01_Idee

Ich habe mich schon immer für Textildesign interessiert und schon ganz lange mit dem Gedanken gespielt, meine eigenen Designs auf Stoff zu bringen. Es hat aber bestimmt noch mal zwei Jahre gedauert, bis ich endlich die Zeit und Motivation hatte, dieses Projekt anzugehen. Ich bin sehr wählerisch, wenn es um gedruckte Designs auf Textilien geht. Die ständige Suche nach den richtigen Designs und Schnitten hat mich irgendwann so genervt, dass ich das Ganze selbst in die Hand nehmen wollte.

Ich entschied mich dafür, meine Textilien secondhand zu erstehen, oder besorgte mir alte Shirts, Pullover, Hemden, Tops etc. von Freunden oder der Familie. Das hat mehrere Gründe. Erstens ging es natürlich darum, ein Gefühl für verschiedene Stoffe zu bekommen und wie man mit diesen und Siebdruck umgeht. Da bot es sich natürlich an, so wenig Geld wie möglich zu investieren, da Scheitern ja nach wie vor inklusive ist. Zweitens der Aspekt, dass ich natürlich kein Fan von Fast Fashion bin und mir keine Blankoklamotten billig bestellen wollte.

Meine ursprüngliche Idee bestand darin, mir Textilien mit bestehenden Designs zu besorgen, die mir zwar gefallen, aber noch ein bisschen mehr vertragen könnten. Mir gefiel die Idee, Unique Pieces zu designen, die das schon vorhandene Design eingliedern, aber zu etwas Neuem werden.

Mit dieser Idee stieß ich schon relativ früh an meine Grenzen, das Warum folgt …

02_Erste Vesuche

Ich fing also an, mir Textilien zu besorgen und anhand der vorhandenen Designs neue und ergänzende Elemente zu entwickeln, die ich mithilfe von Siebdruck auf das Textil bringen kann. Hier am Beispiel von diesem Casper-T-Shirt hat das auch sehr gut funktioniert. Erstmal war ich Feuer und Flamme für das Projekt und wollte unbedingt weitermachen …

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Hier zu sehen sind meine ersten Versuche des Projekts: das Casper-T-Shirt, eine kleine Tasche und ein Pullover, der öfters als Übungsmaterial genutzt wurde.

Wie zu sehen ist, hat der Druck auf der Tasche nicht gut funktioniert. Das Bleeding entstand, da ich nicht bedacht hatte, dass durch die Falten des Bodens der Tasche mein Sieb nicht plan auf dem Textil auflag. Durch den großen Abstand zwischen Sieb und Stoff wurde mehr Farbe durch das Sieb gedruckt als notwendig und zudem auch nicht nur da, wo ich sie haben wollte.

03_Prozess

Ich hatte zwar schon des Öfteren mit Siebdruck gearbeitet, auch vor dem Studium, dennoch blieb es dann immer bei einem oder zwei Sieben für ein kleines Projekt, und damit war es das dann auch wieder.

Was ich bei meinem Konzept aus den Augen ließ und anfänglich auch einfach nicht wissen konnte: Der Prozess vom Erstellen eines Designs bis zum druckfertigen Sieb dauert echt zu lange, wenn ich für jedes Textilstück ein individuelles Design anfertigen möchte.

Ich saß also stundenlang zu Hause und bereitete meine Designs vor. In der FH angekommen, wurde das Sieb beschichtet, das Design gedruckt und, sobald das Sieb trocken war, dieses belichtet, ausgewaschen und noch mal getrocknet. Das alles nur, um dann innerhalb von zwei Sekunden mein Textil zu bedrucken, und wenn ich Pech hatte, war der Druck nichts geworden. Das Risiko und die Arbeit waren mir einfach zu hoch und ich fühlte mich nicht wirklich in einem Workflow angekommen, der sich produktiv anfühlt. Des Weiteren fehlten mir durch diese Arbeitsweise auch die Übung und die Lernkurve beim Siebdrucken, die ich gerne gehabt hätte.

Also entschied ich mich dafür, Designs unabhängig zu produzieren und sehr viele Textilien einzukaufen. Vor Ort überlegte ich mir dann, welches Design zu welchem Kleidungsstück passen könnte, wo ich das Design positionieren könnte und welche Farben passen könnten. Nur ein Design oder mehrere?

Mit diesem Workflow fühlte es sich langsam so an, als würde ich eine Entwicklung machen. Nicht nur, dass ich besser verstand, wie ich mit dem Sieb und dem Stoff umgehen musste, also mal mehr Druck, mal weniger, sondern auch, wie ich mit bestimmten Erhöhungen im Textil durch Nähte oder Säume umgehe. Ich bekam ein Gefühl dafür, wie Designs an bestimmten Stellen des Kleidungsstücks aussehen und sich dem Körper anpassen oder eben auch nicht, was auch eine Entscheidung sein kann. Das machte mir richtig viel Freude.

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Einige Momente in den Druckprozessen festgehalten: vom Drucken, Heatpressen, Anprobieren, Design für Textil festlegen und Positionieren sowie Farbauswahl bis zum fertigen Druck.

Ich habe in den folgenden Monaten viel ausprobiert und auch sehr viel gelernt: Wie kann ich mögliche Fehldrucke retten und sie vielleicht sogar cooler aussehen lassen als die eigentliche Idee? Wie bekomme ich meine Designs an Stellen des Kleidungsstücks, die nicht leicht mit dem Sieb zu erreichen sind, sprich Stellen, die sich durch den Schnitt nicht flach auf den Tisch legen lassen?

Anfänglich hatte ich mich sehr stark auf Shirts und Pullover fokussiert, schnell kamen aber noch Poloshirts, Tops, Hemden und Krawatten dazu. An Hosen habe ich mich noch nicht versucht, was aber auch damit zusammenhängt, dass ich persönlich bedruckte Hosen sehr schnell hässlich finde.

Ich begegnete den unterschiedlichsten Stoffen und musste lernen, damit umzugehen. Was kann alles unter die Heatpress, um die Farbe im Stoff zu fixieren? Ich entschied mich gegen einen Kaltfixierer, der in die Farbe untergemischt wird. Dadurch ist diese aber nach einer gewissen Zeit nicht mehr benutzbar. Stoffe, die Elastan beinhalteten, raue Oberflächen, Wolle etc. stellten mich immer wieder vor neue Herausforderungen, die ich aber meistens gut meisterte.

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Das erste Bild ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein zunächst schlecht gelungener Druck gerettet werden kann und meiner Meinung nach im Nachhinein sogar noch viel besser als geplant aussehen kann. Glücklicherweise passt das auch zum Design. Alle anderen Bilder dokumentieren meine Ausbeute nach einem langen Tag im Grafiklabor.

Nachdem ich mehrere Monate von Secondhand zu Secondhand gerannt bin, auf Flohmärkten gesucht habe, meinen Kleiderschrank ausgemistet und auch einige Pieces von Freunden oder Familie zur Verfügung gestellt bekommen habe, war ich endlich fertig. 

Eine Gesamtanzahl von 25 bis 30 recycelten Pieces, die ich mir anfänglich vornahm und die mir zwischenzeitlich als Utopie vorkam, habe ich am Ende verdreifacht. 

Das gelang mir nur, weil ich viel Zeit im Grafiklabor verbrachte, aber auch die anfänglich gewünschte Übung, der Workflow und das Experimentieren endlich Früchte trugen.

Ich habe gemerkt, dass ich irgendwann aus Kostengründen aufhören musste, zu drucken. Obwohl ich versuchte, meine Kosten für die Textilien niedrig zu halten. Ich hätte am liebsten nochmal genauso viele gedruckt, weil ich so viel Freude dabei hatte.

04_Ergebnisse

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Hier zu sehen ist die gesamte Upcycling-Kollektion.

-> Informationen zu den Bildern:

Hier sind alle verwendeten Designs zu sehen.

05_ Shooting

Um die fertigen Pieces auch gut festhalten zu können, hatte ich mir vorgenommen, ein großes Shooting zu planen. Die Idee war, an verschiedenen Locations, in Berlin und auch außerhalb in der Natur, Portraits von Freund:innen zu machen. Da der Sommer aber schon vorbei war, ich unter Zeitdruck stand und ich mich so im Herstellungsprozess verloren hatte, konnte ich das Shooting bzw. die Shootings nicht mehr so durchführen, wie ich es geplant hatte. Ich entschied mich also klassisch für das Fotostudio. Die Vorteile: Alles ist an einem Ort, es ist warm, kein Schleppen von Equipment, große Auswahl an Blitzen, Lichtern etc., kein Ausfindigmachen von Spots, die mir gefallen.

Ich entschied mich dazu, den Frame auf den Oberkörper zu begrenzen, da ich praktisch nur Oberteile hatte, und somit mussten wir keine ganzen Outfits für das Shooting zusammenstellen. 

Da alles sehr kurzfristig war, hatten leider nur die Hälfte der Leute Zeit, die ich mir anfänglich für das Shooting gewünscht habe.

Ein riesiges Dankeschön an Sarah, Laurids, Levi, Alex, Fidelis und Anton!!

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Hier sind einige meiner Favoriten des Shootings.

06_Fazit und Ausblick

Wie schon oft beschrieben hat mir das Projekt super viel Freude bereitet!

Anfänglich hatte ich einige Probleme damit, wie genau ich das Projekt angehe, wie ich einen Workflow entwickle, der mir nicht nur Spaß macht und effizient ist, sondern auch an jedem Abend nach der Arbeit mit einem Erfolgsgefühl belohnt. Nach einiger Zeit hatte ich aber meinen Rhythmus gefunden. 

Ich habe nicht nur gelernt, besser mit Siebdruck umzugehen, sondern auch ein Gefühl für Stoffe bekommen und generell mein Modebewusstsein/Idealvorstellungen von Kleidungsstücken erweitert. Bis jetzt habe ich natürlich nur an der Oberfläche gekratzt, aber genau durch diese Arbeit habe ich Lust auf weitere Auseinandersetzungen und Vertiefungen mit dem Thema Textildesign bekommen.

Durch dieses Projekt habe ich gelernt, dass es eben nicht nur auf das Herstellen und den Prozess ankommt, sondern dass die Planung von Shootings etc. genauso wichtig ist und auch schon frühzeitig angegangen werden muss. Es bringt mir nichts, super Ergebnisse erzielt zu haben, wenn es dann an der Dokumentation und dem sinnbildlichen Schluss des Projekts durch das Shooting scheitert. 

In Zukunft werde ich mehr darauf achten und versuchen, mir mit Deadlines mehr Struktur und Planung zu geben.

Als Ausblick für zukünftige Projekte kann ich jetzt definitiv schon sagen, dass ich mich, wie anfänglich vorgenommen, lieber auf weniger, aber dafür ausgeklügeltere Designs beschränken möchte. Selbst einige Pieces aus secondhand gekauften Textilien anzufertigen, steht auch auf der To-do-Liste.

Kuss an alle, die mich bei diesem Projekt unterstützt und begleitet haben. Danke an Paul für die Betreuung!