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Heinrich-Heine-Straße 11 – Die illustrative Erzählung einer Nachbarschaft

Heinrich-Heine-Straße 11 – Die illustrative Erzählung einer Nachbarschaft

Illustrative Erzählung der Nachbarschaft in der Heinrich-Heine-Straße 11

Motivation

Immer mehr Menschen ziehen in die Großstädte. Die Verdichtung des Lebensraumes führt jedoch nicht zwangsläufig zu mehr Austausch unter den Menschen. Diese Bachelorarbeit beschäftigt sich mit dem neunstöckigen Wohngebäude mit der Hausnummer 11 in der Heinrich-Heine-Straße in Berlin. Die Menschen wohnen hier räumlich dicht beieinander. Dennoch beobachte ich, dass der nachbarschaftliche Austausch zunehmend verschwindet und der Anonymität weicht. Obwohl ich seit sieben Jahren in diesem Wohnblock lebe, sind mir meine Nachbar*Innen fremd geblieben. Durch eine wechselnde Mieterschaft fällt es schwer Beziehungen zueinander aufzubauen.

Ich komme aus einem kleinen Dorf, in dem man seine Nachbar*Innen kennt und sich austauscht. Als ich in die Großstadt gezogen bin, ist dieser soziale Austausch weggebrochen. Durch die neue Mobilität der Menschen scheint es schwerer geworden zu sein, sich kennenzulernen. Ich frage mich: Wer sind die Menschen, die nebenan wohnen und welche Geschichten haben sie zu erzählen? Was bedeutet es in einem Neubaublock auf kleinstem Raum zu leben? Was erzählen Objekte und Einrichtungsgegenstände über die Bewohner*Innen einer Wohnung? Ich will diese Bachelorarbeit zum Anlass nehmen, die Vielfalt der Geschichten illustrativ zu zeigen. Dabei werden teils reale und teils phantastische visuelle Erzählungen entstehen. Die Arbeit ist für mich zugleich auch ein Abschied von Berlin, da ich die Stadt nach meinem Abschluss an der Fachhochschule verlassen werde. Vielleicht kann meine Arbeit auch andere inspirieren, sich in Zeiten der zunehmenden Einsamkeit mit ihren Nachbar*Innen auszutauschen, immerhin warten wunderbare und einzigartige Geschichten hinter den Türen.

Zusammenfassung Inhalt

Der erste Teil meiner Arbeit befasst sich mit den geschichtlichen und architektonischen Entwicklungen der Plattenbauweise. Ich gehe dabei der Frage nach, wie man sich Wohnen im Plattenbau vorgestellt hat, welche sozialen Überlegungen man getroffen hat und welche Auswirkungen dies auf das Leben und die Nachbarschaft im Wohnblock hatte. Ich beziehe mich vor allem auf den Wohnblock in der Heinrich-Heine-Straße 11, wo ich selbst wohne, und konzentriere mich für die Untersuchung daher vor allem auf Ost-Plattenbauten. 

Neben der theoretischen Beleuchtung des Themas, habe ich Interviews mit meinen Nachbar*Innen geführt und diese illustrativ ausgearbeitet. Dabei sollten vor allem die Wohnungen für die Bewohner*Innen sprechen. Die Menschen selbst werden nicht abgebildet. Der/Die Betrachter*In kann sich im eigenen Kopf anhand von Zitaten und Zeichnungen selbst ein Bild machen. Meine Arbeit soll stellvertretend für andere Nachbarschaften zum gegenseitigen Kennenlernen motivieren.

Fazit

Ich war überrascht, dass sich einige Nachbar*Innen schon kurz nach meinem Aufruf gemeldet haben. Die Begegnungen waren für mich immer bereichernd. Mir ist es vorher nie leicht gefallen, den Kontakt zu meinen Nachbar*Innen zu suchen. Jetzt tauschen wir uns aus. Ich habe dabei auch Freunde gefunden. Interessant ist, dass ich mit jedem Menschen, den ich getroffen habe, Gemeinsamkeiten feststellte, obwohl wir ein sehr unterschiedliches Leben führen. Meine soziale Filterblase habe ich damit versucht, zu überwinden. Schön wäre es gewesen, auch Nachbarn zu erreichen, die sonst eher zurückgezogen leben. Ich hatte den Eindruck, dass sich auf meinen Aufruf vor allem sehr offene Menschen gemeldet haben. Mir ist bewusst, dass die Wohnung ein intimer Ort ist, in den man Unbekannte nicht immer gern eintreten lässt. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass mir meine Interviewpartner*Innen ihre Wohnungen mit Stolz gezeigt haben. Im Treppenhaus findet man oft schwer einen Anknüpfungspunkt für ein Gespräch. Über die Wohnungsbesuche konnte ich mich mit meinen Nachbar*Innen jedoch sehr schnell austauschen. Ich habe das Gefühl, dass mein Projekt nicht nur auf meine Interviewpartner*Innen und mich beschränkt blieb, sondern auch bei den anderen Nachbar*Innen Gesprächsthema war. Ich hoffe dadurch auch indirekt einen Austausch zwischen den Mietern angeregt zu haben. Ich habe in jedem Fall hinter der gleichförmigen Fassade des Plattenbaus interessante Menschen kennengelernt und möchte mit dieser Arbeit auch andere motivieren, sich ihren Nachbarn gegenüber zu öffnen. In einer alternden und mobilen Gesellschaft kann eine funktionierende Nachbarschaft Menschen helfen, sich in einer Gemeinschaft verankert zu fühlen. Individualisierung und die Zurückgezogenheit ins Private können zu Einsamkeit führen – dem gilt es entgegenzuwirken.

Ein Projekt von

Fachgruppe

Sonstiges

Art des Projekts

Bachelorarbeit

Betreuung

Prof. Hans-Jörg Kotulla Eva Niemann

Entstehungszeitraum

Sommersemester 2019

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