Grundidee des Projekts
Uns wurde in diesem Kurs die auf den ersten Blick simple Aufgabe, gegeben mit gestalteten Objekten einen Pizzakarton zu füllen. Die Themenauswahl und Art der Umsetzung war dabei vollkommen frei wählbar.
Für mich stand relativ schnell fest, dass ich den Karton selbst dabei mitbenutzen wollte, und so kam mir die Idee ein Brettspiel zu gestalten, das gleichzeitig in dem Kartonaufbewahrt und auf der Innenseite gespielt werden kann.
Bei der Themenwahl für das Spiel fiel mir wie oft in diesem Studium eine Problematik in die Hände die mich während des Semesters auch privat sehr beschäftigt hat und es auch weiterhin tut: Die fast unmöglich scheinende Wohnungssuche in Berlin.
Angelehnt an das Spiel Mensch-Ärger-Dich-Nicht habe ich es mir zum Ziel gemacht ein Spiel zu kreieren, das einen definitiv zur Weißglut bringt. Und dabei trotzdem etwas Witz in das Thema bringt.
Damit entschied ich mich gegen eine informativ gestaltete Box, die die komplexen Hintergründe des Wohnungsmangels und Mietenwuchers in Berlin aufdröselt und für eine auf Emotionen gerichtete Vermittlung der Problematik.
So entstand: Error 030: Wohnung not found - Ein Spiel für alle, die ihrem Verwandten vermitteln wollen, wie schwer es wirklich ist in Berlin eine Wohnung zu finden - und für alle, die den Nervenkitzel und die Existenzängste vermissen, nachdem sie endlich eine Wohnung gefunden haben.
Spielbrett: Gestaltung des Kartons
Das Spielbrett symbolisiert eine Tour durch verschiedene Häuser, bei der Wohnungsbesichtigungen wahrgenommen werden. Das zentrale gestalterische Element ist eine digitale Collage aus unterschiedlichen Bildern von Hochhäusern in Berlin. Diese wurde gerastert, um eine Pixeloptik zu erzeugen, die darauf verweist, dass Wohnungssuche heute größtenteils digital stattfindet.
Der Laufweg der Spielfiguren sowie die einzelnen Felder sind durch Aussparungen markiert, die aus dem Motiv herausgearbeitet wurden. Auf der Innenseite ist die Collage farblich hinterlegt, sodass die Aussparungen deutlich sichtbar werden.
Diesen Entwurf habe ich mithilfe von Siebdruck und einer Farbrolle im Grafiklabor umgesetzt.
Fü die Außengestaltung der Box habe ich das Spielbrettmotiv ohne farbige Hinterlegung gedruckt und mit dem Titel in einem verpixelten Fensterrahmen ergänzt.
Spielkarten: Weiterführung der graphischen Elemente
Typographie und gestalterische Elemente
Ausgehend von der Collage, die das Spielbrett bildet, habe ich Textfenster gestaltet, die die Pixeloptik aufgreifen und so den digitalen Look weitergeführt haben. Als Kontrast dazu habe ich die Schrift Dunbar genutzt, die ich mit der Optik von Berliner Straßenschildern aus den 1920er-Jahren verbinde. Außerdem habe ich digitale, handgezeichnete Illustrationen in den Entwurf integriert.
Alle Spielkarten haben sich an diesem System orientiert.
Ich habe sie am Riso-Drucker mit den Farben Black, Yellow und Fluoreszenz Pink gedruckt. Die Rückseite der Karten habe ich vor dem Zuschneiden mit dem selben Sieb bedruckt, dass ich für das Spielbrett verwendet habe. So erhält jede Karte eine individuelle Rückseite. Da das Spiel ausschließlich vom Würfelglück abhängt, beeinflusst dies die Gewinnstrategie nicht.
Inseratkarten
Die 64 Inseratkarten zeigen unterschiedliche Wohnungsangebote mit Quadratmeterzahl, Mietpreis und Zusatzkonditionen, wie Mieter+ Exklusivität oder Renovierungsbedarf.
Die Titel der Inserate sind an Tatsächliche angelehnt.
Aktionskarten
Die 16 Aktionskarten kommen zum Zug, wenn die Spielenden auf einem !-Feld landen. Die auf Ihnen beschriebenen Ereignisse können die individuelle oder kollektive Situation maßgeblich verbessern oder verschlechtern. Gestalterisch kommen vor Allem hier die Illustrationen zur Geltung.
Profilkarten
Die Profilkarten bestimmen die Startbedingungen der Spieler. Gestalterisch kommen hier Illustration und mehrere Textfenster zusammen.
Spielgeld
Die Währung des Spiels sind wie in Echt auch Euro, die ich in der Gestaltungslogik des Spiels stilisiert und einem Textfenster ergänzt habe.
Anleitung
Um das Spiel Schlussendlich auch spielen zu können Bedarf es Instruktionen. Dafür habe ich eine Anleitung gestaltet, die alle gestalterischen Elemente des Spiels aufnimmt und auf Vordermann-und Rückseite den Ablauf erläutert.
Spielfiguren und Würfel
Spielfiguren
Als Spielfiguren habe ich Hände illustriert die an einen Cursor beim Klicken erinnern sollen. Sie korrespondieren jeweils zu einer Profilkarte, so können Spielende ihre Figuren unterscheiden. Die Illustrationen habe ich ebenfalls am Riso gedruckt. Damit sie besser handhabbar sind, habe ich die Hände ausgeschnitten und jeweils auf einen runden Spielstein geklebt, den ich aus gelber Fimo-Knete modelliert habe.
Würfel
Für das Spiel habe ich außerdem einen Würfel ausgewählt, der durch seine Form und den verwendeten Font in die Gestaltungslogik des restlichen Entwurfs passt.
Weiternutzung der gestalterischen Elemente
Mit dem Motiv des Spielbretts habe ich auch Plakate gedruckt. Im Nachhinein hätte ich mit diesem Motiv gerne noch experimenteller weitergearbeitet, aber wegen der Zeitknappheit lag mein Fokus während des Semesters erstmal auf der Fertigstellung des Spiels.
Reflexion
Am Anfang des Semesters hat mir Sven sehr deutlich gesagt, dass ich mir mit der Idee, ein Brettspiel zu entwickeln, viel vorgenommen habe. Damit hat er auch recht behalten, denn normalerweise arbeiten ganze Teams an der Entwicklung und Gestaltung solcher Spiele. Ich würde auch nicht behaupten, dass ich ein Spiel mit einer besonders interessanten Spieldynamik erschaffen habe. Trotzdem bin ich stolz darauf, dass ich meine Grundidee erfolgreich umsetzen konnte und ein Spiel entstanden ist, das Emotionen hervorruft – vor allem Frustration.
Bei der Arbeit an diesem Projekt habe ich außerdem viel Spaß daran gehabt, Formulierungen zu finden und kleine Witze in meine Karten einzubauen. Das ist etwas, das ich auch in zukünftigen Projekten beibehalten möchte.
Im gestalterischen Prozess habe ich in diesem Kurs eine neue Methode kennengelernt: zuerst ein Element zu entwickeln und es dann durch weitere, kontrastierende Elemente zu ergänzen. Es hat mich überrascht, wie stimmig und spannend die Ergebnisse dadurch geworden sind.
Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass ich mich schnell darauf fokussiert habe, ein einheitliches typografisches System für alle Spielkarten zu entwickeln. Dabei habe ich viel Zeit verloren, die ich auch für die Weiterentwicklung des Konzepts oder der Plakate hätte nutzen können. Trotzdem habe ich daraus mitgenommen, wie viel Freude es mir macht, solche flexiblen Systeme zu gestalten, und ich möchte das in anderen Kursen weiterverfolgen.
Alles in allem hat mir beim Arbeiten manchmal etwas Spontanität und Schnelligkeit gefehlt. Nichtsdestotrotz bin ich sehr zufrieden mit meinem Endprodukt.
PS: Eine Wohnung habe ich in der Zeit jedoch trotzdem nicht gefunden.