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Die Bühne ist angerichtet. Illustration im Bühnenraum

Die Bühne ist angerichtet. Illustration im Bühnenraum

Der Entwurf eines Bühnenbildes für eine Szene aus dem Stück „Biedermann und die Brandstifter“.

Die Aufgabe

Erschaffe in der Form eines Dioramas ein illustratives Bühnenbild zu einer ausgewählten Szene aus dem Stück „Biedermann und die Brandstifter“. In dem fertigen Projekt sollte ein bewegliches Element vorhanden sein.

Theorie 1: Einführung in die Theorie der Theaterbühne - kick off als Video

Das Theater ist ein Raum, in dem alle Fragen der künstlerischen Produktion in einem Werk erscheinen und der Bühnenraum als ein abgesteckter mythischer Raum betrachtet wird. 

Die Kunst des Theaters kann in verschiedene theoretische Themen aufgeteilt werden, wie z. B. Regie, das Stück selbst, Dramaturgie oder die intratheatrale Kommunikation, also die Kommunikation zwischen Akteuren und Zuschauern. Dabei wird zwischen verschiedenen Theaterformen unterschieden, darunter z. B. das Straßentheater, das Tanztheater oder das Volkstheater.

So wie verschiedene Theaterformen existieren, sind auch unterschiedliche Bühnenformen bekannt:

- Guckkastenbühne oder Konkavbühne
- Theatron oder Konvexbühne
- Rundbühne oder Arena
- Raumbühne

Zu betonen ist, dass bis heute keine allgemeine entworfene Theatertheorie existiert.

Übung 1: Ein Bühnenbild zum Kennenlernen

1

David McVicar’s production of Mozart’s The Magic Flute

Royal Opera House, Covent Garden, London 2019

2

Dutch National Touring Opera's production of L'Orfeo

Koninklijk Theater Carré, Amsterdam 2020

Theorie 2: Exkurs: Das Papiertheater und der Neuruppiner Bilderbogen

Bei dem Papiertheater handelt es sich, wie der Name schon vermuten lässt, um ein Miniaturtheater aus Papier. Dieses wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Biedermeier berühmt, vor allem in England und Deutschland. 

Als Grundlage für das kleine Modell der großen Bühne dienten dabei die berühmten Neuruppiner Bilderbögen, auch Papierbögen genannt. Dabei handelte es sich um ein Massenmedium, bei dem 1-Blatt-Drucke von verschiedensten Objekten und Motiven erstellt wurden, die ebenfalls verschiedenste Funktionen erfüllten. Für das Miniaturtheater wurden die kolorierten Lithografien und Objekte aus den Papierbögen ausgeschnitten.

Übung 2: Textarbeit und Schlüsselszene

Als Schlüsselszene habe ich mir die Szene 3 ausgewählt, da diese den besonderen Moment enthält, in dem Biedermann sich selbst zum Mittäter macht. Er deckt die Brandstifter und fällt damit endgültig auf ihre Spielchen herein.

Charaktere:

  • Schmitz (Ringerkleidung, keine Schuhe)
  • Eisenring (Frack, Krawatte, weiße Weste, keine Schuhe)
  • Biedermann (Morgenmantel)
  • Polizist (Notizbüchlein)
  • Babette
  • Anna
  • Chor (Chorführer)

Theorie 3: Der Beginn der Moderne im Theater

Die Moderne im Theater wurde durch den Einfluss verschiedenster Personen geprägt. Angefangen bei Karl Friedrich Schinkel, einem deutschen Architekt und Vordenker des Klassizismus. Er vereinfachte die Bühnendekoration und verzichtete auf die Tiefenperspektive der zuvor hintereinander gestaffelten Kulissen und Bühnenbilder. Sein Ziel war es, weniger Illusion zu erschaffen und dafür den Bühnenraum mit mehr Tatsächlichkeit zu erfüllen. Ihm folgten Adolphe Appia, der das Theater als Ort der Visionen sah und die Nutzung von Licht neu definierte, Giacomo Balla, der futuristische Bühnenbilder prägte und als großer Einfluss das Bauhaus, welches den Menschen der Geometrie des Raumes unterordnete.

Übung 3: Moodboards zur eigenen Schlüsselszene

Zunächst waren nur Licht und die Darstellung einer fantasievollen Welt mein Hauptthema. Dieser Fokus hat sich jedoch im Laufe des Prozesses erweitert. Nun wollte ich dem Betrachter ein ungutes Gefühl geben und ihm einen Einblick in Biedermanns Kopf gewähren. Dafür habe ich mein Moodboard mit fremd und unheimlich wirkenden Beispielen gefüllt.

Moodboard 1

Moodboard 2

Erste Charakteridee (Die Brandstifter)

Theorie 4: Die russische Avantgarde im Theater

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts hielt die russische Avantgarde Einzug ins Theater. Hierbei ging es um die Umwälzung und Erneuerung in allen Bereichen der Kunst, wobei sich im Bereich des Theaters hauptsächlich auf die Bühnenausstattung als Schlüsselfunktion konzentriert wurde. Das Bestreben war das wirkliche Lebensumfeld als ein Teil des Dramas zu integrieren und Realismus darzustellen. So entstanden vielfältige Bühnenbilder, die versuchten die Kunst des Lebens und die Kunst des Theaters zu verbinden, entgegen der Illusion des alten Theaters.

Theorie 5: Die Bühne ab den 50er Jahren

In den 50er-Jahren schritt das Experimentieren mit neuen Formen des Theaters weiter voran. Geprägt durch Bertolt Brecht entstand das epische Theater, welches das Drama und die Epik verbindet. Dabei sollte von der Darstellung tragischer Einzelschicksale Abstand genommen und der Fokus auf gesellschaftliche Themen und soziale Ungerechtigkeit gelegt werden.

Nach dem 2. Weltkrieg begannen die Theater nach jedem möglichen Spielort zu suchen, darunter z. B. Dachböden, leer stehende Häuser oder Fabrikhallen. So wurde die Eigentheatralik der Architektur und Spielorte entdeckt. Die Zuschauer wanderten mit den Schauspielern durch die Orte, in einem sogenannten bewegten Theater, worin der Zuschauerraum und der Theaterraum als Einheit gesehen wurden.

Auch das Tanztheater wurde beliebter, in welchem Tänzer und Raum als Kontinuum betrachtet wurden und der Tänzer den Raum transformiert.

ZWISCHENPRÄSENTATION 12.06.2020

Weitere Planung

Verfeinerung der Thumbnails, Illustration und Charaktere durch Concept Art.

Obwohl ich meine Arbeit für eine Darstellung in einem Diorama geplant hatte, entschied ich mich an diesem Punkt die Aufgabe in digitaler Form zu vollenden. Diese Entscheidung würde garantieren, dass ich die Wirkung, die ich mit meiner Arbeit erzielen wollte, auch erreichen würde. 

Das geforderte bewegte Element wurde zu einer Animation und das Diorama zu einem Video.

Probeanimationen

Inspiration und Ziel für die Wirkung der Animation

ENDPRÄSENTATION 10.07.2020

Das Endergebnis

Ein Projekt von

Fachgruppe

Kommunikationsdesign

Betreuung

Prof. Lisa Bucher

Zugehöriger Workspace

Die Bühne ist angerichtet. Illustration im Bühnenraum

Entstehungszeitraum

Sommersemester 2020