Hintergrund und Kontext

In einer Zukunft, in der die Menschen auf ihre individualisierte Lebensführung fokussiert sind und in der veränderte Transportsysteme und digitale Infrastrukturen das Leben prägen, haben Menschen feste Wohnorte weitgehend aufgegeben und leben in permanentem Wechsel zwischen Städten, Ländern und virtuellen Räumen. Damit hat sich die romantische Beziehungswelt stark verändert. Das traditionelle Modell von einer dauerhaft physisch präsenten Beziehung ist überkommen, das Konzept der Fernbeziehung dominiert das Liebesleben der Menschen. Das Problem dabei ist: Langfristig ist es schwierig, eine Beziehung mit einer Person zu führen, die man nicht physisch bei sich hat. Chatting, Telefonate und sogar Videocalls reichen nicht mehr aus, um Nähe zu dem Beziehungsmenschen zu erleben. Wie kann mal also die Liebe auf Distanz erfahrbar machen?

Ich würde sagen, dass mir vor allem das Brainstorming zu Beginn geholfen hat, bei dem wir eine Mindmap zu den verschiedenen Themen erstellt haben. Dadurch konnte ich früh die Richtung „Fernbeziehung“ als meinen Schwerpunkt finden.

Außerdem habe ich mich mit der Studie von Thobias Held beschäftigt, die sich mit dem Überschreiten der vier Sinne auseinandersetzt – also mit der Ansprache der auditiven, visuellen, objektiven und haptischen Ebene.

Auch wenn mich einige Gespräche mit den Professorinnen zeitweise eher verwirrt haben, waren die vielen Ansätze und Inputs im Nachhinein sehr zielführend. Besonders hilfreich war auch der Austausch mit Kommiliton:innen.

Idee

Remote Presence ist eine Installation, die auf mehreren Ebenen Nähe herstellt: Man sieht, hört und fühlt die Beziehungsperson so, dass man sie fast schon bei sich hat. Zwei Sofaelemente simulieren zwei räumlich getrennte Wohnzimmer. Anfangs war es mein Plan diese Sofaelemente getrennt voneinander in unserem Aussrellungsraum -dem BHROX- aufzustellen. Um die Module herum sollte ein leicht transparenter, weißer Vorhang hängen, der die Szenerie abgrenzt.

In der Theorie wollte ich in Echtzeit eine Projektion der jeweils anderen Person auf den gegenüberliegenden Sessel beamen – mit einem Partikeleffekt aus TouchDesigner, sodass die Partnerperson visuell von der anderen „umgeben“ ist. Damit wollte ich Nähe auf einer tieferen Ebene herstellen und erfahrbar machen.

Idealerweise hätte ich außerdem gerne einen kleinen Vibrationsmotor integriert, der z. B. unter dem Sessel platziert ist und haptische Signale sendet, sobald sich auf dem anderen Sessel jemand bewegt.

Die akustische Ebene sollte durch kleine Mikrofone, in die die Partnerpersonen dem anderen durch flüstern, summen oder einfach durch den Atem Signale senden können, die bei dem anderen durch Lautsprecher ankommen.

Umsetzung

Da ich im Verlauf des Kurses alleine in meiner Gruppe war, viel die Planung und Vorbereitung dementsprechend herausfordernder.

Zuerst habe ich begonnen, mit dem Programm TouchDesigner zu experimentieren. Mithilfe von Tutorials habe ich dann den Partikeleffekt programmiert, der auf Live-Videos über die FaceTime-Kamera des Computers angewendet wird. Im Laufe der Vorbereitung habe ich den Effekt mehrfach angepasst und verfeinert. Zusätzlich musste ich mich hauptsächlich um die Technik kümmern. Leider habe ich es erst kurz vor der Ausstellung geschafft, die gesamte Technik zu organisieren. Es war natürlich auch schwer einen wirklichen Probeaufbau zu machen, ohne an dem finalen Ausstellungsort zu sein. Vor Ort war der Aufbau dann ein ziemlich langer Prozess und es hat sich noch ziemlich viel der ursprünglichen Idee geändert. Zu meiner Ausstattung gehörten letztendlich: Zwei in der Höhe verstellbare Monitore, zwei Laptops, zwei Sofaelemente von Noah Living, zwei Webcams, zwei Stative und Mikrofons, zwei Lautsprecherboxen, 2HDMI-Kabel, 2 Stromkabel für die Laptops, Stromkabel für die Boxen, Kabel für die Webcams, zwei Schwarze Holzkisten als Abdeckung für die Laptops und die zwei weißen Vorhangsstoffe.

AR-Ebene: Die AR-Ebene habe ich in meinem Projekt bewusst ausgelassen, da die Projektionsebene bereits eine starke technische Wirkung hatte. Außerdem war meine Arbeit ohnehin als Installation angelegt, bei der die Interaktion mit den Besuchenden im Vordergrund stand.

Aufbau

Am Ende waren es zwei Sofamodule die sich gegenüber standen, jedoch zwei mit der Rückseite zueinander gekehrten großen Monitoren getrennt. Die weißen Vorhänge dienten rein ästhetischen und raumtrennenden Zwecken.

Gestaltung

Gestalterisch war bei mir vorallem der Effekt auf Touch Designer druchdacht. Die Silhouette des anderen sollte durch die Partikel und das Leichten atmosphärisch erscheinen, was wiederum ein Gefühl der Nähe auslößen sollte. Natürlich auch um das Bild von einem reinen Videocallbild wegzulenken. Außerdem spielte mir ein Effekt von der FaceTime Kamera noch gut in die Karten: Wenn der gegenüber mit beiden Händen ein Herz formt (🫶🏻) kam beim Gegenüber rote Herzen aus der Hand geströmt. So konnte man sich gegenseitig noch „ein Zeichen der Liebe“ senden. Die Farbe der Sofas habe ich ausgesucht, um die Szene möglichst schlicht zu halten. Die kleine Farbbstufung der Module soll jedoch die getrennten Wohnräume vermitteln.

Reflexion und Potenzial

Ich muss sagen, dass ich am Ende trotz vieler Komplikationen sehr Stolz auf das Ergebnis meines Projektes war. Vorallem wegen des interaktiven Aspektes meiner Installation gab es viel Raum für die Ausstellungsbesuchenden, sich näher mit meinem Objekt und somit Thema zu beschäftigen. Allerdings würde ich tatsächlich sehr gerne meine ursprüngliche Idee mit räumlich entfernten Sofamodulen und Projektion auf Stoffe umgesetzt sehen. Ich glaube diese Version wäre noch optimaler gewesen. Im Endeffekt hat es mich sehr weitergebracht, ein Projekt selbst auf die Beine gestellt zu haben. Auch wenn ich zwischendurch sehr oft gerne einfach aufgegeben hätte, bin ich stolz, dass am Ende etwas dabei herauskam. Außerdem habe ich gelernt, dass Vorbereitung sehr wichtig ist und vorallem wenn man alleine ist, alles ins kleinste Detail durchdacht werden muss. Vorallem, wenn es um so eine technische Installation geht, wie es bei mir der Fall war. Außerdem hat mich das Projekt motiviert weiter mit Touch Designer zu arbeiten und Dinge auszuprobieren.

Vernissage