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snoezelen

(ˈsnuːzələn)

— ein Raumprojekt, entstanden im Grundlagenkurs White Cube
Wintersemester 2019/20
betreut von Prof.Alexandra Martini
und Jörg Misch

00 KURSBESCHREIBUNG

„In diesem Kurs vertiefen Sie Ihre räumliche Wahrnehmung, erstellen Materialtypologien, experimentieren mit Abformtechniken unterschiedlichster Arten und entwickeln daraus prozesshaft eine eigenständige mehrdimensionale Projektarbeit.“

01 ACKERFINDLING

1. Foto: Milica Milojkovic, 2. + 3. Foto: Lidia Okonowski, 5. - 7. Foto: Antonia Heckenbach

Um das Abformen zu lernen, hatten wir die Aufgabe einen Stein mit Gips zu gießen.  Zuerst wurde die Hälfte des Steins von außen mit Ton „beklebt“ und die freie Hälfte mit Gips bepinselt. Nach dem Trocknen konnte man die andere Hälfte ebenfalls machen. Fertig war die Gussform. 

Wichtig hierbei war es, genügen Trennmittel zu benutzen, damit man den Stein später gut entfernen kann. Außerdem musste man eine kleine Stelle freilassen (siehe Bild 2), die dann als Loch zum Gießen dienen kann. 

Zur Stabilisierung haben wir Draht außen herum befestigt. Dann mischten wir uns Gips mit Wasser an (nicht zu flüssig und nicht zu dick) und gossen die Masse in das Loch.

Mit etwas Glück konnte man die Form problemlos öffnen (Bild 3) und einen mehr oder weniger makellosen Stein rausholen.

02 EXKURSIONSMEMO

Lidia Okonowski

Bei der Ausstellung  Sound on the 4th Floor sprach mich die große, bunte Arbeit „Ugo Rondinone“ von John Trumbley an. Inspiriert davon habe ich mir Zuhause unterschiedlich große, runde, flache Gegenstände gesucht, die man gut aufeinander stapeln kann. Das habe ich dann mit verschiedenen Varianten gemacht, welche ich dann zu einer Collage aus acht Motiven zusammengeschnitten habe. Als Extra erkennt man zwei Motive, die aus kreisförmig ausgestanzten Lebensmittel bestehen.

Milica Milojkovic

Inspiriert von John Cage, beschloss ich mit Transparenz zu arbeiten und passend zu einem Musikstück, in diesem Falle „Claire de Lune“ von Debussy, meinen Pinsel zu schwingen. Für verschiede Abschnitte nutzte ich auch andere Mittel. Dabei entstand dann auch folgendes Video, was etwas choreographisches an sich hat.

Antonia Heckenbach

Nach unserem Besuch im Museum ist mir das Kunstwerk „1000 Namen“ von Anish Kapoor am meisten im Gedächtnis geblieben. Ich überlegte mir Wege, wie ich es zuhause nachstellen konnte. Anstelle von Objekten, entschied ich mich dazu, einen Schriftzug aus Pulver zu machen. Für das Pulver nutzte ich Mehl, welches ich mit einem Farbpigment Blau färbte. Leider kann man das auf dem Video nicht so gut erkennen. Ich probierte viele Sachen aus und habe mich am Ende für zwei Videos entschieden.

03 VOLUMENMODIFIKATION

Lidia Okonowski

Für meine Volumenmodifikation habe ich mich für eine Form entschieden, die aus acht Quadern besteht. Um die Einzelteile mit Gips abformen zu können, habe ich mir eine Abgussform aus hartem Karton, Heißkleber und Klebeband gebastelt. 

Es hat sehr gut funktioniert, die acht Teile zu gießen, allerdings hat sich die Form von Mal zu Mal etwas gelockert, weswegen es dann dazu kam, dass die Teile minimal unterschiedlich geworden sind. Als letzen Punkt habe ich die Quader in eine spannende Zusammenstellung gebracht und sie am Ende mit Gips zusammengeklebt (was nicht auf Anhieb klappen wollte…).

Milica Milojkovic

Meine Grundform war ein Zylinder. Ich teilte ihn einmal mittig vertikal, dann halbierte, viertelte und achtelte ich ihn. Um dies möglich zu machen, goss ich den Gips in ein Rohr, welches mittig von einer festen Pappe getrennt wurde und anschließend sägte und schleifte ich alle Teile. Die Form hat etwas Unendliches, da man nicht weiß, wo sie aufhört und anfängt.

Antonia Heckenbach

Nach mehreren Tonskizzen entschied ich mich mit einem Zylinder zu arbeiten. Als form besorgte ich ein Regenrohr aus dem Baumarkt. Ein Freund hat dieses dann für mich in der Werkstatt zugesägt. 

Ich unterteilte den Zylinder mit Hilfe der Fibonacci Zahlen. Die Gesamthöhe entspricht 21 cm. Demnach laufen die Schnitte diagonal von 1-2cm, 3-5cm und 8-13cm. Das zeitaufwändigste war das Schleifen der Einzelstücke. Ansonsten hat alles ziemlich gut funktioniert.

04 GRUPPENPROJEKT

Zu Beginn des Kurses setzten wir uns mit der Künstlerin Helen Kirkum auseinander. Sie ist eine Schuhdesignerin aus London, die die verschiedensten gebrauchten Schuhe zu neuen Kreationen wieder zusammen setzt.

Durch die Analyse der Arbeit von Helen Kirkum konnten wir folgende Kernbegriffe für unsere Matrix herausarbeiten. Dort sind sie schematisch, graphisch und räumlich dargestellt.

Experimente

Idee 1: recycelter Schmuck

Als erste Idee kam uns der Gedanke aus alten Sachen was Neues zu gestalten. Wir haben versucht aus verschiedenen Materialien wie zum Beispiel aus einer alten CD, Kronenkorken oder Bürozubehör tragbaren Schmuck zu entwerfen.

Idee 2: Patchwork-Stoffe

Inspiriert an Helen Kirkums Schuhen haben wir unterschiedliche Stoffe mit speziellen Strukturen zusammengenäht. Als Kontrast haben wir sichtbare Nahten gemacht, um das Patchwork stärker zu unterstreichen.

Idee 3: Reispapier/nudeln

Als weiteres Experiment arbeiteten wir mit Reispapier und Reisbandnudeln. Zuerst wurde das Reispapier und die Reisbandnudeln im lauwarmen Wasser aufgeweicht und anschließend in einer Wasser-Leim Mischung getunkt. Der Leim diente dazu, dass die einzelnen Reisteile zusammenblieben, ohne sind die Einzelteile leider zerbrochen. 

Nachdem alles gut mit der Leimmischung vollgesogen war, platzierten wir die Teile auf einer umgedrehte Schüssel mit Frischhaltefolie und warteten bis zum nächsten Tag bis alles getrocknet ist. Das Abnehmen von der Schüssel war dann doch schwieriger als gedacht, da die Reisschüssel dann an den Seiten angebrochen ist. 

Außerdem probierten wir den ganzen Prozess auch auf einem Luftballon aus, den wir dann nach dem Trocknen aus dem Inneren entfernt haben.

Die Reisprodukte präsentierten sich ganz gut mit Licht, weswegen wir dann auf die Idee kamen eine Lampe zu bauen.

Idee 4: Pappmaché mit Löchern

Um unserem Endprojekt etwas näher zu kommen, haben wir angefangen mit Pappmaschee zu arbeiten. Als ersten Versuch haben wir Zeitungspapier genommen: zuerst wurde es kleingerissen und ins lauwarme Wasser gelegt, daraufhin kam der Stabmixer zum Einsatz. Das Ganze musste zu einer homogenen Masse gemixt werden und anschließend in ein Stück Stoff gegossen, um vom größten Teil des Wassers befreit zu werden. (Achtung, nicht komplett trocken drücken!)

Wenn dieser Vorgang erledigt wurde, fügten wir Leim zu der ausgewrungenen Papiermasse und kneteten alles gut durch. Als nächstes haben wir die Masse dann auf einen Luftballon platziert und Löcher gestanzt/geformt, damit man später in trockenen Zustand nicht mehr bohren musste.

Wir haben uns geeinigt, dass wir nicht mit so dunklen Material arbeiten wollen und dann beschlossen das Ganze nochmal mit recyceltem Toilettenpapier auszuprobieren, allerdings auf einer anderem Form. (Bild 2).

Da wir eine Lampe bauen wollten, haben wir noch andere Varianten mit Papier und Leimmischung ausprobiert (Bild 3-5). Hierbei haben wir kleine Küchenrolleteile im Wasserleim getunkt und diese dann auf einem Luftballon wieder getrocknet. Hier haben wir die Löcher erst im Nachhinein mit einer gebogenen Nadel gestochen.

Endprojekt

Für unser Endprojekt benutzen wir dann das Pappmaschee aus recyceltem Toilettenpapier, das wir auf einem halben Globus abgeformt haben. 

Mit den ganzen Experimenten kam dann die Erfahrung, weswegen wir zum Beispiel das Pappmaschee noch mit einem Messer an den Globus gepresst haben, um eine glatte und noch stabilere Oberfläche zu bekommen. Die Löcher wurden hier nach dem Trocknen mit einem Akkuschrauber durchgebohrt. Die zwei Kugelhälften wurden von innen noch mit Draht verstärkt, sodass komplette Stabilität da ist. Anschließend wurde in die eine Hälfte ein Kabel mit einer Glühbirne durchgesteckt.

Die zwei Teile der Lampe haben wir mit Heißkleber zusammengefügt und von außen nochmal mit Papier und Leim versiegelt. 

Zum letzten Finish kam noch eine Schicht weiße Farbe drauf.

SNOEZELEN

Snoezelen (ˈsnuːzələn) ist eine zusammengestellte Phantasieschöpfung aus den beiden niederländischen Verben „snuffelen“ (etwa: kuscheln, schnuffeln) und „doezelen“ (dösen) und beschreibt einen gemütlichen und angenehmen Raum, der zur Entspannung dient. Hier kann neue Kraft geschöpft werden, neue Ideen entwickelt und wieder das innere Gleichgewicht gefunden werden.

Wir leben in einer hektischen Zeit, in welcher wir nie wirklich Still sitzen. Getrieben von unserem Alltag, Job und Studium, begleitet von Technologie, finden wir selten einen Moment der Stille um zu entspannen. Sollte es so einen Moment jedoch doch mal geben, füllen wir diesen häufig mit Instagram oder Netflix. Mit unserem Projekt möchten wir einen Raum schaffen, in dem man seinem Alltag entfliehen kann. Hier steht man vor der Aufgabe, einfach mal nichts zu tun. Sich nur mit sich selbst zu beschäftigen und die eigenen Sinne entdecken zu lassen.

Prozess

Ein snoezelen Raum ist ein Entspannungsraum und wird deshalb auch häufig therapeutisch eingesetzt. In solchen Räumen findet man viele unterschiedliche Dinge, die zur Stimulierung der Sinne dienen sollen. 

Fühlen

Taucht man in unseren snoezelen Raum ein entdeckt man sofort den Fühl-Teppich, welcher sich über den gesamten Boden streckt. Inspiriert durch Helen Kirkums Arbeit, setzten wir den Teppich aus unterschiedlichen Materialien zusammen. Der PatchworkTeppich besteht aus den verschiedensten interessanten und vor allem weichen, weißen Oberflächen. Dort kann man neben Wischmop und Schwamm auch Federn und Luftpolsterfolie entdecken.

Sehen

Zur Ausstattung des Raumes gehört auch immer eine Lichtquelle, die verschiedenartige visuelle Effekte erzeugt, wie Wassersäulen oder sich langsam drehende Spiegelkugeln. Wir entschieden uns dazu, eine runde Lampe aus Pappmache zu gestalten. Durch die Löcher scheint das Licht in den Raum und hinterlässt an den Wänden kleine, verzerrte Punkte.

Riechen

Um den Raum noch gemütlicher zu machen, sorgten wir mit Hilfe von Duftstäbchen für einen  angenehmen Lavendel Geruch. Lavendel gilt als traditionelle Heilpflanze die viele ätherische Öle und Gerbstoffe wie Flavonoide enthält. Diese haben insbesondere eine beruhigende Wirkung und sollen nicht nur bei Stress, Ärger und Unruhe helfen, sondern können auch Einschlafstörungen lindern.

Hören

Am besten wirkt das Entspannen aber mit der richtigen Musik. Wer selbst nocheinmal das snoezelen nachempfinden möchte, findet hier unsere Playlist:

 https://open.spotify.com/playlist/4dzRberrXhlFKvhnEXHTcy?si=aBmyrZXjS0aa58dtislIUg

Um einen neuen Raum zu erschaffen, bauten wir aus Holzlatten ein Gestell, welches 1,50m mal 1,50m misst. Da von uns vorher keiner Erfahrung mit Holz hatte, fiel uns diese Aufgabe nicht einfach. Das größte Problem war die Stabilität, weshalb wir nach Empfehlung das Gerüst noch mit Winkeln stabilisierten. 

Von Innen tackerten wir einen weißen Stoff und hatten nun unsere Wände. Damit von außen kein Licht einfällt nähten wir aus einer blickdichten Plane eine Art Bezug. Dies gestaltete sich ebenfalls um einiges schwerer als gedacht. Aufgrund des festen Stoffs war es sehr schwer die Panels zusammen zunähen und mit der Zeit wurde es nur schlimmer, da immer mehr Stoff dazu kam und am Ende war es kaum noch zu bändigen. 

Am Ende hat aber alles gepasst und das Gestell hat auch den Weg von der Modellierwerkstatt, durch den Aufzug, über dem Campus in das Foyer geschafft.

05 FAZIT

Die Arbeit in der Gruppe hat super funktioniert und durch unsere gute Teamarbeit hatten wir auch keinen Zeitdruck. Für die drei Wochen, die wir für die Konzeption und den Bau unseres Projektes Zeit hatten, ist ein echt cooles Produkt entstanden. Schade nur, dass es nur so kurz anzuschauen war. Wir freuen uns aber, unseren Snoezelraum auf der Werkschau im Sommer ausstellen und wieder begehbar machen zu können. Noch besser wäre natürlich, ihn jederzeit zugänglich für die Studierenden zu machen.

Fachgruppe

Gestaltungsgrundlagen

Art des Projekts

Studienarbeit im Grundstudium

Betreuung

Prof. Alexandra Martini jörg misch

Zugehöriger Workspace

WHITE CUBE

Entstehungszeitraum

Wintersemester 2019 / 2020

Keywords

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