Brainstorming
Als Erstes stand die Frage, wo es denn eigentlich hingehen soll in diesem Semester. Zu Übersetzung kam mir viel in den Kopf, teilweise humorvoll, teilweise absurd – aber kein Thema, das mich irgendwie wirklich begeistert hätte. Trotz Startschwierigkeiten bin ich irgendwann auf den richtigen Weg gelangt: Filme/Serien synchronisieren: Mir ist super oft aufgefallen, wie viele Witze/Wortspiele in Serien oder Filmen durch die Übersetzung verloren gehen, da sie bei wörtlicher Übersetzung keinen Sinn mehr machen würden. In die andere Richtung fand ich es aber auch super interessant, wie dieses Nichtfunktionieren von Witzen gelöst wird, weil mir auch oft auffällt, dass der Witz in der deutschen Synchro dann ganz anders gebaut ist, aber im Kontext der Serie irgendwie trotzdem funktioniert.
Das als Thema meines Projekts fand ich einen guten Anhaltspunkt, allerdings fehlte mir da irgendwie die tiefere Ebene – bis ich dann auf die Idee gekommen bin, mir das ganze im Kontext von Sexismus anzugucken und gegenüber zu stellen.
Abstract
How I Met Your Mother ist Kult; nicht zuletzt wegen Dauerausstrahlung im Fernsehen hat so ziemlich jede Person schon einmal von Barney, Ted und Co. gehört. Grund genug für mich, die Serie einmal genau unter die Lupe zu nehmen. Das allerdings nicht bloß inhaltlich, sondern vor allem im Bezug auf die Übersetzung bzw. Synchronfassung: ich möchte genau vergleichen, inwiefern sich der Inhalt und Kontext der Serie ändern, wie Aussagen wahrgenommen werden, und wie sich beide Fassungen im Bezug auf Sexismus zueinander verhalten.
Dass Sexismus in der Serie ein großes Thema bzw. Problem ist, ist kein Geheimnis, dazu wird es sicherlich auch schon einige Analysen und Abhandlungen geben. Was ich allerdings noch viel spannender finde, ist zu untersuchen, inwieweit sich sexistische Aussagen bzw. Inhalte verändern, je nach dem, ob es die amerikanische Originalfassung oder die deutsche Synchronisation ist. Werden solche Inhalte direkt 1:1 wiedergegeben? Wird Sexismus reproduziert, abgeschwächt oder sogar verstärkt?
Von Natur aus werden zum Beispiel oft Wortwitze für die deutsche Synchronisierung ganz neu gebaut, da viele dieser Witze auf z.B. Ähnlichkeit von Wörtern basieren, welche sich aber nicht fürs Deutsche direkt übersetzen lassen. Stattdessen entsteht oft ein ganz neuer Witz, der zwar im Kontext der Serie noch Sinn ergibt, allerdings nichts mehr mit der Originalfassung zu tun hat. Wir sehen also, dass das synchronisieren von Serien oder Filmen keine neutrale Angelegenheit ist, sondern immer auch viel mit abändern, hinzufügen, neu kreieren und weglassen zu tun hat.
Die Idee
Über diese Thematik wollte ich gerne eine Publikation machen, in der ich Aussagen direkt gegenüberstelle: Hier habe ich jeweils auf der einen Seite ein Zitat in der Originalfassung und auf der anderen Seite in der deutschen Synchro aufgeschrieben, anhand welcher man gut sehen kann, dass die deutschen Übersetzungen sehr viel sexistischer kotnotiert sind. Außerhalb dieser Gegenüberstellung habe ich viele Texte geschrieben, in denen es um die Serie geht, um Sexismus, um Übersetzungsprozesse etc.
Gestalterisch ist das Projekt sehr minimalistisch gehalten, der Fokus sollte auf dem Inhaltlichen liegen.
In der Publikation habe ich mich auf zwei Schriften konzentriert, die einen schönen Kontrast zueinander bilden: Die ABC Ginto Nord für Titel und Überschriften, und die STIX Two Text, geschnitten in regular und italic, für Fließtexte und Zitate. Auf den Seiten mit den Gegenüberstellungen sind rechts oben und links unten angeschnittene Anführungszeichen – sie bringen ein optisches Gleichgewicht in die Komposition.
Die Publikation
Die Publikation ist eine 28-seitige Broschüre, gedruckt auf Lachsfarbenem Papier auf dem A3 Riso. Gebunden ist sie mit einer Fadenheftung.
Unabhängig davon, wie man die Serie inhaltlich bewertet, zeigt sich deutlich, dass sich alleine durch die Synchronisation die eh schon sexistischen Stereotypen nochmals intensivieren. Bei der Gegenüberstellung von Englischer und Deutscher Sprache gibt es ein großes Gefälle: Aussagen die im Englischen vom Wortsinn her eher neutral ausfallen bekommen in der deutschen Synchronisation eine Bewertung: so werden Begriffe wie „girl“ mitunter infantilisiert oder objektifiziert. Auch werden ganze Phrasen wie „we got two live ones“, welche im englischen eine umgangssprachliche idiomatische Redewendung ist, komplett umgeschrieben zu einer stark sexistischen Objektifizierung von Frauen, die in der deutschen Synchronisation nun als „Frischfleisch“ betitelt werden. Gerade solche Redewendungen gibt es häufig im Englischen, die sich weder wörtlich übersetzen lassen noch eine exakt passende deutsche Redewendung haben. Jedoch bedarf es hierbei einer bewussten Entscheidung eines Übersetzers, diese Redewendung so zu übersetzen.
Der gesamte Prozess des Übersetzens und Synchronisierens von Film und Serie ist sehr komplex und birgt viele Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, diesem Prozess mit der nötigen politischen und zeitgenössischen Sorgfalt vorzugehen. Sexismus in Film und Fernsehen reproduziert sich nicht bloß durch den Inhalt, sondern auch durch falsche oder unvollständige Übersetzungen.
Ich fand das Thema super interessant und wäre gerne auch noch tiefer in die Analyse gegangen, aber letztendlich stimmt es, dass wir keine Soziologie:innen sind sondern Designer und der Fokus in dem Kurs eher auf dem Gestalterischen liegen sollte. Nichtsdestotrotz bin ich sehr zufrieden mit meinem Ergebnis, ich glaube ich habe eine gute Mischung aus Inhalt und Gestaltung gefunden.