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Erklärfilm zur Entwicklung und Symbolik des Vampirmythos in Europa

Erklärfilm zur Entwicklung und Symbolik des Vampirmythos in Europa

Ein Kurzfilm zur Erklärung der Entwicklung von Vampirmythen in Europa. Bachelorarbeit Kommunikationsdesign.

Abstract

Das Thema meiner Bachelorarbeit soll ein Erklärfilm zum Thema Vampirmythen sein. Dabei möchte ich untersuchen, wie sich die Folklore über untote Wesen und übernatürliche Flüche zum Klischee des blassen Adeligen mit zurückgekämmten Haaren und Fangzähnen entwickelt hat. Gegenstand meiner Untersuchung auf theoretischer Ebene soll dabei sein, inwieweit die heutzutage etablierten Symbole und Ästhetik auf dem mittelalterlichen Aberglauben beruhen und wiederum welche realen Grundlagen diesem zu Grunde lagen. Was hat Menschen überhaupt an die Existenz von Untoten glauben lassen? Was hat zur Verbreitung dieser Folklore beigetragen und wer oder welche Gruppen befeuerten diese? Und wie lässt sich die große Beliebtheit von Vampirgeschichten grade im 19. und 20. Jahrhundert begründen?

Anhand von Einzelfällen und Schlüsselfiguren, wie z.B. Jure Grando oder Bram Stoker, will ich in einem Erklärvideo diese Entwicklung nachvollziehbar aufzeigen. In der Darstellung dessen möchte ich versuchen, mich mit den optischen Klischees und Symbolen des Themas auseinandersetzen. Zudem habe ich die persönliche Motivation mich mit dem Thema vom Betrachtungswinkel des Motiondesigns anzunähern, wobei mich speziell „klassische“ Frame-by-Frame-Animation interessiert.

Die Theorie der Erklärvideos

Was macht ein Erklärvideo zum Erklärvideo?

Erklärvideos zeichnen sich in der Regel durch ihre kurze Dauer aus. Das Ziel ist es nicht ein Thema bis ins Detail zu erklären, sondern es präzise, verständlich und knapp anzureißen und so für generelles Verständnis zu sorgen.

Die Konsumenten von Erklärvideos können in zwei Gruppen unterteilt ­werden: Menschen, die sich aus eigener Motivation für das Thema interes­sieren und ungeplante Rezipienten, die ohne persönliche Motivation und aus einer bestimmten Situation heraus das Erklärvideos konsumieren.  Für meine Arbeit ist, denke ich, eher die erste Gruppe relevant. Da es sich hierbei nicht um streng ­wissenschaftliches Lernmaterial handelt. Die Anforderungen der ungeplanten Rezipienten sind zwar durchaus auch in Betracht zu ziehen. Ich vermute aber, dass sich der Großteil der Zuschauer aus eigenem Interesse an Vampiren das Video ­ansehen würde und daher nicht erst von der Relevanz des Themas überzeugt werden muss. Auch wenn es keinen konkreten Ver­wen­dungszweck des Videos über meine Bachelorarbeit hinaus gibt, halte ich es für unwahr­scheinlich, dass es in einem Kontext auftritt, in dem die Ver­mittlung des Inhalts eine verbindliche Rolle für die Konsumenten spielt. Mein Video soll im End­effekt in erster Linie der Unterhaltung dienen. Wodurch die Art der Erzählweise ja durchaus interessant ist.

In der Medienforschung geht man davon aus, dass Mediennutzer von ihren Bedürfnissen und Erwartungen ausgehend selbst bestimmen, auf welche Inhalte sie zugreifen.  Daraus lässt sich schließen, dass ich nicht zwangsläufig um die Aufmerksamkeit der Zuschauer buhlen muss, um Informationen zu vermitteln. Es geht viel mehr darum die Bedürfnisse der Leute zu befriedigen.

Die Entwicklung des Vampirmythos

Herleitung aus verwandten Themen im Volksglauben

Schon in der Antike glaubte man an blutsaugende Wesen, die z.B. von den römischen Dichtern Ovid  und Lukan  beschrieben wurden. Schon damals wird von Weißdorn als Mittel berichtet, das Böse zu vertreiben. Darin könnte auch die Verwendung von Weißdornpfählen bei der Bekämpfung von Vampiren ihren Ursprung haben. 

Im frühen Mittelalter vermischten sich dann hellenistisch-römische Vorstel­lungen über Hexen und Nachtgeister mit dem Glaubensgut der germanischen und ­slawischen Völker. Archäologische Funde zeigen hier erstmals Maßnahmen gegen Verstorbene, um diese im Grab zu halten. Man findet Zeichen von Enthauptungen, zerschmetterte Knochen oder die Beschwerung der Leichen mit schweren Steinen, um sie regelrecht nach unten zu drücken. 

Der Vampirmythos an sich

Der Begriff „Vampyr“ taucht im deutschsprachigen Raum zum ersten Mal 1725 auf. Der Ursprung des Wortes ist jedoch unklar, was vielleicht auch zum Mythos beträgt.  Die größte Verbreitung erfuhren Vampire im Balkan, sowie Russland, Polen und den deutschen Ostgebieten.

Zum Vampir werden konnte man durch die bereits zuvor im Bezug auf verwandte Kreaturen genannten Umstände, wie tragische Unglücke oder Gott­losigkeit. Leute, die ermordet wurden oder bei Unfällen ums Leben kamen, waren stets zum Vampirdasein verdammt. Wer ungetauft blieb, hatte besonders schlechte Karten. Zur damaligen Zeit glaubten viele Menschen auch an Hexen, Zauberer und Werwölfe, welche nach dem Tod wiederum ebenfalls zu Vampiren werden mussten. Der Aberglaube umfasste eine Vielzahl an magischen Gestalten, wobei sich die einzelnen Mythen oft überschneiden und nicht immer klar getrennt sind. Das Konzept, dass sich diese untereinander bekämpfen würden, ist eine eher neue Idee.  So steht der Vampir als wiederkehrender Toter meist am Ende des Lebenslaufes anderer übernatürlicher Wesen. Vampire wurden geköpft, mit langen Nägeln oder Holzpflöcken durchspießt und verbrannt, sollte man sie unverwest im Grab vorfinden. Auch ihnen wurde nachgesagt, dass sie ihre Witwen besuchen um diese zu schwängern – was in der damaligen Gesellschaft in gewisser Weise als Entschuldigung dienen konnte, sollte eine Frau nach dem Tod ihres Mannes wieder schwanger werden. Wenn ein Mensch, der im sterben lag, wider Erwarten doch überlebte, hielt man ihn für einen lebenden Vampir. Diese konnten sich dann entweder durch den tief verwurzelten Aberglauben in den Wahnsinn steigern und tatsächlich an ihr Unheil glauben oder ihr Geld als WahrsagerIn und HeilkundlerIn verdienen, da man Vampiren magische Kräfte nachsagte.  Unter anderem in Russland glaubte man an solche lebenden Vampire und dass man nicht in Frieden mit ihnen leben durfte. Man musste stattdessen stets mit ihnen streiten, sodass diese ihre Macht verlieren.  So hatten die Vampire in verschiedenen Regionen unterschiedliche Eigenarten. Dem griechischen Volksglauben nach hatten Vampire ein besonderes Faible für die Leber ihrer Opfer, die sie roh oder sogar gebraten verspeisten. 

Ende des 17. Jahrhunderts tauchen erstmals Berichte über blutsaugende Tote in französischen Medien auf.  Eine unbekannte Person schrieb an die renommierte Pariser Universität Sorbonne und bat um eine Expertenmeinung zu einem konkreten Blutsaugerfall. Die Doktoren wiesen die Existenz von Vam­piren ohne Umschweife ab und so erhielt die Angelegenheit zunächst kaum weitere Beachtung in Westeuropa.

Die serbische Vampirplage

Die am besten dokumentierten und wahrscheinlich einflussreichsten Vampirfälle stammen aus dem Königreich Serbien zu Beginn des 18. Jahr­hunderts.

Serbien litt zu dieser Zeit stark unter dem Krieg zwischen Österreich-Ungarn und dem osmanischen Reich. Dadurch kam es zu regelmäßigen Auseinander­setzungen und häufigen Gebietswechseln, die für eine ständige Militärpräsenz in der Region sorgten. Von 1718 bis 1739 war Serbien auf Grund des Friedens von Passarowitz unter österreichischer Kontrolle.  In diese Zeit fallen fast alle überlieferten Vampirismusfälle aus der Gegend, da jedes verdächtige Ereignis behördlich untersucht wurde. Was der serbischen Vampirplage auch eine gewisse offizielle Bestätigung verlieh. Vor allem im Winter waren die Kriegs­zustände schlimm und die Nahrung knapp. Die Menschen mussten oft auf verendete Tiere zurückgreifen, was natürlich eine hohe Ansteckungsgefahr mit sich brachte.

Der Volksglaube an gute und böse Geister war genauso weit verbreitet wie abergläubische Bräuche. Ein fester Bestandteil dessen war der Vampirglaube. Das orthodoxe Christentum war fest im Volk verankert, wurde aber nicht komplett verstanden. Ein wichtiger Faktor ist hierbei, dass die Einwohner der Region eine strenge Fastenzeit ausübten, die fleischlos war und aus viel rohem Gemüse, Sauerkraut, Essig und Schnaps bestand.  Geistliche hatten die höchste Autorität und achteten penibel auf die Einhaltung des Fastens wohingegen andere Aspekte der Frömmigkeit vergleichsweise lasch überwacht wurden. Die Folge der daraus entstehenden Mangelernährung waren häufige Krankheiten und Seuchen, was zu einer hohen Sterblichkeit bei jung und alt führte. Hinzu kommt, dass Verstorbene nach dem Tod von der engsten Familie gewaschen und neu eingekleidet wurden, wodurch diese sich natürlich leicht mit eventuellen Krankheiten anstecken konnten.

Die Bauern der Region waren vor allem Viehzüchter und die Dörfer militärisch organisiert, da die Landbevölkerung im Krieg von strategischem Nutzen war. Bemerkenswert ist, dass stets nur die Einheimischen von den Vampir­epidemien betroffen waren, nie die österreichischen Soldaten. Lässt man die psychische Belastung durch den Aberglauben mal außer Acht, deutet dies darauf hin, wie bedeutend die Auswirkungen des Fastens und der Nahrungsknappheit, inklusive der daraus resultierenden Krankheiten, für die Verbreitung des Vampirglaubens waren. Schließlich verfügten die Soldaten in der Regel über ihre eigene Militärversorgung.

Auf Grund der Berichte aus Serbien entbrannte im Deutschland des 17. Jahrhunderts die sogenannte Leipziger Vampirdebatte. 

Die Vampirfälle von Kisolova und Medvegya

Zwei Ereignisse aus der Zeit in Serbien stechen besonders hervor und sollen deshalb in der Folge näher beleuchtet werden. Auch im Hinblick auf die spätere Entwicklung sind diese von größerer Relevanz, da sie erheblichen Einfluss auf das Bekanntwerden des Vampirphänomens in Westeuropa hatten.

Zum Einen wäre da der Vampirismusfall von ­Kisolova. Er erregte besondere Aufmerksamkeit, weil der zuständige Beamte der Reichsverwaltung, Kameralprovisor Frombald, die Sache nicht wie üblich als regionale Angelegenheit behandelte, sondern die über­geordneten Behörden in Belgrad und Wien informierte, wodurch sich später sogar der Hofskriegsrat und Kaiser Karl VI. persönlich damit auseinander setzten.

In Kisolova starben innerhalb von acht Tagen neun Personen nach kurzer, ­heftiger Krankheit. Frombald schreibt in seinem Bericht, die Krankheit führte innerhalb von 24 Stunden zum Tod. Die Dorfbewohner hielten den zehn Wochen zuvor ver­storbenen Bauern Peter Plogojovitz für den Auslöser und baten bei der Ver­wal­tungs­behörde in Gradiska um Genehmigung für die Ausgrabung und Exekution des Vampirs. Insofern ist die detailreiche Überlieferung des Vampirismus in Serbien dem Pflichtbewusstsein der Bevölkerung zu verdanken, die sich die Ausübung ihres Aberglaubens behördlich bestätigen lassen wollte.

Frombald erlaubte den Dorfbewohnern das Pfählen des angeblichen Vampirs, nachdem er vor Ort den exhumierten Leichnam begutachtet und verdächtige Anzeichen beobachtet hatte. Was ihn scheinbar so sehr beeindruckte, dass er ihnen nicht länger widersprechen konnte. In seinem Bericht geht er besonders auf die große Menge an Blut ein, das beim Pfählen aus der Wunde, sowie aus Mund und Ohren des Toten floss. Anschließend wurden die Überreste zu Asche verbrannt.  Ein Bericht zu den Ereignissen wurde unter dem knackigen Titel „Entsetzliche Begebenheit, welche sich in dem Dorff Kisolova, ohnweit Belgrad, in Ober-­Ungarn vor einigen Tagen zugetragen (1725)“ als Flugblatt verbreitet.  Die Publikation eines Flugblattes trug natürlich zum düsteren Ruhm Kisolovas im speziellen und der Verbreitung des Vampirmythos allgemein bei und hatte vermutlich auch den Zweck Reisende und insbesondere Adelige von vampir­geplagten Dörfern wie Kisolova fernzuhalten.

Noch im selben Jahr war Michael Ranft einer der ersten deutschen Gelehrten, die sich mit Vampirismus befassten. Er schrieb seine Habilitation „De ­masticatione mortuorum in tumulis“ über den Vampir Peter Plogojovitz, welche anschließend als 28-seitiger Druck verbreitet wurde, was den Fall im deutschsprachigen Raum bekannt machte und die Gelehrtenwelt in der Folge für Vampirismus im Allgemeinen sensibilisierte. 

Im Dorf Medvegya klagten die Einwohner im Winter 1731/32 über eine regelrechte Vampirepidemie mit dreizehn Toten, sodass der kaiserliche Seuchenarzt ­Glaser geschickt wurde, um die Sache zu untersuchen.  Die Leute baten um die Erlaubnis die Vampire zu exekutieren und drohten das Dorf sonst zu verlassen. Also willigte der Arzt ein, die Gräber öffnen zu lassen. Nach Entdecken der vampirischen Merkmale empfiel er den Behörden, die Hinrichtung zu erlauben. Ihm war das Risiko zu hoch, die Bewohner würden aus Angst vor Vampiren fliehen und er könne sowieso keine bessere Erklärung anbieten. Das zeigt den großen militärischen Wert der serbischen Bauern, da Glaser geneigt war, sie um jeden Preis in Postion zu halten. Es legt auch die Vermutung nahe, dass die Untersuchung des Vampirismus nicht selten dem simplen Zweck diente, die Bevölkerung zu beruhigen, ohne dass die Obrigkeit je eine wirkliche Gefahr vermutete. Glasers Vorgesetzte waren mit dessen Bericht unzufrieden und schickten eine zweite Kommission, um die Ereignisse in Medvegya zu unter­suchen. Inzwischen war die Zahl der Opfer im Dorf auf siebzehn gestiegen.  Die Dorfbewohner beschuldigten nun konkret einen zugezogenen Bauern namens Arnout Pavle  als Ursprung der Epidemie. Pavle starb bereits 1727 bei einem Sturz vom Heuwagen und hatte zu Lebzeiten berichtet schon früher von Vampiren geplagt gewesen zu sein. Nach seinem Tod begann den Dorf­be­wohnern zufolge das Vieh zu sterben. Sie aßen dennoch von den verendeten Tieren, wahrscheinlich aus Nahrungsmangel. Die zweite Untersuchungskommission kam zu denselben Schlüssen wie Glaser zuvor und so ordnete man die Exekution der vampirischen Leichen an. Der zweite Bericht wurde als „Visum et Repertum“ veröffentlich und als Nürnberger Druck im deutschsprachigen Raum verbreitet. 

Der wahre Hintergrund des Falles ist heute kaum aufzuklären. Am wahrscheinlichsten erscheint eine damals nicht erkannte Krankheit, die das Vieh hingerafft hatte und durch den Verzehr des Fleisches auf die Menschen übersprang.

Öffentliches Interesse an realen Vampirfällen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts

Nach dem Ende des Balkankrieges im Jahr 1739 drangen kaum noch Nachrichten über Vampire aus der Region nach Westeuropa. Österreich­-Ungarn musste die Gebiete wieder an das Osmanische Reich abtreten und so versiegte hierzulande quasi die Quelle für die heißesten Vampir­geschichten. Erwähnenswert ist allerdings noch, dass 1744 die katholische ­Kirche offiziell Stellung zum Vampirismus bezog und ihn als gottlose Ein­bildung abstrafte. 

Im Jahr 1746 schrieb der angesehene französische Theologe Augustin Calmet eine Abhandlung  über Vampire und andere Geistererscheinungen, die hohe Popularität erlangte und in verschiedene Sprachen übersetzt wurde.  Calmets Buch lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf slawische Vampire und in Folge dessen tauchen nochmals neue Berichte auf, allerdings nicht mehr aus den verlorenen, serbischen Ländereien. Sie kommen nun hauptsächlich aus dem sogenannten Temescher Banat, aus Böhmen und Mähren, sowie den preußischen Ostprovinzen. 

Wenn es um die offizielle Auseinandersetzung geht, erreichten die Vampire im Jahr 1755 ihren letzten Höhenpunkt des 18. Jahrhunderts. Im Sinne der Auf­klärung veröffentlichte die Kaiserin Maria Theresia von Österreich ihren umgangssprachlich sogenannten Vampirerlass, der die Ausübung des Aberglaubens untersagte und ab sofort unter Strafe stellte.  Beeinflusst war dieser durch die Untersuchungen unter der ­Leitung des Hof­arztes Gerhard van Swieten, der entschiedener Gegner des Aberglaubens war. Geistliche waren nun stets verpflichtet weltliche Behörden und Ärzte hinzuzuziehen, wenn sie sich mit einem vermeintlichen Vampir konfrontiert sahen. In Folge dessen wurden nur noch wenige Fälle gemeldet. Der Erfolg des Erlasses ist allerdings ungewiss, da die Bevölkerung in der Regel einfach nicht mehr mit der Obrigkeit kooperierte. 

Entwicklung des Volksglaubens im 19. und 20. Jahrhundert

Auf Grund medizinischer Erkenntnisse und der vorangegangenen Expertendiskussion verloren die Naturwissenschaftler im 19. Jahrhundert jegliches Interesse an Vampiren.  Kaum ein Mediziner befasste sich noch ernsthaft mit dem Thema. In dieser Zeit sind es vor allem Philosophen, die sich noch mit Vampiren beschäftigen. Ein stärker werdender Spiritismus und die Faszination für das Übernatürliche als Gegen­reaktion auf die Modernisierung der Welt seinerzeit tragen dazu bei. Währenddessen wird immer rigoroser gegen die Ausübung des Vampirglaubens vorgegangen, was die Menschen jedoch nicht davon abhält, ihn weiterhin im Geheimen zu vollziehen. Die Geld- und Gefängnisstrafen sind nun verhältnismäßig hoch.

Bedeutender ist jedoch, dass Vampire nun auch Eingang in die Literatur finden. Wobei jene, die an echte Vampire glauben, nicht dieselben sind, die romantische Bücher über sie schreiben. 

Selbst im 20. Jahrhundert findet man noch eine Vielzahl an Vampirismus­fällen, die allerdings nicht mehr so viel Aufsehen erregen. Der Aberglaube lebt zwar vor allem am Balkan fort. Die Weltkriege sorgen jedoch für starke Umwälzungen in der Bevölkerungsstruktur der Region und nehmen dem Vampir­glauben ein Stück weit den Boden. Zudem sind in den noch erhaltenen Berichten nun in der Regel auch die eigentlichen Todesursachen der Beschuldigten zu finden, vermutlich auf Grund des medizinischen Fortschritts.  Krankheiten und Epidemien lassen sich nun leichter diagnostizieren als noch in vorangegangenen Jahrhunderten.

Eine der aufsehenerregendsten Anekdoten im 20. Jahrhundert war die des Vampirs vom Highgate-Friedhof in London 1970. Wobei es sich in diesem Fall eher um eine Boulevardstory handelt als um eine kriminalistische Untersuchung. Die zwei Hauptakteure hierbei sind der Okkultist David Farrant und der katholische Bischoff Sean Manchester.

Farrant war überzeugt eine große, graue Gestalt gesehen zu haben, die über den Friedhof schwebte. Er glaubte allerdings eher an einen Geist als an einen Vampir. Sean Manchester berichtete hingegen von einem rumänischen Vampirkönig aus dem Mittelalter, der unter dem Friedhof beerdigt worden sei (eine offensichtliche Ähnlichkeit zum Roman „Dracula“ von Bram Stoker ) und von Satanisten beschwört werde. Getrennt von einander wollten die beiden Jagd auf das Wesen machen. Die örtliche Zeitung „Hampstead and Highgate Express“ schrieb über die Geschichte, wodurch der Friedhof eine gewisse Berühmtheit erlangte. Farrant gab zudem ein Fernsehinterview zum Thema, dass weitere Aufmerksamkeit erregte. Durch diese mediale Aufmerksamkeit kam es in der Nacht vom Freitag den 13. März 1970 zu einer tumult­artigen Vampirjagd auf dem Friedhof, an der rund 100 Personen teilnahmen. Natürlich blieb sie ohne Erfolg. Wohlgemerkt waren aber weder Farrant noch Manchester unter den Beteiligten. Auch die Verantwortlichen konnten im Nachhinein nicht ausfindig gemacht werden.

Bischoff Manchester behauptete später den Vampir letztendlich aufgespürt und vernichtet zu ­haben. David Farrant hingegen meinte in späteren Interviews, die Gestalt geistere noch immer über den Friedhof und sei zuletzt 2005 gesehen worden. 

Sogar heute, im 21. Jahrhundert, gibt es noch vereinzelte Vampirismusfälle in Europa. Vor allem in Rumänien ist der Aberglaube immernoch verbreitet. Auch wenn er nicht mehr so strikt ausgeübt wird wie einst, sondern eher symbo­lischen Charakter hat.

Vampire in Märchen, Sagen und Literatur

Einige Elemente des Vampirmythos, die wir heute untrennbar mit den schaurigen Blutsaugern verbinden, fanden erst mit der wachsenden Popularität der Thematik in der Literatur und Popkultur ins typische Bild eines Vampirs.

So war Knoblauch zum Beispiel nur eines von vielen natürlichen Heilmitteln, die man schon im Altertum gegen eine Vielzahl von Gebrechen einsetzte. Die Pflanze bzw. ihr Öl wurden zur Stärkung verwendet und sollten gegen Para­siten und andere Schädlinge helfen. Im Mittelalter war das Anwendungsspektrum besonders breit. Von Bisswunden über Haarausfall und Zahnschmerzen, Knoblauch konnte für alles eine Antwort sein. Insofern ist es nur logisch, dass die Menschen auch im Falle einer Vampirplage zum Lauchgewächs griffen. Dass in der späteren Interpretation dessen der Vampir eine besondere Abneigung gegen Knoblauch hat, ist also eher etwas überhöht.

Ähnlich steht es um die Verbindung zwischen Vampiren und Fledermäusen. Blutsaugende Vampirfledermäuse existieren zwar wirklich. Ihr Vorkommen beschränkt sich allerdings größtenteils auf Mittel- und Südamerika. Somit ­stehen sie in ­keinem direkten Zusammenhang zum europäischen Vampir­mythos des Spätittel­alters. Die amerikanischen Fledermäuse teilen ihren Hang zur Hämatophagie nicht mit ihren hier heimischen Artgenossen. Die Assoziation kam wahrscheinlich erst und gerade deshalb zustande, als Vampire bereits ein etabliertes Sagenwesen waren. Nichts desto trotz haben Fledermäuse auch in Europa seit jeher eine eher negative Konnotation. In Antiken Sagen werden Menschen zur Strafe in Fledermäuse verwandelt , in der Bibel gelten sie als unrein. Auch in der bildenden Kunst werden Dämonen und andere teuflische Wesen oft mit Fledermausflügeln dargestellt. Allgemein werden sie mit dem Bösen, dem Teufel und allem düsteren assoziiert. Wenn man so will, ist dies bis heute der Fall. Nicht durch Zufall ist es der dunkle Rächer Batman, ein Superheld in Fledermauskostüm, der den Kriminellen von Gotham Angst einflößt wie kein anderer. Der Zusammenhang zwischen Vampiren und Fledermäusen ist also ein durchaus logischer, ohne dass sie im Volksglauben im Speziellen auf­einander abgestimmt waren.

In den Ländern, in denen man an Vampire und ähnliche Wesen glaubte, gibt es logischerweise auch Sagen über diese, da sie den festen Glauben der Bevölkerung wiederspiegeln. Man trifft dabei auf dieselben Motive wie in historischen Fällen: Ehemänner, die zu ihrer Frau zurückkehren und sogar mit ihr schlafen, Vampire in Seuchenzeiten, Pfählungen und so weiter.

Nach all der Aufregung in der Gelehrtenwelt des 18. Jahrhunderts versteht es sich von selbst, dass auch die Dichter und Schriftsteller seiner Zeit auf Vampire aufmerksam werden. Diese Entwicklung geht in etwa einher mit dem Aufkommen der Frühromantik. Die Romantik befasst sich mit allen düsteren Elementen der ­Natur, des Volksglauben und der Menschen. Damit ist sie natürlich wie geschaffen für Vampire.

Im Jahr 1748 verarbeitete der Dichter Heinrich August Ossenfelder den Stoff als erster Deutscher in seinem Gedicht „Der Vampir“, dass in der Zeitschrift „Der Naturforscher“ neben einem wissenschaftlichen Beitrag zum Vampir­phänomen veröffentlicht wurde. Das kurze Gedicht enthält noch keine der romantischen Elemente und handelt von einem Toten der zu seiner geliebten zurückkehrt. Somit orientiert es sich eindeutig am Volksglauben und den ­daraus entstandenen Sagen. Dasselbe Thema hat Gottfried August Bürgers Ballade „Lenore“ von 1774, die allgemein sehr positiv aufgenommen wurde, wohingegen man Ossenfelders Gedicht 26 Jahre zuvor noch als anstößig empfand. Auch Bürger schöpft seinen Stoff aus dem vampirischen Volkssagengut. Die junge Braut Lenore wartet auf ihren in den Krieg gezogenen Liebsten, der allerdings nicht zurückkehrt und so hadert sie mit Gott. Plötzlich steht ihr Verlobter Wilhelm dann doch vor der Tür, um sie auf seinem Pferd mitzunehmen. Lenore erkennt zu spät, dass er ein wandelnder Toter ist und sie ins Grab holen will, wohl aus Strafe für ihre Unzufriedenheit mit Gottes Entscheidung.

Sogar Goethe befasste sich mit Vampiren – er verlegt „Die Braut von Korinth“ 1797 jedoch in die Antike, entgegen des Trends der Romantik, dessen Schauergeschichten meist in der Gegenwart spielen. Dass die Autoren jener Epoche die Vampirliteratur in ihrer eigenen Zeit ansiedeln, hat das Bild des Vampirs aber bis heute geprägt. Auch wenn Geschichten, die in unserer Zeit spielen mittlerweile wahrscheinlich populärer sind, ist das klassische Klischee des Vampirs bis heute wohl eher in der Epoche seines literarischen Ursprungs verortet.

Der erste wirkliche Hit im Hinblick auf den romantischen Vampir, den wir heute kennen, war „The Vampyre“ vom Briten John Polidori.  Sein Vampir Lord Ruthven ist nämlich kein entsetzliches Ungeheuer, sondern ein toter Edelmann mit guten Sitten, der sich in feinen Kreisen bewegt und Frauen verführt um ihr Blut zu trinken. The Vampyre wurde 1819 zum ersten mal un­autorisiert im „New Monthly Magazine“ ver­öffentlicht und zunächst fälsch­licherweise Lord Byron zugeschrieben. Die Kurzgeschichte hatte direkt durchschlagenden Erfolg und wurde noch im selben Jahr unter anderem ins Deutsche übersetzt.

Obwohl der Vampir erst über Österreich und Deutschland seinen Weg nach Westeuropa fand, ­konnte er in der hiesigen, romantischen Literatur nicht so richtig Fuß fassen. In Großbritannien lief es deutlich besser. „Varney the ­Vampire“ war dort eine echte Berühmtheit. Es handelt sich dabei um einen Fort­setzungsroman, der von 1845 bis 1847 in 220 wöchentliche Episoden unterteilt als sogenanntes „Penny Dreadful“ erschien. Der Roman wurde 1847 zudem gesammelt in Buchform mit sage und schreibe 876 Seiten veröffentlicht. Penny Dreadfuls waren billige Hefte mit Gruselgeschichten, die in ­hoher Auflage erschienen und reißenden Absatz fanden. So auch Varney the Vampire, der aus der Romanfabrik des Londoner Großverlegers Edward Lloyd stammte. Der eigentliche Autor des Romans ist auf Grund dieser Veröffentlichungsform allerdings unklar. Im Verlag waren mehrere Autoren angestellt, wurden in den Heften selbst aber nicht benannt. Als wahrscheinlichste Autoren gelten James Malcolm Rymer oder Thomas Peckett Prest. Wobei es nicht auszuschließen ist, dass mehr als eine Person an der Geschichte geschrieben haben, um den Veröffentlichungsrythmus beizubehalten. Prest und Rymer werden heute zum Teil auch als Co-Autoren geführt. Varney enthält alle Elemente des romantischen Vampirs: viel Blut und Leichen, nächtliche Vampir­jagden, Friedhöfe, einfältige Dorfbewohner und adelige Helden.  Sir Francis Varney ist ein adliger Vampir, der bevorzugt jungen, hübschen Frauen das Blut aussaugt. Er ist skrupellos und bösartig, zweifelt jedoch manchmal an seiner Existenz, was ihn letztendlich dazu treibt sich in den Vesuv zu werfen. Somit ist er auch die erste tragische Gestalt der Vampirliteratur.

Der Roman ist zudem das erste Werk, in dem von Fang­zähnen gesprochen wird. Sind diese heute der Inbegriff des Vampir­klischees, kamen sie im Volksglauben hingegen überhaupt nicht vor. Selbst in den bekanntesten Vampir­filmen des frühen 20. Jahrhunderts sind spitze Eckzähne noch kein selbstverständliches Merkmal der Untoten. 

Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Figur des Varney sogar nochmal in verschiedener Ausführung in Comics von Marvel aufgegriffen, was auch zeigt, wie bedeutend der Fortsetzungsroman für das Genre war. 

Ende 1871 bis Anfang 1872 erscheint mit der Gothic Novel „Carmilla“ vom irischen Schrift­steller Joseph Sheridan Le Fanu die erste weibliche Roman­vampirin in Form eines Serienromans im Londoner Literaturmagazin „The Dark Blue“. Carmilla galt für damalige Verhältnisse als recht anzüglich auf Grund der starken homoerotischen Schwingungen zwischen den beiden weiblichen Hauptfiguren Laura und Carmilla. Am Ende wird Carmilla als Vampirin überführt und wird gepfählt, enthauptet und verbrannt. Die Asche streut man in einen Fluss. Infolge dessen ist Laura gerettet.  Während sich auch hier eindeutige Elemente der verführerischen, literarischen Vampirfigur erkennen lassen, ist vor allem das Verfahren mit Carmillas Überresten ein deutlicher Verweis auf den Volksglauben. Das Pfählen, Enthaupten und Verbrennen findet man immer ­wieder. Aber besonders das abschließende Streuen der Asche in ein vorbei­fließendes Gewässer, um sich endgültig der Vampirplage zu entledigen, ist so auch in vielen historischen Berichten zu finden. In abgewandelter Form taucht dieses Element auch in späteren Iterationen noch auf, wo Vampire nicht in der Lage sind Gewässer zu überqueren.

Carmilla hatte wohl auch einen starken Einfluss auf Bram Stoker. Der britische Autor soll von der Novelle sehr angetan gewesen sein, die somit eine der wesentlichen Inspirationen für seinen eigenen Meilenstein der Vampirliteratur sein dürfte. Stoker war ein großer Liebhaber der „Gothic Novel“-Genres und so lassen sich fast all seine Werke dem zuordnen. Okkultismus und Vampire hatten es ihm besonders angetan. Der Vampir hätte ohne seinen Roman „Dracula“ von 1897 zweifellos nicht das Standing, das er heute hat. Dracula ist ein durchschlagender Erfolg und wird 1899 auch in den USA ver­öffentlich und 1908 erstmals ins deutsche übersetzt  und bis heute vielfach verfilmt. Der besondere Reiz der Geschichte liegt in der Erzählweise. Bram ­Stoker verfasste seinen Roman in pseudodokumentarischen Tagebucheinträgen aus der Sicht verschiedener Charaktere. Dieser Kniff trägt sicherlich zur Wahrnehmung des Vampirs als wahrhaftige Gefahr bei und hat vermutlich großen Anteil am nachhaltigen Erfolg des Romans. Bei Veröffentlichung trifft Dracula genau in den Zeitgeist Ende des 19. Jahrhunderts. Letzten Endes handelt das Buch vom Konflikt zwischen körperlichem Verlangen und sozialen Normen bzw. im Speziellem dem Christentum.

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts werden Vampire in Filmen aufgegriffen. 1922 schafft Friedrich Wilhelm Murnau in „Nosferatu – Eine Sinfonie des Grauens“ mit Max Schreck in der Hauptrolle eine erste Adaption des Dracula­-Stoffes. Murnau konnte sich mit Stokers Witwe jedoch nicht über die Urhe­berrechte einigen und veränderte die Geschichte erheblich.

Als „Nosferatu – Phantom der Nacht“ wurde die Geschichte 1978 von ­Werner Herzog mit Klaus Kinski in der Hauptrolle noch einmal neu verfilmt. Dass der erste berühmte Vampirfilm selbst mittlerweile einen Kultstatus entwickelt hat, zeigt sich auch am Film „Shadow of the Vampire“ aus dem Jahr 2000. Dieser erzählt die fiktive Entstehungsgeschichte des Originals, in der Regisseur Murnau in Max Schreck unwissentlich einen echten Vampir für die Rolle seines Grafen Orlok gecastet hat.

Die erste autorisierte Verfilmung Draculas kam 1931 in die Kinos. Grundlage ist eine Theateradaption des Stoffes von Hamilton Dean, einem Jugendfreund von Bram ­Stoker, aus dem Jahr 1925. Der Amerikaner Tod Browning drehte den Film mit dem ungarischen Schauspieler Bela Lugosi in der Hauptrolle. ­Dieser trat in der Folge noch in etlichen, weiteren Horrorfilmen auf. Vor allem die Rolle des Vampirs spielte er noch mehrmals. Angeblich war Lugosi später sogar selbst überzeugt ein Vampir zu sein und ließ sich im Draculakostüm beerdigen.  So hat es auch hier der Schauspieler hinter Graf Dracula geschafft eine Legende des Vampirgenres zu werden. Ich denke, sowohl die spätere Hommage an Nosferatu als auch diese Anekdote veranschaulichen ganz gut, wie groß die Faszination mit dem Vampirmythos bis heute ist. So werden in immer neuen Erzählungen die Personen hinter dem Mythos zu den eigentlichen Vampiren, ohne dass die Legende selbst schaden nimmt. Bis heute werden immer wieder etliche Vampirromane verfilmt.

Vlad der Pfähler – der echte Vampir?

Doch wer ist nun der berüchtigtste Vampir der Geschichte? Unabhängig vom historischen Volksglauben gibt es Menschen, die aus diversen Gründe ein Ver­langen nach Blut haben. Genauso findet man dokumentierte Fälle von Kanibalismus. Ihnen wurde oft von der Presse der Vampirtitel ­verliehen. Dasselbe trifft auf etliche Mörder und Serienmörder der Geschichte zu. Doch diese sollen nicht Bestandteil meiner Betrachtung sein.

Die berühmteste Person in diesem Zusammenhang ist zweifellos Vlad III., auch bekannt als Vlad Drăculea oder Vlad der Pfähler. Er soll der echte Graf ­Dracula gewesen sein.

Vlad III. lebte im 15. Jahrhundert  in Siebenbürgen bzw. Transsilvanien und erhielt den Beinamen Drăculea von seinem Vater Vlad II. Dracul. Dieser war Mitglied des katholischen Drachen­ordens, dessen Ritter das Christentum ­verteidigen sollten. Dracul bedeutet so viel wie „der Drache“. Demnach steht ­Drăculea also einfach für „Sohn des ­Drachen“. Der Name wurde allerdings zum Teil als „Sohn des Teufels“ misgedeutet, da „drac“ das rumänische Wort für Teufel ist. Diese Verwechslung trug wahrscheinlich in gewisser Weise zum grau­samen Ruhm Drăculeas bei. 

Von 1456 bis 1462 herrschte Vlad Drăculea über die Walachei während sich die gesamte Region im Konflikt zwischen den Ungarn und Türken befand. Er stand dabei mehr oder weniger zwischen den Fronten, da er den Ungarn untergeben war, die jedoch seinen Vater Vlad Dracul getötet und gegen ihn intrigiert ­hatten. 

Um Vlad III. gibt es viele überlieferte Grausamkeiten, deren Wahrhaftigkeit und Ausmaß jedoch ­dahin gestellt sei, da viele der aus heutiger Sicht einflussreichsten Quellen von seinen Gegenspielern stammen. Die deutschsprachigen Städte Siebenbürgens erkannten seine Herrschaft nicht an und bekamen so seine volle Härte zu spüren. Sie sind es auch, die über den Tyrann Vlad Drăculea berichten.  Zwar ist auch in russischen Aufzeichnungen die Rede von seinen Grausamkeiten. Es sind jedoch die deutschsprachigen Quellen, die diese stets als willkürlich und dysfunktional beschreiben. Sie hatten zweifellos ein propagandistisches Interesse daran, Vlad Drăculea so negativ wie möglich darzu­stellen. Von seinem eigenen Volk wurde er jedoch durchaus respektiert und galt als zwar grausamer aber gerechter Herrscher. Glaubt man Historikern, fiel er in Sachen Grausamkeit nicht einmal aus der Reihe, wenn man ihn mit anderen Herrschern seiner Zeit vergleicht.  In späteren Jahrhunderten gibt es in Rumänien sogar Bestrebungen Vlad Drăculea, der sich immer wieder gegen äußere Einflüsse und fremde Herrscher aufgelehnt hatte zum rumänischen Volkshelden zu machen. Die Frage ob diese Darstellung eher gerecht­fertigt ist, als jene, die ihn als blutrünstiges Monster zeigen, ist fraglich. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen. In die Zeit Drăculeas Herrschaft über die Walachei fallen all seine Gräueltaten. Ein besonderes Faible hatte er für das Pfählen, daher auch der Beiname Vlad Țepeș – „Vlad der Pfähler“. Die durch ihn ausgeübte Hinrichtungspraxis des Pfählens sah übrigens anders aus als das Bekämpfen der Vampire mit einem Holzpflock und hatte nichts mit letzterem zu tun. Die Assoziation liegt jedoch auf der Hand.  Quellen aus dem 15. Jahrhundert nach hat Drăculea zahlreiche Dörfer in Siebenbürgen überfallen und niederbrennen lassen, sowie deren Bevölkerung gefangen und gepfählt. Von seinem eigenen Volk wurde er jedoch durchaus respektiert und galt als zwar grausamer aber gerechter ­Herrscher.

Im Jahr 1462 wurde Vlad III. schließlich von den Ungarn gestürzt und gefangen genommen.  Nach vierzehnjähriger Gefangenschaft wurde er 1476 noch einmal entlassen um erneut gegen die näherrückenden Türken ins Feld zu ­ziehen, wobei er zunächst sogar Erfolg hatte. Letztlich unterlag er jedoch und wurde noch im selben Jahr enthauptet.

Neben all dem Sadismus und der Brutalität, die von seinen Zeitgenossen festgehalten wurde, ist ein buchstäblicher Blutdurst Vlad des Pfählers allerdings in keiner historischen Quelle dokumentiert. Mit dem ­Vampirmythos brachte ihn zu Lebzeiten niemand in Verbindung. Die außergewöhnliche Grausamkeit und der damit verbundene Ruf allein waren  genug, um Bram ­Stoker zu inspieren aus Vlad III. Drăculea, dem Pfähler von Transsilvanien, den Erzvampir Graf Dracula zu machen, dessen Berüchtigtheit bis heute unerreicht ist.

Produktion

Lange bevor ich mit der eigentlichen Animation angefangen habe, hatte ich zwei Styleframes erstellt. Diese haben mir bei der Stilfindung geholfen bzw. meine Entscheidung bestätigt. Da ich erst einmal testen wollte, inwieweit sich der Stil, den ich mir überlegt hatte, praktisch umsetzen lässt.

Als erstes habe ich aus dem gesammelten redaktionellen Teil meiner Thesis ein Skript konstruiert und auf Basis dessen Skizzen erstellt. Dafür habe ich erstmal, je nachdem was mir eingefallen ist, einzelne Bilder der Story gezeichnet. Dabei habe ich das Skript schon in Szenen unterteilt.

Diese Skizzen habe ich dann zusammen mit dem erstmal von mir selbst eingesprochenen Text zu einem Animatic zusammengefügt. Dabei hat sich dann auch schon, obwohl das Timing noch nicht final war, gezeigt an welchen Stellen ich noch zusätzliche Bilder brauche. Da ich nicht immer korrekt antizipiert hatte, wie lange eine konkrete Stelle dauert.

Ein wirkliches Storyboard im klassischen Sinne habe ich nicht angefertigt, da ich nicht das Gefühl hatte, dass ich eins brauche. Schließlich stammt die Story von mir und das einfügen der Bilder ins Animatic war für mich da aussagekräftiger zur Visualisierung meiner Ideen als ein extra angelegtes Storyboard mit allen Skizzen und Skript. In meiner bisherigen Berufserfahrung waren Storyboards eher ein Zwischenschritt zur Abnahme durch die Kunden. Da ich diese nicht brauchte, habe ich den Schritt also übersprungen. Für das Planen des Produktionsablaufs reichte mir der Text allein als Basis.

Auf dem Animatic aufbauend habe ich mit der Animation angefangen. Da ich auf Grund des Frame-by-Frame-Animationsstils sowieso in Einzelbildern gearbeitet habe, habe ich an diesem Punkt auch keine weiteren Styleframes mehr erstellt. Mein Film ist von Grund auf in 12 FPS angelegt. Es gibt allerdings auch eine Vielzahl an Animationen, die lediglich mit einer Bildrate von 6 FPS dargestellt werden. Das heißt, in der Zeit einer ein-sekündigen Sequenz mit 12 Bildern wechselt das Bild dieser Elemente nur auf jedem zweiten Frame. Dies war zum einen eine praktische Entscheidung, zum anderen tat ich dies aber auch aus stilistischen Gründen. Viele der Hintergrundanimationen bzw. die Darstellung von Elementen, die eher Icons gleichen, wären meines Erachtens nach zu unruhig gewesen, hätte ich sie in einem Loop mit 12 FPS laufen lassen.

Die in Photoshop erstellten Animationen bzw. Frames habe ich in After Effects zusammengefügt. Für manche Szenen machte es sich gut, den Animationsablauf direkt zu übernehmen. Bei anderen ging das allerdings nicht. Vor allem bei Sequenzen, die im Loop laufen sollen, musste ich die einzelnen Frames in After Effects neu arrangieren. In der Regel war das aber nicht mit großem Arbeitsaufwand verbunden. Es gibt auch ein Paar Animationen, die ich nicht per Cel- Animation erstellt habe, sondern deren Bewegungen über Keyframes erfolgen. Das hatte natürlich den Vorteil, dass ich flexibler in der Verwendung mancher Charaktere war.

Literaturverzeichnis

  • Untersuchung der Möglichkeiten von Erklärvideos zur Erläuterung komplexer Themen, Maximilian Hutter, Hochschule Mittweida, 2015
  • Lehrbuch der Medienpsychologie, Roland Mangold/Peter Vorderer/Gary Bente, Göttingen/Bern/Toronto/Seattle, 2004
  • Grundlagen der visuellen Kommunikation, Marion G. Müller, ­Konstanz, 2014, s. 20
  • Design digitaler Medien, Holger Rada, Tübingen, 2002
  • Dracula – Das Leben des Fürsten Vlad Tepes. Ralf-Peter Märtin, Frankfurt am Main, überarbeitete Neusausgabe, 1991
  • Vampire: von damals bis(s) heute. Nicolaus Equiamicus, Diedorf: Ubooks-Verlag, 2010

weiterführende Literatur daraus:

  • Rudolf Grenz: Archäologische Vampirbefunde aus dem westslawischen Siedlungsgebiet. In: Zeitschrift für Ostforschung. Jg. 1967, Heft 2. S. a. Annett Stülzebach: Vampir- und Wiedergängererscheinungen aus volkskundlicher und archäologischer Sicht. Concilium medii aevi I (1998), S. 97–121
  • Johann Weichard von Valvasor: Die Ehre dess Hertzogthums Crain: das ist, Wahre, gründliche, und recht eigendliche Belegen- und Beschaffenheit dieses Römisch-Keyserlichen herrlichen Erblandes. Laybach/Nürnberg: Endter, 1689. Band 2, Buch VI, S. 327–341
  • Mercure galant. Jg. 1693. S. 62 ff.
  • Visum repertum anatomico chirurgicum … Wien 1784. Georg Taller. Kap. Beschreibung der Krankheit, 4. Anmerkung
  • Wienerisches Diarium vom 21. Juli 1725. Ferner: Visum et Repertum über die sogenannten Vampirs … , Anonym, Nürnberg 1732.
  • Austria, Jahrg. 1843, S. 135, aus Hock: Die Vampyrsagen, Berlin 1900
  • Hofkammerarchiv Wien, Hoffinanz Ungarn. Rote Nr. 654, S. 1134 – 1136. S. a.: K. Hamberger: Mortuus non mordet. S. 46 ff. Wien, 1992
  • Hofkammerarchiv Wien, Hoffinanz Ungarn. Rote Nr. 654, S. 1138 – 1140. Gedruckt: Visum et ­Repertum über die sogenannten Vampirs …, Anonym, Nürnberg, 1732
  • De miraculis mortuorum. Christian Friedrich Garmann, Chemnitz 1670 (Neuausgabe Universitäts­drucke Göttingen, 2003), Kap. 3 § 8 ff.
  • V is for Vampire. David J. Skal, Plume, New York, 1996, S. 99

Weblinks:

zusätzliche Literatur:

  • The Animator‘s Survival Kit. Richard Williams, New York, 2001, Expanded Edition 2009
  • Ovid, Metamorphosen, IV, 1–34
  • The Vampyre – A Tale. John William Polidori, 1819, Neuveröffentlichung Cavalier Classics, 2016
  • Carmilla. Sheridan Le Fanu, in: The Dark Blue, London, erschienen 1871 in einer Ausgabe (Dezember, S. 434-448) und 1872 in drei Ausgaben (Januar, S. 592-606; Februar, S. 701-714; und März, S. 59-78)
  • Dracula. Bram Stoker, Archibald Constable and Company, London, 1897. Revised Edition: London, 2003
  • Dracula. Ein Vampyr-Roman. Deutsch von Heinz Widtmann. M. Altmann, Leipzig, 1908
  • I Am Legend. Richard Matheson, Gold Medal Books, New York City, 1954
  • Interview with the Vampire. Anne Rice, Knopf, New York, 1976

Ein Projekt von

Fachgruppe

Kommunikationsdesign

Art des Projekts

Bachelorarbeit

Betreuung

Prof. Klaus Dufke Sophie Ehrmanntraut

Entstehungszeitraum

Sommersemester 2019

zusätzliches Material

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