1. Ideenfindung
Für den Start unseres Projekts haben wir einen Rundgang durch das Museum der Dinge gemacht, um Ideen zu sammeln und uns inspirieren zu lassen. Schon am Anfang sind uns ein paar spannende Objekte aufgefallen, zum Beispiel ein Kuscheltier oder ein ganz normaler Kochlöffel. Auch wenn sie auf den ersten Blick unscheinbar wirken, stecken oft interessante Geschichten oder Designaspekte dahinter. Nach und nach haben wir uns dann auf zwei Objekte festgelegt, mit denen wir weiterarbeiten wollen: einen Wasserkocher und einen Handtuchspender. Beide sind aus dem Alltag bekannt, bringen aber genug Potenzial mit, um sie aus gestalterischer Sicht genauer unter die Lupe zu nehmen.
Wasserkocher
Handtuchspender
2. Objektwahl und Brainstorming
In unserem ersten Brainstorming zum Wasserkocher haben wir uns Gedanken darüber gemacht, wie alltägliche Handlungen (wie das Wasserkochen) bewusster und entschleunigter gestaltet werden könnten. Eine Idee war, das Wasserkochen nicht nur als funktionalen Vorgang, sondern als kurzen Moment der Ruhe und Achtsamkeit zu inszenieren.
Dabei entstand der Gedanke, dass der Wasserkocher nur durch Berührung aktiviert werden kann, idealerweise mit beiden Händen, um die volle Aufmerksamkeit der nutzenden Person einzufordern. Statt eines klassischen Knopfs stellten wir uns einen runden Leuchtring mit integrierten Sensoren vor, der durch sanfte Berührung aktiviert wird.
Der Ring könnte durch ein pulsierendes Licht ein ruhiges Atemtempo vorgeben, das zum Mitmachen und kurzen Innehalten einlädt. So würde schon vor dem eigentlichen Einschalten, in der sogenannten Pre-Interaction, ein bewusster Moment entstehen. Dieser Ansatz knüpft an das Konzept der „Explicit Slowness“ an, bei dem gezielt Langsamkeit in den Alltag eingebaut wird, um Gewohnheiten zu hinterfragen und neue Erfahrungen zu schaffen.
Im Feedback kam die Anregung, noch stärker über die Körperhaltung und Interaktion nachzudenken: Welche Position nimmt man ein? Wie könnte das Gerät dazu einladen, aus dem Gewohnten auszubrechen? Diese Überlegungen fanden wir spannend und nahmen sie als Impuls mit, um weiterhin offen und experimentierfreudig an das Konzept heranzugehen – ohne uns schon auf eine konkrete Umsetzung festzulegen.
Recherche
Nach dem ersten Brainstorming und dem erhaltenen Feedback haben wir uns intensiver mit der Frage beschäftigt, welche Haltung die Nutzer*innen beim Wasserkochen einnehmen sollen – sowohl körperlich als auch mental. Dabei ging es uns vor allem darum, eine Position zu finden, die selbsterklärend, entspannend und dennoch praktikabel ist. Der Wasserkocher soll nicht nur als funktionales Gerät verstanden werden, sondern als Einladung, für einen kurzen Moment innezuhalten.
Im Zuge dieser Überlegungen haben wir uns mit verschiedenen Teezeremonien und -kulturen auseinandergesetzt, die genau solche Momente der Achtsamkeit und Ruhe verkörpern. Besonders die japanische Teezeremonie war für uns ein wichtiges Vorbild. Ihre klare Struktur, die bewussten Bewegungen und die ruhige Atmosphäre haben uns inspiriert, auch in unserem Projekt nach einer ähnlichen Qualität der Interaktion zu suchen. Aber auch andere Traditionen, wie etwa die marokkanische Teekultur, gaben uns wertvolle Impulse für das Zusammenspiel von Ritual, Geste und sozialem Moment.
Anwendung auf unser Projekt
Statt Effizienz und Geschwindigkeit zu priorisieren, wollen wir die Präsenz des Moments betonen: die bewusste Körperhaltung, die ruhige Geste, das Mitgehen mit dem Licht. Unser Ziel ist es, nicht nur das Objekt zu gestalten, sondern auch das Set-up rundherum neu zu überdenken – also die Frage: Wo findet die Handlung statt? Wie bewegt sich der Körper? Was passiert mental in diesem kurzen Moment?
Diese Überlegungen führen uns dazu, das Wasserkochen als eine Art zeitgenössisches Ritual zu verstehen – als eine Pause im Alltag, die über reine Funktionalität hinausgeht und bewusst gestaltet werden kann.
Ein Brett aus Lärchenholz, ein Weidenast als Tischbeine, vier Schrauben, eine gekaufte Yogarolle, ein LED-Streifen, ein Wasserkocher (und ein bisschen Filmmagie) und fertig war der Modellbau des Endergebnisses.