The Sugarhill Gang

Wie Zucker aussieht und wofür er gut ist? Das muss uns die Verpackung nicht sagen.

GRUNDLAGEN

Mittwoch Morgen: Herr Prof. Beyrow betritt den Seminarraum, teilt Ihn in zwei Lager, verteilt Karten auf denen sich die unterschiedlichsten Markenzeichen wiederfinden und bittet uns, diese systematisch zu ordnen. „Einfach“, denkt man sich und ordnet die Logos in Bildmarken, Wortmarken und deren Kombination - verschachtelt in diversen Untergruppen - auf. Nicht falsch gedacht, allerdings nicht mehr als die formale Beurteilung eben solcher Markenzeichen. Um dem Entgegenzuwirken erläutert Herr Prof. Beyrow das von ihm entwickelte Relevanz-Modell, das die Marken in Präsenz, Referenz und Substanz ordnet. Corporate Profiling sozusagen - die Absicht des Logos tritt in den Vordergrund.

Infolgedessen wurden die Grundlagen des Corporate Design von Semantik bis Syntaktik bearbeitet, mündend in einem Stegreifprojekt: Ein Overall-Redesign der „Sweet Family“ Produktreihe von Nordzucker.

Auffällig ist zu Beginn die Konventionalität traditioneller „Verpackungsmuster“: Muss dem Konsumenten tatsächlich gezeigt werden, wie der Zucker in der Verpackung aussieht und darüber hinaus auf die Nase gebunden werden, wofür man ihn beispielsweise einsetzen kann? Hier kommt plötzlich die Frage nach der Persönlichkeit ans Licht und bietet mögliche Antworten.

Ideenfindung

Das Konzept Nach einer Analyse der bestehenden Verpackungsgestaltung, der Frage nach gestalterischen und inhaltlichen Problemfällen und einer umfassenden Mitbewerberrecherche näherte ich mich dem Projekt mit der Frage: Wer ist eigentlich „Sweet Family“ von Nordzucker? Um das festzustellen lohnt es sich einen Blick auf die Zutaten zu werfen. Gemeint ist damit nicht, woher das Produkt kommt, und woraus es besteht - auch diese Romantik ist übersättigt - sondern viel mehr, was die Gestaltung des Produktes erfassen und repräsentieren soll. Dazu betrachtete ich die 3 Säulen des Produkts (Unternehmen, Inhalt und Idee [Nordzucker, Zucker, Sweet Family]) näher und wurde aufmerksam auf die formsprachliche Analogie aus Kompass, Zuckerhaufen und Hausdach - dies wurde zum Nährboden für die Verpackungsgestaltung.

Die Gestaltung

DAS BILD VOM ZUCKER

Die Verpackungen zeigen einen abstrahierten, auf dessen Kontur reduzierten Zuckerberg auf weißem Grund, was eine nicht besetzte Typik („Der Zucker mit dem Berg/dem Haus“) erzeugt. Auf dem Berg sitzt von Zucker zu Zucker ein anderes Haus, das zum einen mit den Produktcharakter hervorhebt und zum anderen das „Thema“ der Familie aufgreift, ohne den Begriff dabei zu idealisieren. Das widerrum schafft Platz für Fantasie. („Wer wohnt in dem Haus?“ „Wie sieht es darin aus?“).

Zur Differenzierung der Produkttypen werden Farben zurückhaltend - um Platz für das (zucker-)weiß zu lassen - und Muster verwendet, die der beschriebenen Szene eine Umgebung und eine Atmosphäre geben.

Marke: Nordzucker

Das Logo zeigt einen auf die Kante gestellten Polarstern oder Zuckerwürfel, in dem sich der daraus resultierende Kippbuchstabe N/Z wiederfindet - die Initialen des Unternehmens. Gemäß der Idee des Kompasses findet sich das Logo auf der Verpackung im Kopfbereich wieder und fungiert in der dargestellten Szene als e.g. Polarstern, der hoch über dem Haus und dem Zuckerberg steht.

Marke: Sweet Family

Die Marke Sweet Family verzichtet im Redesign auf grafische Elemente oder Symbole und zeigt sich als reine Wortmarke. Die gewählte Schrift, „ITC Caslon 224 (Black)“ wirkt durch ihre Strichstärke vertraulich, besonnen und versucht nicht zu modern zu sein, was einen warmen Kontrast zu den linearen Formen der grafischen Gestaltung herstellt.

Dieser Kontrast wird im Schriftbild widerrum durch die Schrift „Apercu Mono Regular“ ein Stück weit aufgehoben, erinnert allerdings auch an eine gewöhnliche, vertraute Schreibmaschinenschrift. Verwandt wird die Schrift sowohl für die Produktbezeichnung, als auch sonstige informativen Texte auf der Verpackung.

Making of

Maß braucht Proportion. Verpackungsminiaturen für die Produktpräsentation