01 | Recherche & Diskussion

Zu Beginn des Semesters haben wir uns zunächst mit der Frage beschäftigt, was eine Werkschau eigentlich ist und welche Rolle sie erfüllt. Gemeinsam haben wir darüber diskutiert, für wen eine Werkschau gestaltet wird und welche Zielgruppen sie ansprechen soll. Ist sie nur für Designer:innen gedacht oder auch für Menschen außerhalb der Designszene? Diese Fragen haben den Einstieg in den Kurs geprägt und waren für mich besonders inspirierend.

Anschließend haben wir verschiedene Werkschauen und ähnliche Veranstaltungen aus aller Welt sowie frühere Werkschau-Kampagnen der FH Potsdam recherchiert und analysiert. Dabei haben wir vor allem die Plakate und visuellen Identitäten untersucht. Wir haben uns gefragt, warum manche Gestaltungen gut funktionieren und andere weniger. Welche gestalterischen Entscheidungen unterstützen die Kommunikation? Erreicht das Plakat seine Zielgruppe? Und wodurch wird ein Plakat eigentlich erfolgreich?

Dabei wurde deutlich, dass ein gutes Plakat nicht nur schön aussehen muss. Es sollte vor allem Aufmerksamkeit erzeugen, Orientierung geben und die Botschaft der Veranstaltung klar vermitteln. Diese Erkenntnisse bildeten die Grundlage für die weitere Entwicklung unserer eigenen Konzepte.

02 | Workshop

Nach der Recherche- und Diskussionsphase war es Zeit, die ersten Ideen praktisch umzusetzen. Dafür haben wir an einem zweiwöchigen Workshop mit Sascia teilgenommen. Der Workshop war für mich besonders interessant, weil wir mit sehr einfachen Mitteln begonnen haben, Plakate zu gestalten. Diese Einschränkungen waren zunächst herausfordernd, haben aber gleichzeitig die Kreativität gefördert.

Die Aufgabe war einfach: Alle fünf Minuten sollten wir ein neues Plakat entwerfen. Dafür stand uns eine vorbereitete InDesign-Datei mit wenigen Elementen zur Verfügung: Rechtecke, Kreise, Text in nur einer Schriftart und ausschließlich Schwarz und Weiß.

Mit diesen begrenzten Mitteln haben wir verschiedene Gestaltungsmethoden ausprobiert, zum Beispiel Skalierung, Wiederholung, Verzerrung, Rotation und den Einsatz von Transparenz. So entstanden innerhalb kurzer Zeit viele unterschiedliche Entwürfe. Insgesamt habe ich etwa zwölf Plakate gestaltet.

Natürlich waren die Ergebnisse nicht perfekt. Das war aber auch nicht das Ziel. Viel wichtiger war die Erfahrung, in kurzer Zeit Ideen zu entwickeln und zu lernen, wie viel sich bereits mit wenigen Elementen und einfachen gestalterischen Mitteln ausdrücken lässt. Dieser Workshop hat mir gezeigt, wie hilfreich Einschränkungen im Gestaltungsprozess sein können und wie schnell daraus neue Ideen entstehen.

Ergebnisse des ersten Tages

Zweiter Tag des Workshops

Am zweiten Tag des Workshops konnten wir unsere drei stärksten Plakatentwürfe auswählen und diese weiterentwickeln. Im Gegensatz zur ersten Übung durften wir nun auch Farben und Bilder einsetzen und unsere Konzepte freier ausarbeiten. Dadurch konnten wir die Ideen aus den ersten schnellen Entwürfen weiter verfeinern und ihnen eine klarere visuelle Richtung geben.

Die folgenden Entwürfe zeigen die finalen Versionen meiner zwei ausgewählten Plakate.

03 | Erste Ideen

Nach dem praktischen Teil des Workshops und den vielen Inspirationen aus dieser Phase habe ich begonnen, intensiv an eigenen Konzepten und Entwürfen zu arbeiten. Dabei habe ich drei unterschiedliche Ideen entwickelt.

1. Fokus auf das Auge / Gesicht

Die erste Idee entstand direkt aus dem Workshop. Im Mittelpunkt steht das Gesicht einer Frau, wobei der Fokus auf dem Auge liegt. Das Auge sollte eine Verbindung zum Begriff „Schau“ in Werkschau herstellen. Das Layout besteht aus klaren Blöcken und viel Weißraum, wodurch das Plakat ruhig und modern wirkt. Zusätzlich habe ich ausprobiert, wie sich das Konzept als animiertes Plakat umsetzen lässt.

2. Bewegung und Animation

Bei der zweiten Idee lag der Schwerpunkt auf Bewegung. Ich wollte bewegte Texturen als Hintergrund einsetzen und die Informationen zur Werkschau darüber typografisch platzieren. Ziel war es, die Möglichkeiten digitaler Medien stärker einzubeziehen und ein Plakat zu entwickeln, das auch als animierte Version funktioniert.

3. Typografie als Hauptmotiv

Bei der dritten Idee stand die Typografie im Mittelpunkt. Ich habe versucht, den Schriftzug „Werkschau“ als Wortmarke zu gestalten, die immer im Vordergrund des Plakats steht. Im Hintergrund bleibt viel Raum, der flexibel mit unterschiedlichen Bildern, Räumen oder Objekten aus den verschiedenen Designstudiengängen gefüllt werden kann. Die Idee dahinter war, ein Gestaltungssystem zu entwickeln, das leicht auf verschiedene Medien übertragen werden kann und gleichzeitig für Wiedererkennbarkeit und eine konsistente visuelle Identität sorgt.

Animated Poster

04 | Konzept

Nach dem Feedback von Susanne und Ronny zu meinen Entwürfen hat sich mein Konzept nach und nach konkretisiert. Die Grundidee entstand bereits während der Recherche zu Beginn des Semesters und entwickelte sich im Laufe des Kurses immer weiter.

Mich sprechen Gestaltungen besonders an, in denen Menschen oder Gesichter im Mittelpunkt stehen. Ich habe das Gefühl, dass solche Motive schnell Aufmerksamkeit erzeugen und eine emotionale Verbindung schaffen. Mein Blick richtet sich automatisch auf Menschen. Dadurch wirkt die Kommunikation für mich persönlicher und nahbarer.

Aus diesem Grund habe ich zunächst an meiner ersten Idee mit dem Gesicht einer Frau und dem Fokus auf das Auge weitergearbeitet. Im Feedback wurde jedoch eine wichtige Frage gestellt: Warum gerade diese Frau? Hat sie etwas mit unserer Werkschau zu tun? Warum nicht die Designstudierenden selbst?

Diese Fragen waren der Ausgangspunkt für mein endgültiges Konzept. Mir wurde klar, dass der wichtigste Teil der Werkschau nicht die Räume, Objekte oder Werkzeuge sind, sondern die Menschen dahinter. Natürlich können auch die drei Studiengänge, die verschiedenen Werkstätten oder typische Designobjekte die Werkschau repräsentieren und spannende Konzepte ermöglichen. Am Ende sind es jedoch die Studierenden, die all diese Arbeiten entwickeln und die Werkschau überhaupt erst möglich machen.

Deshalb habe ich den Fokus meines Konzepts auf die Designstudierenden gelegt. Sie stehen im Mittelpunkt der visuellen Identität, denn sie sind die Menschen, die ihre Projekte präsentieren. Wir sind die Werkschau.

Die Idee meines finalen Konzepts 

Designstudierende in Form von Schwarz-Weiß-Porträts (Headshots) zu fotografieren. Die Porträts werden in einem klaren Raster (Grid) nebeneinander angeordnet. Durch die unterschiedlichen Blickrichtungen und Kopfbewegungen entsteht der Eindruck, dass die Personen miteinander kommunizieren. So entwickelt das Plakat eine natürliche und lebendige Form der Interaktion, die den Austausch und die Gemeinschaft innerhalb der Werkschau sichtbar macht.

Als zweite Gestaltungsebene habe ich grafische Elemente in Cyan, Magenta und Blau eingesetzt. Diese Farben stehen für den gestalterischen Charakter unseres Designstudiengangs und verleihen der visuellen Identität einen eigenen Wiedererkennungswert. Gleichzeitig schaffen die grafischen Elemente Raum für Bewegung und Animation, sodass das Konzept nicht nur als statisches Plakat, sondern auch in digitalen und animierten Medien eingesetzt werden kann.

Stand in Zwischenpräsentation:

05 | Umsetzung

Der erste Schritt der Umsetzung bestand darin, das Layout des Plakats in InDesign zu entwickeln. Ich habe verschiedene Versionen ausprobiert, um die passende Anordnung der Porträts zu finden. Dabei habe ich mich mit Fragen beschäftigt wie: Wie viele Studierende sollen auf dem Plakat zu sehen sein? Welche Schrift passt am besten zum Konzept? Und wie lassen sich alle Elemente zu einer ausgewogenen Komposition zusammenführen?

Im zweiten Schritt habe ich das Fotostudio der Hochschule gebucht und die Fotosession organisiert. Dafür habe ich Designstudierende eingeladen und Schwarz-Weiß-Porträts aufgenommen, die später die Grundlage des Plakatmotivs bildeten.

Nach dem Feedback von Ronny kam noch eine weitere Idee hinzu. Anstatt eine heruntergeladene Schreibschrift zu verwenden, habe ich die Studierenden gebeten, den Satz „Wir sind die Werkschau“ mit ihrer eigenen Handschrift aufzuschreiben. Dadurch wirkt das Plakat persönlicher und authentischer. Aus den verschiedenen Handschriften konnte ich anschließend die auswählen, die am besten zum Gesamtbild des Konzepts passte.

Am Ende habe ich festgestellt: Meine eigene Handschrift funktioniert am besten. Nach all den Versuchen mit anderen Handschriften bin ich einfach bei meiner eigenen geblieben, manchmal ist die Lösung schon direkt vor der Nase :)

06 | Final Design

Poster

Party Poster

Raumplan

Animation

Sticker

Fassade

07 | Reflexion

Rückblickend war der Kurs für mich besonders interessant, weil der Prozess nicht direkt mit einer fertigen Idee begonnen hat, sondern mit vielen Fragen. Am Anfang haben wir uns damit beschäftigt, was eine Werkschau eigentlich bedeutet und welche Rolle eine visuelle Identität dabei spielt. Diese Diskussion hat meine Sicht darauf verändert, dass Gestaltung nicht nur bedeutet, etwas Schönes zu produzieren, sondern vor allem eine Kommunikation zwischen einer Veranstaltung und ihren Besucher zu schaffen.

Besonders wichtig war für mich die Recherchephase und der Workshop mit Sascia. Durch die Einschränkungen mit wenigen Gestaltungselementen habe ich gelernt, dass Kreativität nicht immer durch mehr Möglichkeiten entsteht. Manchmal helfen gerade Begrenzungen dabei, neue Wege zu finden und schneller Ideen zu entwickeln.

Während der Konzeptphase habe ich gemerkt, dass die wichtigste Frage nicht nur ist: „Was sieht interessant aus?“, sondern auch: „Was erzählt etwas über die Werkschau und ihre Identität?“. Meine erste Idee mit dem Gesicht einer fremden Frau hat mir gezeigt, dass ein starkes Bild allein nicht ausreicht. Die Frage, warum diese Person und welche Verbindung sie zur Werkschau hat, hat mich dazu gebracht, den Fokus neu zu setzen.

Dadurch entstand die Idee, die Designstudierenden selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Während des Prozesses wurde mir klar, dass die Werkschau nicht nur durch Räume, Werkzeuge oder Ergebnisse definiert wird, sondern vor allem durch die Menschen, die dahinterstehen. Die Studierenden sind diejenigen, die Ideen entwickeln, experimentieren und die Atmosphäre des Studiengangs ausmachen.

Die Umsetzung des Konzepts war ebenfalls eine wichtige Erfahrung. Besonders spannend fand ich die Fotosession mit den Studierenden, weil aus einzelnen Porträts langsam eine gemeinsame visuelle Sprache entstanden ist. Die Entscheidung, den Satz „Wir sind die Werkschau“ in einer echten Handschrift umzusetzen, verstärkt für mich die persönliche und menschliche Ebene des Konzepts.

Am Ende ging es weniger darum, eine Werkschau zu zeigen, sondern darum, sichtbar zu machen, wer sie gestaltet.