war eigentlich ein festes, neues Bedien- konzept mit neuem Hardware-Controller und neuer GUI… Keineswegs sollte es nur eine Idee, lediglich fundiert durch Research, Zielsetzung und etwaige Konzepte – also ein zu- sammengedachtes Häufchen werden. Ich wollte ein schnel- les Ergebnis. Recht früh wurde mir klar, dass in diesem Fall, basierend auf der unerwarteten Komplexität, der Weg das Ziel sein würde. Ich hatte den Umfang eines visionären Ansatzes, ökonomisch und in Bezug auf die Flexibilität hin weitaus unterschätzt. Warum hat es in dieser Branche seit 30 Jahren noch kein Entwickler geschafft, 3D für 3D zu entwickeln? Andere Industriezweige haben diese Überle- gungen schon längst erfolgreich in ihre alltäglichen Prozesse integriert.

Learnings:

Durch den schier grenzenlosen Teil an Recherchearbeit hat sich mir ein enorm-großer Horizont in der Beleuchtungs- technik eröffnet, der mir – als Semi-Profi – bisher ver- borgen blieb. Ebenso muss ich in meiner Annahme, eine komplexe Sache, recht schnell simplifizieren zu können zwar nicht Einhalt gebieten, sie aber reeller einzuschätzen lernen. Es ist wichtig sehr fein zu beurteilen, wann alte He- rangehensweisen wirklich überholt werden können, dürfen oder müssen. Nicht alles was alt ist, ist auch veraltet.

Achievements:

Das durchweg anhaltende, interessierte Feedback, innerhalb der Interviews, hinterlässt den Eindruck, eine durchaus zwar ungeforderte, aber ebenso sehr berechtigte Hinterfragung

in den Raum und – nicht zuletzt – in die Köpfe meiner Gesprächspartner gestellt zu haben. Zu Recht scheint meine Annahme, mindestens eine Erweiterung der heutigen Be- dienmethodiken zu erforschen, angebracht.

Ein Projekt von

Fachgruppe

Interfacedesign

Betreuung

Prof. Constanze Langer Prof. Jörg Hundertpfund

Entstehungszeitraum

Sommersemester 2020

Keywords