Incom ist die Kommunikations-Plattform der Fachhochschule Potsdam

In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre

Incom ist die Kommunikations-Plattform der Fachhochschule Potsdam mehr erfahren

Zweifel als Motor für Veränderung und Schreckensvorstellung des Brandings | Bachelorarbeit KD,  SoSe 2019

Zweifel als Motor für Veränderung und Schreckensvorstellung des Brandings | Bachelorarbeit KD, SoSe 2019

Abstract
In meiner Bachelorarbeit schildere ich den Konflikt zwischen Branding und die menschlichen Zweifel. Dieser wird von zwei Seiten betrachtet und bewertet.
Marken versuchen Menschen von Produkten,Leistungen, Services, Ideologien
oder Strukturen zu überzeugen. Dies kann sowohl eine Positive, sowie eine
negative Auswirkung auf der Gesellschaft haben.
Andererseits können Zweifel ein Motor für Veränderung und Fortschritt in der Gesellschaft sein, wenn diese sich nicht in einer Handlungsunfähigkeit, Grundmistrauen und Verwirrung verwandeln,
welche gefährlich und schädlich sein können.

Die Wechselwirkung zwischen den beiden Einheiten wird anhand zwei
wertender Argumente untersucht, die getrennt voneinander entwickelt werden, aber in einem Buch zusammengebunden.

Dieses ist von beiden Seiten aufschlagbar, um meine eigenen Zweifel
über unseren Beruf und seine Auswirkungen zu präsentieren.

Inhalt

Wieso Zweifel und Branding?

In meinem Kommunikationsdesign Studium an der FH Potsdam habe ich mein Fokus sehr stark auf Branding und Markenentwicklung gelegt. Dazu habe ich als Werkstudentin in dem Feld gearbeitet und konnte die guten und schlechten Seiten von Unternehmen kennenlernen. Mir wurde beigebracht wie man kommuniziert, wie man Botschaften überzeugend gestaltet, was die Kunden und Außenstehenden auf keinen Fall wissen dürfen und was sie einfach nicht unbedingt wissen müssen. Im Laufe der Zeit wurde ich immer mehr davon überzeugt, dass Menschen die Inhalte, die sie bewusst oder unbewusst konsumieren, hinterfragen müssen, bevor sie Entscheidungen treffen, über wen sie unterstützen und wofür sie sich einsetzen. Ich habe an meinem Beruf und seiner Auswirkung auf der Gesellschaft gezweifelt.

Warum wir Zweifel brauchen

Also kam ich auf mein Thema: Branding und Zweifel. Mein Ziel war, die Mechanismen des Brandings aufzudecken und zu beschreiben, basierend auf Beispielen aus der Geschichte und den heutigen Einfluss von Marken auf die Gesellschaft, wie wichtig es ist, dass Konsumierende wach bleiben und den gesunden Zweifel einsetzen, um dem auf unserer emotionalen Natur wirkenden Branding mit Rationalität und ein kritisches Hinterfragen entgegenzuwirken.

Ich habe beschrieben, wie Marken unser Unterbewusstsein ansprechen, unsere Entscheidungen beeinflussen, unsere Gedanken in bestimmten Richtungen lenken. Heutzutage mehr als je zuvor haben Marken die Macht, uns zu manipulieren, da ihnen online sehr viel Information über uns, unsere Vorlieben und Wünsche, unsere Communities und Gegner, zur Verfügung stehen.

Es entstand ein Buch mit 52 Seiten. Um diese zu schreiben, habe ich viele antikapitalistischeTexte gelesen, Beispiele für die Manipulation und die Gefahren der gebrandeten Kommunikation und der gezielten Werbung gefunden und geschafft, den Zweifel – sowohl an Marken, als auch an den eigenen Überzeugungen, als eine Notwendigkeit für mich selbst zu erheben.

Also habe ich gezweifelt.

Sind Marken wirklich nur manipulativ? Wieso bin ich so begeistert von der Markenentwicklung und der Gestaltung von Information? Macht das mich zur Teilnehmerin in einem bösen System? Können Marken auch gut für Menschen sein und wie sieht das aus?

Ich wusste, meine These stellt nicht die komplette Wahrheit dar. Deswegen habe ich mich entschieden weiterzumachen.

Durch weitere Recherche und Auseinandersetzung mit dem Thema des Brandings und des Zweifelns bin ich zu einem neuen Ergebnis gekommen.

Warum wir Marken brauchen

Zweifel sind hemmend und machen Menschen handlungsunfähig. Sie sind heutzutage präsenter als je zuvor in der menschlichen Geschichte, da wir eine immer größere Auswhl an Produkten, Services, Partnern, Bildungs- und Berufsmöglichkeiten haben. Studien, die ich gelesen habe, bewiesen, dass dies Menschen unglücklich, verwirrt und handlungsunfähig machte.

Und Marken?

Marken sind nicht die Unternehmen, die nur auf Verkauf und Profit Wert legen.

Sie beschrieben Menschen, Institutionen, Glaubenssysteme und Erlebnisse. Sie sinddie Geschichten, die um verschiedene Einheiten kreiiert wurden, um unserer emotionalen Natur wieder Sicherheit und eine Richtung in der verwirrenden Welt mit unendlichen Optionen zu geben.

Sie schaffen Orientierung auf dem Markt, bieten uns Vertrautheit und Stabilität in unseren Erfahrungen mit bestimmten Produkten und Services, helfen uns gleichgesinnte Menschen zu finden und mit diesen Gemeinschaften zu gründen und bieten uns ein Versprechen.

Eine Marke repräsentiert heutzutage nicht mehr nur Qualität oder Herkunft, sondern eine Haltung, eine Ideologie und bestimmte Werte, die sie vertritt, und mit denen sich ihre Kunden identifizieren.

Ich kam zu der Schlussfolgerung, dass Menschen Marken brauchen, um zusammenzukommen und mit Selbstbewusstsein und einer Mission zusammen zu handeln.

Brandings Fähigkeit, unsere emotionale Natur anzusprechen macht Marken wirksam im beseitigen der Zweifel, die wir uns selbst und anderen gegenüber haben. Diese erschweren nicht nur unsere Handlungen, sondern sind auch eine große emotionale Last auf Menschen heuzutage.

Also habe ich gebrandet.

Beide entstandenen Thesen haben für mich relevante Informationen wiedergegeben. Ich habe den Konflikt zwischen das menschliche Bedürfnis zu zweifeln, sowie diesen, Marken zu kreiieren mit denen wir uns identifizieren, von zwei unterschiedlichen Seiten betrachten können. Dabei kam ich zu keiner endgültigen Wertung. Meine Bachelor Thesis hat sich in einer Darstellung des Prozesses meiner eigenen Zweifel verwandelt.

Gestaltung der Aussagen

Beide Argumente werden gleich eingeleitet. Ich beschäftige mich mit den Begriffen „Zweifel“ und „Branding“, und erzähle ihre Entstehungsgeschichten, sowie ihre Rollen in menschlichen Leben. Die Information, die in jeder These dargestellt wird, setzt diese Begriffe aber in unterschiedlichen Kontexten, die einander wiedersprechen. Beide Texte versuchen den Leser von einer Haltung oder Position dieses Konfliktes gegenüber zu überzeugen.

In beiden Teilen werden die Informationen, die dem jeweiligen Argument wiedersprechen, ausgelassen. Die groß und präsent gesetzten Überschriften der einzelnen Seiten benutzen teilweise emotional geladene Sprache, oder stellen rethorische Fragen, die darauf abzielen, die Haltung des Lesers in die jeweilige Richtung zu lenken. Darin besteht die Gestaltung der Information.

Diese beiden Argumente habe ich in einem Buch zusammengebunden, welches von beiden Seiten geöffnet werden kann. Je nachdem wo man anfängt, bekommt man einen unterschiedlichen Einstieg ins Thema und eine unterschiedliche Haltung dazu vorgeschlagen. Sobald man die Mitte des Buches erreicht und die eine Seite kennengelernt hat, muss man von der anderen Seite neu anfangen, um sich zu informieren.

Layout

Ich habe im Buch mit einem bewegten Layout gearbeitet, wobei manche Doppelseiten ziemlich starr gestaltet waren und nur Fließtext beinhalteten. Andere waren durch Grafiken oder Abstrakte Darstellungen von der gezeigten Information ergänzt. Mein Ziel war es, ein Dokument zwischen Buch und Magazin zu gestalten, da die Information, die dargestellt wird, belegbar, aber auch kuratiert war.Um das jeweilige Argument zu unterstützen, wurden bestimmte Informationen bewusst rausgelassen.

Farbigkeit

Die Entscheidung, das Buch komplett Schwarz-Weiß zu gestalten, war mit der Absicht, die Polarität, die ich darstellen wollte, zu unterstützen.

Bindung

Bei der Bindung meiner Bachelorarbeit habe ich mich für eine offene Fadenheftung entschieden, welche nicht nur mehr Freiheit in der Gestaltung bietet, sondern auch auf den „unfertigen“ Charakter des Buches, oder die für mich offen gebliebenen Fragen, hinweist.

Ergebnis

Mit meiner Theoriearbeit habe ich beschrieben, wie Branding und Marken darauf abzielen, die Zweifel von Menschen über bestimmteThemen zu entfernen.

Durch die Gestaltung der Information, den inhaltlichen, sowie visuellen Aufbau der Arbeit, habe ich versucht das Gegenteil zu erreichen: und zwar durch Branding Zweifel zu erzeugen.

Ein Projekt von

Fachgruppe

Kommunikationsdesign

Art des Projekts

Bachelorarbeit

Betreuung

Prof. Matthias Beyrow Prof. Sven Völker

Entstehungszeitraum

Sommersemester 2019

Noch keine Kommentare