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Critical Loo – Gestalterischer Umgang mit Ängsten und Schamhaftigkeit auf öffentlichen Toiletten.

Critical Loo – Gestalterischer Umgang mit Ängsten und Schamhaftigkeit auf öffentlichen Toiletten.

The Critical Loo untersucht auf einer designtheoretischen Ebene, öffentliche Toiletten als Ort und Gegenstand der Kommunikation und Missverständnisse. Ich setzte mich im Zuge dessen, mit den Bedürfnissen, Problemen und Ängsten der Toiletten-Nutzerinnen auseinander und stelle die Frage, nach der Rolle von Gestaltung in diesem Kontext. Was kann Design auf Toilette leisten, wenn es darum geht, mit Scham und Ängsten umzugehen. Wie gehen wir als Designerinnen mit einem Thema um, das voller Redeverbote und Tabus steckt?

Abstract English

The Critical Loo is a research project, which focuses on public toilets as objects of communication and misunderstanding. I focus on the toilet goers needs, desires and problems. In this context I ask of the role of Design? How designers can turn uncomfortable, fear- or disgustful moments ind dignified moments? How can they initiate a debate in a field, which is full of taboos?

Das Klo polarisiert

Wir alle werden geboren und müssen, so viel ist sicher, irgendwann einmal sterben. Sogar in der Zwischenzeit wird unser Leben, ob wir wollen oder nicht, von einer Vielzahl natürlicher Rhythmen und Kreisläufe diktiert – vom Aufwachen am Morgen bis zum Einschlafen am Abend. Wir essen, wir trinken und schließlich überkommt uns das dringende Bedürfnis, all die Dinge, die unser Körper nicht verwerten konnte, wieder loszuwerden. Der Gang auf die Toilette ist unser täglicher Begleiter, doch über das, was und wie wir es dort tun, bewahren wir in aller Regel Stillschweigen.

Das stille Örtchen schafft es, die Gesellschaft im kleinsten gemeinsamen Nenner zu einen und zugleich in vielerlei Hinsicht zu spalten. Die Toilette polarisiert und täglich bewegt man sich an diesem Ort im Spannungsfeld sozialer Regeln und Normen. Hier kollidieren evidenzbasierte Fakten mit postindustriellen Sozialkonstrukten von Natürlichkeit, Sauberkeit und Reinheit.

Während die Wirtschaft in diesem Bereich Schamgefühle und Ängste längst als profitable Cashcow erschlossen hat, gewinnt in Teilen der Bevölkerung die Diskussion über soziale Ungleichheit, etwa zwischen den Geschlechtern, immer mehr an Fahrt. Das Verhalten auf der Toilette wird zum Brennglas sozialer Phänomene und erlaubt direkte Rückschlüsse auf die Funktionalität der Gesellschaft. Wer denkt, hier ginge es nur um das Verschwindenlassen übelriechender Stoffwechsel-Endprodukte, verkennt dabei die Vielschichtigkeit 
dieses Themas.

Insbesondere frei zugängliche Toiletten erfahren in unserem Kulturkreis oft heftigste Stigmatisierung. In weiten Teilen der Gesellschaft sind sie umstrittene Orte, geradezu No-go-Areas, die vielfach nur dann aufgesucht werden, wenn es keine Alternative mehr gibt. Zahlreich sind die Mechanismen von Angst, Ekel und Scham, die dabei eine Rolle spielen und dafür sorgen, dass der Gang zur Toilette für manche zum Spießrutenlauf wird. Wirtschaftlich wird mit Gestaltung reagiert, die diese Formen, oft irrationalen Unbehagens, symptomatisch behandeln. Ursächlich ändert dies nichts daran, dass sich zahlreiche Menschen etwa ihrer Ausscheidungen und Körpergeräusche schämen. Im Gegenteil: So ist davon auszugehen, dass sich Schamschwellen in Zukunft noch weiter verschieben werden. Man könnte meinen, wir befänden uns inmitten eines Trends der Entkörperlichung, einer Abkehr von unserer Natur.

The Critical Loo  untersucht die Toilette im öffentlichen und privaten Kontext als Ort und Gegenstand der Kommunikation und Missverständnisse. Ich nehme dabei Bezug auf die Bedürfnisse, Probleme und Ängste ihrer Nutzer*innen und versucht einen Überblick über das Tabuthema des „kleinen“ und „großen Geschäfts“ 
zu geben. Dabei fokussiere ich mich  auf den Bereich der Scham und das Sauberkeitsempfinden der Nutzer*innen, vor dem Hintergrund der Entstehung von Ängsten auf öffentlichen Toiletten. Wieterhin untersuchte ich  dazu die Relevanz und historische Entwicklung der Schamhaftigkeit im Bezug zur Toilettenkultur und beleuchte vermeintlich irrationale Ängste vor Schmutz und Keimen. Außerdem untersuche ich, wie die beschriebenen Affekte im Laufe der Geschichte die Gestaltung des stillen Örtchens transformiert haben.

Und die Rolle von Design?

Im zuge des Projekts, stelle ich Frage nach dem Einfluss von Gestaltung in diesem Kontext und welchen Beitrag Designer*innen leisten können, um das beschriebene Thema losgelöst von seiner Tabuisierung in einen Diskurs zu überführen und den Status quo herauszufordern. Ich nehme Bezug auf zeitgenössische Konzepte, die ihrerseits derartige Transformationen anstreben oder versuchen unangenehme Momente bei der Toilettennutzung in angenehme zu wandeln.

Probe the Loo

Jede*r kennt sie, die kleineren und größeren Klo-Anekdoten – Geschichten von Scham, Ekel und Ängsten auf der Toilette. Doch wer sind die Menschen dahinter und was bewegt sie? Was für Bedürfnisse haben sie und wo liegen ihre Grenzen, wo ihre Ängste? Und wie sehen ihre kreativen Lösungsansätze solcher Probleme aus, über die man, wenn überhaupt, nur hinter vorgehaltener Hand spricht?

Cultural Probes sind wie geschaffen, eine Antwort auf diese Fragen zu finden. Sie sind wirkungsvolle, provokative Tools, die Lebensrealität der Teilnehmenden auf kreative Art und Weise hinterfragt. Sie helfen mir dabei einen Blick auf den Alltag von Menschen zu werfen und sie selbst Beobachtungen dort durchführen zu lassen, wo sie sonst niemanden mit hinnehmen würden. Insbesondere der Untersuchungsgegenstand von Ängsten und Schamhaftigkeit auf öffentlichen Toiletten berührt einen intimen Bereich im Alltag derProband*innen. Hierüber kann das Sprechen schwerfallen. Cultural Probes bieten, dank ihrer Möglichkeit sich Frage- und Problemstellungen auf kreative und unterhaltsame Weise zu nähern, ein angenehmes Setting, das zur Selbstexploration einlädt und den Beobachteten selbst in die Rolle des Beobachtenden versetzt.

Die Planung, Durchführung und Auswertung einer solchen Feldforschung, nahm einen großen Anteil der  Projektarbeit ein. Insgesamt haben 10 Personen Teilgenommen. Innerhalb einer Woche sammelten sie zahlreiche Daten,  rund um das stille Örtchen. Dazu gehören unteranderem ca. 200 Fotografien, 30 Kurzprotokolle über Toilettenbesuche in der Öffentlichkeit. In einem Workshop-Teil erarbeiteten die  Testpersonen zudem rund 40 Konzepte, in denen Sie Ihre Probleme und Ängste rund um die Toilette in Gestalterische Ansätze transformieren. Zu diesem Zweck beschrieben sie mit Skizzen, Kollagen und Texten jeweils eine lustige, eine bereichernde, eine peinliche und eine problembefreite öffentliche Toilette.

Auswertung

Protokolle und insights: 

Alle Teilnehmer*innen haben positive und negative Beispiele für öffentliche Toiletten gefunden und dokumentiert. Die Wahrnehmung und Bewertung dieser Orte und der damit verbundenen Phänomene war dabei sehr individuell. Erkennbar ist hierbei, dass bei jeder Testperson, Scham direkt oder indirekt eine Rolle bei der Nutzung öffentlicher Toiletten zu spielen scheint.

Jede teilnehmende Person äußerte negative Assoziationen mit frei zugänglichen Sanitärräumen und bemängelte dabei vielfach deren Zustand, Ausstattung, Atmosphäre und Gestaltung. Man kann sagen, die Teilnehmer*innen haben im Großen und Ganzen eine negativ belastete Beziehung zu diesem Ort, die häufig vorurteilsgeprägt ist. Teilweise ist es den Testpersonen dabei sogar schwergefallen, positive Punkte zu identifizieren. Bemerkenswert ist, dass nicht eine der untersuchten Sanitäranlagen als Wohlfühlort beschrieben wurde. Trotz alledem betonten die Tester*innen die Wichtigkeit des Vorhandenseins öffentlich zugänglicher Toiletten.

Den Teilnehmer*innen fiel es daher leicht, Verbesserungsvorschläge zu formulieren, das Potenzial zur Optimierung wurde einstimmig erkannt. Die Mehrheit wünscht sich in diesem Kontext, geradezu reflexhaft, eine Verbesserung der Schutzmaßnahmen gegen akustische, optische und olfaktorische Phänomene. Mehrheitlich wird sich so direkt oder indirekt für mehr Privatsphäre, Sicherheit und Kontrolle beim Toilettengang in der Öffentlichkeit ausgesprochen.

Gestaltungskonventionen wie die, als pseudosteril beschriebene Reinraumästhetik, stoßen weitestgehend auf Ablehnung. Vielfach wird der Wunsch nach gemütlicher, wohnraumästhetischer Atmosphäre geäußert. Hierbei wird besonders häufig die Material- und Farbwahl, sowie die Art und Weise der weit verbreiteten kaltweißen Raumbeleuchtung und die Abwesenheit von Grünpflanzen kritisiert. Es bleibt zu bemerken, dass die, durch die Befragten beschriebenen Interventionen, vielfach im Kern darauf abzielen, möglichst hermetisch abgeriegelte, optimalerweise, keimfreie Toilettensituationen zu gestalten/ zu schaffen. 

Workshop-Teil:

Während die Frage nach einer Optimierung öffentlicher Toiletten hauptsächlich reflexhafte Antworten hervorbrachte, die auf die Verbesserung des akuten Wohlbefindens der Nutzer*innen abzielten, konnten die Reaktionen auf die Frage nach unterhaltsamen und bereichernden Toilettenkonzepten weit selbstreflektierter und selbstkritischer gelesen werden. Aus den Vorschlägen der Teilnehmer*innen, ist hierbei durchaus zu interpretieren, dass sie eine Veränderung des eigenen Nutzungsverhaltens bzw. der Einstellung zu sich und ihrer Körperlichkeit als Chance betrachten, um nicht nur akutes, sondern auch nachhaltiges, Wohlbefinden zu schaffen. Indirekt und zum Teil auch direkt lieferten sie zahlreiche Ideen, wie man den Ort Toilette bzw. die thematisierten Ausscheidungsprozesse an sich mit positiven Attributen belegen bzw. verbinden könnte und wo für derartige Umwertungsprozesse notwendige Anknüpfungspunkte und Interessen liegen. Unterbewusst scheint die Wurzel des Problems bekannt zu sein. Allem Anschein nach, mangelt es also hauptsächlich an einem Diskurs, um dies mittels Erkenntnis in die Bewusstheit zu überführen und zum Handeln anzuregen. Hier können sich Gestalter*innen in der Verantwortung sehen, diese Kommunikationsarbeit zu leisten.

Personas

Im Zuge der Auswertungen der Cultural Probes wurden vier verschiedene Persona von Nutzer*innen öffentlicher Toiletten konstruiert. Diese bilden einen Querschnitt durch die beobachteten Phänomene, Bedürfnisse und Gefühlswelten in Bezug auf deren Toilettennutzungsverhalten in der Öffentlichkeit ab. Sie Spiegeln in ihren Eigenschaften die Analysierten Lebenswirklichkeit de Testpersonen. 

  1. Der Heimscheißer – Hauptproblem: fürchtet beim Toilettengang gesehen, gehört oder sonstig bemerkt zu werden; kann dadurch nicht, wenn andere in der Nähe sind. Sein Geschäft erledigt er wenn möglich zuhause. 
  2. Die Ästhetin – Hauptproblem: öffentliche Toiletten genügen nicht ihrem Bedürfnis nach Wohlerleben und sind daher nur Notlösungen, denen mit größter Skepsis begegnet wird; Berührungsängste und Vermeidungsstrategien inklusive.
  3. Der Rationalist – 10 Jahre Festivalerfahrung haben ihn auf der Toilette schon alles erleben lassen; hart im Nehmen; würde am Liebsten immer in die Natur gehen; hier stört wenigstens niemand.
  4. Die Pedantin – Hauptproblem: Nur klinisch rein, ist wirklich sauber; generelles Misstrauen gegenüber öffentlicher Toiletten und deren Nutzer*innen.

The Critical Loo

Auf Basis dieser Erkenntnisse entwickelte ich 4 Konzeptideen im Bereich des Critical Design. Sie sind nicht nur als eine Form der kritisch kommentarhaften Quintessenz, der Auseinandersetzung mit Scham und Ängsten auf öffentlichen Toiletten zu betrachten, sondern sollen auch anderen Gestalter*innen als Anregung dienen, wie sie sich aufgrund der beschriebenen Daten und Faktenlage mit dem Thema kritisch auseinandersetzen können.

1. M. C. Escher – Philosopher‘s Throne

„This is not about being seen by others, this is about seeing yourself. Again and again and again.“ – Sieh‘ der Tatsache ins Auge, akzeptiere wer und was du bist. Freunde dich damit an, ein Mensch zu sein, der scheißt und pisst.   

  • Wände, Tür, Boden und Decke dieser Toilettenkabine sind verspiegelt und erzeugen so unendliche Wiederholungen des eigenen Spiegelbildes, eine Reise in die Unendlichkeit des Seins (Stuhlgangs). 

  • M. C. Escher zwingt die Nutzer*innen zum Hinsehen, zur Selbstbetrachtung. Anstatt die gefühlten Blicke der anderen zu fürchten, setzt diese Toilette den Fokus neu. Betrachtet werden, wird zur Selbstbetrachtung – Sehen statt gesehen werden.

  • Hierin liegt zugleich auch die Chance sich selbst, von außen, in dieser vermeintlich kompromittierenden Lage zu betrachten und sich mit diesem Bild, aufgrund der ästhetischen Verzerrung anzufreunden. So wird die Selbstwahrnehmung geschult und ein Umwertungsprozessin Gang gesetzt.

2. The Wall – P.I.D.D.P.E.

Gib Paruresis keine Chance! Endlich kannst du entspannt laufen lassen – durch technische Überlegenheit am Urinal! Deine personal-immersive-data-driven-pee- experience wartet schon auf dich.

  • Zahlreiche Männer können nicht pinkeln, wenn sich andere Personen mit ihnen einen Raum teilen. Besonders ausgeprägt ist das Problem am Urinal. Hier ist man den strengen Blicken der Leistungsgesellschaft, schonungslos ausgeliefert: „Welcher Kollege hat wohl den Kürzesten in der Hose?“

  • Hier übernimmt Siri die Kontrolle über das perfekte Pinkelerlebnis. Ein lernender Algorithmus wertet Social-Media-Feed, Fotos, Suchanfragen und Textnachrichten der Nutzer*innen, hinsichtlich ihrer Ängste, Gefühle und Vorlieben aus. Auf dieser Basis wird eine individuelle passende Szenerie generiert – Wasser marsch!

  • Das geschwungene, deckenhohe und hochauflösende Display garantiert ein immersives Erlebnis für die Pinkelnden. Der unangenehme Blick zur Seite wird völlig überflüssig, schließlich weiß Alexa am besten, was du beim Pinkeln sehen möchtest und das, noch bevor du überhaupt aufs Klo musst. Wirklich!

3. #Poopie

Ein Poopie ist wie das Foto auf der Achterbahn, nur viel intensiver. Es ist an der Zeit, dass wir Menschen aufhören uns für unsere Scheiße zu schämen und endlich stolz auf unsere Verdauung sind! #proud2poop

  • Nur noch ein bisschen pressen, dann ist er da, der Gipfel, die Erlösung – jetzt bitte recht freundlich! Platsch, knips! Fertig ist dein ganz persönliches #Poopie.

  • Diese Toilette fotografiert dein Gesicht genau in dem Moment, in dem der Kot die Wasseroberfläche durchbricht. Ein Sensor löst punktgenau eine in der Tür integrierte Kamera aus.

  • Jetzt schnell noch den Hintern abgewischt und die Hose angezogen, denn vor der Tür steht schon dein persönlicher #proud2poop-Moment, für dich zum Mitnehmen, bereit.

  • Teile dein #Poopie mit der Welt und werde Teil der Bewegung! Selbstverständlich haben wir dein Bild schon mal für dich hochgeladen. Du musst nur noch mit einem Klick bestätigen.

Transhumanist‘s Butt-Plug

Wo sich andere vor lauter Berührungsängsten und Scham kaum noch aufs Klo trauen, kann der Transhumanist nur lachen. Er hat sich den Hintern einfach zugenäht – Stopsel rein, aus die Maus.

  • Als Transhumanismus bezeichnet man eine soziale und philosophische Denkrichtung, die die Grenzen menschlicher Möglichkeiten durch technologische Modifikationen erweitern will. Und was tut der Transhumanist, wenn ihm das Schämen und der Dreck auf der Toilette zu viel wird? Richtig, er optimiert sich. 

  • Enddarm und und Blase haben ausgedient und werden operativ entfernt, schließlich muss Platz für Neues geschaffen werden. Ein 3-D-Biodrucker erstellt das Gerüst für einen neuen verbesserten Kot- und Urinspeicher. Mit eigenem Zellmaterial bepflanzt, züchten wir uns so ein niedagewesenes Hightech-Organ. 

  • Um das volle Potenzial dieser Modifikation nutzen und dem stillen Örtchen ein für alle Mal „Ade!“ sagen zu können, gibt es nun eine praktische und modische Schnellkupplung aus Titan an der Bauchdecke. 

  • Einmal am Tag den Extraktor anschließen und wir sind bereit für neue Taten. Kein lästiger Harndrang mehr, kein Kontakt mit Fäkalien, null Gestank, und nie wieder öffentliche Toiletten.

  • Smarte Technik, die mir bei der Optimierung meiner Verdauung hilft, rundet das Portfolio ab.

Fazit

Kommen wir abschließend auf die Frage zurück, was Gestaltung im Bezug auf Scham und Ängste auf öffentlichen Toiletten leisten kann, wird klar: eine ganze Menge. Meiner Ansicht nach ist es hier jedoch von entscheidender Bedeutung, dass an den Richtigen Stellen angesetzt wird. Anstatt die Mittel und Methoden, die Design bietet, dazu zu nutzen, Probleme zu übertünchen, sollten wir als Gestalter*innen verstärkt unsere Problemlösekompetenzen dazu einsetzen, für ein besseres Verständnis der Menschen und ihrem Zusammenleben einzutreten.

In erster Linie können wir dies durch Forschung und gut präsentierte sowie erlebbare Information leisten. Hierbei sind vor allem die Bereiche Ausstellungsdesign, Grafikdesign und Experience Design gefragt. Alle Forschung nutzt nichts, wenn sie nur von einer Handvoll Personen gelesen wird, ihre Blase also nicht verlassen kann. Hier ist eine Transferleistung von Nöten, Forschung für jede*n zugänglich zu machen.

Des Weiteren geht es darum, einen Diskurs darüber anzustoßen, inwieweit sich der Umgang mit unseren Körperlichkeiten, unseren sonst so liberalen Werten deckt, und wo die Diskrepanzen liegen. Insbesondere auf der Toilette zeigt sich, dass Tabuisierung und Sprechverbote nicht nur zu einer Einschränkung der Lebensqualität Einzelner führen, sondern auch zu einer Stagnation in der Gestaltung. Wollen wir tatsächliche Innovation, müssen diese Tabus aufgeweicht werden.

Was könnte dafür besser geeignet sein, mit Design zu provozieren, zu kritisieren und unser Weltbild kontinuierlich zu hinterfragen?

Wir können auf diese Weise als Gestalter*innen dazu beitragen mit festgefahrenen, toxischen Denk- und Verhaltensweisen der Gesellschaft zu brechen. Ein Anfang könnte die Botschaft sein: Women do poop – so do men and any other living beeing!

Persönliche Reflexion

Persönliche Reflexion

  • Meine Hauptschwierigkeit bestand darin, dass ich mich im Rahmen der BA das erste mal überhaupt mit einer Wissenschaftlichen Arbeitsweise auseinandergesetzt habe. Die Zeit, die ich zum erlernen der Basics aufwendete, fehlte an anderer stelle. Die BA sollte für Studierende unsere Fachbereichs nicht die erste Arbeit dieser Art sein. 
  • Überrascht hat mich die Methode der Cultural Probes. Die Teilnahme und die Art des Outputs war überwältigend. Ich habe diese Methode im Rahmen dieser Arbeit kennen und schätzen gelernt. Hierbei entstand, mit vergleichsweise wenigen Teilnehmern, ein Wahrer Fundus an insights, Konzepten und Daten zu den Themen: Toilette sowie Scham- und Sauberkeitsempfinden, auf den sich auch für zukünftige Arbeiten zurückgreifen lässt.
  • Außerdem habe ich großen gefallen am Einsatz von Methoden des Designs zur Debattenführung gefunden. Hier erkenne ich großes Potential.

Ein Projekt von

zusätzliches Material

1 Kommentare

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nice one!