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DALAI

Inszenierung als integrierender gestalterischer Bestandteil einer musikalischen Aufführung

Abstract English

This work focuses on the interface between aesthetics of objects and their intrinsic meaning; between content and its knowability through its physical appearance. In a process oriented collaboration with alternative cellist and composer Dalai Cellai this theme has been explored in a musical/theatrical context. The outcome is the production „Ta Panta Rhei“, a poetic meditative performance into the theme of the ever changing moment, narrated through music, contemporary dance and atmospheric stage design.

Abstract Deutsch

Die vorliegende Abschlussarbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Erscheinung und Bedeutung von Dingen, deren Inhalt und Erfahrbarkeit durch Inszenierung. Diese Aspekte wurden im musik-theatralischen Kontext durch die Zusammenarbeit mit der Cellistin und Komponistin Dallai Cellai auf prozessorientierter Weise untersucht. Daraus entstand die Performance „Ta Panta Rhei“, eine poetische Auseinandersetzung zum Thema der stetigen Veränderung, die durch Musik, Tanz und Darstellung inszeniert wird.

Einleitung

Aus der langjährigen Leidenschaft für die performativen Künste und aus dem immer stärkeren Bedürfnis durch das Gestalten von Dingen, deren Botschaft erfahrbar zu machen, wurde Inszenierung für mich die goldene Mitte zwischen Ästhetik und Funktion, Emotion und Kommunikation.

Als Herr Prof. Detlef Saalfeld in einer Lehrveranstaltung zum Ausstellungsdesign die Aussage machte, dass Inhalt und seine Inszenierung in gleicherweise das Erlebnis im Ausstellungskontext beeinflussen, stellte ich mir die Frage, ob dies auch im musikalischen beziehungsweise theatralischen Kontext gälte. Wie relevant ist die Inszenierung zum eigentlichen Inhalt eines Auftrittes oder einer Aufführung? Möchte sich die Musik überhaupt durch visuelle Mittel erfahrbar machen oder will der Zuhörer eigene Bilder imaginieren? Welche Auswirkungen gibt es auf die Dramaturgie eines Theaterstückes, wenn das Bühnenbild entnommen oder ersetzt wird? Und letztlich, in welchem Grad kann oder soll der Gestalter szenische Inhalte durch Inszenierung beeinflussen? Während mich all diese Fragen beschäftigten, bat sich die Zusammenarbeit mit Dalai Cellai an.

Die junge griechisch-mongolische Cellistin und Komponistin aus Berlin strebte ihre erste eigene Produktion an, bei der das Zusammenspiel von Livemusik und Inszenierung ein tiefgründigeres Erlebnis bereiten sollten. Es entstand somit eine intensive und fruchtbare Kooperation, die auf prozessorientierter Basis auf eine entsprechende Schnittstelle zwischen Inhalt und Form zielte. Es bat sich an, diese Gelegenheit zu nutzen, um durch Eigenerfahrung meine Ausgangsfragen zu vertiefen. Den intensiven Prozess und die damit verbundenen Lösungsansätze möchte ich in diesem Buch dokumentieren.

Elemente der Inzenierung

DIE VORHÄNGE

Drei von oben herunter reichende Vorhänge stellen den Fokus der Inszenierung dar. Ihre Erscheinung und Nutzung variiert im Laufe der Vorstellung. Während der Szene „Cello Solo“ sind sie hinter der Cellistin in einer engen pyramidenförmigen Form aufgespannt. Ihre Verjüngung nach hinten schenkt ein Gefühl von Tiefe ins Unbekannte. Hieraus erscheinen die Tänzerinnen in der folgenden Szene „Mutterleib“. Im Übergang zur dritten Szene, „Erinnerungen“, werden die Vorhänge plan gespannt und formen eine dreieckige Projektionsfläche. In dieser Position bleiben sie über die nächsten Szenen „Drache“ und „Hier und Jetzt“, wobei sie hier mit Schatten bespielt werden. In der Abschlussszene „Ins Licht“ werden sie herunter gelassen und werden Teil der Kostüme der Darstellerinnen.

DIE PROJEKTIONEN

In der Szene „Erinnerungen“ wird der dramaturgische Übergang ins parallele Universum der Erinnerungen durch Projektionen sichtbar gemacht. Flüssige Farbverläufe und sich stetig verändernde Bilder tragen das Leitthema von „Ta Panta Rhei“ (Alles fließt). Im Takt der Musik, die unter anderem auch Geräusch- und Sprachelemente beinhaltet, werden Gesichtsausschnitte sowie Schatten eingebunden. Die Animation wird nach der Produktionszeit produziert , um möglichst viele Elemente der Choreographie visuell zu unterstützen. Bis dahin werden bereits existierende Beispiele von „Liquid Light Show“ als Platzhalter dienen.

DER CELLOSTÄNDER

Der im schwarzen Hintergrund fast unsichtbare Cello Ständer erlaubt der Cellistin ihr Instrument ohne Aufwand zu verlassen, während es in aufrechter Position bleibt und die Illusion birgt, dass es die Musik weiterspielt spielt. Dies ermöglicht einen glatten Übergang von der Rolle der Cellistin zu der der Tänzerin.

DAS MAKE-UP

Bei den Kostümen wird der Aspekt der komplementären Zugehörigkeit der Darstellerinnen weitergeführt, indem sich jedes Kostüm von den anderen im Schnitt unterscheidet, jedoch aus dem selben Material entworfen ist. Der Stoff ist ein mehrschichtiges Tüll, welcher durch unregelmäßige Nähte und Verbrennungen manipuliert wird. In Aussicht stehen diesbezüglich weitere Materialexperimente. Wie beim Make-up die Gesichtsapplikationen, auch die Kostümteile werden bei der Szene „Hier und Jetzt“ im Moment der Transformation entfernt. Die nun nackt aussehende Körper stellen den neu erreichten Status der Befreiung von den Erinnerungen dar.

DIE KOSTÜME

Bei den Kostümen wird der Aspekt der komplementären Zugehörigkeit der Darstellerinnen weitergeführt, indem sich jedes Kostüm von den anderen im Schnitt unterscheidet, jedoch aus dem selben Material entworfen ist. Der Stoff ist ein mehrschichtiges Tüll, welcher durch unregelmäßige Nähte und Verbrennungen manipuliert wird. In Aussicht stehen diesbezüglich weitere Materialexperimente. Wie beim Make-up die Gesichtsapplikationen, auch die Kostümteile werden bei der Szene „Hier und Jetzt“ im Moment der Transformation entfernt. Die nun nackt aussehende Körper stellen den neu erreichten Status der Befreiung von den Erinnerungen dar.

Ausblick

Am 21. Dezember 2019 ist die erste offene Probe der Produktion „Ta Panta Rhei“ geplant. Bis dahin wird versucht, die schwachen Stellen der Aufführung möglichst zu beseitigen und einen Status zu erreichen, der mit den zur Verfügung stehenden Mitteln am nächsten zum Endergebnis ist. Die offene Probe hat das Ziel erstes Feedback von „Fremdpersonen“ zu sammeln, um konstruktive Kritik in einer eventuellen zweiten Produktionsphase einzuarbeiten, besonders was der Dramaturgie und der Choreographie angeht. Der Termin wird auch genutzt, um die Aufführung erstmalig auf einer Bühne zu inszenieren, inklusive Beleuchtung. Fotografen werden eingeladen, um hochwertiges Fotomaterial zu erstellen. Die Videoaufnahme des Durchlaufs wird unter anderem eine wichtige Rolle spielen für die Kommunikation mit Förderer und Theater, um die Produktion für die Premiere zu promoten. Die Premiere ist im April 2020 angedacht, wobei es noch keinen festen Termin gibt. Bis dahin wird die Musik von Dalai Cellai und dem Musikproduzenten Damon Murdoch finalisiert, während ich die Projektionen und die Kostüme produziere.

Die Premiere der Performance wird durch folgenden Sozialnetzwerken bekannt gegeben:

https://www.facebook.com/tapantarheiperformance/

https://www.instagram.com/tapantarhei.performance