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Experimentelle Typografie

Experimentelle Typografie
Eine Geschichte des Jodelns, des Druckes, von der Befreiung starrer Regeln und der Suche nach mir selbst.

Unter der Kursbeschreibung und der Verbindung von experimentell und Typografie konnte ich mir anfangs wenig vorstellen. Jedoch war genau das der Auslöser, der mein Interesse für den Kurs weckte. Und erstaunlicherweise wurden meine Erwartungen in keinster Weise erfüllt. Sie wurden übertroffen.

Corita - Projekt: Der Start ins Ungewisse

100 Fotos in einer Woche. Dies war der Anfang unser experimentellen Reise. Fotos von Buchstaben, Wörtern, von jeglicher Typografie die einem auf inspirierende Weise den Weg kreuzt. Ohne großartig darüber nachdenkend, sondern einfach dem Herzen folgend.
Ich fing an die herumschwirrende Typo in meinem eigenen Zimmer zu erfassen und sah Dinge, über die ich mir vorher nie Gedanken gemacht hatte. Ob es nun das Punk ist tot Poster an der Wand war, dessen Schrift so morbide aussah oder die herumliegende Verpackung eines Tom-Tom-Riegels auf meinem zugemüllten Boden - alles wurde zur Quelle der Inspiration. Und zu dem Zeitpunkt wurde mir bewusst, was das magische an dieser Aufgabe war. Man braucht nicht viel, um Kraft für seine Projekte zu schöpfen und noch weniger um daraus die nötige Fantasie anzuregen, wenn man nur aufmerksam genug seine Umgebung betrachtet.

Mit Hilfe dieser Fotos sollten wir nun Schrift-Stancils basteln, um damit Plakate zu tupfen, sprayen oder was einem, ganz nach dem Motto experimentell und frei, noch so einfiel. Ich probierte aus, tupfte und schmierte mit Farbe herum und so entstanden die verschiedensten Ergebnisse mit ein und den selben ausgeschnittenen Wörtern. Denn es kam, und das bemerkte ich sehr schnell, nicht mehr grundsätzlich auf die Bedeutung des Wortes an, welches man drucken wollte, sondern vielmehr auf die Form, den Klang und die Gestaltung die hinter dieser Buchstabenreihenfolge stand.
Der Fantasie waren keine Grenzen mehr gesetzt.

M wie Mehr als nur ein Buchstabe

Ein Logo sagt mehr als 1000 Buchstaben. Oder so ähnlich.

Für die nächste Aufgabe sollten wir aus unseren Initialen ein Logo generieren.

Leicht viel mir diese Aufgabe allerdings nicht, da ich schnell ins Illustrative abrutschte. Jedoch fing ich nach geraumer Zeit an, mir diese Eigenschaft zu nutze zu machen, da es ja eigentlich darum ging, den eigenen Charakter im Logo zu verwirklichen.
Ich formte aus dem M eine Welle und generierte ein Logo für eine Badesachen-Marke.

Umbo Schmumbo: Alltagsdadaismus

2/3 des Semesters waren nun vorbei und ich entwickelte solangsam eine Abscheu gegenüber dem sturen auf den Bildschirm starren, Formen und Buchstaben rumschubsen und Bilder bearbeiten. Ich brauchte eine Auszeit von dem Ganzen.
Zu der Zeit drehten sich viele meiner Gedanken um den Dadaismus, angeregt durch meinen Kurzvortrag über Kurt Schwitters. Ich nutzte meinen letzten, durch den Kurs entstanden, Tatendrang und erstellte eine Plakatreihe die vordergründig eher für mich selber gedacht war, als unbedingt als Kursbestandteil zu gelten.

Der Alltagsdadaismus begleitete mich schon mein ganzes Leben, wenn auch eher umbemerkt. Da war zum einen das Plakat eines Bücherladens am Patz der Einheit in Potsdam, auf dem aus den Buchstaben von KRIMI völlig neue Worte generiert wurden. In meinem viel vergessenden Kopf blieb dadurch das Wort IMIKRIR (mit einem I zu viel)hängen, welches sich unauffällig an so manchen Tagen wieder in mein Bewusstsein schlich.
Zum anderen die Wortkreation meines Freundes „Umbo Schmumbo“, die, völlig sinnfrei, durch neue Arten der Benutzung neue Bedeutungen zugesprochen bekam, z.B. als Verabschiedung oder als liebevolles Kosewort.
Oder die ersten gesprochenen Worte des Kindes meines Chefs auf Arbeit, welche es im laufenden Betrieb wohl irgendwo aufgeschnappt hatte. AU WEIA rief es ständig und zwar so oft, dass irgendwann die gesamte Arbeiterschaft den „kindlichen Slang“ übernahm.

Mitsamt all den neuen Gestaltungsmöglichkeiten, die sich durch diese Wörter generierten und den klassischen Wortfetzen DA DA, welche so typisch für den, Überraschung, Dadaismus sind, fing ich an zu produzieren und entwickelte eine Liebe für die Art der Plakatgestaltung, die ich vorher nicht für möglich gehalten hatte. Und auch hier, ähnlich wie bei dem Corita-Projekt und doch viel intensiver, fing ich an zu werkeln und arbeitete , fließend wie am Laufband. Ein Bild nach dem anderen und danach noch viele mehr.
Ich überlegte vorher nicht großartig, sondern legte die Wörter und Buchstaben frei nach Bauchgefühl aneinander. Probierte aus und erstellte mehrere Reihen. Der Zufall bestimmte mein Handeln. Dies ist meine liebste Arbeitsreihe des gesamten Semesters geworden.

Siebdruck und Malerkrepp - ein Geständnis an die Liebe

2 Dinge, die ziemlich viele an der Fachhochschule bereits für sich genutzt haben: Ein Siebdrucksieb und Malerkrepp. Kombiniert man diese beiden Utensilien, kreiert man eine ganz eigene Welt im großen See der vielen Möglichkeiten.
Natürlich durfte dies in unserem Kurs auch nicht fehlen. Wie sonst sollte man in der kürze der Zeit einem ganzen Kurs das drucken ermöglichen und dann auch noch so stressfrei alles managen, dass die dabei enstehende Kunst nicht darunter leiden muss. Durch das herunterbrechen auf das Wesentliche, nämlich auf die Technik, all die nicht zu druckenden Stellen (in unserem Falle ja vorrangig Buchstaben) mit KLebeband zu bekleben. Nun konnten wir rasch ein paar Vorlagen generieren und diese dann ohne langes anstehen und warten drucken lassen. Es schwebte eine inspirierende Atmosphäre zwischen all den tüftelnden und werkelnden Mitstudierenden. Jeder half jedem, denn alleine drucken war schwierig und machte zudem noch nicht so viel Spaß.
2 mal hatten wir die Gelegenheit in der Werkstatt arbeiten zu dürfen und dadurch die Möglichkeit bereits gedrucktes erneut zu überdrucken. Uns wurde hier nicht nur der schnelle Druck für den Kurs ermöglicht, sondern auch eine gute Alternative, um zuhause mit wenig Geld und Kraftaufwand gute Plakate drucken zu können.
Und auch hier wurde der Zufall zur rechten Hand des Künstlers.

Alles in allem bot der Kurs die Möglichkeit, selbstsicher auf seinem eigenen Weg zu gehen. Sven Völker zeigte uns nicht nur die Schnittstelle zwischen analog und digital oder die experimentellsten und verrücktesten Ausschweifungen, die Typografen eingegangen sind. Er gab uns Zeit, hörte zu und lehrte uns verschiedene Herangehensweisen um Kunst und speziell Typografie nutzbarer zu gestalten. Denn nicht alles muss strikt und stur abgehandelt werden. Manchmal muss man sich ein bisschen dreckig machen und sich selbst in den Schmutz reinknien, um am Ende erfolgreich in die Zielgerade zu stürmen.
Manchmal sollte man das machen, was sich gut anfühlt und sich die Zeit nehmen, verschiedene Wege auszuprobieren. Denn wie soll man sonst wissen, was nicht alles möglich und machbar wäre, wenn man den ganzen Weg aus dem Auge lässt und auf die erstbeste Straße gen Ziel einschlägt.

Ein Projekt von

Fachgruppe

Kommunikationsdesign

Art des Projekts

Studienarbeit im Grundstudium

Betreuung

Prof. Sven Völker

Zugehöriger Workspace

Grundlagen Experimentelle Typografie

Entstehungszeitraum

Sommersemester 2018

Keywords

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