Berlinische Galerie und Humboldtforum

Noch bevor der Kurs richtig starten konnte, ging es erst einmal darum, erste Eindrücke und eigene Erfahrungen zu sammeln. Dafür hat jeder selbstständig die beiden Museen „Die Berlinische Galerie“ sowie „Das Humboldt Forum“ in Berlin besucht. Dort haben wir uns sowohl die Wirkung der jeweiligen Ausstellung als auch die Architektur genauer angesehen. In der Berlinischen Galerie findet man dabei vor allem moderne und zeitgenössische Kunst. Von Skulpturen über Fotografien, Gemälde und Installationen war alles dabei.

Ich hatte das Gefühl, ein gutes erstes Bild von Ausstellungen und deren Aufbau zu bekommen, indem man tatsächlich einmal intensiv darauf geachtet und sich Fragen gestellt hat wie:

„Wie wirkt das eigentlich gerade auf mich? Und warum?“

Dabei hatte man immer im Hinterkopf, was für eine große Rolle der Maßstab dabei spielt.

Im folgenden PDF-Dokument habe ich einige Eindrücke aus den Museen festgehalten.

Grundriss und Modellbau

Im nächsten Schritt des Kurses haben wir uns damit auseinandergesetzt, wie Maßstäbe im Fall von technischen Zeichnungen, wie in unserem Fall Grundrissen, gehandhabt werden. Dabei hat jeder von uns sein eigenes Zimmer ausgemessen und als Grundriss umgesetzt. Dieser war dabei im Maßstab 1:20, was bedeutet, dass alle tatsächlich gemessenen Werte durch 20 geteilt werden müssen, damit der Grundriss richtig gezeichnet werden kann.

Im Folgenden sieht man den Grundriss meines eigenen Zimmers.

Im nächsten Schritt ging es dann darum, das Zimmer als Modellbau umzusetzen. Dabei ging es weniger um Präzision als um das Erleben und das Entwickeln eigener Herangehensweisen an ein Projekt dieser Art.

Da das Zimmermodell im Maßstab 1:10 gebaut werden sollte, mussten alle Messungen zunächst umgerechnet werden und wurden dann auf Wellpappe übertragen und mit dem Cuttermesser ausgeschnitten. Im Folgenden wurden alle Einzelteile mit Kleber verbunden. Es hat sich für mich herausgestellt, dass Heißkleber als Verbindung für die Pappteile am besten und effektivsten funktioniert hat. Das Zimmer wurde dann wahlweise noch mit Möbeln etc. ausgestattet.

Insgesamt lässt sich sagen, dass das Projekt sehr viel Spaß gemacht hat. Mir hat besonders gut gefallen, wie das eigene Zimmer nach und nach zum Leben erwacht und man beginnt, es wiederzuerkennen. Mich hat das total fasziniert, gerade weil das eigene Zimmer einen so privaten Einblick bietet und man Möbel und Einrichtung verschieben und neu anordnen konnte. Vor allem konnte man es auch einmal von oben betrachten.

Im Folgenden zeige ich einige Einblicke in das fertige Modell.

Körpermaße im Raum

Die nächste spannende Übung bestand darin, unsere Körperteile auszumessen und möglichst eines zu finden, das „praktische“ Maße hat. Also beispielsweise einen Unterarm, der genau 20 cm lang ist, oder eine Schrittgröße von 1,5 m, damit wir uns danach einen Raum suchen konnten, den wir mithilfe dieser Körperteile ausgemessen haben. Danach haben wir unsere Messungen mit einem elektrischen Entfernungsmesser nachgeprüft.

Aufgefallen ist: Viele der Ergebnisse waren überraschend präzise. Falls man also mal nichts zur Hand haben sollte, ist diese Methode einen Versuch wert.

Im Folgenden sind meine Messwerte zu sehen.

Kartographie nach Gefühl

Während genaues Messen, Umrechnen und insbesondere Kartografieren meine persönlichen Hassaufgaben sind, war diese Methode ganz anders, sehr intuitiv und dadurch irgendwie angenehm. Es sollte vom Gelände der Fachhochschule eine Karte erstellt werden. Jedoch diesmal komplett OHNE etwas vorher gemessen zu haben. Es ging also viel mehr darum, wie groß oder klein sich bestimmte Gebäude für uns anfühlen, wo wir sie auf der Karte verorten und wie viele Gebäude es eigentlich noch gleich gibt?

Im Folgenden ist mein Ergebnis zu sehen.

Gefühle und Collagen

Als nächstes größeres Projekt war es unsere Aufgabe, eine Collage zu erstellen. Dafür haben wir alle Zeitungen, Prospekte und sonstige Printmedien mitgebracht und daraus eine Collage zu unseren Schwächen und Stärken erstellt.

Ich habe mich dazu entschieden, mich auf eine Schwäche und gleichzeitig Stärke zu fokussieren und eine Collage über das Thema Hochsensibilität zu gestalten.

Ich habe dafür vor allem zwei Farben gewählt, nämlich orangene, warme Töne und auf der anderen Seite graue, dunklere Töne. Denn hochsensibel zu sein bedeutet auf der einen Seite, viel zu empfinden, kleine Momente wahrzunehmen und Untertöne zu spüren, und auf der anderen Seite eben auch, überstimuliert und überfordert zu sein, viel Ruhe zu brauchen und vielleicht auch Einsamkeit zu empfinden. Es bedeutet für mich aber auch eine große Verbundenheit mit der Natur, Tieren, Pflanzen und Wetterphänomenen. All das habe ich versucht, in der Collage rüberzubringen. Beide Seiten zu zeigen, umrandet von einer organischen, aber eckigen Form, die die Unruhe, Verletzlichkeit und Formbarkeit von Hochsensibilität widerspiegelt.

Im Folgenden zeige ich meine Collage.

Wie würde eine Collage aussehen, die das Gefühl „Unsicherheit“ ausdrücken soll? Genau diese Frage habe ich mir für diese Methode gestellt. Jede und jeder durfte verdeckt eine Emotion oder ein Gefühl ziehen, das wir dann mit nach Hause genommen und dafür eine Collage erstellt haben. Sei es eine klassische digitale Collage oder ein Sammelsurium aus Gegenständen, Materialien, Musik etc.

Im Folgenden sieht man meine Collage. Hättest du das Gefühl erraten?

Legende: 

Material - Spiegel

Song - Nur wenn (Luna)

Jahreszeit - Frühling, April

Form - organische Form

Outfit - baggy, einhüllend

Angewohnheit - nervös an Kette spielen

Ort - Klippe

Farbe - grau

Situation - Reisen; alleine nach Hause fahren

Gestaltungsmittel

Nach allem, was wir nun gemacht hatten, stellte sich die Frage: „Was sind denn nun Gestaltungsmittel, die eingesetzt werden können, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen?“

Wir haben einige gesammelt.

Durchblick

Vor allem in Potsdam, in den historischen Gärten, wie den Gärten rund um Sanssouci, aber auch in ganz alltäglichen Dingen lassen sich sogenannte Sichtachsen finden. Bewusst oder unbewusst gesetzte Schneisen, z. B. zwischen Bäumen oder in der Architektur, die häufig spannende Kompositionen erzeugen oder Gebäude in Szene setzen, die vorher von einem bestimmten Ort nicht sichtbar gewesen wären.

Ausgestattet mit unserer Handykamera haben wir uns auf dem Gelände der Fachhochschule auf die Suche nach diesen Sichtachsen begeben.

Im Folgenden sieht man eine Auswahl der dabei entstandenen Fotos von Joelle und mir.

Raumarbeit in Werder und Namensfindung

Nun ging es endlich an unser Endprojekt: die Gestaltung einer eigenen Ausstellung. Dafür stand uns eine Halle in Werder zur Verfügung. Diese haben wir besucht, uns alles angeschaut und erste Raumerfahrungen in Form von Meditation, Aufstellungsspielen und dem Spannen von Wollfäden durchgeführt, um den Raum besser kennenzulernen und erste Ideen zu entwickeln.

Beim Spannen der Wolle hat sich jede Zweiergruppe erneut eine Emotion ausgesucht und diese dann versucht, in Form von Wollfäden im Raum darzustellen.

Im Folgenden sieht man unsere Installation „Unsicherheit“ von Joelle und mir sowie erste Raumeindrücke.

Nun galt es den richtigen Namen für unsere Ausstellung zu finden. Nach langem Brainstorming kam die Idee uns dem Thema Vergangenheit, Kindheit und Erinnerung zu widmen. Welcher Titel passt da besser als:

„Fundament Erinnerung“??

Ausstellungsstück Idee und Umsetzung

Die Frage war nun also: „Was stelle ich passend zum Thema aus?“

Nachdem ich meine erste Idee, mit Klebeband im Tape-Art-Stil etwas an die Wand zu bringen, verworfen hatte, da zu wenig Zeit für die Anbringung zur Verfügung stehen würde und außerdem das Klebeband jeglichen Putz von der Wand holte, entschied ich mich dazu, ein ebenso großes Bild zu gestalten.

Dafür wollte ich mich an Kinderzeichnungen von früher anlehnen, die damals noch an den Kühlschrank geheftet wurden und nun in einem Karton auf meinem Schrank vergammelten. Ich wollte diesen Kunstwerken die Chance geben, einmal richtig angeschaut und ausgestellt zu werden. Denn während man diese Bilder meistens einfach irgendwann wegschmeißt und ihnen keine weitere Beachtung oder Wertigkeit schenkt, vergisst man ganz, dass ohne diese ersten Kunstversuche heute nicht so viel Erfahrung da wäre, wie man sie vielleicht mittlerweile hat. Ich finde also, man sollte seine früheren Werke, anfänglichen Versuche und Kunstwerke wertschätzen, ihnen Raum und Zeit zur Interpretation geben und in diesem Fall vielleicht sogar ein komplettes Ausstellungsstück widmen.

Daher kommt auch der Name für mein fertiges Projekt: „Kühlschrankkunst“.

Des Weiteren habe ich mich an einen frühen Kindheitstraum erinnert, der bis heute unerfüllt blieb. Nämlich mein Bedürfnis danach, den scheinbar unendlichen Platz der Wände in der eigenen Wohnung auszunutzen und seiner Kreativität einfach direkt auf der Tapete freien Lauf zu lassen. Daher fließt für mich außerdem auch der Entstehungsprozess des Kunstwerkes in das Endergebnis mit ein. Denn während ich die Motive auf die Tapete gebracht habe, war mir, als käme eine jüngere Version von mir wieder zum Vorschein. Ich bin im Prozess einfach meiner Intuition gefolgt, habe meine Hände angemalt und gestempelt, mit Wachsmalstiften gekritzelt, bin immer wieder fast achtlos über das Bild gelaufen, habe nasse Farbe verteilt, Tee verschüttet, gespritzt und gekleckst. Und ich muss persönlich sagen: Ich hatte die beste Zeit dabei und würde es jedem empfehlen, der seinem kleinen, jüngeren Künstlerherzen einen Wunsch erfüllen möchte oder einfach mal intuitiv seiner Kreativität freien Lauf lassen möchte.

Wie man in den Fotos sehen kann, habe ich mich für eine Raufasertapete entschieden, die ich zunächst in gleich lange Bahnen geschnitten habe. Danach habe ich mir meine Vorlagen, also sprich meine eigenen Kinderzeichnungen, genommen, mir jeweils eine der gezeichneten Figuren oder Muster ausgesucht und diese dann auf die Tapete gemalt. Zunächst dachte ich, ich bemale einfach jede Bahn einzeln, doch es stellte sich schnell heraus, dass ich den Überblick über das komplette Werk brauchte, um es richtig gestalten zu können, denn es gab keine Skizze oder Ähnliches. Also wurde das Wohnzimmer kurzerhand zum Atelier und der Balkon zum Ort zum Trocknen erklärt und drauflos gemalt. Insgesamt habe ich ca. an drei Tagen einige Stunden an dem Bild gearbeitet.

Wichtig war mir außerdem, dass mein Name auf dem Bild auftaucht, denn als Kind habe ich, noch bevor ich wirklich Buchstaben kannte, gelernt, meinen eigenen Namen zu „schreiben“, und daraufhin beinahe jedes meiner Werke mit meinem Namen versehen.

Ausstellungsort

Nach unserer anfänglichen Raumarbeit in der Halle in Werder hatte ich mir bereits einen Ort ausgesucht, an dem mein Kunstwerk am Ende hängen sollte. Klar war, dass ich eine Wand mit viel Platz, wenig ablenkendem Hintergrund und guter Beleuchtung benötigen würde. Also wählte ich die größte freie Wand mit weißem Putz gegenüber den Fenstern. Hier sollte außerdem ein Ort zum Verweilen entstehen. Ein Ort, an dem man stehen bleiben, das Wimmelbild betrachten und außerdem einen Blick in die schwarze Mappe werfen kann. Dazu komme ich im Folgenden.

Die Beschilderung

Zu einem Ausstellungsstück gehört auch immer eine passende Beschilderung, die das Konzept und die Idee möglichst klar macht oder einen Denkanstoß liefert. Ich habe mich zum einen für einen sehr reduzierten Beschreibungstext entschieden, ohne viel zu erklären, da ich den Betrachtenden keine Vorgabe machen wollte, was die Interpretation angeht, und trotzdem einen Denkanstoß liefern wollte.

Zum anderen habe ich mich entschieden, eine kleine Aufgabe hinzuzufügen. Ich habe mich nämlich entschieden, eine Mappe, gefüllt mit all den Referenzbildern, also den originalen Kinderzeichnungen, dazuzulegen. Darin befanden sich Bilder, die ich tatsächlich auch verwendet hatte, aber auch Bilder, die es nicht auf die Tapete geschafft haben. So entstand ein spannendes Suchspiel, das die Besucher*innen dazu anregte, interaktiv mit meinem Werk zu interagieren und in der Mappe und auf der Tapete nach den Motiven Ausschau zu halten.

Dafür hatte ich mich entschieden, ebenfalls einen Sessel etwas entfernt vor das Bild zu stellen, wo man sich entspannt Zeit nehmen konnte, in die Mappe zu schauen.

Im Folgenden zeige ich meine Beschilderung. Die ersten zwei hingen im A6-Format neben der Tapete. Die dritte Beschilderung befand sich direkt auf der Mappe.

Die Frage „Wer bin ich, wenn meine Kunst am Kühlschrank hängt statt in einer Ausstellung?“ kann so interpretiert werden, dass der Satz einen Denkanstoß in Richtung der eigenen Kunst wertzuschätzen und sie nicht mit anderen zu vergleichen gibt. Er fragt quasi auf eine etwas freche Art und Weise, was man denn noch wert sei, wenn die eigenen Werke eben nicht in einem Museum hängen.

Man kann darauf mit „nichts“ antworten oder man antwortet mit „jemandem, der sich gerade noch auf einem Weg befindet“ oder auch „jemandem, der die Bestätigung von außen nicht braucht oder gar nicht als erstrebenswert empfindet“. Denn zählt am Ende nicht eigentlich viel mehr, was man für sich persönlich erreicht hat? Und ist ein Kind, dessen Kunst am Kühlschrank hängt, nicht ein gesehenes Kind? Eines, das kreativ und frei ist und damit die Grundlage für eventuellen späteren Erfolg setzt?

Irgendwo hat die Frage außerdem eine ironische Note, da neben dem Zettel, der diese Frage stellt, eben genau diese „Kühlschrankkunst“ nun in einer Ausstellung hängt. Also quasi „alles erreicht hat“. Und es zeigt vielleicht auch ein kleines bisschen, dass dieser vermeintliche Traum jedes Künstlers am Ende auch nichts bedeutet, wenn man den Prozess, der dorthin geführt hat, nicht genossen oder wertgeschätzt hat.

Die Mappe

Im Folgenden sieht man den Ort, wo sich die Mappe bei der Ausstellung befand (nämlich wie erwähnt auf dem grünen Sessel, der vor meinem Kunstwerk platziert war), sowie den Inhalt der Mappe im PDF.

Tag der Ausstellung

Unsere Ausstellung „Fundament Erinnerung“ fand am 16.07.2026 in der Halle in Werder in der Eisenbahnstraße 73 statt. Wir hatten wundervolles Wetter. Um 17 Uhr ging es mit dem Aufbau los. Die letzten Feinschliffe mussten noch gemacht werden. Hier und da musste noch ein Ausstellungsstück positioniert oder aufgebaut werden.

Wir hatten uns außerdem überlegt, ein kleines Buffet für unsere Gäste zu organisieren. Es gab einige Getränke sowie Süßigkeiten und Snacks, die wir aus unserer Kindheit kannten und mit denen wir Erinnerungen verbunden haben.

Zusammen haben wir noch gegrillt. Um 18 Uhr kamen die ersten Besucher*innen. Familie, Freunde und Menschen aus der Fachhochschule. Alle waren sehr interessiert an der Ausstellung. Das Feedback war sehr positiv und auch ich fand es sehr interessant, mir die Ausstellungsstücke der jeweils anderen anzusehen.

Im Folgenden sieht man unser Ausstellungsplakat.

Hier zu sehen sind einige Eindrücke von der Ausstellung.

Hier noch ein kleiner Eindruck von meinem Ausstellungsstück. Ich fand es sehr süß zu beobachten, wie die Leute das Angebot mit dem Sessel genutzt haben und in die Mappe geschaut haben. Dabei ins Gespräch gekommen sind. Zusammen auf der Suche nach den Motiven.

Fazit

Insgesamt lässt sich über den Kurs sagen: Ich habe viele spannende neue Erkenntnisse gewonnen. Wir haben uns sehr viel praktischen Input angeschaut. Sei es das Basteln des eigenen Zimmers, das Gestalten von Karten, gemeinsames Brainstorming, der Besuch in der Abteilung für Restaurierung oder der Vortrag über Ausstellungsgestaltung. Alles davon war sehr interessant und hat gut aufeinander aufgebaut.

Besonders gut hat mir gefallen, wie frei wir in der jeweiligen Umsetzung waren. Ich hatte immer das Gefühl, dass es darum geht, für sich persönlich etwas mitzunehmen und nicht darum, den Ansprüchen eines anderen gerecht zu werden.

Die Ausstellung war meiner Meinung nach ein voller Erfolg und für mich ein Tag, auf den ich mich echt gefreut habe. Es hat mich echt stolz gemacht, meine Arbeit am Ende Familie und Freunden zeigen zu dürfen, und ich bin sehr dankbar für diese eigene kleine Ausstellung und für die Erfahrungen, die ich in diesem Kurs sammeln durfte.