In meinem Buch „Irgendwo dazwischen“ bevölkern Wörter die Welt wie lebendige Wesen. „Leise“ flüstert durch Bibliotheken und Träume, „Laut“ singt, ruft und füllt ganze Räume, „Warum“ gehen niemals die Fragen aus und macht die Welt von allen ein bisschen größer. Sie geraten aneinander, verlieren sich, finden sich wieder und merken, dass es manchmal ein bisschen, wenig oder eben genau genug braucht. Zwischen Pausen, Ping-Pong-Echos und großen Warum-Fragen entsteht ein Spiel aus Gegensätzen: Mut und Zweifel, Tempo und Ruhe, Sicherheit und Abenteuer. Ein Buch über das Entscheiden, das Zögern, das Trotzdem – und darüber, wie unterschiedlich die Worte in uns und der Welt leben können. Dabei werden die Wörter zu Figuren mit Ecken, Stärken und Schwächen.

1. Ideenfindung

Zu Beginn sind wir mit drei Ideen gestartet und haben daraus weitere drei Ansätze entwickelt. Für mich war es dabei besonders spannend, mich bewusst auf den offenen Prozess einzulassen und die Entscheidung meinen Kommiliton:innen zu überlassen. Das war anfangs auch mit Unsicherheit verbunden – vor allem die Frage: Was, wenn mir die gewählte Idee am Ende gar nicht gefällt?

Im Nachhinein war genau dieser Schritt jedoch sehr wertvoll, weil er mich gezwungen hat, mich auf etwas einzulassen und diese Idee konsequent weiterzuentwickeln.

2. Figurenentwicklung

Relativ schnell habe ich begonnen, Charakterstudien zu meinen Figuren zu erstellen. Dieser Teil des Prozesses hat mir besonders viel Spaß gemacht, und ich habe gemerkt, dass genau hier meine Geschichte entsteht.

Die Charakterstudien wurden zunehmend zur Grundlage meiner Erzählung – der Text stand dadurch vergleichsweise früh fest. Für mich war das ein wichtiger Moment, weil sich gezeigt hat, dass ich eher über diese kleinen Charakterstudien zur Geschichte finde und nicht wie zuvor angenommen eher durch das Zeichnen.

3. Stilfindung und visuelle Sprache

Im nächsten Schritt ging es darum, eine visuelle Welt zu entwickeln:

Was möchte ich zeichnen? Und vor allem: Wie sieht mein eigener Stil aus?

Das fiel mir überraschend schwer. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, habe ich zunächst in Procreate mit verschiedensten Pinseln und Stiften experimentiert. Dieser Prozess hat viel Zeit in Anspruch genommen, war aber extrem hilfreich, um ein besseres Verständnis für Texturen, Linien und Ausdruck zu entwickeln.

Trotzdem blieb die Frage nach meinem Stil lange offen und hat mich auch immer wieder ausgebremst.

3.1 Das Farbkonzept

Parallel dazu ging es darum, eine zusammenhängende Welt zu erschaffen: Wie sehen die Umgebungen aus? Welche Farben dominieren? Was wiederholt sich visuell im Buch?

Das war für mich die größte Hürde im gesamten Projekt. Ich wusste oft nicht, wo ich anfangen sollte oder wie man systematisch eine Farbpalette entwickelt.

Irgendwann habe ich beschlossen, das Farbproblem zunächst bewusst auszuklammern und mich ausschließlich auf das Zeichnen zu konzentrieren. Ich habe alle Illustrationen zunächst in Schwarz-Weiß umgesetzt. Rückblickend war das genau der richtige Schritt, auch wenn das ursprüngliche Problem damit natürlich noch nicht gelöst war.

Im Anschluss habe ich viele Kinderbücher analysiert, Farbpaletten erstellt und wieder verworfen. Am Ende habe ich mich für eine Palette entschieden, bei der ich mir bis heute nicht ganz sicher bin, ob sie wirklich „die richtige“ ist – aber auch das gehört für mich inzwischen zum Prozess dazu.

3.2 Umsetzung und Buchbindung

Ein besonders schöner Teil des Projekts war die Arbeit in der Buchbindewerkstatt. Es war unglaublich spannend zu sehen, wie aus digitalen Illustrationen ein physisches Buch entsteht.

Dabei wurde mir aber auch bewusst, wie entscheidend die Druckumsetzung ist:

Wir haben auf sehr großporigem Papier gedruckt, wodurch viele meiner feinen Linien verloren gegangen sind oder „verschluckt“ wurden. Das hat den Gesamteindruck sichtbar verändert.

Wichtiges Learning:

Probedrucke sind essenziell – und extrem feine Linien funktionieren nicht auf jedem Papier.

Es ist immer noch ein sehr besonderes Gefühl, am Ende ein fertiges Produkt in den Händen zu halten und den gesamten Prozess von der ersten Idee bis zum gedruckten Buch erlebt zu haben.

4. Reflexion und Erkenntnisse

Abschließend lässt sich für mich festhalten, dass es völlig in Ordnung ist, nicht alle Seiten vollständig auszuarbeiten.

Auf der Kinderbuchmesse in Bologna die Arbeiten anderer Illustrator:innen und Autor:innen zu sehen, war gleichzeitig inspirierend und einschüchternd. Die Vielfalt an Stilen, Erzählweisen und Herangehensweisen hat mir aber auch gezeigt, wie viele unterschiedliche Wege es gibt, ein Kinderbuch zu gestalten.

Besonders beruhigend war die Erkenntnis, dass auch Skizzen und unfertige Seiten eine Geschichte überzeugend transportieren können. Oft machen sie den Arbeitsprozess sogar sichtbarer und laden die Betrachter:innen stärker dazu ein, die eigene Fantasie einzusetzen.

Ich habe gemerkt, dass genau diese Offenheit dazu beiträgt, dass sich eine Welt im Kopf entwickelt – manchmal sogar stärker als bei komplett ausgearbeiteten Illustrationen.

Das nehme ich definitiv für zukünftige Projekte mit: weniger Perfektionsdruck, mehr Vertrauen in den eigenen Prozess.

Ich bin sehr froh, Teil des Picture Book Labs gewesen zu sein, und freue mich darauf, weitere Bücher zu lesen, vorzulesen – und vielleicht auch selbst zu gestalten.