Abschlussprojekt - Eine Analyse zur Barrierefreiheit von Paketstationen

Themenfindung

Während des Kurses haben wir Tools zur Analyse von Design und Produkten erhalten. Mit diesen lassen sich Barrieren identifizieren und kategorisieren, die durch das Design entstehen. Dieses Tool wollte ich unbedingt nutzen, um bestehende Produkte zu analysieren, mögliche Verbesserungen vorzuschlagen und meine Ergebnisse als Abschlussarbeit des Kurses zu präsentieren.

Durch einen Freund kam ich auf das Thema Packstationen, da er damit viele Schwierigkeiten hatte. Ich selbst hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nie einen Paketautomaten genutzt, sodass ich darin eine gute Gelegenheit sah, mich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Letztendlich entschied ich mich, Packstationen mit dem Schwerpunkt auf den größten Anbieter in Deutschland – DHL – zu untersuchen. Da das Thema sonst zu umfangreich geworden wäre, habe ich es gezielt eingegrenzt. Die Form der Abschlussarbeit war frei wählbar, und ich entschied mich für eine Plakatserie in Kombination mit einem Ausstellungskonzept, in dem die Plakate präsentiert werden können.

Umsetzung

Für die Umsetzung des Projekts standen etwa eineinhalb Monate zur Verfügung, was eine konzentrierte und fokussierte Arbeitsweise erforderte. Um alle Informationen strukturiert festzuhalten, habe ich ein digitales Whiteboard erstellt, auf dem ich meine Ergebnisse dokumentierte.

Recherche

Die Umsetzung begann mit einer umfassenden Recherche zum Thema Paketautomaten. Dazu habe ich zahlreiche DHL-Webseiten, Erfahrungsberichte sowie Fach- und Herstellerseiten analysiert und die wichtigsten Informationen zusammengefasst. Ergänzend zur Online-Recherche habe ich verschiedene Paketautomaten vor Ort besucht und Testbestellungen aufgegeben. So konnte ich mir ein eigenes Bild von den Abläufen machen und sämtliche Schritte fotografisch sowie schriftlich dokumentieren.

Octokit / Anticipation Map

Die gewonnenen Informationen und Erfahrungen habe ich anschließend mithilfe des Octokit-Tools unserer Lehrperson Jolanta Paliszewska strukturiert. Dieses Tool ermöglicht es, Barrieren in einem Oktogramm sichtbar zu machen und gezielt nach Lösungen zu suchen. Das Oktogramm unterteilt Barrieren in folgende Sektoren: Verstehen, Kommunizieren, Hören, Stressoren, Partizipation, Ängste, Sehen und Fortbewegung. Durch diese Einteilung lassen sich Probleme systematisch erfassen und gezielt Lösungsansätze entwickeln.

Plakat Gestaltung

Auf Basis der Erkenntnisse aus dem Octokit und meiner Recherche begann ich mit der Gestaltung der Plakatserie. Mein Design sollte sich an der visuellen Gestaltung von DHL orientieren. Daher habe ich deren online zugängliche Designrichtlinien studiert und Elemente daraus für meine Plakate modifiziert und verwendet. Zusätzlich habe ich Bilder anderer verfügbarer Paketautomaten in Deutschland eingebunden und ein 3D-Modell meiner optimierten Version erstellt.

Online Präsentation

Leider konnte ich meine sechsteilige Plakatserie nicht wie geplant in Präsenz vorstellen und musste kurzfristig eine digitale Variante erstellen. Statt eines Ausstellungskonzepts bereitete ich daher eine Online-Präsentation für die Videokonferenz vor. Um den Zeitrahmen nicht zu sprengen, habe ich meine Ergebnisse in der Präsentation gekürzt, da sie ursprünglich darauf ausgelegt waren, von den Betrachtenden selbst gelesen zu werden.

Die Plakatserie

Die Plakatserie besteht aus drei mal zwei A3-Seiten, die sowohl nebeneinander als auch untereinander aufgehängt werden sollen. Ergänzend gibt es kleine A4-Infoblätter mit Zitaten und Zusatzinformationen.

Die visuelle Gestaltung orientiert sich an DHL, um eine direkte thematische Zuordnung zu ermöglichen. Dafür habe ich einen Hintergrund in DHL-Gelb gewählt, rote Akzente für Überschriften und Hervorhebungen genutzt sowie die typische DHL-Schriftfamilie eingesetzt. Zusätzlich sind einige DHL-Piktogramme enthalten, die ich themenspezifisch ausgewählt und angepasst habe.

Erstes Plakat

Das erste Plakat dient dazu, die Aufmerksamkeit der Betrachter zu gewinnen. Dies wird durch eine große Headline und Piktogramme erreicht. Anschließend erhält der Leser einen Überblick über die aktuelle Lage von Packstationen in Deutschland. Die zweite Seite enthält eine kurze Marktanalyse anderer Paketautomaten in Deutschland sowie einen Vergleich der unterschiedlichen DHL-Packstationen.

Zweites Plakat

Das zweite Plakat behandelt bestehende Barrieren und mögliche Lösungsansätze. Die erste Seite unterteilt die identifizierten Barrieren in physische, kognitive, sensorische und technologische Barrieren – basierend auf meinen Erkenntnissen aus dem Octokit.

Auf der zweiten Seite werden Lösungsansätze vorgestellt, die aus Österreich stammen. Dort arbeitet die Post eng mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband zusammen und hat bereits gute barrierefreie Lösungen entwickelt. Außerdem wird der Amazon Locker als fortschrittlichere Alternative in Deutschland thematisiert, der zwar barriereärmer ist, aber noch Verbesserungspotenzial hat.

Drittes Plakat

Das dritte und letzte Plakat zeigt meine optimierte Packstation als 3D-Rendering. Ich gehe dabei konkret auf die Fächer, die Bedienoberfläche, digitale Verbesserungen sowie eine barriereärmere Nutzung ein. Zudem wird verdeutlicht, dass mein Ergebnis nicht abschließend ist, da ich nicht die Möglichkeit hatte, mit Expert*innen zusammenzuarbeiten. Daher können noch nicht alle Barrieren vollständig erfasst und gelöst worden sein.

Allgemeine Reflexion

Der Kurs hat mein Bewusstsein für barrierefreies Design geschärft und meine Denkweise grundlegend verändert.

Learnings aus dem Tagebuch

Durch das Führen des Tagebuchs habe ich im Alltag gezielt auf Barrieren geachtet, wodurch ich ein stärkeres Bewusstsein für dieses Thema entwickelt habe. Diese bewusste Wahrnehmung hat mir geholfen, einen festen Standpunkt in Bezug auf Barrierefreiheit einzunehmen. Besonders bereichernd fand ich den Austausch mit meinen Kommiliton*innen im Kurs. Durch die Diskussion über verschiedene Designbeispiele wurde deutlich, wie viele problematische Designs existieren.

Learnings aus den Seminaren

Die Kursinhalte haben mein Wissen über Ableismus erweitert, und ich habe neue Begriffe wie Disability Dongle kennengelernt. Ich habe verstanden, dass ein gut durchdachter Designprozess Barrierefreiheit nicht als zusätzlichen Aspekt betrachten sollte, sondern als integralen Bestandteil. Ein zentrales Learning für mich war, dass die Berücksichtigung vielfältiger Nutzer*innenbedürfnisse von Beginn an im Designprozess stehen sollte. Nur so kann ein möglichst inklusives Design entstehen. Zudem wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, sich der eigenen Bubble bewusst zu sein. Der Kurs hat mir dabei sehr geholfen, dieses Bewusstsein zu schärfen.

Außerdem haben wir wertvolle Werkzeuge an die Hand bekommen, um Designprozesse reflektierter zu gestalten und auf Barrierefreiheit zu überprüfen – darunter das Octokit und die Arbeit mit Personas.

Learnings aus der Projektarbeit

Während der Projektarbeit konnte ich mein neu erlangtes Wissen direkt anwenden und hatte von Anfang an eine sensibilisierte Perspektive auf die Thematik. Dadurch sind mir Probleme aufgefallen, die anderen in Gesprächen über das Thema oft nicht bewusst waren. Gleichzeitig habe ich aber auch gemerkt, dass ich die Expertise von Fachleuten benötigt hätte, um ein noch umfassenderes Ergebnis zu erzielen.

Trotz Änderungen, wie der Umstellung auf eine Online-Präsentation, konnte ich mich gut anpassen. Die Präsentation selbst verlief sehr erfolgreich, da ich sicher in meinem Thema war und dadurch frei und überzeugend sprechen konnte – etwas, das mir sonst oft schwerfällt. Zusätzlich konnte ich durch passende Requisiten die Präsentation auflockern. Dennoch hoffe ich, meine geplante Ausstellung zur Werkschau 2025 wie ursprünglich vorgesehen umsetzen zu können.

Ausblick

Das Thema Barrierefreiheit wird mich auf meinem gesamten Weg als Designer weiterhin begleiten – und das ist gut so. Meiner Meinung nach sollte inklusives Design ein essenzieller Anspruch an gutes Design sein. Ich werde kontinuierlich dazulernen und die erlernten Arbeits- und Denkweisen in meine zukünftigen Projekte integrieren.

Inclusive Design Tagebuch - Was fällt mir im Alltag auf?

Nachfolgend findet sich mein Tagebuch, das im Laufe des Semesters entstanden ist. Darin habe ich festgehalten, was mir aufgefallen ist und welche Gedanken mich besonders beschäftigt haben. Diese Einträge haben meine Perspektive auf Barrierefreiheit im Alltag nachhaltig geprägt.

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Accessibility Hilfen von Apple

Apple bietet heutzutage die meisten nativ eingebauten Bedienungshilfen in mobilen Endgeräten. Diese reichen von der einfachen Sprachausgabe von Text, über die Steuerung des Geräts per Augen, bis hin zum haptischen Feedback bei Musik. Dies sind alles sehr gute Hilfen, um die Geräte und Inhalte zugänglicher zu machen, auch wenn dies nicht direkt von externen Designern eingebunden wurde.

Auf der Webseite von Apple werden die wichtigsten Bedienungshilfen sehr gut visuell vorgestellt: https://www.apple.com/de/accessibility/

Für mich persönlich ist die Bedienungshilfe, mit der man mittels Blick den Inhalt des Smartphones steuern kann, am beeindruckendsten. Solche Technologien gibt es schon seit mehreren Jahren, jedoch wurde dafür vorwiegend teures Equipment benötigt, mit speziellen Sensoren und gesonderter Software. Durch das neueste Update der iPhones wurde diese Bedienungshilfe eingeführt und funktioniert, obwohl kein extra Zubehör benötigt wird, erstaunlich gut. Damit sollte es für viele Menschen deutlich einfacher sein, das Smartphone zu benutzen.

Ich persönlich finde es sehr gut, dass Apple in diese Richtung viel in Forschung und Entwicklung investiert, um die Technik für alle Menschen zugänglich zu machen.

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Barrieren der Trams in Potsdam

Auf meinem Weg zur Uni ist mir heute Morgen eine große Barriere aufgefallen – allerdings erst, als es zu Schwierigkeiten einer anderen Person kam. Eine Person mit einem Kinderwagen wollte ein paar Stationen mit der Tram fahren. Die alten Potsdamer Trams sind jedoch mit sehr hohen Stufen ausgestattet, die nicht nur für mobilitätseingeschränkte Personen eine Herausforderung darstellen. 

Das Hereintragen des Kinderwagens benötigte drei Personen, was eigentlich nicht sein sollte. Da frage ich mich, wie solche Fahrzeuge noch immer im Stadtverkehr unterwegs sein können.

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Eine Barrierefreiere Treppe

Beim Einkaufen im Porta in Potsdam fiel mir diese ungewöhnliche Treppenkonstruktion sofort auf. Aus der Perspektive der Barrierefreiheit bietet sie jedoch nur begrenzten Nutzen und könnte für manche Menschen sogar zusätzliche Hürden schaffen.

Um eine Etage höher zu gelangen, muss man keine klassischen Stufen überwinden, sondern eine schräge Ebene hinauflaufen. Meiner Erfahrung nach ist dies jedoch recht unangenehm, und ich persönlich hätte eine herkömmliche Treppe bevorzugt. Zudem erscheint es fraglich, ob diese Konstruktion für Personen mit Kinderwagen oder Rollstühlen sicher nutzbar ist – sowohl bergauf als auch bergab.

Zwar gibt es in diesem Gebäude auch Aufzüge, dennoch wirkt die Treppe für viele Nutzer eher hinderlich und erschwert den Zugang zwischen den Etagen, anstatt ihn zu erleichtern.

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Barrierefreie Kabine?

Zu sehen ist eine Umkleidekabine in einem Jack & Jones Kleidungsgeschäft. Auffällig ist die deutlich größere Umkleidekabine mit breiter Öffnung und einem Handlauf, der vermutlich dazu gedacht ist, beim An- und Ausziehen zu helfen. Allerdings stellt sich unmittelbar die Frage, wie Personen im Rollstuhl den schweren Vorhang schließen sollen, der weit oben befestigt ist. Wurde diese Herausforderung bei der Konzeptionierung überhaupt bedacht?

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Eine Kasse für alle

Während des weihnachtlichen Einkaufsstresses fiel mir ein Schild an einer von vier Kassen im Supermarkt auf. Darauf wird Personen mit Kinderwagen, Rollstuhl oder ähnlichem empfohlen, diese Kasse zu nutzen, da die anderen Kassen schmaler gebaut sind und der Platz dort nicht ausreicht.

Es scheint, als wären diese Aspekte beim Bau des Supermarkts nicht ausreichend berücksichtigt worden, weshalb das Schild vermutlich nachträglich angebracht wurde. Allerdings ist dies keine zufriedenstellende Lösung, insbesondere weil diese spezielle Kasse gelegentlich gar nicht geöffnet ist und stattdessen nur die schmaleren Kassen zur Verfügung stehen. Wie sollen Betroffene unter diesen Umständen einkaufen?

„Bitte beachten Sie den Spalt zwischen dem Zug und der Bahnsteigkante“

Kürzlich wurde mir auf Instagram ein Video vorgeschlagen, das mich sehr schockiert hat. Darin ist zu sehen, wie eine Person im Rollstuhl versucht, aus einer S-Bahn auszusteigen. Um die Lücke zwischen Zug und Bahnsteig zu überwinden, muss Schwung geholt werden, um förmlich aus der Bahn zu springen. Auf dem Rücken trägt die Person ein Banner mit der Aufschrift: „Früher war die S-Bahn barrierefrei. Dann wurde der Bahnhof renoviert.“

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Schnell gemacht und schnell versagt

Aufgrund einer Baustelle wurde der Fußgängerweg über eine Straße umgeleitet – allerdings auf eine sehr halbherzige und schlecht durchdachte Weise. Um die Bordsteinkante zu überwinden, wurde eine Standardrampe eingesetzt. Diese Lösung weist jedoch erhebliche Mängel auf: Der Winkel ist einerseits zu steil, um bequem hinaufzufahren, und andererseits besteht beim Herunterfahren die Gefahr, in die Absperrung zu geraten. Eine 45-Grad-Rampe, die dem Verlauf des Weges folgt, wäre eine deutlich bessere und sicherere Lösung gewesen.