Die App
Bedtime Story ermöglicht das Vorlesen von Gute-Nacht-Geschichten jetzt auch aus der Ferne und bietet dir damit die Möglichkeit, diese wertvolle Zeit auch aus der Distanz mit den Kindern zu verbringen. Die App bietet eine große Auswahl an kuratierten Geschichten, die du zusammen mit den Kindern entdecken kannst. Mit dem interaktiven Erzählmodus wird es dir leicht fallen, deine Zuhörer in den Bann zu ziehen. Werde für die Kleinen zum Alltagshelden!
Case Study
Einführung
Im Zusammenhang mit der raschen Ausbreitung von COVID-19 und den einhergehenden Einschränkungen rückt die Remote-Kinderbetreuung durch die Großeltern immer mehr in den Fokus.¹
Großeltern spielten bereits vor der sozialen Distanzierung eine große, aber leider oft unsichtbare Rolle in der Wirtschaft. Sie kümmern sich um ihre Enkelkinder, damit ihre erwachsenen Kinder arbeiten gehen können. In den USA betrifft dies ein Viertel der Kinder. Bemerkenswert ist, dass die Zufriedenheit der Großeltern mit dieser Situation bei 98% liegt. Mehr als vier von zehn Befragten geben an, seit dem Ausbruch häufiger von ihren erwachsenen Kindern oder Enkelkindern zu hören. 64% der älteren Erwachsenen gaben an, neue Technologien zu verwenden, um in Verbindung zu bleiben. Ungefähr zwei Drittel der über 65-jährigen sind mittlerweile online und ein Rekordanteil besitzt Smartphones.
Studien besagen, dass sogar Kleinkinder auf Video-Chat reagieren könnten und die American Academy of Pediatrics betrachtet den Live-Chat nicht als Bildschirmzeit.
Die Corona-Krise führt uns vor Augen, dass Menschen sich, meist aus medizinischer Notwendigkeit, in soziale Isolation begeben müssen. Gerade Kinder, die beispielsweise längere Krankenhausaufenthalte absolvieren müssen, fühlen sich einsam und vermissen die sozialen Kontakte zu Familie und Freunden. Der Bedarf für Remote Usage wird vor allem durch die Corona-Pandemie, aber auch durch die globalisierte Arbeitswelt, immer größer.
Unsere App soll daher, ganz im Sinne des Kursthemas, eine Brücke zwischen gemeinsamer sozialer Aktivität und physischer Distanz bauen.
¹) Quellen:
- Jargon, Julie: It’s Grandparents to the Rescue for Stressed Working-From-Home Parents, The Wall Street Journal (05.05.2020)
- Whitehurst, Lindsay: Grandparenting goes digital as coronavirus keeps older adults home, Chicago Sun Times (31.05.2020)
- Doleatto, Kim: Grandparents maintain communication during pandemic, Herald-Tribune (11.05.2020)
Analyse der sozialen Aktivität
Zunächst haben wir die ursprüngliche Aktivität des Vorlesens analysiert, um herauszufinden, was die Aktivität ausmacht und wie wir die verschiedenen Teilaspekte bestmöglich ins Digitale transferieren können…

Vorlesen ist ein intimes, gemeinsames Ritual von (Groß-)Eltern und Kindern, um die Kinder ins Bett zu bringen
Momente der Ruhe sind wichtig für beide Seiten, um zum Beispiel Fragen zu beantworten und Probleme zu besprechen
Vorlesen stärkt die Beziehung untereinander und fördert soziale Bindung
findet meist abends im abgedunkelten Kinderzimmer statt (es ist gemütlich und die Kinder fühlen sich geborgen)
Kinder nutzen ihre Imagination und werden animiert sich kreativ in die Erzählung der Geschichte einzubringen
Erste Ideen
Unser Ziel soll eine App für Eltern und Kinder sein, die mit an die jeweilige Zielgruppe angepassten Funktionen und Interfaces das Remote-Vorlesen ermöglicht. Als Kick-off für unser Projekt sammelten wir einige Ideen und Constraints für unsere App:
ein dunkles Interface soll die gemütliche Atmosphäre nachahmen und mithilfe von farblichen Akzenten Geborgenheit ausstrahlen
den Kindern beim Vorlesen ausreichend Raum für ihre Imagination lassen
kuratierte Geschichten-Bibliothek
Videochat zwischen Vorleser und Zuhörer um auch neben dem eigentlichen Vorlesen Freiraum für Interaktion zu bieten
Vorleser hat während der Vorlese-Session jederzeit volle Kontrolle über das Zuhörer-Device
Remote-Shutdown des Zuhörer-Devices durch den Vorleser, etwa nachdem das Kind eingeschlafen ist
Extra-Features für den Videochat, wie zum Beispiel Ausschalten des Mikrofons oder eigene Live-Hintergründe, falls die erforderliche Atmosphäre beim Vorleser nicht hergestellt werden kann
Wir haben natürlich auch verschiedene Aspekte gefunden, welche Remote gar nicht oder nur schwer abgebildet werden können:
körperliche Nähe, da die erforderliche Intimität im digitalen Szenario verloren geht
allgemeine Vorbereitung, wie z.B. der Weg ins Bett, muss bei Kleinkindern von einem anderem Elternteil oder Erwachsenen übernommen werden
Existierende Möglichkeiten
Um genügend Differenzierung zu existierenden Anwendungen zu schaffen und damit eine eigenständige Lösung zu schaffen, haben wir eine kurze Marktrecherche vorgenommen. Grundlegend kann man sagen, dass eigentlich alle Anwendungen im Bereich der Gute-Nacht-Geschichten, die wir gefunden haben, aich auf das gleiche Ziel konzentrieren. Es handelt sich um Lösungen, die den Eltern die Betreuung der Kinder abnehmen und diese versuchen so zu entlasten. Das Vorleseritual geht dabei als solches verloren, weil sich die Kinder allein in ihrem Zimmer beschäftigen, bis sie eingeschlafen sind. Den sozialen Austausch des Vorlesens, gemäß des Kursthemas, in den Mittelpunkt zu rücken, scheint ein innovativer Ansatz zu sein.

Research & Prototyping
Um die Anforderungen der Aktivität an eine potentielle App besser nachvollziehen zu können, haben wir die Aktivität mit existierenden Hilfsmitteln getestet und Erkenntnisse gesammelt. Beim Prototyping haben wir zwei Varianten ausprobiert: Das erste Mal haben wir über einen normalen Sprachanruf vorgelesen, um die Anwendung ohne Screen-Time zu testen. In der zweiten Runde haben wir das Vorlesen über einen Videoanruf getestet. Um die Perspektive von tatsächlichen Eltern einfließen zu lassen, haben wir ein Interview durchgeführt.










Die wichtigsten Erkenntnisse:
Kuratierte Vorschläge für Geschichten und das Anlegen einer eigenen Favoritenbibliothek wäre wünschenswert
Wunsch nach einer subtilen Möglichkeit der Beobachtung des Kindes, um zu sehen, ob es zuhört, von etwas besonders begeistert ist, schläft, desinteressiert oder sogar abwesend ist
Feedback des Kindes an das Elternteil ermöglichen und eventuell Mimik/Gestik einbeziehen (beispielsweise ein Tippen auf das Device des Kindes könnte im Interface des Vorlesenden angezeigt werden)
Charme des physischen Buchs gehört zum Vorlesen dazu: Das Papier riechen & fühlen, die Seiten umblättern, handgezeichnete Illustrationen. Können wir diesen Aspekt in die App übertragen?
Es ist schwierig gleichzeitig einen Text zu lesen und das Kind auf einem Video-Feed im Blick zu behalten: Multitasking auf einem einzigen Screen wäre wünschenswert
Ein Video-Feed des Elternteils auf dem Screen des Kindes lenkt von der eigentlichen Geschichte ab und ist weniger beruhigend als rein auditiver Input. Trotzdem stärkt es den sozialen Aspekt der Erfahrung. Kann das Video am Anfang vorhanden sein und während des Vorlesens verschwinden?
Die Altersspanne der Kinder scheint relativ groß zu sein (ca. 2½ bis 8 Jahre), die App sollte daher unterschiedliche Geschichten für die verschiedenen Altersgruppen ermöglichen: zum Beispiel kurze, bilderreiche Geschichten für Kleinkinder und komplexere, textreichere Geschichten für ältere Kinder.
Mögliche Features
Aus den gesammelten Erkenntnissen haben wir eine erste Feature-Liste erstellt:

Im Diskurs innerhalb des Kurses hat sich außerdem herauskristallisiert, dass die App nicht nur die soziale Aktivität möglichst adäquat nachbilden soll, sondern auch als Tool für ein kreativeres Erzählen von Geschichten fungieren soll. Die App soll dem Vorlesenden verschiedene Möglichkeiten geben, die er im ursprünglichen, analogen Szenario nicht zur Verfügung hatte. Beispielsweise könnten Geschichten mit variierenden interaktiven Inhalten untermalt werden, um sie so jedes Mal ein wenig anders erzählen zu können.